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    Imam Mussā Kāzim (a.s.) (Teil 4)

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    Safwan Gammal und Hārun

     

    Und nun zu Safwān Ğammāl. Er besaß – wie man heute so sagt – ein Transport-Unternehmen. Zumeist waren es Kamele, die damals, in jenen Tagen, als Transport- und Reisemittel dienten. Er war so bekannt und sein Unternehmen so groß, daß sich sogar das Kalifat ab und an seiner Firma bediente.

     

    Eines Tages, als Harun wieder einmal nach Mekka reisen wollte, beschloß er, sich an Safwāns Unternehmen zu wenden. Ein entsprechender Vertrag mit ihm wurde getroffen. Nun war aber Safwān Schi’it und ein Freund Imam Kāzims.

     

    Er ging zu dem Imam und erzählte ihm von dem Abkommen mit Hārun. Der Imam fragte ihn:

     

    – Warum vermietest du denn bloß diesem Tyrannen deine Kamele?

    – Ich hab sie ihm nicht zu schlechten Zwecken vermietet. Er will mit ihnen nach Mekka – zum Hag, zur Erfüllung seiner religiösenPflicht. Wenn nicht, hätte ichsie ihm nicht zur Verfügung gestellt.

     

    Der Imam daraufhin:

     

    – Hast du dein Geld dafür schon bekommen oder noch nicht? Das heißt, hat er dir den Mietpreis schon bezahlt oder hast du noch etwas von ihm zu bekommen?

    – Ich hab ihn noch zu bekommen.

     

    – Nun, dann befrag dich selbst mal ganz aufrichtig: Möchtest du, daß er wenigstenssolange lebt, damit er heimkehren und dir dein Geld geben kann?

    – Ja, natürlich.

     

    – Nun, sofern du wünschst, daß er – dieser Tyrann – länger lebt, ist nicht recht.

     

    Safwān kehrte nachdenklich heim.

     

    Nach einiger Zeit erfuhren sie, daß er sein ganzes Unternehmen, sämtliche Kamele, auf einen Schlag verkauft hatte. Daß er sich von dieser Beschäftigung ganz zurückgezogen hatte.

     

    Dann, nachdem er alles verkauft hatte, ging er zu dem, mit dem er den Vertrag – im Zusammenhang mit Haruns Mekkareise – geschlossen hatte. Sagte:

     

    –     Ich habe mein Unternehmen verkauft. Damit ist unser Vertrag aufgelöst, denn ich habe mich voll und ganz von dieser Ast Unternehmungen gelöst.

     

    Hārun erfuhr davon. Er befahl:

     

    –     Bringt ihn her zu mir.

     

    Sie brachten ihn zu ihm. Hārun fragte:

     

    –     Was ist los?

     

    –     Ich bin alt geworden, ich kann mein Unternehmen nicht weiterführen. Es ist zuviel für mich, darum muß ich mich nach einer Arbeit umsehen, die leichter ist und meinem Alterentspricht…

     

    Inzwischen hatte aber Hārun von dem wahren Sachverhalt erfahren. Und so bohrte er weiter:

     

    – Sag die Wahrheit, warum hast du dein Unternehmen verkauft?

    – Ich hab’s dir doch gesagt.

     

    – Nein, das ist nicht der wahre Grund. Ich weiß, was geschehen ist. Mussa bne Ğa’far hat vernommen, daß du mir deine Kamele vermietethast. Und daraufhinhat er dir gesagt, daß das religionsgesetzlich nicht richtig ist. Leugnedarum nicht, das wird dir nichts nützen. Bei Gott – wenn nicht die lange Beziehung zwischen uns und dir und deiner Familie wäre, glaube mir, auf der Stelle würde ich dich hinrichten lassen!

     

    Das also sind die Hintergründe, die zum Schahādat Imam Mussa bne Ğa’fars (a.s.) führten. Persönlichkeit und Verhalten der Imame (a.s.) waren so hervorragend, daß die Kalifen um ihre Stellung besorgt waren.

     

    Zudem, sie – die Imame – klärten zwar auf, publizierten und sagten, was zu sagen war, jedoch in einer Weise, daß man – soweit dies möglich war -keine Handhabe gegen sie in die Hand bekam.

     

    Einige meinen, verschwiegen vorzugehen bedeute, daß man nur still und stumm dasitzt und die Hände in den Schoß legt. Doch dem ist und war nicht so. Die Imame (a.s.) mußten ihre Aufgabe erfüllen. Das erforderten Zeit und Bedingungen. Sie mußten sich bemühen und ihrer Verpflichtung und Verantwortung nachkommen. Doch so, daß man möglichst keinen Beweis und Vorwand gegen sie finden konnte.

