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    30.Predigt – Über die Ermordung von Uthman ibn Affan

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    Dies ist ein Urteil von ihm (a.) über Uthman, gegen die Leute und das, was sie getan haben, und eine Lossagung von (jeglicher Schuld) an seinem Tod.

     
    Wenn ich das angeordnet hätte[1], dann wäre ich ein Mörder, wenn ich das verhindert hätte, dann wäre ich sein Helfer[2] gewesen. Der, der ihm (im Unrecht) geholfen hat, kann nicht sagen, dass er besser ist als der, der ihn im Stich gelassen hat, und wer ihn im Stich gelassen hat, kann nicht sagen, dass er besser ist als der, der ihm geholfen hat. Ich bringe seine Sache vor euch. Er[3] eignete sich (Reichtum) an, und er schädigte es[4]. Ihr wart deswegen besorgt und beschädigtet das (indem ihr übertrieben habt). Und das tatsächliche Urteil über den Aneigner (von Reichtum) und den (darüber) Besorgten liegt bei Allah.

     
    Erläuterung

     
    Uthman war der dritte Kalif der Muslime und der erste Kalif aus der Dynastie der Umayya¬den. Er trat das Kalifat am 1.Muharram 24. n.d.H. im Alter von siebzig Jahren an. Nachdem er zwölf Jahre die volle Kontrolle und Macht über die Belange der Muslime ausgeübt hatte, wurde er durch ihre Hände am 18. Dhul-Hidschah 35 n.d.H. getötet und an dem Ort „Hasch Kaukab“ bestattet.

     
    Dabei kann die Tatsache nicht geleugnet werden, dass Uthmans Ermordung das Resultat seiner Schwäche und der Missetaten seiner Beamten war. Sonst gäbe es keinen Grund, dass die Muslime fast alle einstimmig seine Ermordung beschlossen haben sollten, während niemand außer ein paar Leuten aus seiner Familie aufstanden, um ihn zu unterstützen und zu verteidigen. Die Muslime hätten sicherlich Alter, Altgedientheit, Prestige, Auszeichnung und die Tatsache bedacht, dass er zu den Gefährten des Propheten (s.) gehörte, aber seine Taten und Handlungsweise haben derart die Atmosphäre vergiftet, dass niemand bereit zu sein schien, ihm gegenüber loyal zu sein und an seiner Seite zu stehen.Unterdrückung und Ausschweifung wurden auch gegen hochrangige Gefährten des Propheten (s.) begangen und erregten eine Welle von Trauer und Ärger unter den arabischen Stämmen.

     

     

    Jeder war erzürnt und schaute auf Uthmans Hochmut und Missetaten mit Verachtung: Die Banu Ghiffar und die ihnen verbündeten Stämme wegen Abu Dharrs Demütigung, Entehrung und Verbannung, die Banu Hudhail und ihre Verbündeten, weil Abdullah ibn Mas´ud erbarmungslos zusammengeschlagen wurde, die Banu Machzum und ihre Verbündeten Banu Zuhra, weil Ammar ibn Yasir die Rippen gebrochen wurden, sowie die Banu Taym wegen der Intrige zur Ermordung Muhammad ibn Abu Bakrs. Sie alle hatten deswegen einen Sturm des Zorns in ihren Herzen.

     

    Die Muslime der anderen Städte waren ebenfalls voller Beschwerden gegen Uthmans Beamte, die durch ihre Vergiftung mit Reichtum und die Auswirkungen von Luxus das taten, wonach ihnen der Sinn stand und jeden schikanierten, der ihnen missfiel. Sie hatten keine Angst vor Strafe der Zentralmacht in Medina noch befürchteten sie irgendeine Untersuchung.

