islamic-sources

    1. Startseite

    2. article

    3. Bankett des Lichtes (Teil 6)

    Bankett des Lichtes (Teil 6)

    • http://german.irib.ir
    Rate this post

     

    Eines der Gebete zum Monat Ramadan lautet: „O Herr, lass uns an diesem Tag wegen unseres Ungehorsams und unserer Sünden nicht gemein und niedrig werden und uns die Peitschen deiner Strafen spüren.

     

    Halte uns von allem fern, was deinen Zorn zur Folge hat und sei so gnädig und großzügig, mir heute das zu schenken, um das ich dich bitte.O du höchstes Ziel für die Sehnsüchtigen.“ Mit diesem Gebet bitten wir Gott als erstes, dass er uns nicht wegen unserer Sünde gemein und niedrig werden lässt. Der Ungehorsam gegenüber Gott bereitet dem Menschen Erniedrigung, während ihm Gottgehorsam Größe und Ehre beschert.

     

    Die Sünde schmälert die Persönlichkeit des Menschen und verschmutzt seine strahlende Gott gegebene Natur. Der Koran führt für die Sünde je nach ihrer Beschaffentheit verschiedene Ausdrücke an wie: Saiyah, Scharr, Masiat, Fisq, Chatiy`ih, Fudschur, Wizr (schwere Last) und Fisad (Unheil, Verdorbenheit) . Insgesamt stellt die Sünde immer Ungehorsam und Abwendung von den göttlichen Geboten dar. Diese Flucht vor dem Gebot Gottes hat Folgen für das diesseitige und kommende Leben.

     

    Folgen der Sünde sind Beschämtheit und Gewissensbisse, die Verhärtung des Herzens und die Entfernung von der göttlichen Barmherzigkeit. Imam Sadiq a.s. sagt darüber: „Wenn jemand eine der göttlichen Pflichten weglässt oder eine der großen Sünden begeht, blickt Gott nicht erbarmungsvoll auf ihn.“

     

    Lesen Sie nun folgende Geschichte aus dem Leben von Bahlul. Bahlul lebte zur Zeit des Abbasidenkalifen Harun.

     

    In Bagdad hatte ein angesehener Mann namens Fasl Ibn Rabii eine Moschee bauen lassen. An dem Tag, als am Toreingang zur Moschee eine Inschrift angebracht werden sollte, fragten sie Fazl, was darin stehen soll. Fazl wollte, dass man seinen Namen als Erbauer der Moschee vermerkt.

     

    Da fragte Bahlul ihn: „Für wen hast du die Moschee gebaut?“ Fazl: „Für Gott!“

     

    Bahlul: „Wenn du sie für Gott gebaut hast, dann erwähne deinen Namen nicht in der Inschrift!“

     

    Fals fragte verärgert: „Warum denn nicht?! Das Volk soll wissen, wer diese Moschee gebaut hat!“

     

    Bahlul: „Gut dann schreib doch in der Inschrift, dass diese Moschee Bahlul gebaut hat.“

     

    Fazl: „Das werde ich nie tun.“

     

    Bahlul wieder: „Wenn du diese Moschee gebaut hast, um anzugeben und bekannt zu werden, hast du dir den Lohn Gottes dafür verscherzt.“

     

    Fazl wusste keine Antwort mehr und schwieg. Dann ordnete er schließlich an:

     

    „Schreibt was Bahlul vorschlägt!“ Auf Vorschlag des Bahlul hin, wurde ein Vers aus dem Koran in der Inschrift angeführt.

     

    Selbstgefällgkeit und Eigendünkel gehören zu den gefährlichen moralischen Verdorbenheiten, die das Gott-Dienen des Menschen zu nichte machen. Es handelt sich um eine Eigenschaft, die oft unbemerkt bleibt. Nach vielen Jahren kann diese Eigenschaft feste Wurzeln im Herzen des Menschen geschlagen haben, ohne dass sich der Mensch darüber bewusst wird.

     

    Selbstgefälligkeit äußert sich zum Beispiel darin, dass der Mensch seine guten Taten und sein Gott-Dienen mit dem der anderen vergleicht und glaubt, besser als sie zu sein. Dieser Eigendünkel ist also die falsche Meinung des Menschen von sich selber, d.h. er glaubt sich auf einer Stufe, auf der er gar nicht steht. Auf der anderen Seite übersieht er die eigenen Fehler.

     

    Als der dunkelhäutige ehemalige Sklave Bilal Habaschi am Tag, an dem Mekka zurückerobert wurde, vom Dach des Kaaba aus, den Gebetsaufruf erschallen ließ, bemängelten einige, dass ausgerechnet er den Azzan ausruft. Da wurde dem Propheten ein Vers aus dem Koran geoffenbart der besagt: Als der Vornehmste gilt bei Gott derjenige von euch, der am gottesfürchtigsten ist.

