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    28.Predigt – Über die Vergänglichkeit des Diesseits

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    Dies ist ein Abschnitt aus der Predigt, deren Anfang (folgendermaßen lautet):

     
    Aller Preis ist Allahs, an Dessen Barmherzigkeit man nicht verzweifeln soll.

     
    Und diese (Predigt) enthält elf Ermahnungen:
    Wahrlich hat diese Welt den Rücken gekehrt und sich verabschiedet, und das Jenseits ist herangekommen und ragt hervor durch sein Heraufziehen. Höret! Heute ist das Trainingslager, und morgen findet das Rennen statt. Der Preis dafür ist das Paradies, während das letztendliche Ziel (der Verlierenden) das Feuer ist. Ist da niemand, der von seinen Sünden Reue nimmt vor dem Tod?

     

     

    Höret! Ist da keiner, der (Gutes) für sich tut vor dem Tage seines Unglücks (am Tag des Gerichts)? Wahrlich, ihr befindet euch in den Tagen der (eitlen) Hoffnungen, nach denen der Termin des Todes steht. Wer während der Tage seiner Hoffnung handelt, bevor seine Zeit abgelaufen ist, dem haben seine Taten Nutzen gebracht, und der Termin seines Todes wird ihm nicht schaden. Wer aber in den Tagen seiner Hoffnung träge ist, bevor seine Frist abgelaufen ist, dessen Taten haben Verlust gebracht und der Termin seines Todes wird ihm Schaden bringen.

     
    Höret! Handelt in (den Zeiten) eurer Sehnsüchte wie in (Zeiten) des Schreckens. Wahrlich, ich habe niemanden schlafen sehen, der das Paradies begehrt, und ich habe niemanden schlafen sehen, der dem Feuer zu entkommen sucht. Wem die Wahrheit nicht nützt, dem bringt das Falsche Schaden, und wen die Rechtleitung nicht auf den Geraden Weg bringt, den wird der Irrtum ins Verderben reißen. Höret! Euch wurde befohlen, abzureisen, und ihr wurdet darauf hingewiesen, wie ihr euch rüsten sollt. Das, was ich am meisten für euch befürchte, sind zwei Dinge: Das Befolgen von Lust und Laune, und übertriebene Hoffnungen[1]. So rüstet euch von dieser Welt mit dem, mit dem ihr euch morgen behüten könnt.

     
    Sayyid al-Radhi sagte: Wenn es eine Predigt gibt, die einen am Kragen[2] packt und zu Enthaltsamkeit in dieser Welt und zu Taten für das Jenseits treibt, dann ist es diese Predigt, und sie genügt, um die Abhängigkeiten von den Hoffnungen abzuschneiden und um das Feuerzeug der Ermahnung und Warnung zu entzünden, und unter den wundervollsten Aussagen ist diese: „Höret! Heute ist das Trainingslager, und morgen findet das Rennen statt. Der Preis dafür ist das Paradies, während das letztendliche Ziel (der Verlierenden) das Feuer ist.“ Und darin liegen, zusammen mit der Prächtigkeit der Wortwahl und der Größe der Macht der Bedeutung wahrhaftige Beispiele, ein treffender Vergleich, ein wundervolles Geheimnis und eine schöne Bedeutung.

     
    Seine (a.) (sinngemäße) Aussage: „Der Preis (für die Gewinner) ist das Paradies, und das letztendliche Ziel (der Verlierenden) die Hölle“ bildet einen Gegensatz durch die Worte und Bedeutungen. Er sagt nicht: „Der Preis ist das Feuer“, so wie er sagt: „Der Preis ist das Paradies“. Denn der „Preis“ ist etwas, was man liebt, und das ist eine Eigenschaft des Paradieses, und diese Bedeutung hat das Feuer nicht. Wir suchen davor Zuflucht bei Allah! Man darf (daher) auch nicht sagen: „Der Preis ist das Feuer“, sondern er sagte: „Das letztendliche Ziel ist das Feuer“, weil „letztendliches Ziel“ etwas ist, wo sowohl der landet, den es erfreut, als auch der, den es nicht erfreut, dort anzukommen. (Diese Aussage) eignet sich dazu, damit beides auszudrücken, doch an dieser Stelle heißt es soviel wie „al-masir (die Reise)“ oder „al-ma´al (Resultat)“, was letzte Bestimmung bedeutet, und Allah, Der Erhabene, hat gesagt: Sprich: „Vergnügt euch eine Weile, dann aber geht eure Reise [masirukum] zum Feuer.“[3]

     
    Und es ist nicht angemessen, hier „subqatukum (Wetteinsatz)“ zu sagen, d.h. der Ort, wohin man geht (oder „Preis“ für Rennen) anstatt von „masirakum (eure Reise)“ zum Feuer. Denk darüber nach, denn ihr Inneres ist wunderbar, und ihre Tiefe reicht weit und ist schön. So sind die meisten seiner (a.) Predigten, und in manchen Versionen steht, dass es auch in einer anderen Überlieferung „subqat-ul-dschannah (der Preis des Paradieses)“ heißt. Das ist das, was dem Gewinner eines Rennens als Preis gegeben wird an Geld oder an Ehre, und beide Bedeutungen sind sehr nahe zueinander, weil ein Lohn nicht für eine tadelnswerte Tat ist, sondern nur für eine lobenswerte (ausgezahlt wird).“

     
    Erläuterung

     
    Diese Predigt über den Gegensatz von Diesseits und Jenseits wurde bereits vom Autor Sayyid al-Radhi selbst erläutert (siehe oben), wobei er eine Parallele zu Aussagen des Heiligen Qur´an zog. Der Hinweis am Ende der Rede Imam Alis (a.) „Euch wurde befohlen abzureisen“, ist ein Hinweis darauf, dass jeder Mensch gezwungenermaßen aus dem Diesseits „abreisen“ wird. Und die Erkenntnis dessen gehört zu den fünf Grundlagen der Religion [usul al-din].

     
    Der Hinweis am Anfang der Predigt über das „Trainingslager“ ist eine Anspielung auf Ort und Zeit des Pferdetrainings, wie es damals üblich war. Erst wurde das Pferd angebunden und bekam mehr Wasser und Futter, bis es fett wurde. Dann wurden Futter- und Wasserration gekürzt, und das Pferd lief auf der Rennbahn, bis es abmagerte. Dann bekam es wieder die normale Ration, und das dauerte 40 Tage. Das Erste ist eine Vorbereitung für das Zweite, nämlich das Rennen. Wahres Training bedeutet also das Bewirken von Abnahme und Erleichterung an Fleisch, und das wird beim Rennpferd gemacht, damit es am Wettkampftag leichter laufen kann.

     
    [1] Der Ausdruck „tul al-amal“ bedeutet wörtlich „lange Hoffnungen“, im Sinn von übertriebenen Erwartungen an das Diesseits, wie der Wunsch Reichtum, Position, ansehen usw. zu erlangen. Es wird aber auch für die trügerische Vorstellung verwendet, unendlich viel Zeit im Diesseits zu haben und steht somit für Nachlässigkeit.

     
    [2] Wörtlich: „am Halse“
    [3] Heiliger Qur´an 14:30

     

     

    Quelle: http://www.balaghah.net