     
    Die Menschen versuchten verzweifelt, den Klauen ihrer Unterdrückung zu entkommen, aber niemand war bereit, ihre Schreie der Schmerzen und Rastlosigkeit Gehör zu schenken. Hassgefühle kamen auf, aber es wurden keine Maßnahmen ergriffen, um sie zu besänftigen. Die Gefährten des Propheten (s.) hatten auch genug von Uthman, da sie sahen, dass der Frieden zerstört wurde, die Verwaltung chaotisch und die Charakteristiken des Islam auf den Kopf gestellt wurden. Die Armen und Verhungernden flehten um trockene Brotkrusten, während die Umayyaden in Reichtum schwelgten.

     

     

    Das Kalifat war ein Vorwand geworden, um den Bauch zu füllen und Reichtum anzuhäufen. Daher entwickelte sich eine Atmosphäre, die den Boden für seine Ermordung bereitete. Die Beschwerden in Briefen und Botschaften, welche die Einwohner von Kufa, Basra und Ägypten nach Medina getragen hatten, taten ihr Übriges. Angesichts dieses Verhaltens der Einwohner Medinas schrieb Uthman an Muawiya, der Gouverneur in Damaskus war: „So sind die Einwohner von Medina Ketzer geworden, sie haben sich vom Gehorsam abgewandt und (den Treueid) gebrochen. So schicke mir die Krieger Syriens auf schnellen und kräftigen Pferden.“

     
    Die Handlungsweise Muawiyas, nachdem er diesen Brief erhalten hatte, verdeutlicht den Zustand der Gefährten. Der Historiker al-Tabari schreibt darüber: „Als Muawiya den Brief erhalten hatte, dachte er darüber nach und hielt es für falsch, sich offen gegen die Gefährten des Propheten zu wenden, da er sich ihrer Einmütigkeit bewusst war.“

     
    Angesichts dieser Umstände bedeutet es, die Tatsachen zu verschleiern, wenn man die Ermordung Uthmans als eine Folge temporärer Wut und zeitweiliger Gefühle beschreibt und sie auf einige Aufständische schieben will. Denn all diese Faktoren, welche die Opposition begünstigten, existierten in Medina selbst, wogegen diejenigen, die von außerhalb kamen, Gründe sammelten, um mit ihrem Aufruf Abhilfe für ihre Probleme zu suchen. Es war nur ihr Ziel, die Situation zu verbessern, nicht Mord und Blutvergießen zu verbreiten. Wenn ihre Klagen gehört worden wären, dann hätte es keine Gelegenheit für dieses Blutvergießen gegeben.

     
    Die Einwohner Ägyptens waren nach Medina marschiert, weil sie von der Unterdrückung und den Ausschweifungen von Abdullah ibn Sad ibn Abi Sarh angewidert waren. Sie kampierten im Tal von Dhachuschub in Stadtnähe. Sie schickten einen Mann mit einem Brief zum Kalifen Uthman und forderten, dass die Unterdrückungen aufhören, die existierenden Handlungsweisen geändert werden und für die Zukunft Reue genommen werden solle. Aber anstatt eine Antwort zu geben, ließ Uthman diesen Mann aus dem Haus werfen und hielt es nicht für nötig, ihren Forderungen Aufmerksamkeit zu widmen.

     

     

    Daraufhin betraten jene Leute die Stadt, um ihre Stimme gegen diesen Stolz und Hochmut Uthmans zu erheben, und sie beschwerten sich bei den Menschen über dieses Verhalten, abgesehen von anderen Ausschweifungen. Auf der anderen Seite waren auch viele Leute aus Kufa und Basra mit ihren Beschwerden angekommen, und sie schlossen sich den anderen an und marschierten mit der Unterstützung der Einwohner von Medina vor und sperrten Uthman in sein Haus ein. Es gab jedoch keine Einschränkung für ihn, in der Moschee ein- und auszugehen. Uthman ermahnte diese Leute am allerersten Freitag öffentlich hart und klagte sie an, woraufhin die Leute zornig wurden und ihn mit Kieselsteinen bewarfen. Dadurch verlor er seine Kontrolle und fiel von der Kanzel. Nach ein paar Tagen durfte er auch nicht mehr zur Moschee.

