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    13.Predigt – An die Leute von Basra nach der Kamelschlacht

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    Darin tadelt er die Leute von Basra nach der Kamelschlacht streng.

     

    Ihr wart Soldaten einer Frau, und ihr folgtet einem Tier. Wenn es brummte, habt ihr dem stattgegeben, und als es verwundet wurde, seid ihr geflohen. Eure Moral ist gering, euer Schwur ist gebrochen, und eure Religion ist Heuchelei. Euer Wasser ist brackig, wer unter euch verbleibt, ist mit seinen Sünden beladen, und wer sich von euch abwendet, erlangt die Barmherzigkeit von seinem Herrn. (Es ist) als ob eure Moschee wie der Rumpf eines Schiffes ist, auf das Allah die Strafe von oben und unten gesandt hat, und jeder darauf ertrunken ist.

     

    In einer (anderen) Überlieferung darüber:

    Bei Allah, euer Land wird sicherlich ertrinken, so dass (es mir vorkommen wird) als sehe ich dessen Moscheen wie den Rumpf eines Schiffes oder wie einen dicken Vogelstrauß.“

     

    In einer anderen Version:

    …wie den Rumpf eines Vogels auf hoher See.

     

    In einer (noch) anderen Version:

    Euer Land ist das Verkommenste[1] unter der den Ländern Allahs in Bezug auf Seine Erde: Sie ist am nächsten zum Wasser und am weitesten vom Himmel entfernt, und durch sie (entstehen) neun Zehntel des Übels. (Wer sich darin befindet) ist darin gefangen wegen seiner Sünden, und wer (sie) verlässt, (tut es) durch die Vergebung Allahs. (Es ist) also ob ich auf diese eure Stadt blicke, die das Wasser so bedeckt hat, so dass nichts mehr davon sichtbar ist bis auf die Emporen der Moschee, als ob sie der Rumpf eines Vogels auf hoher See sei!

     

     

    Erläuterung

     

    Ibn Maitham schreibt, dass der Befehlshaber der Gläubigen (a.) am dritten Tag nach dem Ende der Kamelschlacht das Morgengebet in der zentralen Moschee von Basra leitete. Nachdem er es beendet hatte, stellte er sich auf die rechte Seite des Gebetsplatzes, lehnte sich gegen die Mauer und hielt diese Predigt, in der er den niederen Charakter der Leute von Basra beschrieb und ihre Hinterhältigkeit, nämlich dass sie durch die Aufhetzung anderer angeheizt wurden und einer Frau das Kommando gegeben hatten, die an ein Kamel geklammert war. Sie brachen weg, nachdem sie den Treueid geleistet hatten, und enthüllten ihren niederen Charakter und ihr bösartiges Wesen, indem sie Doppelgesichtigkeit praktizierten. In dieser Predigt bezeichnet das Wort „Frau“ Aischa und „Tier“ das Kamel, auf dem sie saß, nach dem diese Schlacht als „Kamelschlacht“ benannt wurde.

     

    Die Schlacht nahm ihren Ausgangspunkt folgendermaßen: Obwohl Aischa gegen Uthman, solange er am Leben war, immer zu opponieren pflegte, und sie nach Mekka verreist war, wobei sie ihn unter Belagerung zurückließ und somit eine gewisse Mitschuld an seiner Ermordung hatte, rief sie plötzlich aus, als sie während ihrer Rückkehr von Mekka nach Medina von Abdullah ibn Salama hörte, dass Ali nach Uthman der Treueid geleistet worden war: „Wenn Ali der Treueid geleistet wurde, dann wünschte ich, dass der Himmel auf die Erde gestürzt wäre! Lasst mich nach Mekka zurückkehren.“

     

