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    111.Predigt – Missbilligung des Diesseits

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    (Diese Predigt wurde gehalten) über die Missbilligung des Diesseits.

     

    „Was Folgendes (betrifft)[1]: Ich warne euch vor dem Diesseits, denn es ist süß und grün, umgeben von Begierden, es wird für das Eilige (der Wunschbefriedigung) geliebt. Es erregt Gefallen mit Wenigem, es stattet sich mit (trügerischen) Hoffnungen aus und schmückt sich mit Täuschungen. Seine Freuden dauern nicht an, und vor seinen Katastrophen ist man nicht sicher. Es ist betrügerisch und schädlich, wechselhaft, dem Untergang geweiht, vergänglich, zur Vernichtung verurteilt, verzehrend und zerstörerisch.

     

    Wenn es den höchsten Punkt der Wünsche derer erreicht, die es begehren, dann ist es so, wie Allah, Der Erhabene und Hohe, gesagt hat: „Gib ihnen das Gleichnis vom irdischen Leben: Es ist wie das Wasser, das Wir vom Himmel niedersenden, mit dem die Pflanzen der Erde sich vermengen, und dann werden sie zu dürrer Spreu, die der Wind verweht.Allah hat Macht über alle Dinge.“[2]

     

    Niemand erfreut sich daran, ohne dass ihm danach Tränen folgen, und niemand erhält von dem (Diesseits) Glück von vorn, ohne dass ihn von hinten dessen Unglück trifft. Niemand empfängt den leichten Regen des Wohlstands, ohne dass die schwere Regenwolke der Heimsuchung auf ihn niederprasselt! Es passt (zum Diesseits), dass es diesem (Menschen) am Morgen hilft und ihn am Abend nicht mehr kennt. Wenn eine Seite davon höchst wohlschmeckend und süß ist, so ist die andere äußerst bitter und verpestet. Nie erlangt ein Mensch Wohlstand und Fülle in seinen Wünschen, ohne dass ihn in der Folge dessen[3] Unglücke ereilen.

     

    Niemand verbringt davon den Abend unter dem Flügel der Sicherheit, ohne dass er morgens unter der Schwinge der Furcht erwacht. Was sich darin befindet, ist Täuschung, Trug und vergänglich. Vergehen wird, wer darin ist, es liegt nichts Gutes an Wegzehrung darin außer der Gottesehrfurcht. Wer wenig von diesem (Diesseits) nimmt, wird viel von dem bekommen, was ihm Sicherheit gibt! Und wer viel von diesem (Diesseits) nimmt, nimmt viel von dem, was ihm Untergang bringt, und schon bald wird er sich davon entfernen. Wie viele von denen, die sich darauf verlassen haben, hat es in die Katastrophe gestürzt, und wie viele von denen, die sich darin beruhigt fühlten, hat es zu Boden geworfen, (wie viele) die großes (Ansehen) hatten, hat es zu Verächtlichen gemacht, und (wie viele) Stolze hat es gedemütigt!

     

    Die Macht (im Diesseits) ist veränderlich, das Leben darin trübe, sein Wohlgeschmack wie Bittersalz, seine Süße wie der Saft von Aloe[4], seine Ernährung Gift und die Mittel darin sind morsch[5]. Das Lebendige darin ist dem Tode ausgesetzt, und das Gesunde darin der Krankheit. Sein Reich ist dazu bestimmt, entrissen zu werden, der Starke darin wird besiegt, wer reichlich vom Diesseits besitzt wird vom Schicksal geschlagen und wer ihm nahe steht wird geplündert.

     

    Wohnt ihr denn nicht in den Wohnungen derer, die vor euch waren, und die länger als ihr gelebt und bleibendere Spuren hinterlassen haben sowie weitreichendere Hoffnungen hatten und zahlreicher waren und größere Heere besaßen (als ihr)! Wie waren sie doch dem Diesseits untertan, und wie sehr gaben sie ihm den Vorzug! Dann zogen sie von ihm fort ohne Wegzehrung, die sie weiterbrachte, und ohne den Rücken (eines Reittieres), mit dem sie den Weg hätten zurücklegen können. Habt ihr (jemals) die Nachricht erhalten, dass das Diesseits so großzügig zu ihnen war, (um auch nur) eine Seele auszulösen, ihnen eine Hilfe oder ein guter Begleiter für sie zu sein?