     
    Als Uthman sah, dass die Dinge sich in diesem Maße zuspitzten, flehte er Imam Ali (a.) unterwürfigst an, einen Weg für seine Rettung zu finden und die Leute zu zerstreuen, so gut er es vermochte.Der Befehlshaber der Gläubigen (a.) sagte: „Zu welchen Bedingungen soll ich sie bitten wegzugehen, wenn doch ihre Forderungen gerechtfertigt sind?“ – „Ich ermächtige dich in dieser Angelegenheit“, sagte Uthman, „welche Bedingungen auch immer du mit ihnen aushandeln wirst, ich werde ihnen unterworfen sein.“ So ging der Befehlshaber der Gläubigen (a.) und traf mit den Ägyptern zusammen und sprach mit ihnen. Sie erklärten sich bereit, sich zurückzuziehen, unter der Bedingung, dass all die Tyrannei beseitigt, Muhammad ibn Abu Bakr zum Gouverneur ernannt und Ibn Abi Sarh abgesetzt werden würde.

     

     

    Der Befehlshaber der Gläubigen (a.) kam zurück und brachte die Forderungen vor Uthman, der sie ohne Zögern akzeptierte und sagte, dass es Zeit brauche, diese Ausschweifungen zu beseitigen. Doch der Befehlshaber der Gläubigen (a.) stellte klar, dass eine Verzögerung hinsichtlich der Belange Medinas keinen Sinn hätte, jedoch im Hinblick auf die anderen Städte soviel Zeit eingeräumt werden könnte, bis die Botschaft des Kalifen sie erreichte hat. Uthman bestand darauf, dass auch für Medina drei Tage notwendig wären. Der Befehlshaber der Gläubigen (a.) stimmte auch diesem nach einer Unterredung mit den Ägyptern zu und nahm die Verantwortung dafür auf sich. Dann zerstreuten sie sich auf seine Anweisung hin. Manche gingen mit Muhammad ibn Abu Bakr nach Ägypten, während einige andere zum Tal von Dhachuschub gingen und dort blieben, und so endete die ganze Angelegenheit.

     
    Am zweiten Tag nach diesem Ereignis sagte Marwan ibn al-Hakam zu Uthman: „Es ist gut, dass diese Leute weg sind, aber um die Leute davon abzuhalten, von anderen Städten herzukommen, solltest du eine Erklärung abgeben, damit sie nicht hierher kommen und ruhig an ihren Plätzen verharren, und jene Erklärung sollte so lauten, dass einigen Leuten in Medina unsinnige Reden zu Ohren gekommen sind, aber als sie kamen und herausfanden, dass alles, was sie gehört hatten, falsch war, sie zufrieden nach Hause zurückgekehrt sind.“ Uthman wollte so eine klare Lüge nicht äußern, aber Marwan bearbeitete ihn so lange, bis er zustimmte, und in der Moschee des Heiligen Propheten sagte er Folgendes: „Diese Ägypter haben einige Nachrichten über ihren Kalifen gehört, und (als sie gehört hatten, dass) sie alle jeglicher Grundlage entbehrten und falsch waren, waren sie zufrieden und kehrten in ihre Städte zurück.“

     
    Kaum hatte er das ausgesprochen, erhob sich ein Tumult in der Moschee, und die Leute schrieen Uthman an: „Nimm Reue bei Allah, fürchte Allah, was äußerst du für eine Lüge?“ Wahrscheinlich riet der Befehlshaber der Gläubigen (a.) daraufhin Uthman: „Du solltest für deine Missetaten öffentlich Reue nehmen, so dass diese Tumulte sich legen, sonst werden morgen wieder Leute von woanders her kommen, und du wirst dich wieder an mich klammern, damit ich dich von ihnen befreie.“ Daraufhin hielt Uthman eine Rede in der Prophetenmoschee, in der er seine Fehler zugab, sie bereute und schwor, in Zukunft Vorsicht walten zu lassen. Er sagte den Leuten, dass ihre Vertreter mit ihm zusammentreffen sollten, wenn er von der Kanzel gestiegen sei, und dass er ihre Kümmernisse beseitigen und ihre Forderungen erfüllen würde.