    Infolgedessen entschloss sie sich, nach Mekka zurückzukehren und sagte: „Bei Allah, Uthman wurde in hilflosem Zustand getötet. Ich werde sein Blut sicherlich rächen.“ Angesichts dieses Sinneswandels sagte Abu Salama: „Was sagst du, da du doch immer gesagt hast, ´Tötet diesen Na´thal[2] („alter Dummkopf“), er ist zum Ungläubigen geworden!´“ Daraufhin erwiderte sie: „Nicht nur ich, sondern jeder sagte das, aber lass diese Sachen beiseite und höre, was ich jetzt sage. Das ist besser und verdient mehr Aufmerksamkeit. Es ist so seltsam, dass er erst zur Reue aufgerufen wurde, aber getötet wurde, bevor man ihm eine Gelegenheit dazu gegeben hatte.“ Daraufhin rezitierte Abu Salama folgende wahrscheinlich selbst gedichtete Verse[3], die er an sie richtete:

     

    „Du hast es begonnen, und nun wechselst du und erhebst Stürme von Wind und Regen.

    Du befahlst diesen Mord und sagtest zu uns, er sei ein Ungläubiger geworden.

    Wir geben zu, dass er getötet wurde, jedoch auf deine Befehle hin und der wirkliche Mörder ist derjenige, der ihn (den Mord) befohlen hat.

    Dennoch, weder stürzte der Himmel auf uns noch verfinsterten sich Mond und Sonne.

     

    Sicherlich haben die Leute demjenigen den Treueid geleistet, der den Gegner mit Macht und Würde abwehren kann, der den Schwertern nicht erlaubt, sich ihm zu nähern und die Verdrehung des Seils lösen kann (d.h. der den Gegner besiegt).

    Er ist immer voll bewaffnet für den Kampf, und der Gläubige ist niemals der Verräter.“

     

    Aber als sie Mekka mit Rachedurst erreichte, begann sie die Menschen dazu aufzuhetzen, Uthmans Blut zu rächen, indem sie Geschichten in Umlauf brachte, wie er Opfer geworden wäre. Abdullah ibn Amir al-Hadhrami war er Erste, der darauf einging, der unter Uthmans Regiment Gouverneur von Mekka gewesen war. Und mit ihm erhoben sich Marwan ibn al-Hakam, Sa´id ibn Aas und andere Umayyaden, um sie zu unterstützten. Auf der anderen Seite traten Talha ibn Ubaidullah und Zubair ibn Awwam ebenfalls von Medina aus in Mekka ein. Von Jemen aus kamen Ya´la ibn Munabbih, der dort während Uthmans Kalifat Gouverneur gewesen war, und der frühere Gouverneur von Basra, Abdullah ibn Amir ibn Kuraiz ebenfalls dort an. Sie trafen zusammen und begannen ihre Pläne zu schmieden.

     

    Die Schlacht war beschlossen worden, aber es wurde noch über den Schauplatz der Konfrontation diskutiert. Aischa war der Meinung, dass Medina der Schauplatz der Schlacht werden sollte, aber einige Leute waren dagegen und hielten es für schwierig, mit den Medinensern umzugehen und meinten, dass irgendein anderer Ort als Schauplatz gewählt werden sollte. Zuletzt nach vielem Diskutieren wurde beschlossen, gegen Basra zu marschieren, da es dort keinen Mangel an Männern gab, um die Sache zu unterstützen. Also stellten sie mit dem Reichtum von Abdullah ibn Amir und Ya´la ibn Munabbih und ihrer Bereitstellung von sechshunderttausend Dirham und sechshundert Kamelen eine Armee von dreitausend Mann auf und brachen Richtung Basra auf.

     

    Es gab unterwegs einen kleinen Zwischenfall, aufgrunddessen Aischa sich weigerte, den Weg fortzusetzen. Sie hörte an einem Ort lautes Hundegebell und fragte den Kameltreiber nach dem Namen des Ortes. Er sagte, es sei Haw´ab. Als sie das hörte, erinnerte sie sich an die Ermahnung des Propheten, als er zu seinen Frauen sagte: „Ich wünschte, ich wüsste, welche von euch die Hunde von Haw´ab anbellen werden.“

     

    Als sie merkte, dass sie selbst diejenige war, ließ sie das Kamel sich niedersetzen, indem sie ihm einen leichten Schlag versetzte und erklärte ihre Absicht, den Feldzug abzubrechen. Doch ein Einfall ihrer Gefährten rettete die sich (aus ihrer Sicht) zu verschlechtern drohende Situation. Abdullah ibn Zubair schwor und versicherte ihr, dass es nicht Haw´ab sei, Talha pflichtete ihm bei und schickte nach fünfzig Leuten, um das zu bezeugen und sie noch sicherer zu machen. Als all diese Leute das beschworen, konnte eine einzelne Person dagegen kaum widersprechen. Schließlich hatten sie Erfolg bei ihr, und Aischa nahm ihren Marsch wieder auf.