     

    Drittens: Sie besaßen einen erstaunlich hohen Widerstandsgeist. Ich sagte ja schon – als man dem Imam sagte, er brauche nur eine mündliche Entschuldigung und auch nur Yahyā gegenüber vorzubringen, antwortete er:

     

    ‚Mein Leben ist nun sowieso zuende…‘

     

    Auch ein anderes Mal schickte Harun jemanden ins Gefängnis, um den Imam vielleicht doch zu einem „Geständnis“ zu bringen. Wieder die gleichen Worte, die ihm von Hārun ausgerichtet wurden: ‚Ich mag dich, ich bin dir zugetan. Auch mir gefällt es nicht, dich hier festzuhalten. Aber die Situation erfordert es, du kannst jetzt nicht nach Medina zurück. Ich habe veranlaßt, dich an einen sicheren Ort, gleich in meiner Nähe, zu bringen. Auch einen Extra-Koch habe ich für dich schicken lassen, da es sein kann, daß du unser Essen nicht gewohnt bist. Was immer du zu essen wünschst, sag es, es wird dir zubereitet und gebracht.‘

     

    Und wer ist es, der den Auftrag hatte, dem Imam dies alles zu sagen? Jener gleiche Fadl Ibn Rabi‘, in dessen Gefängnis der Imam bereits schon einmal war. Er – einer der hochrangigen Offiziere Hāruns. In seiner Uniform, bewaffnet und gegürtet mit seinem Schwert, ging er Imam Mussā Kāzim (a.s.). Der Imam betete gerade. Merkte, daß Fadl Ibn Rabi1 gekommen war. Und Fadl wartete, bis der Imam das Gebet beendet hatte, um ihm dann Hāruns Botschaft auszurichten…

     

    Als das Gebet dann beendet war und der Imam gerade eben die abschließenden Worte ‚As salāmu alaykum wa rahmatullāhi wa barakatuh‘ gesprochen hatte, sagte er unverzüglich: ‚Allāhu Akbar‘ und erhob sich erneut zum Gebet.

     

    Wiederum stand Fadl da und wartete. Auch dieses Gebet war beendet, und wiederum sprach der Imam, sofort nach den Worten ‚As salāmu alaykum wa rahmatullāhi wa baraktuh‘, erneut „Allāhu Akbar“ und stellte sich aufrecht hin zum Gebet.

     

    Einige Male noch wiederholte er dies. Fadl begriff, daß der Imam dies absichtlich tat. Zunächst hatte er angenommen, daß er vielleicht soviel beten müsse – vier Rak’at, möglicherweise sechs oder auch acht Rak’at, hintereinander. Dann aber merkte er, daß dies nicht der Fall war. Daß der Imam nicht so viele Gebete hintereinander verrichten mußte, sondern: Er wollte nicht mit ihm sprechen, wollte ihn nicht empfangen. Das war es. Auf diese Weise wollte er der Botschaft aus dem Wege gehen.

     

    Fadl aber hatte seinen Auftrag zu erfüllen. Auch durfte er sich nicht zu lange bei Mussa bne Ğa’far aufhalten, denn Hārun könnte mißtrauisch werden und annehmen, Fadl hecke mit dem Imam etwas aus.

     

    Darum – dieses Mal, noch hatte der Imam die letzten Worte des Gebetes nicht gesprochen, begann er sogleich, die Botschaft Hāruns mitzuteilen. Mussa bne Ğa’far wollte noch „As salāmu alaykum wa …“ sagen, doch Fadl war mit seiner Rede bereits angefangen. Alles, was Hārun ihm aufgetragen hatte, sagte er. Allerdings, Harun hatte ihn gewarnt und ihm gesagt: Wenn du hingehst zu Mussa bne Ğa’far, so sage auf keinen Fall, daß „Amir al Mu’minin“ dir dies sagen läßt. Sage ihm, dein Vetter Hārun bestellt dir das.‘

     

    Ja, und so richtete Fadl nun in aller Höflichkeit aus, was Hārun ihm aufgetragen hatte. Sagte: ‚Hārun, dein Vetter, entbietet dir sein „Salām“ und läßt dir ausrichten, daß ihm völlig klar ist, daß du schuldlos bist und nicht gefrevelt hast. Jedoch die Situation erfordert, daß du hier festgehalten wirst und vorläufig nicht nach Medina zurückkannst. Bis sich die Lage geändert hat. Hārun richtet dir ferner aus: Ich habe dir einen Extra-Koch geschickt. Jede Speise, die du wünschst, wird er dir zubereiten.‘

     

    Es wird berichtet, daß der Imam daraufhin antwortete:

     

    ‚Ich habe hier kein Geld und wenn ich etwas Besonderes möchte, so will ich das von meinem eigenen und mir erlaubtem Geld ausgeben. Ich kann also nicht einfach den Koch rufen lassen und ihn beauftragen, mir dieses und jenes zuzubereiten. Auch bin ich nicht jemand, der hingeht und sagt: Was steht mir zu? Bringt mir das, was mir in diesem Monat zugeteilt ist. Zudem – ich bitte niemanden um etwas…‘ 96

     

    Jedenfalls – an all dem erkannten die Kalifen, daß sie den Imamen (a.s.) nicht beikommen konnten. In keinster Weise. Sie konnten sie nicht dazu bringen, sich ihnen zu unterwerfen. Andererseits – auch sie, die Kalifen,

    wußten, daß sie das Schahādat der Imame (a.s.) teuer zu stehen kommen würde. Jedoch ihrer Ansicht und Gewaltpolitik – die sie nach wie vor beibehielten- gemäß, war dies (Schahādat) dennoch die einfachere Lösung.