     

     

    Die Leute begrüßten seine Aktion daraufhin und wuschen ihre negativen Gefühle mit vielen Tränen weg. Als er sein Haus erreichte, nachdem er in der Moschee die Angelegenheit abgeschlossen hatte, ersuchte Marwan um Erlaubnis, etwas zu sagen, doch Uthmans Frau Naila ibn Farafisa ging dazwischen. Sie wandte sich an Marwan und sagte: „Um Allahs willen, bleib ruhig. Du würdest nur etwas sagen, das ihm nichts als den Tod bringt.“ Marwan nahm ihr das übel und antwortete harsch: „Du hast kein Recht, dich in diese Angelegenheiten einzumischen. Du bist die Tochter eben jenes Mannes, der bis zu seinem Tod nicht wusste, wie man die rituelle Waschung verrichtet.“ Naila antwortete zornig: „Du hast Unrecht und äußerst eine falsche Beschuldigung.Bevor du irgendetwas über meinen Vater sagst, solltest du vielleicht mal einen Blick auf die Eigenschaften deines Vaters werfen. Ich hätte Dinge sagen können, welche die Leute hätten erschauern lassen, ich hätte jedes solches Wort bestätigt, (tat es aber nicht) aus Rücksicht auf jenen alten Mann“.

     

     

    Als Uthman sah, dass das Gespräch länger dauerte, schnitt er ihnen das Wort ab und sagte Marwan, dass er ihm sagen sollte, was er wünschte. „Was ist das, was du in der Moschee gesagt hast?“, fragte Marwan, „und was für eine Reue hast du genommen? Aus meiner Sicht wäre es tausendmal besser gewesen, wenn du an der Sünde festgehalten hättest, denn egal wie sehr die Sünden sich vervielfältigen mögen, es gibt immer Raum für Reue, aber Reue aufgrund von Gewalt ist keine Reue. Du sagtest, was du gesagt hast, aber siehe jetzt die Konsequenzen dieser öffentlichen Ankündigung, welche die Leute an deiner Tür versammelt hat. Jetzt geh und erfülle ihre Forderungen.“ – „Gut“, sagte Uthman, „ich habe gesagt, was ich gesagt habe, nun befasse dich mit diesen Leuten. Es liegt nicht in meiner Macht, mich mit ihnen zu beschäftigen.“ Marwan verstand das als implizite Zustimmung, ging hinaus und wandte sich an die Leute: „Warum habt ihr euch hier versammelt? Wollt ihr angreifen, um zu plündern? Denkt daran, ihr könnt nicht so einfach uns (Umayyaden) die Macht aus den Händen reißen, schlagt euch das aus dem Kopf, dass ihr uns überwältigen könnt. Wir werden von niemandem besiegt, nehmt eure finsteren Gesichter von hier fort. Möge Allah euch in Schande stürzen und euch entehren.“

     
    Als die Leute diese veränderte Gemütsverfassung und das andere Bild sahen, die sich ihnen darboten, erhoben sie sich voller Ärger und Wut, gingen geradewegs zum Befehlshaber der Gläubigen (a.) und erzählten ihm die ganze Geschichte. Als er das hörte, wurde der Befehlshaber der Gläubigen (a.) wütend, ging sofort zu Uthman und sagte zu ihm: „Wie schlecht hast du die Muslime behandelt! Du hast für einen glauben- und charakterlosen Mann den Glauben vergessen und deinen gesamten Verstand verloren. Zumindest solltest du dein eigenes Versprechen bedenken. Was bedeutet es, dass du bei Marwans Andeutung mit Scheuklappen vor den Augen fort gingst? Denk daran, dass er dich in so einen finsteren Brunnen werfen wird, dass du niemals daraus entkommen können wirst. Du bist das Lasttier von Marwan geworden, so dass er auf dir reiten kann, wie immer er es wünscht und dich auf jeden falschen Weg lenken kann, wie er will. In Zukunft werde ich mich nie in deine Angelegenheiten einmischen, noch den Leuten irgendetwas sagen. Jetzt sieh zu, dass du deine Angelegenheiten allein regelst.“