     

    Als diese Armee Basra erreichte, waren die Leute erst verwundert, Aischas Reittier zu sehen. Dschariya ibn Qudama trat vor und sagte: „Oh Mutter der Gläubigen, Uthmans Ermordung war eine Tragödie, aber die größere Tragödie besteht darin, dass du auf diesem verfluchten Kamel (aus deinem Haus) herausgekommen bist und deine Ehre und dein Ansehen ruiniert hast. Es ist besser, wenn du zurückkehrst.“ Doch da weder der Vorfall von Haw´ab noch die Ermahnung im Qur´an „Und bleibt in euren Häusern“[4] sie abschrecken und aufhalten konnten, welche Wirkung konnten dann diese Worte haben? Daher schenkte sie all dem keine Beachtung.

     

    Als diese Armee versuchte, in die Stadt einzudringen, trat der Gouverneur von Basra, Uthman ibn Hunaif vor, um sie aufzuhalten, und als beide Parteien sich gegenüberstanden, zogen sie ihre Schwerter und stürzten sich aufeinander. Als eine stattliche Anzahl auf jeder Seite getötet worden war, intervenierte Aischa aufgrund ihres Einflusses, und die beiden Gruppen kamen darüber überein, dass bis zum Eintreffen des Befehlshabers der Gläubigen (a.) die derzeitige Verwaltung von Basra bestehen bleiben und Uthman ibn Hunaif auf seinem Posten verbleiben sollte.

     

    Aber nur zwei Tage waren vergangen, als sie einen nächtlichen Angriff auf Uthman ibn Hunaif ausführten, vierzig unschuldige Menschen töteten, Uthman ibn Hunaif zusammenschlugen, ihm jedes Haar aus seinem Bart rissen, ihn in ihre Gewalt brachten und einsperrten. Dann überfielen sie die öffentliche Staatskasse und während sie diese ausraubten, töteten sie zwanzig Leute an Ort und Stelle und köpften fünfzig weitere, nachdem sie diese gefangen genommen hatten. Dann griffen sie das Getreidelager an, worauf ein älterer Angesehener von Basra, Hukaim ibn Dschabala, sich nicht beherrschen konnte und zu Abdullah ibn Zubair sagte, als er dort mit seinen Männern ankam:

     

    „Lasse einiges von dem Getreide für die Bevölkerung der Stadt übrig, und nach all dem sollte es (selbst) bei der Unterdrückung eine Grenze geben. Ihr habt überall Tod und Zerstörung verbreitet und Uthman ibn Hunaif gefangen genommen. Um Allahs Willen hört auf mit der Zerstörung und lasst Uthman ibn Hunaif frei. Ist keine Gottesehrfurcht in euren Herzen?“ – „Das ist Vergeltung für Uthmans Blut“, sagte Ibn Zubair. „Waren denn diese, die getötet wurden, Uthmans Mörder?“ erwiderte Hukaim ibn Dschabala „Bei Allah, wenn ich Unterstützer und Gefährten hätte, würde ich sicherlich das Blut dieser Muslime vergelten, die ihr ohne Grund getötet habt!“ – „Wir werden nichts von diesem Getreide herausgeben“, antwortete Ibn Zubair, „noch wird Uthman ibn Hunaif freigelassen.“

     

    Schließlich wütete die Schlacht zwischen diesen beiden Parteien, doch wie können ein paar Einzelne mit so einer Übermacht fertig werden? Das Ergebnis war, dass Hukaim ibn Dschabala, sein Sohn al-Aschraf ibn Hukaim ibn Dschabala, sein Bruder al-Ril ibn Dschabala und siebzig Männer seines Stammes getötet wurden. Kurzum, Mord und Verwüstung herrschten überall. Weder war man sich seines Lebens sicher noch gab es irgendeinen Weg, um seine Ehre oder Eigentum zu schützen.