     

    Dieses (Diesseits) ereilte diese (Menschen) mit Unannehmlichkeiten, fing sie mit dem Lasso der Widerwärtigkeiten, demütigte sie mit Schicksalsschlägen, warf sie zu Boden, trat auf sie mit den Hufen und half dem unberechenbaren Wechsel des Schicksals gegen sie. Ihr habt dessen Verkleidung jenen gegenüber beobachtet, die dem (Diesseits) nahe kamen, es bevorzugten und darin verweilen wollten, bis dass sie davon fortzogen für die ewige Trennung.

     

    Gab es ihnen denn irgendeine Wegzehrung mit als den Hunger, oder gab es ihnen einen anderen Platz als die Enge? Gab es ihnen (jemals) ein anderes Licht als die Finsternis, oder gab es ihnen letztendlich irgend etwas anderes als Reue?! Ist es all das, was ihr vorzieht, oder damit zufrieden seid, oder das, wonach ihr giert? Wie schlimm ist doch die Heimstätte für jemanden, der sie nicht skeptisch betrachtet und der nicht vor ihr auf der Hut ist? So wisset – und ihr wisst es – dass ihr dieses (Diesseits) verlassen und davon fortziehen werdet. So lasst euch mahnen von denen „die sprachen: ´Wer ist stärker als wir an Macht?´“[6], und sie wurden zu ihren Gräbern getragen, doch nicht als Reiter, und sie wurden in die Gräber hinab gelassen, doch nicht als Gäste. Für sie wurden Gräber aus der (Erd-)Oberfläche bereitet, die Leichentücher aus Erde und alte Knochen als Nachbarn. Das sind Nachbarn, die keinem Rufer antworten, noch Unrecht abwehren, noch einer Totenklage Aufmerksamkeit schenken.

     

    Wenn sie Regen bekommen, empfinden sie keine Erleichterung, und wenn sie Hungersnot ausgesetzt sind, verzweifeln sie nicht. Sie sind zusammen, aber dennoch jeder für sich allein, und sie sind in Nachbarschaft zueinander, aber weit (voneinander) entfernt. Sie sind nahe zueinander, aber besuchen sich nicht. Sie sind sich nahe, aber kommen einander nicht nahe. Sie sind geduldig, ihr Groll ist vergangen, sie sind unwissend und ihr Hass ist gestorben. Unheil wird von ihnen nicht befürchtet, noch wird von ihnen erhofft, dass sie (selbiges) abwehren.

     

    Sie haben den Rücken der Erde[7] mit ihrem Inneren eingetauscht, Enge für Weite, Familie mit Fremde und Dunkelheit mit Licht. Sie kamen zu dieser (Welt), so wie sie diese (Welt) verlassen haben, barfuß und nackt. Sie sind von ihr mit ihren Taten auf das ewige Leben hin fortgegangen zur bleibenden Heimstätte, wie Er, Der Erhabene und Hohe sagte: „Wie Wir die erste Schöpfung begannen, (so) werden Wir sie erneuern – bindend für uns ist die Verheißung, und wahrlich, Wir werden sie erfüllen“[8]“

     

     

    Erläuterung

     

    Diese Predigt gilt als eine der umfassendsten Beschreibungen des Diesseits und dessen Vergänglichkeit und verdeutlich eindringlich, dass Diesseitiges nicht mitgenommen werden kann in das Jenseits, außer die in Gottesehrfurcht begangenen guten Taten. Die nächste Predigt schließt inhaltlich fast nahtlos an.

     

     

    [1] Die Redeformel „was Folgendes (betrifft)“ [amma bad] ist eine typische arabisch-islamische Redewendung um nach einer Lobpreisung Allahs zum eigentlichen Thema einer Predigt zu wechseln.

    [2] Heiliger Qur´an 18:45

    [3] Gemeint: des Diesseits

    [4] D.h. sehr bitter; Aloe ist eine Pflanzengattung und hat teilweise im Inneren ihrer Blätter einen gallertartigen Saft, dem heilende Effekte nachgesagt werden, der aber sehr bitter ist.

    [5] D.h. schwach und leicht vergänglich

    [6] Heiliger Qur´an 41:15

    [7] Gemeint ist die Erdoberfläche.

    [8] Heiliger Qur´an 21:104

     

     

    Quelle: http://www.balaghah.net