     
    Nachdem er das alles gesagt hatte, ging der Befehlshaber der Gläubigen (a.) fort, und Naila ergriff die Gelegenheit.Sie sagte zu Uthman: „Habe ich dir nicht gesagt, dass du dich Marwans entledigen sollst, sonst wird er dich so beschmutzen, dass es nicht wieder korrigiert werden kann, trotz aller Anstrengung. Was liegt denn Gutes darin, den Worten von jemandem Folge zu leisten, der keinen Respekt unter den Leuten genießt und in ihren Augen niedrig ist? Lass Ali zustimmen, sonst bedenke, dass die Wiederherstellung des zerstörten Staates weder in deiner noch in Marwans Macht liegt.“ Uthman war davon beeindruckt und schickte einen Mann hinter dem Befehlshaber der Gläubigen (a.) her, aber dieser weigerte sich, mit ihm zusammenzutreffen. Uthman wurde zwar zunächst nicht belagert, aber die Schande hielt ihn ab, sein Haus zu verlassen. Mit welchem Gesicht sollte er aus seinem Haus heraustreten? Aber er konnte es nicht vermeiden, das Haus zu verlassen.

     

     

    Also kam er lautlos in der Finsternis der Nacht hinaus und erreichte den Ort, an dem sich der Befehlshaber der Gläubigen (a.) aufhielt. Er beklagte seine Hilflosigkeit und Einsamkeit, brachte Entschuldigungen vor und versicherte ihm, seine Versprechen zu halten, aber der Befehlshaber der Gläubigen (a.) sagte: „Du hast vor all den Leuten in der Moschee ein Versprechen abgegeben, das aber in der Form erfüllt wurde, dass die Leute scharf zurechtgewiesen und sogar beschimpft wurden, als sie zu dir kamen. Wenn das der Zustand deiner Unternehmungen ist, was die Welt gesehen hat, wie und auf welcher Grundlage kann ich dann irgendeinem Wort von dir in Zukunft vertrauen? Du kannst jetzt von mir nichts erwarten. Ich bin nicht bereit, für dich irgendeine Verantwortung zu übernehmen. Mach, was du willst, und betrete jeden Weg, den du wählst.“ Nach diesen Worten kam Uthman zurück und begann seinerseits, den Befehlshaber der Gläubigen (a.) zu beschuldigen, was dazu führte, dass es immer mehr Aufstände gab.

     
    Während die Lage in Medina sich zuspitzte, gab es auch einflussreiche Ereignisse außerhalb Medinas.Nachdem er die Grenze der arabischen Halbinsel [hidschaz] überschritten hatte, erreichte Muhammad ibn Abu Bakr einen Ort namens Ayla an der Küste des Roten Meeres. Manche Leute erspähten einen Kamelreiter, der sein Kamel so schnell rennen ließ, als ob ein Feind ihn jagte. Die Leute hatten einige böse Ahnungen über ihn und riefen ihn deshalb und fragten ihn, wer er sei.Er erwiderte, er sei ein Sklave von Uthman. Sie fragten ihn, wohin er wolle, und er antwortete, dass er nach Ägypten wolle. Weiterhin fragten sie ihn, zu wem er gehe, woraufhin er erwiderte, dass er zum Gouverneur von Ägypten gehe. Die Leute sagten, dass der Gouverneur Ägyptens doch bei ihnen sei, und zu wem er dann gehe. Er sagte, dass er zu Ibn Abi Sarh gehe, und sie fragten ihn, ob er irgendeinen Brief bei sich habe, und er verneinte das.