     

    Als der Befehlshaber der Gläubigen (a.) über den Marsch auf Basra in Kenntnis gesetzt wurde, brach er mit einer Armee aus siebzigtausend auf, darunter Leute, die an der Schlacht von Badr teilgenommen hatten, und vierhundert Gefährten des Propheten, die beim Treueid von Ridhwan[5] anwesend gewesen waren. Als er auf der Hochebene von Dhiqar anhielt, entsandte er seinen Sohn Hassan (a.) und Ammar ibn Yasir nach Kufa, um deren Bewohner zum Kampf aufzurufen. Infolgedessen schlossen sich siebentausend Kämpfer trotz der negativen Einmischung von Abu Musa Al-Asch´ari der Armee des Befehlshabers der Gläubigen (a.) an. Er verließ jenen Ort, nachdem er der Armee verschiedene Kommandeure zugeteilt hatte.

     

    Augenzeugen berichteten, dass als diese Streitmacht sich Basra näherte, zu allererst das Kontingent der Ansar[6] ganz vorn erschien. Ihr Banner wurde von Abu Ayyub al-Ansari gehalten. Danach trat ein anderes Kontingent von tausend Mann in Erscheinung, dessen Kommandeur Chuzaima ibn Thabit al-Ansari war. Dann wurde ein weiteres Kontingent gesichtet, und dessen Banner wurde von Abu Qatada ibn Rabi getragen.

     

    Danach war eine Menge von alten und jungen Leuten zu sehen. Sie hatten die Zeichen der Niederwerfung auf ihren Stirnen und Ausstrahlung der Gottesehrfurcht auf ihren Gesichtern. Es sah aus, als ob sie vor der göttlichen Herrlichkeit am Tage des Gerichts stünden. Ihr Kommandeur ritt ein dunkles Pferd, er war weiß gekleidet, auf seinem Haupt hatte er einen schwarzen Turban, und er rezitierte laut den Heiligen Qur´an. Das war Ammar ibn Yasir. Dann erschien ein anderes Kontingent, und sein Banner war in der Hand von Qais ibn Sa´d ibn Ubada.Anschließend wurde eine Armee gesichtet.

     

    Ihr Anführer war weiß gekleidet und trug einen schwarzen Turban auf seinem Haupt. Er sah so gut aus, dass alle Augen auf ihn gerichtet waren. Das war Abdullah ibn Abbas. Dann folgte ein Kontingent von Prophetengefährten. Ihr Bannerträger war Qutham ibn al-Abbas. Nachdem ein paar Kontingente vorbeimarschiert waren, zeigte sich eine große Menge, in der sich so viele Speere befanden, dass sie zusammenstießen und Flaggen von mannigfachen Farben wehten.

     

    Unter ihnen sah man ein großes und erhabenes Banner mit einer bestimmten Position. Hinter ihm sah man einen Reiter, der von Hocherhabenheit und Größe behütet wurde. Er war von sehniger Gestalt und hielt seine Augen niedergeschlagen. Er wirkte so Ehrfurcht gebietend und würdig, dass ihn niemand direkt ansehen konnte.

     

    Dies war der immer siegreiche Löwe Allahs, nämlich Ali ibn Abi Talib (a.). Zu seiner Rechten und Linken waren Hassan (a.) und Hussain (a.), vor ihm schritt Muhammad ibn al-Hanafiyya langsamen Schrittes einher und trug das Banner von Sieg und Ruhm, dahinter waren die jungen Männer der Banu Haschim, die Leute von Badr und Abdullah ibn Dscha´far ibn Abi Talib.

