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    5.Predigt – Rückweisung eines Treueids

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    Diese (Predigt) wurde gehalten, als der Prophet (s.) starb und Abbas ibn Abd al-Muttalib und Abu Sufyan ibn Harb ihm (Imam Ali, a.) den Treueid anboten.

     

    Ihr Menschen! Teilt die Wogen der Zwietracht durch die Schiffe der Rettung, wendet euch ab von dem Pfad der gegenseitigen Abneigung und legt die Krone des Stolzes ab. Erfolgreich ist der, der sich mit Flügeln erhebt oder sich ergibt und (anderen) Ruhe gönnt. Dies[1] ist brackiges Wasser und ein Bissen, an dem der erstickt, der ihn isst. Wer die Frucht vor ihrer Reifezeit pflückt, ist wie jemand, der das Feld eines anderen bebaut.

     

    Wenn ich spreche, werden sie sagen: „Er giert nach der Herrschaft“, und wenn ich schweige, werden sie sagen: „Er hat Angst vor dem Tod!“ Nein! Nach vielem Hin und Her! Bei Allah, der Sohn von Abu Talib[2] ist mit dem Tod vertrauter als das Kind mit der Brust seiner Mutter.Verborgenes Wissen hat sich in mich gefügt, wenn ich es enthüllen würde, würdet ihr zittern wie Seile im tiefen Brunnen!

     

    Erläuterung

     

    Als der Heilige Prophet starb, war Abu Sufyan nicht in Medina. Er kam zurück, als er unterwegs die traurige Nachricht erfuhr.Er fragte sofort, wer der neue Anführer und Oberhaupt geworden sei. Es wurde ihm gesagt, dass die Leute Abu Bakr den Treueid geschworen hätten. Als er das hörte, dachte der allgemein bekannte Unruhestifter Arabiens tief nach und ging zu Abbas ibn Abd al-Muttalib mit einem Vorschlag. Er sagte zu ihm: „Schau, diese Leute haben durch einen Kunstgriff das Kalifat an die Banu Taim gereicht und es den Banu Haschim vorenthalten. Nach ihm wird dieser Mann unsere Köpfe an einen hochmütigen Mann von den Abu Adi übergeben. Lass uns zu Ali ibn Abi Talib gehen und ihn bitten, aus seinem Haus zu treten, und (lass uns) zu den Waffen greifen, um sein Recht zu sichern.“

     

    Er nahm Abbas mit sich, ging zu Ali und sagte: „Reich mir deine Hand, ich leiste dir den Treueid, und wenn irgendjemand sich dagegen stellt, werde ich die Straßen von Medina mit berittenen Truppen und Fußtruppen füllen.“ Das war der heikelste Moment für den Befehlshaber der Gläubigen (a.). Er sah sich als das wahrhaftige Oberhaupt und Nachfolger des Propheten (s.), während ein Mann mit der Unterstützung seines Stammes wie Abu Sufyan bereit war, ihn zu unterstützen.Nur ein Signal würde genügen, um die Flammen des Krieges zu entzünden.

     

    Aber die Weitsicht und weise Voraussicht des Befehlshabers der Gläubigen (a.) ersparte den Muslimen einen Bürgerkrieg, da seine scharfen Augen sahen, dass dieser Mann einen Bürgerkrieg beginnen wollte, indem er Stammesfehden, Parteilichkeit und Geburtsrecht anzetteln wollte, dass die islamische Gemeinschaft von einer Erschütterung heimgesucht werden würde, die sie bis in die Wurzeln erfassen würde.

     

    Der Befehlshaber der Gläubigen (a.) lehnte daher seinen Ratschlag ab, ermahnte ihn streng und sprach die Worte, durch die er die Leute davon abhielt, Unfrieden zu stiften und unangemessene Eitelkeiten zu hegen. Und er erklärte seinen Standpunkt, der dahingehend aussah, dass es nur zwei Wege gab: Entweder zu den Waffen zu greifen, oder ruhig zu Hause zu sitzen. Wenn er Krieg führen würde, gäbe es keinen Unterstützer, der den Aufruhr, der sich erheben würde, niederhalten könnte. Der einzige Weg, der ihm noch blieb, bestand darin, ruhig auf die Gelegenheit zu warten, bis die Umstände günstig sein würden.

     

    Dass der Befehlshaber der Gläubigen in dieser Phase stillhielt, wies auf sein hohes politisches Verständnis und seine Weitsicht hin. Denn wenn unter jenen Umständen Medina der Mittelpunkt des Krieges geworden wäre, hätte dessen Feuer ganz Arabien in Brand gesetzt. Die Zwietracht und Zwistigkeiten, die bereits unter den Auswanderern [muhadschirin][3] und Helfern [ansar][4] begonnen hatten, hätten dann einen Höhepunkt erreicht, die Heuchler hätten leichtes Spiel beim Schmieden ihrer Listen gehabt, und das Schiff des Islams wäre in so einen Sturm geraten, dass es schwierig gewesen wäre, es am Kentern zu hindern. Der Befehlshaber der Gläubigen (a.) erlitt schwerste Heimsuchungen, aber erhob seine Hände nicht zum Krieg.