     

     

    Einer dieser Leute schlug vor, seine Kleider zu durchsuchen, und so wurde er durchsucht, aber nichts gefunden. Kinana ibn Bischr al-Tudschibi sagte: „Durchsucht seinen Wasserbeutel“, aber die Leute meinten: „Lasst ihn in Ruhe, wie kann denn ein Brief in Wasser sein?“, aber Kinana antwortete: „Ihr wisst nicht, was für Tricks diese Leute auf Lager haben“. Also wurde der Wasserbeutel geöffnet und durchsucht. Darin befand sich ein Bleirohr, worin ein Brief war. Als sie ihn entfalteten, lasen sie die Anordnung des Kalifen Uthman: „Wenn Muhammad ibn Abu Bakr und seine Parteigänger euch erreichen, dann tötet den und den unter ihnen und nehmt den und den gefangen. Werft den und den ins Gefängnis, aber bleibt auf euren Posten.“ Als sie das lasen, waren sie alle verblüfft und schauten einander verwundert an.

     
    Angesichts der Gefahr, in die sie geraten waren, kehrten sie nach Medina zurück und nahmen den Sklaven mit. Als sie dort ankamen, legten sie jenen Brief allen Gefährten des Propheten (s.) vor.Wer auch von diesem Ereignis hörte, war geschockt, und es gab niemanden, der nicht Uthman beschimpfte. Anschließend gingen einige Gefährten zu Uthman zusammen mit diesen Leuten und fragten, wessen Siegel sich auf diesem Brief befand, und dieser erwiderte, dass es sein eigenes sei. Sie fragten, wessen Schrift das sei, und gab zu, es sei die seines Sekretärs. Weiterhin fragten sie, wessen Sklave jener Mann sei, und er sagte, es sei seiner, denn Uthman hatte nicht alle seine Sklaven frei gegeben.

     

     

    Dann fragten sie, wessen Reittier es sei, auf dem der Sklave geritten war, und er sagte, es gehöre der Regierung. Auf die Frage, wer den Brief geschickt habe, behauptete Uthman, darüber kein Wissen zu haben. „Bei Allah“, sagten die Leute, „alles stammt von dir, aber du weiß nicht, wer ihn geschickt hat? Wenn du so hilflos bist, dann lass dieses Kalifat beiseite, so dass jemand kommen kann, der die Belange der Muslime verwalten kann.“ – „Es ist nicht möglich, dass ich das Gewand des Kalifats ausziehe, das Allah mir angezogen hat“, erwiderte Uthman, „aber ich werde natürlich bereuen.“ – „Warum“, fragten die Leute, „solltest du von Reue reden, die bereits an dem Tag verhöhnt worden war, als Marwan dich an deinem Tor vertrat, und jede Forderung, die vorgetragen wurde, durch diesen Brief wieder zunichte gemacht wurde. Jetzt werden wir nicht auf diese Tricks hereinfallen.

     

     

    Lass das Kalifat sein, und wenn unsere Brüder uns im Weg stehen, werden wir sie aufhalten, aber wenn sie sich für den Kampf rüsten, dann werden auch wir kämpfen. Weder sind unsere Hände steif, noch sind unsere Schwerter stumpf. Wenn du alle Muslime als gleichwertig betrachtest und dir Gerechtigkeit etwas bedeutet, dann liefere Marwan an uns aus, damit wir ihn fragen können, aufgrund wessen Macht und Unterstützung er mit dem wertvollen Leben der Muslime spielen wollte, indem er diesen Brief schrieb.“ Aber Uthman lehnte dieses Ersuchen ab und weigerte sich, ihnen Marwan auszuliefern, worauf die Leute behaupteten, dass der Brief auf sein Geheiß geschrieben worden war.