     

    Als diese Armee den Ort „al-Zawiyah“ erreichte, stieg der Befehlshaber der Gläubigen (a.) vom Pferd ab. Und nachdem er vier Gebetsabschnitte [rak´a] gebetet hatte, legte er seine Wangen auf die Erde. Als er sein Haupt erhob, war die Erde getränkt mit Tränen, und er sagte folgende Worte: „Oh Erhalter von Erde, Himmel und Universum, dies ist Basra. Fülle unseren Schoß mit seinem Guten und beschütze uns vor seinem Bösen.“

     

    Dann ging er voran auf das Feld der Kamelschlacht, wo der Gegner bereits lagerte. Zuerst verkündete der Befehlshaber der Gläubigen (a.) in seiner Armee, dass niemand irgendjemanden angreifen noch die Initiative zum Kampf ergreifen sollte. Als er das sagte, kam er zur gegnerischen Armee und sagte zu Talha und Zubair: „Ihr fragt Aischa – indem ihr beim Namen Allahs und Seines Propheten schwört – ob ich ihm die gleichen Worte gesagt habe, die ihr zu sagen pflegtet, und ob ich euch unter Druck gesetzt habe, dass ihr den Treueid schwört, oder schwort ihr ihn aus freiem Willen?“ Talha geriet aufgrund dieser Worte in Zorn, doch Zubair ließ sich erweichen.

     

    Der Befehlshaber der Gläubigen (a.) wandte sich danach ab, er gab den Qur´an Muslim[7] und schickte ihn zu ihnen, um ihnen das Urteil des Qur´an zu verkünden. Doch die Gegner nahmen die beiden als Zielscheibe und bedeckten diesen Mann mit ihren Pfeilen. Dann ging Ammar hin, um mit ihnen zu verhandeln, sie vor den Konsequenzen des Krieges zu warnen und von der Warnung zu überzeugen, doch auch seine Worte wurden mit Pfeilen beantwortet.

     

    Bis dahin hatte der Befehlshaber der Gläubigen (a.) keinen Angriff gestattet, und deswegen fühlte sich der Gegner ermutigt und ließ unablässig Pfeile regnen. Zuletzt wurde durch das Sterben einiger heldenhaften Kämpfer unter den Reihen des Befehlshabers der Gläubigen (a.) Verwirrung gestiftet, und einige Männer kamen mit ein paar Leichen zu ihm und sagten: „Oh Befehlshaber der Gläubigen, du erlaubst uns nicht zu kämpfen, während sie uns mit Pfeilen beschießen. Wie lange können wir unsere Brüste ihren Pfeilen zum Opfer werden lassen, und angesichts ihrer Exzesse untätig bleiben?“

     

    Daraufhin zeigt der Befehlshaber der Gläubigen (a.), dass er ärgerlich war, aber er wahrte Beherrschung und Standhaftigkeit, kam zum Gegner, wie er war, ohne Waffen und Brustpanzer und rief: „Wo ist Zubair?“ Zuerst zögerte Zubair vorzutreten, aber als er sah, dass der Befehlshaber der Gläubigen (a.) unbewaffnet war, kam er heraus. Der Befehlshaber der Gläubigen (a.) sagte zu ihm: „Oh Zubair, du musst daran denken, dass der Prophet (s.) eines Tages zu dir gesagt hat, dass du mich bekämpfen würdest und Falsches und Übertretung auf deiner Seite sein würde.“ Zubair bestätigte, dass der Prophet (s.) das gesagt hatte.

     

    Dann fragte der Befehlshaber der Gläubigen: „Und warum bist du dann gekommen?“ Er erwiderte, dass sein Gedächtnis es vergessen habe, und wenn es ihm eher eingefallen wäre, er nicht gekommen wäre. „Nun, jetzt weißt du es wieder“, sagte der Befehlshaber der Gläubigen (a.).„Ja“, erwiderte er, und während er das sagte, ging er geradewegs zu Aischa und sagte ihr, dass er zurückkehren wollte. Sie fragte ihn nach dem Grund, und er erwiderte. „Ali hat mich an etwas erinnert, was ich vergessen hatte. Ich bin fehlgegangen, aber jetzt bin ich wieder auf dem richtigen Weg und werde auf keinen Fall Ali ibn Abi Talib bekämpfen.“ – „Du hast vor den Schwertern der Söhne von Abd al-Muttalib Angst bekommen“, sagte Aischa. „Nein“, antwortete er, und dabei wendete er die Zügel seines Pferdes zum Umkehren.

