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    6.Brief – An Muawiya

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    Wahrlich, die Leute, die Abu Bakr, Umar und Uthman den Treueid leisten, leisteten mir den Treueid auf gleicher Basis, wie sie ihnen den Treueid geschworen hatten. So war es dem Anwesenden nicht gegeben, dass er die Wahl hatte, noch dem Abwesenden, dass er ablehnen konnte, und die Beratungsversammlung war allein den Auswanderern [muhadschirin] und den Helfern [ansar] vorbehalten. Wenn sie sich dann auf einen Mann einigten, den sie Imam nannten, galt das (in ihren Augen) als Zufriedenheit Allahs. Doch wenn er von ihrer Angelegenheit fernbleibt durch Anfechtung (der Wahl) oder durch unzulässige Neuerung [bida], bringen sie ihn dahin zurück, wovon er sich entfernt hat, und wenn er sich weigert, bekämpfen sie ihn, da er einem anderen Weg folgt als die Gläubigen, und Allah wird ihn dahin führen, von wo er sich abgewandt hat.

     

    So bei meinem Leben, Muawiya, wenn du deinen Verstand berücksichtigst unter Ausschluss deiner Lust und Laune, wirst du mich unter den Menschen als den finden, der für das Blut Uthmans am unschuldigsten ist, und du wirst sicherlich wissen, dass ich in Abgeschlossenheit von ihm war, außer du willst mir den Mord zuschreiben, dann schreibe ihn mir zu wie es dir günstig scheint,

    und Frieden (sei mit dir).

     

     

    Erläuterung

     

    Als alle Medinenser dem Befehlshaber der Gläubigen (a.) nach der Ermordung Uthmans einstimmig den Treueid leisteten, weigerte sich Muawiya, da er Gefahr für seine eigene Macht befürchtete. Und um das Kalifat des Befehlshabers der Gläubigen (a.) anzufechten, erfand er die Ausrede, dass die Zustimmung nicht einstimmig gewesen sei, und dass nach der Annullierung der Wahl eine erneute stattfinden sollte. Ähnliche Bedenken hatte Muawiya bei vorangegangenen Kalifats-Wahlen nicht, einmal abgesehen davon, dass das Imamat von Anfang an Imam Ali (a.) zustand. Jedoch wurde bereits die erste Wahl eines Kalifen dem Volk aufgezwungen und als ihre Entscheidung dargestellt.

     

    Von dem Zeitpunkt an wurde es zu einem Prinzip, dass derjenige, den die Angesehenen von Medina wählten, als Repräsentant der gesamten Welt des Islam betrachtet werden würde, und niemandem würde erlaubt sein, das in Frage zu stellen, ob er zu der Zeit der Wahl anwesend war oder nicht. Daher hatte Muawiya weder nach dem göttlichen Recht, dass ohnehin Imam Ali (a.) als Imam vorsah, noch nach dem Recht der Medinenser, die das Wahlrecht durch die anwesenden Stammesoberhäupter eingeführt hatten, jegliches Recht, eine Neuwahl vorzuschlagen, noch den Treueid zu verweigern. Deswegen wies ihn Imam Ali (a.) auf die im Volk anerkannte Art und Weise der Wahl hin, als Muawiya die Wahl als ungültig betrachtete und den Treueid verweigerte, und entkräftete so sein Argument.

     

    Imam Ali (a.) wendet hier die Methode an, mit dem Gegner auf der Basis seiner falschen Voraussetzungen zu argumentieren, um sein Argument zu entkräften, denn Imam Ali (a.) hatte niemals in irgendeinem Stadium die Beratung mit den Stammesführern oder allgemeine Wahlen als Kriterium für die Gültigkeit des Kalifats betrachtet. Aber seine Weigerung, den Treueid zu leisten in der allerersten Periode unter Abu Bakr, die von niemandem geleugnet werden kann, ist ein Beweis für die Tatsache, dass er diese selbsterfundene Methode nicht als Kriterium für die Gültigkeit des Kalifats ansah.

     

    Das ist auch der Grund, warum er zu allen Zeiten seinen Fall als dringlich betrachtete hinsichtlich des Kalifats, das auf der Basis der Aussagen und Taten des Propheten (s.) gründete. Jedoch, die Angelegenheit dem Machthunger Muawiyas zu überlassen, wäre eine Verfälschung der Religion gewesen. Deswegen versuchte er ihn anhand dessen eigenen Prämissen und Überzeugungen zu überzeugen, damit kein Raum bleiben sollte für Interpretation oder Verwirrung der Angelegenheit. Muawiyas wahres Ziel bestand in der Verzögerung der Frage, so dass seine Macht von irgendeiner Seite Unterstützung gewinnen könnte. Daher erfand er den Vorwurf der Rache Uthmans und dass Imam Ali (a.) in die Ermordung verstrickt sei.