     

    Der Prophet des Islams hat gesagt: „Wenn ihr keine Sünde begeht, fürchte ich wegen etwas noch Schlimmeren um euch nämlich wegen der Selbstgefälligkeit.“

     

    Diess Udschb – wie es auf Arabisch heißt – besteht darin, dass jemand sein Handeln im schönsten Licht sieht und sich darauf etwas einbildet.

     

    Imam Sadiq a.s. führt ein Beispiel an:

     

    „Einmal betraten zwei Leute die Moschee. Der eine war ein sündiger Mensch und der andere ein frommer Gläubiger. Als sie die Moschee verließen, war der Sünder zu einem Rechtschaffenen und der Gläubige zu einem Sünder geworden.

     

    ِDenn der Sünder hatte wegen seiner Sünden geweint und seine Vergangenheit bereut, aber der Rechtschaffene bildete sich auf sein Tun etwas ein und war stolz. Sein Tun erschien ihm großartig und deshalb stürzte er von jener Stufe (dem Glauben) herab und wurde ein Fasiq (jemand der mit den Geboten Gottes bricht).

    (Bihar Al Anwar, Bd. 72, S. 311)

     

    Wenn jemand meint, er ist kein Sünder und sich etwas auf seine guten Taten einbildet und selbstzufrieden wird , hat er also die hohe Stufe des Glaubens und der Gottesehrfurcht verlassen und ist zur Sünde und dem Gottungehorsam herabgesunken. Es wird so sein, als ob er nie ein gutes Werk getan hätte.

     

    In den Überlieferungen steht, dass Satan einmal zu seinen Horden sagte: „Wenn ihr einen Nachkommen des Adam zu folgenden drei Dingen verleitet, habe ich keine Angst mehr davor, wenn er etwas Frommes tut. Sein frommes Tun wird nämlich gar nicht von Gott angenommen werden, und zwar sind es die folgenden drei Dinge:

     

    -Er tut etwas Gutes und hält es für viel

    – Er vergisst seine Sünden

    – Er wird von der Selbstgefälligkeit erfüllt

     

    Selbstgefälligkeit ist heilbar. Die Weisen empfehlen, dass der Mensch seinen Schöpfer erkennt und ihm bewusst wird, dass nur Er Größe und Herrlichkeit besitzt. Wenn jemand also auf etwas stolz sein möchte, sollte er auf seinen Schöpfer stolz sein.

     

    Um sich aus der Selbstgefälligkeit zu befreien, sollte der Mensch sich ständig bewusstmachen, dass alle Stärke und Eignung des Menschen von Gott herrührt und der Mensch selber nichts besitzt . Alle Kräfte verdankt er Gott dem Höchsterhabenen.

     

    Wenn sich der Mensch dies bewusst macht , dass keine Macht und Kraft im Universum existiert außer dass sie von der göttlichen Macht ausgeht und er einsieht, dass er ohne Gottes Huld keine einzige gute Tat vollbringen kann, dann wird er wegen keiner frommen Tat stolz sein. Vielmehr wird er sich für jedes gute Werk Gott zu Dank verpflichtet fühlen, weil Er ihm geholfen hat, ein gutes Werk zu tun.

     

    Niemand kann außerdem ganz sicher sein, dass seine Werke und sein Gott-Dienen von Gott angenommen wurden und sich deshalb für besser als die anderen halten. Gegen die Selbstgefälligkeit hilft auch, wenn man die Menschen betrachtet, die besser sind als man selbst. Solange der Mensch auf andere blickt, die weniger als er gute Taten vollbracht haben, kann es sein, dass er der Selbtgefälligkeit anheimfällt.

     

    Schaut er jedoch auf Menschen, die besser sind, verspürt er seine eigenen Mängel und merkt, dass er noch weit von dem Ideal des vollkommenen Menschen entfernt ist. ِDeshalb wird dem Menschen hinsichtlich immaterieller Dinge in den Überlieferungen empfohlen sich an denen zu messen, die in dieser Beziehung weiter sind.

     

    Abschließend noch eine Empfehlung von Imam Sadiq a.s. aus Misbah al Scharia (Das Weglicht):

     

    „Suche stets nach der Freundschaft mit den Gottesfürchtigen und Gottesanbetern. Selbst wenn sie im Finstern der Erde verborgen sind und du gezwungen bist, dein Leben dafür einzusetzen.

     

    Denn Gott der Erhabene hat nach den Propheten keine wertvolleren und besseren Geschöpfe auf der Erde erschaffen, als die Gottesfürchtigen und die Gottesanbeter.“