     

    Doch ist es erfreulich, dass er über die Aussage des Propheten (s.) wenigstens etwas nachdachte. Als er nach diesem Gespräch zurückkehrte, bemerkte der Befehlshaber der Gläubigen (a.), dass sie die rechten und die linken Flanken seiner Armee angegriffen hatten. Als er das sah, sagte er: „Nun ist die Schonfrist ausgeschöpft. Ruft meinen Sohn Muhammad.“ Als er kam, sagte der Befehlshaber der Gläubigen: „Mein Sohn, greife sie jetzt an.“ Muhammad beugte seinen Kopf nahm das Banner und schritt zum Schlachtfeld. Aber die Pfeile fielen in solche Fülle, dass er anhalten musste.

     

    Als der Befehlshaber der Gläubigen (a.) das sah, fragte er: „Muhammad, warum schreitest du nicht voran?“ – „Vater“, erwiderte er, „in diesem Pfeilregen ist es unmöglich, voranzuschreiten. Warte, bis sich die Gewalt der Pfeile legt.“ – „Nein“, sagte er, „vertraue den Pfeilen und Speeren und greife an.“ Muhammad ibn al-Hanafiyya ging ein wenig voran, aber die Bogenschützen umzingelten ihn, dass er in seinen Schritten verhalten musste. Als er das sah, erschien ein Stirnrunzeln auf dem Gesicht des Befehlshabers der Gläubigen (a.) der ihn erneut anfeuerte.

     

    Dann nahm Imam Ali (a.) selbst das Banner und tätigte so einen Angriff, dass in den Reihen der Gegner von einem Ende bis zum anderen ein Tumult entstand. Welcher Reihe er sich auch zuwandte, sie leerte sich, und zu welcher Seite er sich auch drehte, sah man fliehende Soldaten. Nachdem er die Reihen in Aufruhr versetzt hatte, kehrte er an seine Stellung zurück und sagte zu Muhammad ibn al-Hanafiyya: „Schau, mein Sohn, so werden Schlachten geschlagen.“ Dann gab er ihm das Banner und befahl ihm vorzumarschieren. Muhammad trat vor und auf den Gegner zu mit einem Kontingent der Helfer [ansar]. Der Gegner kam ebenfalls und rasselte mit seinen Speeren. Aber der tapfere Sohn des heldenhaften Vaters versetzte Reihe über Reihe in Aufregung, während andere Kämpfer ihn unterstützen.

     

    Auf der anderen Seite verteidigten Aischas Anhänger deren Leben durch hingebungsvollen Einsatz rund um das Kamel.Besonders bemerkenswert war der Zustand einiger der Banu Dabbah, denn obwohl ihre Hände vom Ellenbogen an abgeschlagen worden waren, als sie die Zügel des Kamels von Aischa hielten und ihre Brüste durchbohrt wurden, hatten sie folgende Schlachtrufe auf der Zunge: „Für uns ist der Tod süßer als Honig, Wir sind die Banu Dabbah, Kamelzüchter. Wir sind die Söhne des Todes, wenn der Tod kommt. Wir verkünden den Tod Uthmans mit Speerspitzen. Gebt uns unseren Anführer wieder, und dann hat das hier ein Ende.“

     

    Die Unwissenheit über den Glauben dieser Banu Dabbah kann man an einem Ereignis gut erkennen, das al-Mada´ini berichtet hat.Er schreibt, dass es in Basra einen Mann mit einem verstümmelten Ohr gab. Er fragte ihn nach dem Grund, und er erwiderte: „Ich schaute auf die Toten auf dem Felde der Kamelschlacht, als ich einen verwundeten Mann sah, der manchmal seinen Kopf hob, und ihn dann wieder heftig auf den Boden schlug.