     

    Schahādat Imam Mussa Kazims (a.s.)

     

    Ich sagte es bereits – das letzte Gefängnis, in dem der Imam festgehalten wurde, war das des Sandi Ibn Schāhik. Wie ich las, war er ein Nicht-Muslim. Er war jemand, der jeglichen Auftrag, den man ihm erteilte, peinlich genau und mit aller Härte durchführte. Man hatte den Imam in ein finsteres Verließ geworfen. Und späterhin verbreitete man sogar, der Imam sei eines natürlichen Todes gestorben.

     

    Wie berichtet wird, hatte Yahyā Barmaki Hārun versprochen – um dessen Gnade für seinen Sohn zu erreichen (die Geschichte erzählte ich bereits) -das, was die anderen nicht getan hatten, zu tun. Und so ging er zu Sandi und sagte ihm: Bring du den Imam um.

     

    Sandi war einvestanden. Yahyā beschaffte ein schweres Gift und händigte es Sandi aus. Das Gift wurde in eine Dattel injiziert, die man dem Imam gab, damit er sie äße.

     

    Parallel dazu waren angesehene Persönlichkeiten der Stadt – große geistliche Gelehrte und Richter, die das Vertrauen der Bevölkerung besaßen -eingeladen worden. Auch der Imam wurde hinzugeholt, und dann sprach Hārun: ‚Leute, seht nur, welche Gerüchte die Schi’iten verbreiten. Sie behaupten, Mussa bne Ğa“far erginge es in der Haft sehr schlecht. Doch, wie ihr euch selbst überzeugen könnt, ist er bei voller Gesundheit und Kraft.‘

     

    Noch hatte Hārun seine Rede nicht beendet, als der Imam sprach: ‚Er lügt. Gerade eben wurde mir Gift eingegeben. Länger als zwei, drei Tage werde ich nicht mehr leben.‘

     

    Hāruns Ziel war verfehlt. Was er mit dieser Einladung bezweckt hatte, war nicht erreicht worden. Als der Imam das Schahādat gefunden hatte, brachte man daher seinen Leichnam zunächst zur Brücke von Bagdad, und forderten die Bevölkerung auf, hinzugehen und den Leichnam zu betrachten. ‚Seht, ihm fehlt nichts. Nicht ein1 Arm ist ihm gebrochen worden, sein Kopf ist noch dran, am Hals sind keine Würgemale, sein Körper ist heil und unversehrt. Ihr seht also, wir haben ihn nicht getötet. Er ist eines natürlichen Todes gestorben.‘

     

    Drei Tage lang lag der Leichnam des Imam dort, um den Leuten einzureden, daß der Imam nicht gewaltsam ums Leben gebracht worden war.

     

    Allerdings, der Imam hatte viele Freunde. Doch sie – die bereit waren, ihr Leben für einzusetzen und hinzugeben – wie ein Schwamm über dem Feuer -waren die Schiiten.

     

    Eine bewegende Begebenheit wird berichtet. Einige der Anhänger des Imam – Schi’iten aus Iran – waren nach Bagdad gekommen. Zu reisen war damals sehr beschwerlich und anstrengend. Und sie sagten sich: ‚Da wir es nun geschafft haben, die strapaziöse Reise hinter uns zu bringen und hier angelangt sind, wollen wir auf jeden Fall jenen geliebten Gefangenen besuchen. Einen Gefangenen zu besuchen, ist ja wohl kein Vergehen.‘

     

    Doch der Besuch wurde ihnen verwehrt. Sie sagten sich: ‚Wir werden darum bitten, vielleicht erlaubt man es uns dann.‘ Sie gingen wieder hin zum Gefänngis. Baten um einen Besuch bei Mussa bne Ğa’far (a.s.). Und diesmal hieß es tatsächlich: ‚Na gut, es sei euch erlaubt. Wartet hier, wir werden dafür sorgen, daß ihr ihn sehen könnt.‘

     

    Und sie glaubten dem Versprechen. Warteten und meinten, nach dem Besuch bei dem Imam heimkehren und in ihrer Heimat sagen zu können: ‚Ja, wir waren in Bagdad, haben den Imam aufgesucht und ihn dies und jenes gefragt, worauf er uns das und jenes antwortete…

     

    So warteten und warteten sie. Bis daß sich endlich das Tor auftat und vier Träger heraustraten, die einen Leichnam auf ihren Schultern trugen. Der Gefängnisbeamte sagte zu ihnen: ‚Seht her, dies ist euer Imam…‘

     

    …………….

    96 „Muntahiyul Āmāl“, B. 2, S. 216

     

    Quelle: Die Imame (a.s.) und ihr Weg