islamic-sources

    1. Startseite

    2. article

    3. 17.Brief – Antwort an Muawiya

    17.Brief – Antwort an Muawiya

    17.Brief – Antwort an Muawiya
    2 (40%) 1 vote

     

    Antwort auf einen Brief, den Muawiya ihm geschrieben hatte

     

    Was deine Forderung nach Syrien an mich betrifft, so steht es mir nicht an, dass ich dir heute etwas gebe, was ich dir gestern verweigert habe, und was deine Aussage angeht: „Der Krieg hat die Araber aufgefressen bis auf den letzten Atemzug“, so höre, dass der, den die Wahrheit verzehrt hat, ins Paradies, und wen die Falschheit verzehrt hat, ins Feuer geht. Was nun unsere Gleichheit im Krieg angeht und (die Zahl) von Männern, so kannst du nicht energischer im Zweifel sein, als ich es in der festen Gewissheit bin, und die Syrer (auf deiner Seite) sind nicht gieriger nach dem Diesseits, als es die Iraker (auf meiner Seite) nach dem Jenseits sind.

     

    Zu deiner Aussage, dass ihr die Söhne von Abd Manaf seid, so sind wir es ebenfalls, aber Umayya ist nicht wie Haschim, Harb nicht wie Abdulmuttalib, Abu Sufyan ist nicht wie Abu Talib, noch ist der Auswanderer [muhadschir] wie ein Amnestie-Freigelassener [taliq], noch kann jemand, der von wahrer Abkunft ist (d.h. zur Familie gehört) wie ein Adoptierter sein. Wer die Wahrheit sagt, ist nicht wie jemand, der der Falschheit anhängt und ein Gläubiger ist nicht wie ein Verderbter. Was für schlimme Nachfolger sind die, die Vorgängern folgen, die ins Höllenfeuer gestürzt sind!

     

    Und hernach befindet sich der Vorzug des Prophetentums unter uns, mit dem wir den Mächtigen demütigten und den Gedemütigten erhoben. Als Allah die Araber in Scharen in Seine Religion eintreten ließ und diese Gemeinschaft willig und unwillig den Islam annahm, wart ihr unter denen, die entweder aus Gier oder aus Furcht in die Religion eintraten, zu einer Zeit, in der die Vorangegangenen mit ihrem Vorausgehen die Glückseligkeit erlangten, sowie die ersten Auswanderer mit ihrem (besonderen) Vorzug. So gib dem Satan keinen Anteil an dir, noch eröffne ihm einen Weg zu deiner Seele,

    und Frieden (sei mit Dir) [wa-salam].

     

     

    Erläuterung

     

    Während der Schlacht von Siffin dachte Muawiya erneut daran, vom Befehlshaber der Gläubigen (a.) die Provinz Syrien zu verlangen und solch einen Trick anzuwenden, um sein Vorhaben durchsetzen zu können. In diesem Zusammenhang konsultierte er Amr ibn al-Aas. Doch Letzterer stimmte der Sache nicht zu und sagte: „Muawiya, denk ein bisschen nach, was für eine Wirkung wird dieses Schreiben von dir auf Ali haben? Wie kann er in diese Falle tappen durch deine Überredung?“ Daraufhin sagte Muawiya: „Wir sind alle Nachkommen von Abd Manaf. Was ist da der Unterschied zwischen Ali und mir, dass er mir überlegen ist und ich es nicht schaffen werde, ihn zu täuschen?“ Amr ibn al-Aas sagte: „Wenn du so denkst, dann schreibe ihm und sieh (das Ergebnis).“ Daraufhin schrieb Muawiya einen Brief an den Befehlshaber der Gläubigen (a.), in dem er die Forderung nach Syrien erhob, und er schrieb außerdem: „Wir sind alle Nachkommen von Abd Manaf, und zwischen uns ist keiner dem anderen überlegen.“

     

    Als Antwort schrieb der Befehlshaber der Gläubigen (a.) diesen Brief und erwähnte darin seine Vorfahren mit denen von Muawiya, was dessen Behauptung von Gleichheit widerlegte. Obwohl sie denselben Ursprung hatten und die väterliche Linie beider bei Abd Manaf endete, so war die Nachkommenschaft von Abd Schams die Quelle allen Übels in moralischer und charakterlicher Hinsicht und war in Ketzerei und Laster verwickelt, während das Haus von Haschim den Einen Gott anbetete und sich von Götzendienerei fernhielt. Wenn die Zweige derselben Wurzel sowohl Blumen als auch Dornen wachsen lassen, dann können nicht beide als gleichwertig betrachtet werden. Daher braucht man keine detaillierte Erklärung, um zu zeigen, dass Umayya und Haschim, Harb und Abdulmuttalib wie auch Abu Sufyan und Abu Talib sich in keiner Hinsicht gleichen konnten. Die einen sind Vorfahren Muawiyas und die anderen Imam Alis (a.).

