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    224.Predigt – Lossagung von Unrecht

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    Lossagung von Unrecht

     

    Bei Allah, ich würde lieber eine Nacht auf den Dornen der Sa´dan-Pflanze[1] in Wachheit verbringen, oder als Gefesselter in Ketten, als am Tage der Auferstehung Allah und Seinem Gesandten als jemand zu begegnen, der irgendeinem Diener (Allahs) Unrecht getan hat, oder als jemand, der (selbst) eine Ruine unrechtmäßig enteignet hat. Und wie kann ich jemandem Unrecht tun für eine Seele [nafs], die ihrer Rückkehr zum Verfall entgegeneilt und deren Auflösung in der Erde lange dauern wird?

     

    Denn bei Allah, ich sah Aqil[2], wie er in schwerste Armut geraten war, bis er von mir um ein Sa´[3] von eurem Weizen bat, und ich sah seine Kinder mit staubigem, zerzaustem Haar, mit staubiger Farbe aufgrund ihrer Armut, als ob ihre Gesichter mit Indigo geschwärzt worden waren. Er kam immer wieder drängend zu mir und wiederholte dieses wieder und wieder. Ich lieh ihm mein Ohr und er nahm an, dass ich ihm meine Religion verkaufen und mich von ihm leiten lassen würde, indem ich mich von meinem Wege trenne.

     

    So erhitzte ich ein Stück Eisen für ihn, dann brachte ich es nahe an seinen Körper heran, damit er eine Lehre daraus ziehen möge, und er schrie, wie ein Schwerkranker vor Schmerzen, während er fast mit dem Brenneisen gebrannt worden wäre. Dann sagte ich: „Mögen dich die Frauen beweinen, Aqil! Stöhnst du wegen des Eisens, das ein Mensch aus Spaß entzündet hat, während du mich zum Feuer hinziehst, das ein Bezwinger[4] aus Seinem Zorn heraus bereitet hat? Stöhnst du vor Schmerzen, und ich soll nicht vor (dem Schmerz) der Höllenflamme stöhnen?

     

    Und noch seltsamer als das ist der, der an unsere Tür klopfte mit einem Behälter mit Malfoufa, einer Paste, die ich verabscheute wie den Speichel der Schlange oder ihr Erbrochenes, und ich fragte ihn, ob es sich um eine Gabe (als Entlohnung), Zakat oder Almosen [sadaqa] handelte, und wenn es so sei, dass es für uns, die Ahl-ul-Bait, verboten sei. Er antwortete, dass es weder das eine noch das andere sei, sondern ein Geschenk. Ich antwortete: ‚Mögen dich die kinderlosen Frauen beweinen! Bist du zu mir gekommen, um mich von der Religion Allahs abzubringen, um mich zu betrügen? Bist du im Geiste verwirrt, oder von Dschinn besessen, oder halluzinierst du?’“

     

    Bei Allah, selbst wenn mir die sieben Regionen gegeben werden würden mit allem, was es unter den Himmelssphären gibt, dafür, dass ich Allah ungehorsam werde in (selbst dem Grad), dass ich einer Ameise die Schale eines Gerstenkorns wegnehme, würde ich es nicht tun! Denn wahrlich, eure Welt ist bei mir von geringerem Wert als ein Blatt im Munde einer Heuschrecke, an dem sie nagt. Was sind für Ali die Wohlgenüsse wert, die vergehen, und die Freuden, die nicht von Dauer sind! Wir nehmen Zuflucht zu Allah vor dem Schlummern der Weisheit sowie vor der Abscheulichkeit des Ausgleitens und ersuchen Ihn um Beistand.

     

    Erläuterung

     

    Imam Alis (a.) Bruder Aqil lebte sehr arm und glaubte in seiner Verzweiflung, dass sein Bruder ihm zumindest ein Mindestmaß an Versorgung in der Not gewähren könnte. Imam Ali (a.) wies diesen Wunsch zurück, da er als Verwalter der Gemeinwohlkasse Rechenschaft über jedes noch so geringe Maß an Ausgaben ablegen musste.Während sein Bruder Aqil jene Zurückweisung verstanden und akzeptiert hat, haben andere es nicht akzeptiert und sich sogar Kriegen gegen Imam Ali (a.) angeschlossen. Die Geschichte mit dem vorgeführten glühenden Stück Eisen ist in der islamischen Literatur weit verbreitet, ohne dass die eigentliche Quelle Nahdsch-ul-Balagha stets bekannt ist.

     

    [1] Die Sa´dan-Pflanze ist eine Pflanze mit sehr scharfen Dornen.

    [2] Aqil ibn Abu Talib ist ein Bruder von Imam Ali (a.).

    [3] Kleinste Mengeneinheit

    [4] Gemeint ist Allah der Erhabene

     

     

    Quelle: http://www.balaghah.net