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    113.Predigt – Warnung vor dem Diesseits

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    (Diese Predigt wurde gehalten als) Warnung vor dem Diesseits.

     

    „Ich warne euch vor dieser Welt, denn sie ist kein beständiger Ort der Niederlassung und keine Heimstätte, in der man die Erfüllung seiner Hoffnungen erlangt. Sie hat sich mit ihrem Trug geschmückt und (andere) mit ihrem Schmuck betrogen. Ihre Heimstätte ist niedrig vor ihrem Herrn. Ihr Erlaubtes ist mit Verbotenem vermischt, ihr Gutes mit Schlechtem, ihr Leben mit ihrem Tod, ihr Süßes mit ihrem Bitteren.

     

    Allah, Der Erhabene, hat sie nicht geklärt für Seine Freunde, und Er hat damit nicht gegeizt für Seine Feinde. Ihr Gutes ist unbedeutend, und ihr Schlechtes gegenwärtig. Ihre Ansammlung wird erschöpft, und ihr Reich wird weggenommen werden. Was sie bevölkert, wird zerstört werden.Worin liegt denn das Gute eines Hauses, das (ohnehin) ruiniert wird, wie die Zerstörung eines Gebäudes, und in einer Lebenszeit, die aufgezehrt wird, wie der Proviant aufgezehrt wird, oder (das Gute) einer Zeitspanne, die vorbeigeht wie eine Reise? Schließt in euer Begehren das ein, was euch Allah als Pflicht auferlegt hat. Bittet Ihn um die (Unterstützung bei der) Erfüllung Seiner Rechte, um die Er euch gebeten hat.

     

    Lasst eure Ohren den Ruf des Todes hören, bevor (durch den Tod) nach euch gerufen wird. Wahrlich, die Herzen der dieser Welt Entsagenden weinen, auch wenn sie lachen, und ihre Traurigkeit verstärkt sich, auch wenn sie sich (scheinbar) freuen. Ihre Abneigung gegen sich Selbst vermehrt sich, wenn sie (offenkundig) um das beneidet werden, womit sie versorgt wurden (denn sie wollen nicht um Irdisches beneidet werden).

     

    Die Erinnerung an den Zeitpunkt des Todes ist aus euren Herzen gewichen, während die Lügen der (falschen) Hoffnungen in euch gegenwärtig sind. So hat euch das Diesseits mehr als das Jenseits beherrscht, und das schnelle Ende (dieser Welt) hat euch von dem (des Jenseits) entfernt. Ihr seid (doch) nur Brüder in der Religion Allahs, und nur schlechte Geheimnisse und übles Gewissen trennen euch. Weder trägt einer die Last des anderen, noch gebt ihr einander Ratschläge, noch spendet ihr einander, noch empfindet ihr Liebe für einander.

     

    Was ist euch, dass ihr euch wohl fühlt mit dem Wenigen dieser Welt, das ihr erlangt habt, gleichzeitig aber nicht traurig seid um das viele des Jenseits, dessen ihr verlustig geht! Das Geringe des Diesseits, das ihr verfehlt habt, beunruhigt euch so sehr, so dass eure Gesichter davon zeugen, sowie (auch) eure geringe Geduld (euch beunruhigt) wegen dem, was euch weggenommen wurde, als ob diese (Welt) der Ort eures (andauernden) Aufenthalts wäre, und als ob ihr Nießbrauch für euch fortdauern würde!

     

    Und nur die Furcht davor, dass er dasselbe mit euch tun könnte, hindert euch daran, sich dem zuzuwenden, was man von seinem Bruder an dessen Fehlern fürchtet (um ihm Gutes zu gebieten)[1]. Ihr habt euch auf Ablehnung des Jenseits und auf Liebe zu dieser Welt verständigt, und die Religion eines jeden von euch ist zu einem (bloßen) Lecken mit der Zunge geworden[2], wie die Arbeit von jemandem, der (angeblich) damit fertig ist und die Zufriedenheit seines Herren erlangt hätte (obwohl das gar nicht der Fall ist).“

     

     

    Erläuterung

     

    Die Aussage „Allah hat sie nicht geklärt für Seine Freunde, und Er hat damit nicht gegeizt für Seine Feinde“ wird u.a. so erläutert, dass Allah seinen gläubigen Diener derart lenkt, dass er kein Gefallen am Diesseits entwickelt und das ewige Leben anstrebt, da das Diesseits nicht als „geklärter“ Ort von all den Dingen erscheint, die er verabscheut. So freut er sich auf ein ewiges Leben, in dem es die aufgelisteten Gegensätzlichkeiten nicht gibt. Die Widersacher Allahs hingegen gewinnen zunehmend an Liebe für das Diesseits und werden darin derart gefangen, dass die zwangsläufige Loslösung davon für sie eine Katastrophe bedeutet.

     

     

    [1] Sinngemäß: Man gebietet nicht das Gute bei seinem Bruder, um seinen Fehler zu korrigieren, weil man befürchtet, dass auch er das gleiche bei einem selbst tun könnte.

    [2] Sinngemäß: Wenn die Zunge sagt, was nicht im Herzen ist.

     

     

    Quelle: http://www.balaghah.net