     

    Tatsächlich wagte selbst Muawiya es nicht mehr, dies zu widerlegen, weil die Tatsache nicht zu verbergen war, dass es nach Abd Manaf allein Haschim war, der herausragendes Prestige besaß unter den Quraisch, etwa die wichtigen Funktionen hinsichtlich der Kaaba, nämlich Siqaya, das Privileg, die Wasserversorgung sicherzustellen, insbesondere hinsichtlich der Bedürfnisse der Pilger wie auch Rifadah, die Bevorratung der Pilger, standen unter seiner Regie. Wie zum Beispiel zur Zeit der Pilgerfahrt [hadsch], als dann eine Karawane nach der anderen zu ihm kam als Gast, und er war so ein großzügiger Gastgeber für sie, dass die, die an seiner Großzügigkeit und Güte teilhatten, ihn noch lange danach lobten.

     

    Der würdige Sohn dieses großherzigen und mutigen Vaters war Abdulmuttalib, dessen Name Schaiba war, und sein Beiname war Sayyid-ul-Batha (Herr des Tales von Mekka). Er war der Nachkomme Abrahams (a.) Linie und besaß Größe und Stammesfürstentum der Quraisch. Abd Manaf war eine Perle, und Abdulmuttalib war der Glanz dieser Perle.

     

    Abdulmuttalibs Sohn war Abu Talib, dessen Schoß als Wiege für Abdullahs Waisenkind diente und als Erziehungsort für den Propheten (s.). Er zog den Propheten in seiner Obhut auf und beschirmte ihn gegen seine Feinde. Abu Sufyan, Harb und Umayya mit ihnen zu vergleichen oder sie als gleichwertig mit ihnen anzusehen, hieße die Augen vor dem Licht zu verschließen und es dann als Dunkelheit zu betrachten.

     

    Nachdem Imam Ali (a.) den verwandtschaftlichen Unterschied dargelegt hatte, bestand die nächste Auszeichnung, die der Befehlshaber der Gläubigen (a.) beschrieb, dass er ein Auswanderer war, während Muawiya ein “Taliq“ war, d.h. einer von denen, die der Prophet am Tag der Befreiung von Mekka im Rahmen einer Amnestie straffrei ausgehen ließ, obwohl sie sich haben viel zuschulden kommen lassen. Daher, als der Prophet siegreich in Mekka einzog, fragte er die Quraisch, was sie glaubten, wie er mit ihnen handeln würde, und alle sagten, dass sie nur Gutes von ihm erwarteten, da er der großmütige Sohn eines großmütigen Vaters war, woraufhin der Prophet sagte:

     

    „Geht, ihr seid alle begnadigt.“ Das bedeutet „Ihr verdient, gefangen genommen zu werden, doch als Zeichen des Großmuts wurdet ihr freigelassen.“ Unter diesen Begnadigten befanden sich auch Muawiya und sein Vater Abu Sufyan. Deshalb hatten Ibn Abu al-Hadid und Scheich Muhammad Abdu folgende Notiz unter ihre Anmerkungen zu diesem Brief niedergeschrieben: „Abu Sufyan und Muawiya waren beide unter den Begnadigten.“[1]

     

    Der dritte Punkt der Auszeichnung besteht darin, dass die Abstammung des Befehlshabers der Gläubigen (a.) rein und klar ist, ohne dass es irgendwo einen zweifelhaften Aspekt gibt. Für Muawiya dagegen wurde das Wort “lasiq“ benutzt. Viele Literaten geben “lasiq“ die Bedeutung: „Jemand, der von einem anderen als seinem Vater abstammt“. In diesem Zusammenhang taucht der erste Zweifel über Umayya auf, ob er der Sohn von Abd Schams war oder nur sein Sklave, der als sein Sohn bekannt wurde, weil er von ihm aufgezogen wurde.