     

    Die Geschichte zeugt davon, dass der Prophet (s.) während seines Lebens in Mekka Leid jeglicher Art ertragen musste, aber er war nicht bereit, dagegen zu kämpfen, in dem er Standhaftigkeit und Ausdauer aufgab, weil er verstanden hatte, dass, wenn in dieser Phase Krieg stattfinden würde, der Weg zu Wachstum und Fruchtbarkeit des Islams abgeschnitten worden wäre. Natürlich, als er genügend Unterstützer und Helfer gewonnen hatte, um die Flut von Unglauben zu besiegen und die Störungen niederzuhalten, erhob er sich, um sich den Angriffen der Gegner entgegenzustellen. Ähnlich verfuhr der Befehlshaber der Gläubigen (a.), der das Leben des Propheten (s.) als eine Lampe der Rechtleitung betrachtete.

     

    Er nahm davon Abstand, die Macht seines Zorns zu zeigen, weil er sah, dass eine Erhebung gegen den Gegner ohne aufrichtige Helfer und Unterstützer eine Quelle der Rebellion sein und eine Niederlage zur Folge haben würde anstelle von Erfolg und Sieg. Deswegen hatte der Befehlshaber der Gläubigen (a.) die Gier nach dem Kalifat mit turbulentem Gewässer oder einem Bissen verglichen, der in der Kehle stecken bleibt. Selbst wenn Leute mit Gewalt nach diesem Bissen schnappten und ihn gewaltsam verschlingen wollten, blieb er ihnen im Halse stecken. Sie konnten ihn weder verschlucken noch erbrechen. Das bedeutet, dass sie das Kalifat weder managen konnten, wie es aus ihren groben Fehlern in Bezug auf die islamischen Gesetze offensichtlich wurde, noch in der Lage waren, den Hals aus der Schlinge zu ziehen.

     

    Imam Ali (a.) wiederholte die gleichen Gedanken in anderen Worten folgendermaßen: „Wenn ich versucht hätte, die unreife Frucht des Kalifats zu pflücken, dann wäre dadurch die Plantage zerstört worden, und auch ich hätte nichts erreicht, wie diese Leute, die das Land von anderen bestellen, jedoch es weder behüten, noch zur rechten Zeit bewässern noch irgendein Getreide davon ernten können. Die Stellung dieser Leute ist so, dass, wenn ich sie bitten würde, sie zu verlassen, damit der wahre Besitzer sie selbst bestellen und beschützen kann, sie mich der Gier beschuldigen würden, während, wenn ich ruhig bliebe, sie denken würden, dass ich vor dem Tod Angst habe.

     

    Sie sollten mir sagen, zu welcher Gelegenheit ich jemals Angst hatte oder vom Schlachtfeld um mein Leben geflohen bin, während doch jedes kleine und große Gefecht ein Beweis meiner Tapferkeit, Zeuge meines Wagemuts und Courage ist. Der, der mit Schwertern spielt und gegen (Angreifer so groß wie) Berge schlägt, hat keine Angst vor dem Tod. Ich bin mit dem Tod so vertraut, wie es nicht einmal ein Kind mit der Brust seiner Mutter ist. Hört!

     

    Der Grund für mein Schweigen liegt in dem Wissen, das der Prophet (s.) mir ins Herz gelegt hat. Wenn ich es enthülle, würdet ihr verwundert und verwirrt werden.Lasst einige Tage vergehen, und ihr werdet den Grund meiner Tatenlosigkeit erfahren und mit euren eigenen Augen sehen, welche Sorte von Leuten auf dieser Szenerie unter dem Namen von Islam erscheinen werden und welche Zerstörung sie darüber bringen werden. Mein Schweigen ist deshalb, weil das passieren wird, es ist kein Schweigen ohne Grund.“

     

    Der Befehlshaber der Gläubigen (a.) sagt über den Tod, dass er ihm so lieb ist, dass selbst ein Kind es nicht so liebt, die Quelle seiner Ernährung zu suchen, während es im Schoß der Mutter liegt. Die Liebe der Propheten (s.) und der Heiligen, mit Allah zusammenzutreffen, ist geistig-spiritu­el­ler Art und wird größer, je länger die Trennung andauert. Ihre Liebe zur Rückkehr zu Gott ist die gleiche wie die des Durstigen nach dem Brunnen oder die eines verlorenen Reisenden nach seinem Ziel. Daher, als der Befehlshaber der Gläubigen (a.) von Abd al-Rahman ibn Muldschams Attacke verwundet wurde, sagte er: „Ich war wie der Wanderer, der (sein Ziel) erreicht hat oder wie der Suchende, der (das Gesuchte) gefunden hat, und was auch bei Allah ist, es ist gut für die Gottesehrfürchtigen.“ Auch der Prophet (s.) sagte wiederholt, dass es für einen Gläubigen keine größere Freude gibt als das Zusammentreffen mit Allah.

     

     

    [1] Gemeint ist das Streben nach dem Kalifat

    [2] Der Sohn von Abu Talib ist Imam Ali (a.)

    [3] Muslime, die bei der Auswanderung [hidschra] aus Mekka nach Medina ausgewandert waren.

    [4] Medinenser, welche die ausgewanderten Muslime aufnahmen.

     

    Quelle: http://www.balaghah.net