     
    Die Bedingungen verschlechterten sich zunehmend, denn trotz des Ablaufs der geforderten Frist, war alles so, wie es vorher gewesen war, und kaum etwas hatte sich geändert. Infolgedessen strömten die Leute von Dhachuschub, die hinter dem Tal geblieben waren, um das Ergebnis von Uthmans Reue zu sehen, wieder hinein in die Stadt und verbreiteten sich über die Straßen von Medina, sie umzingelten Uthmans Haus und schlossen die Grenzen von allen Seiten.

     
    Während jener Zeit der Belagerung wollte ein Gefährte des Propheten (s.) namens Niyar ibn Iyad mit Uthman sprechen.Er ging zu seinem Haus und rief ihm zu: „Oh Uthman, um Allahs Willen, gib das Kalifat auf und erspare den Muslimen dieses Blutvergießen.“ Während er noch sprach, zielte einer von Uthmans Leuten mit einem Pfeil auf ihn und tötete ihn, worauf die Leute in Zorn gerieten und laut die Auslieferung von Niyars Mörder verlangten. Uthman sagte, dass es nicht möglich sei, dass er ihnen seinen eigenen Unterstützer ausliefere. Diese Dickköpfigkeit wirkte wie ein Zündfunke, und in höchstem Zorn legten die Leute Feuer an Uthmans Tür und schickten sich an, einzudringen, als Marwan ibn al-Hakam, Said ibn Aas und Mughira ibn al-Achnas sich mit ihren Truppen auf die Belagerer stürzten, und an Uthmans Tür entstand Mord und Blutvergießen.

     

     

    Die Leute wollten ins Haus eindringen, aber sie wurden zurückgeschlagen. Währenddessen öffnete Amr ibn Hazm al-Ansari, dessen Haus mit dem von Uthman verbunden war, seine Tür und rief ihnen zu, dass sie von dieser Seite herankommen sollten. Also kletterten die Belagerer durch dieses Haus auf das Dach von Uthmans Haus, kletterten von dort wieder hinunter und zogen ihre Schwerter.

     

     

    Es hatten nur ein paar Handgemenge stattgefunden, als alle außer den Angehörigen von Uthmans Haushalt, seinen Gönnern und den Banu Umayya auf die Straßen von Medina flohen, und einige versteckten sich im Haus von Umm Habiba bint Abu Sufyan, der Schwester Muawiyas, der Rest wurde getötet, während sie bis zum letzten Mann Uthman verteidigten.[5]

     
    Nachdem er diese Ereignisse beobachtet hatte, wurde die Einstellung des Befehlshabers der Gläubigen (a.) deutlich, nämlich dass er weder die Gruppe unterstützte, die zu Uthmans Ermordung angestachelt hatte, noch sich jenen anschloss, die für Uthmans Schutz und Verteidigung standen, sondern vielmehr hielt er sich selbst heraus, als er sah, dass nicht danach gehandelt wurde, was vorher zugesagt worden war. Allerdings gibt es auch einige Überlieferungen, die besagen, dass Imam Ali (a.) seine beiden Söhne Hasan und Hussain als Wachen vor dem Haus von Uthman aufgestellt habe, um die Würde des Amtes trotz aller Verfehlungen Uthmans zu schützen, und die Gegner nur über die List des Eindringens über das Nachbarhaus Zugang fanden.

     
    [1] Gemeint ist die Ermordung Uthmans
    [2] Gemeint ist Helfer im Unrecht
    [3] Uthman
    [4] Gemeint ist wohl sowohl der Reichtum des islamischen Gemeinwohls als auch das Kalifenamt
    [5] Quellen: “Al-Tabaqat Ibn Sad”, Bd. 3, Teil 1, S. 50-58, “Al-Tabari”: Bd. 1, S. 2998-3025, “al-Kamil” von Ibn Athir, Bd. 3, S. 167-180; Ibn Abu´l Hadid, Bd. 2, S. 144-161

     

     

    Quelle: http://www.balaghah.net