     

    Deswegen überlieferte Allama Madschlisi von Kamil al-Baha´i folgendes: „Umayya war ein byzantinischer Sklave von Abd Schams. Als dieser sah, dass er intelligent und weise war, befreite er ihn und adoptierte ihn als seinen Sohn, und deswegen wurde er Umayya ibn Abd Schams genannt, wie Zaid ibn Harithi Zaid ibn Muhammad genannt wurde, bevor der Vers offenbart wurde, der solches verbot.“[2]

     

    Der zweite Zweifel in der umayyadischen Linie ist dergestalt, ob Harb, der als Sohn Umayyas bekannt ist, wirklich sein Sohn war oder ein Sklave, der von ihm aufgezogen wurde. In dieser Hinsicht hat Ibn Abu al-Hadid aus Abul Faradsch Isfahanis Buch zitiert: „Muawiya fragte den Abstammungsexperten Daghfal (Ibn Hanzala), ob er Abdulmuttalib gesehen hätte, und er bejahte es. Er fragte ihn weiterhin, wie er ihn fand und Daghfal erwiderte: „Er war angesehen, gutaussehend und ein Mann mit hoher Stirn, während sein Gesicht das Licht des Prophetentums trug.“ Dann fragte Muawiya, ob er Umayya ibn Abd Schams ebenfalls gesehen hätte, und er antwortete, dass er ihn auch gesehen hätte. Auf die Frage, wie er ihn fand, antwortete er: „Mit schwachem Körper, gebeugter Statur und blinden Augen. Vor ihm war sein Sklave Dhachwan, der ihn hierhin und dorthin führte.“ Muawiya sagte, dass das sein Sohn Abu Amr (Harb) gewesen sei, worauf er erwiderte. „Das sagst du, doch die Quraisch wissen nur, dass er sein Sklave ist.“[3]

     

    In diesem Zusammenhang ist der dritte Zweifel über Muawiya selbst. Deswegen schrieb Ibn Abu al-Hadid: „Muawiyas Mutter Hind führte ein schändliches und unmoralisches Leben. Zamachschari (Abul Qasim Mahmud ibn Umar)[4] schrieb in seinem Buch “Rabi´ul Abrar“, dass Muawiyas Abkunft auf vier Personen zurückgeführt wurde: Musafir ibn Abu Amr, Umara ibn Walid ibn Mughira, Abbas ibn Abdulmuttalib und as-Sabbah (ein Sänger von Umara)“.[5]

     

    Der vierte Punkt der Auszeichnung, den der Befehlshaber der Gläubigen (a.) anführte ist die Tatsache, dass er ein Anhänger der Wahrheit war, während Muawiya der Anhänger der Falschheit war, und diese Tatsache benötigt keinen Beweis, da das gesamte Leben von Muawiya mit Unterdrückung der Wahrheit und Sehnsucht nach Falschheit verbracht wurde.

     

    Die fünfte Auszeichnung, die der Befehlshaber der Gläubigen (a.) erwähnte, war die, dass er selbst ein Gläubiger war, während Muawiya ein Intrigant und ein Heuchler war. Genau wie es keinen Zweifel geben kann über den Glauben des Befehlshabers der Gläubigen (a.), so kann es auch keinen Zweifel über Muawiyas Intrigantentum und Heuchelei geben. Daher hatte der Befehlshaber der Gläubigen (a.) diese Heuchelei hervorgehoben im vorangehenden 17. Brief mit den Worten: „Sie sind nicht Muslime geworden, sondern haben kapituliert und den Unglauben verborgen, und sobald sie Helfer dafür fanden, machten sie ihn offenkundig.“

     

     

    [1] Siehe Ibn Abu al-Hadid, Band 17, S. 119; Abdu, Band 3, S. 17.

    [2] Bihar-ul-Anwar, 1. Ausgabe, Band 8, S, 383.

    [3] Al-Aghani, Band 1, S. 12; “Scharh Nahdsch-ul-Balagha, Band 17, S. 231-232.

    [4] Lebte 467-538 n.d.H. (1075-1144 n.Chr.)

    [5] Scharh Nahdsch-ul-Balagha, Band 1, S. 336

     

     

    Quelle: http://www.balaghah.net