     

    Ich ging näher, und dann waren die folgenden beiden Verse auf seinen Lippen: „Unsere Mutter warf uns in die tiefen Wasser des Todes und holte uns nicht zurück, bis wir vollkommen ertrunken waren. Unglücklicherweise gehorchten wir den Banu Taim[8] die nur Sklaven und Sklavinnen sind.“ Ich sagte ihm, dass es nicht die Zeit war, Verse zu rezitieren, er sollte lieber Allahs gedenken und das Glaubensbekenntnis rezitieren. Nach diesen meinen Worten sah er mich böse an, gab Beschimpfungen von sich und sagte: „Du sagst, ich soll das Glaubensbekenntnis rezitieren, damit ich im letzten Moment Angst bekomme und ungeduldig werde.“ Ich war verwundert, das zu hören, und entschloss mich wegzugehen, ohne noch etwas zu sagen. Als er sah, dass ich zurückging, sagte er: „Warte; weil du es bist, bin ich bereit, es zu rezitieren, aber lehre es mich.“

     

    Ich ging zu ihm hin, um ihn das Glaubensbekenntnis zu lehren, als er mich bat, näher zu kommen. Als ich mich ihm näherte, packte er mein Ohr mit seinen Zähnen und ließ es nicht los, bis er es vom Kopf getrennt hatte. Ich hielt es nicht für angemessen, einem Sterbenden noch etwas zu tun und machte mich auf den Rückweg, wobei ich ihn beschimpfte und verfluchte, als er mich bat, noch einer Sache mehr zuzuhören. Ich war also bereit zuzuhören, da er ja einen unerfüllten Wunsch haben könnte. Er sagte, dass, wenn ich zu meiner Mutter kommen und sie mich fragen würde, wer ihm sein Ohr abgebissen habe, ich sagen sollte, dass es Umair ibn al-Ahlab al-Dabbi gewesen sei, der von einer Frau getäuscht worden sei, weil er gehofft habe, der Befehlshaber der Gläubigen zu werden.“

     

    Doch, als das Leben von Tausenden von Männern beendet und Hunderte der Banu Azd und der Bani Dabbah getötet wurden, weil sie die Zügel des Kamels gehalten hatten, befahl der Befehlshaber der Gläubigen (a.): „Tötet das Kamel (auf dem Aischa sitzt)“. Nachdem er das gesagt hatte, machte er so eine harte Attacke, dass sich von überall Schreie erhoben: „Frieden“, „Schutz“. Als er zum Kamel kam, befahl er Budschair ibn Dulschah, das Kamel sofort zu töten.

     

    Also schlug Budschair es mit solcher Gewalt mit dem Schwert, dass es auf seine Brust fiel. Erst als das Kamel fiel, floh die gegnerische Armee und die Sänfte, in der Aischa saß, wurde unbewacht und allein zurückgelassen. Die Gefährten des Befehlshabers der Gläubigen (a.) nahmen die Sänfte und Muhammad ibn Abu Bakr[9] eskortierte Aischa auf Befehl des Befehlshabers der Gläubigen (a.) zum Hause von Safiyya bint al-Harith.

     

    Dieses Gefecht begann nachmittags am 10.Dschumada al-Thani im Jahre 36. n.d.H. und endete am selben Abend. Darin wurden tausendundsiebzig von der zwanzigtausend Mann starken Armee des Befehlshabers der Gläubigen bzw. nach einer anderen Version fünfhundert Märtyrer, während von Aischas dreißigtausend Mann zählenden Armee siebzehntausend Mann getötet wurden.

     

     

    [1] Wörtlich: Stinkigste bzw. am meisten Stinkende

    [2] So bezeichnete Aischa den dritten Kalifen Uthman

    [3] Im Arabischen mit Gedichts-Charakter

    [4] Heiliger Qur´an 33:33

    [5] Bezeichnung der Erneuerung des Treueids zum Propheten (s.), um die göttliche Zufriedenheit zu erlangen.

    [6] Helfer des Propheten (s.) in Medina, die ihn eingeladen und nach der Auswanderung aufgenommen hatten.

    [7] Ein junger Mann vom Stamm von Abd Qais

    [8] Clan des Stammes der Quraisch, von dem Aischa abstammt.

    [9] Ein Halbruder Aischas, der auf der Seite Imam Alis (a.) kämpfte.

     

    Quelle: http://www.balaghah.net