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    23.Predigt – Über Arme und Reiche

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    Diese (Predigt) enthält die Verbesserung der Lage der Armen durch Enthaltsamkeit und die Erziehung der Reichen zu Mitleid.[1]

     
    Was Folgendes (betrifft)[2]: Der Befehl (Allahs) kommt vom Himmel zur Erde zu jeder Seele [nafs] herab wie die Regentropfen, (mit dem) was für sie bestimmt ist, sei es Fülle oder Knappheit.Und wenn jemand von euch bei seinem Bruder Reichtum an Nachkommenschaft, Geld oder Seelen[3] sieht, sollte es für ihn keine Versuchung darstellen, denn solange den Muslim keine Niedrigkeit überkommt, welcher gegenüber er sich demütig[4] zeigen muss, wenn sie aufgedeckt wird, von der niedrige Leute verführt werden, ist er wie der (Glücks-)Spieler, und er erwartet, dass der erste Wurf seines Lospfeils ihm den Gewinn zuspricht, und der Verlust dadurch aufgehoben wird. Genauso erwartet der Muslim, der frei von Verrat ist, von Allah zwei gute Dinge:

     

     

    Sei es der Ruf von Allah (zu Sich)[5], (und dann) ist das, was bei Allah ist, das Beste für ihn, oder Allahs Versorgung, wenn er Nachkommen und Eigentum sowie seine Religion hat und Wertschätzung genießt. Eigentum und Kinder ist das Saatfeld für diese Welt, doch die rechtschaffene Tat ist das Saatfeld für das Jenseits. Für (einige) Völker gibt Allah zuweilen beides zusammen. So hütet euch vor Allah gegen das, wovor Er euch vor Sich Selbst gewarnt hat, und fürchtet Ihn so, dass keine Ausrede notwenig wird, und handelt (im Guten), ohne dass ihr (dafür) gesehen und gehört werden wollt. Denn wenn man etwas für jemand anderen als Allah tut, hat Allah ihn demjenigen anempfohlen, für den er es getan hat. Wir bitten Allah um die Stellung der Märtyrer, das Zusammenleben mit den Glückseligen und die Gesellschaft der Propheten.

     
    Oh ihr Menschen, kein Mann – selbst wenn er reich ist – kann auf seine Familie verzichten und auf ihre Verteidigung mit ihren Händen und ihren Zungen. Sie sind die besten Menschen als Vorsorge im Hintergrund, sie sind die, die ihm wieder auf die Beine helfen, und sie sind am freundlichsten zu ihm, wenn ihn Schicksalsschläge heimsuchen. Der Ruf der Aufrichtigkeit, den Allah dem Menschen unter den Leuten gegeben hat, ist für ihn besser als Eigentum, das andere von ihm erben werden.

     
    In der gleichen Predigt sagte er (a.):
    Höret! Wenn einer von euch bei seiner Verwandtschaft Armut sieht, dann soll er nicht davon Abstand nehmen, (ihren Mangel) zu begleichen mit dem, was ihn nicht mehrt, wenn er es zurückhält, und ihn nicht mindert, wenn er es (für sie) ausgibt. Und wenn einer seine Hand seiner Verwandtschaft gegenüber verschließt[6], dann ist jenen (Verwandten dennoch) nur eine einzige Hand (nämlich diejenige) von ihm verschlossen, aber ihm werden (bei Bedürftigkeit dann) viele Hände von ihnen verschlossen bleiben. Wer (hingegen) sanftmütig ist, wird sich von seinem Volk die Liebe dauerhaft bewahren.

     
    Sayyid al-Scharif al-Radhi sagte: Hier bedeutet das Wort „al-ghafirah (Reichtum)“ Mehrung und Überfluss, und eine große Ansammlung ist abgeleitet von ihrem (der Araber) Sprichwort „al-dschamm al-ghafir (Ansammlung an Vielen)“ und „al-dschama´al-ghafir (Versammlung an vielen)“, was „große Menschenmenge“ bedeutet. Es wurde (in einigen anderen Versionen) statt „al-ghafirah (Reichtum)“ „ifwatun min ahl au mal (Erlesene an Familie und Reichtum)“ überliefert, und „ifwah“ bedeutet das Ausgewählte einer Sache, man sagt z.B.: „akaltu ifwata-t-ta´am“ was bedeutet: „Ich habe besonderes Essen gegessen.“, das heißt etwas Ausgewähltes, Selektiertes.

     
    Wie schön ist doch diese Bedeutung, auf die er (a.) mit seinen Worten hinweisen wollte: ´Und wer seine Hand vor seiner Verwandtschaft verschlossen hält…´ bis zum Ende der Predigt, denn wenn er (der Betreffende) das Gute gegenüber seiner Verwandtschaft zurückhält, dann wird nur der Nutzen einer einzigen Hand zurückgehalten, aber wenn er ihrer Hilfe bedarf und gezwungen ist, sie um Unterstützung zu ersuchen, helfen sie ihm nicht und hören nicht auf seine Stimme, und die Hilfe von so vielen Händen wird (von ihm) abgehalten, und viele Füße erheben sich (weg von ihm).

     
    Erläuterung

     
    In der Predigt ging Imam Ali u.a. auf die hohe Bedeutung der Familie im Islam und den familiären Zusammenhalt ein. Von besonderer Bedeutung ist der Hinweis für die Gesellschaft, die letztendlich aus den einzelnen Familien aufgebaut ist, und dass ein Mensch durch Sanftmut die Zuneigung anderer nachhaltig gewinnen kann.

     
    [1] Die Rede ist nicht vollständig wieder gegeben. Sayyid al-Radhi konnte wahrscheinlich nur die ausgewählten Passagen auch in anderen Quellen bestätigt finden.
    [2] Die Redeformel „was Folgendes (betrifft)“ [amma bad] ist eine typische arabisch-islamische Redewendung um nach einer Lobpreisung Allahs zum eigentlichen Thema einer Predigt zu wechseln.
    [3] Anzahl von Familienmitgliedern
    [4] Gegenüber anderen als Gott
    [5] Gemeint ist das Ableben
    [6] d.h. ihnen gegenüber geizig ist

     

     

    Quelle: http://www.balaghah.net