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    Afrikanische Muslime: Die Ankunft des Islam in Guyana

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    Die Anzahl der Muslime in dem südamerikanischen, englischsprachigen Karibikstaat Guyana, welcher früher Britisch Guyana hieß, ist gestiegen. Die meisten Muslime sind Nachfahren der schwarzen Leute, welche von Afrika von Kolonialisten hierher gebracht worden waren, um als Sklaven auf Farmen zu arbeiten. Es ist interessant, dass diese so genannten Sklaven Muslime gewesen sind und ihre Nachkommen schrittweise gezwungen wurden, das Christentum anzunehmen. Jetzt entdecken sie ihre islamischen Wurzeln. Diesbezüglich hat sich, wie folgt, ein interessantes Bild ergeben:

     

    Nach dem Geographen und Historiker al-Bakri hatte der Islam im achten Jahrhundert Afrika durch den Trans- Sahara- Handel, welcher die Königreiche Mali, Kanem, Bornu, Songhai und Ghana mit einschloss, erreicht. Bis zum 16./ 17. Jahrhundert hatte sich der Islam im Norden, Westen und anderen Teilen Afrikas etabliert. Al- Bakri legte folgendes Bild von dem Reich Ghana, aus welchem die Mehrheit der afro- guyanaschen Vorfahren herkommt, vor:

     

    Im Jahr 1068 war Ghana ein sehr fortschrittliches, wirtschaftlich gehobenes und sehr vermögendes Land gewesen. Die „Hauptstadt“ Ghanas bestand aus zwei in einer Ebene liegenden Städten, von denen die eine Muslimen gehörte und zwölf Moscheen besaß (eine davon war die Versammlungsmoschee für das Freitagsgebet gewesen), von denen jede ihren eigenen Imam, Muezzin und bezahlte Koranrezitatoren hatte. Al- Bakri schrieb ebenfalls über den späteren Einfluss des Islam auf das malische Reich (zu welchem Ghana gehörte) im 13. Jahrhundert unter Mansa Musa, dessen Ruhm sich über den Sudan, Nordafrika und den ganzen Weg bis nach Europa verbreitete. Musa war während dieser Zeit der wohlhabendste Herrscher in Afrika gewesen.

     

    Es ist immer ein sehr verbreiteter aber irriger Glaube von vielen muslimischen als auch christlichen Indern gewesen, dass der Islam zuerst 1838 mit dem ersten Schwung indischer vertraglich verpflichteter Immigranten nach Britisch- Guyana gekommen sei. Wie dem auch sei, Belege zeugen vom Gegenteil.

     

    Der Islam wurde bereits im 16. und 17. Jahrhundert zu der Zeit, wo muslimische Sklaven aus Westafrika von Briten und Niederländern zur Arbeit auf Zuckerplantagen gebracht worden waren, in Britisch- Guyana eingeführt. Unter ihnen sind die vorherrschenden muslimischen Völker gewesen: Akan (Aschantis), Mandingos (Mandinka) Ful (ani), Susu und Hausa, von der die letzteren später zu der größten ethnischen/ islamischen Gruppe Westafrikas wurden. Heute dominieren die Fulani- Hausa in Benin, Burkina Faso, Kamerun, in der Zentralafrikanischen Republik, im Tschad, an der Elfenbeinküste, in Gambia, Guinea, Guinea-Bissau, Liberia, Mali, Mauretanien, Niger, Nigeria, im Senegal, in Sierra Leone und Togo, sowohl als auch im Osten im Sudan. Es waren einige dieser Gebiete gewesen, aus welchen Afrikaner gewaltsam entwurzelt und in die „Neue Welt“ deportiert worden waren. Die andere Seite dieser historischen Ungerechtigkeit war, dass der Islam nach Britisch- Guyana kam. Die Fulanis waren traditionellerweise ein westafrikanisches nomadisches Hirtenvolk gewesen , aus welchem viele dem muslimischen Glauben angehörten. Der Ausdruck „Fulla man“ kommt von dem Wort „Fulani“, wobei Fulani auch eine in westafrikanischen Ländern verbreitete Sprache ist. Das Wort Fula wird allerdings heutzutage zur Bezeichnung der „ indo- guyanischen“ Muslime verwendet.

     

    Historische Belege zeigen, dass die lange Arbeitszeit und die Bedingungen, unter denen die afrikanischen Sklaven zu arbeiten gezwungen waren, extrem hart gewesen sind. Sie waren täglich schweren Grausamkeiten seitens ihrer Sklavenmeister ausgesetzt. Zusätzlich hatte man ihnen nicht erlaubt, ihre Religion auszuüben oder in ihren jeweiligen Muttersprache zu sprechen- und jegliches Anzeichen ähnlicher sprachlicher oder kultureller Zusammengehörigkeit endete in Segregation. Es hatte auch keine stabile Familieneinheit gegeben, weil Verwandte vorsätzlich getrennt und auf verschiedene Plantagen verteilt worden waren.

     

    Schließlich waren sie buchstäblich von allem, was sie an ihr ursprüngliches Leben erinnerte, die Traditionen und Rituale ihres Geburtslandes, entblößt und letztendlich durch die über die Arbeit herrschenden Kräfte völlig ihrer Kultur beraubt worden. Sie konvertierten zu der Religion ihrer Meister und in diesem Prozess sind ihre afrikanischen und islamischen Namen ebenfalls anglisiert worden. So war bei der Abschaffung der Sklaverei in Britisch- Guyana 1834 jegliche Präsenz des Islam unter den Sklaven schon lange verschwunden. Nichtsdestoweniger trugen noch bis in die frühen dreißiger Jahre des 19. Jahrhunderts einige Afrikaner (in Guyana) islamische Namen wie Bacchus, Mohammed, Mammadou, Sallat, Mussa, Hannah, Sabah, Fikea, Russanah usw… wie es in der Berbice Official Gazette aus dem Jahr 1803 aufgelistet ist, in welcher die Namen einiger entlaufener Sklaven veröffentlicht wurden, nachdem die Sklaven bei einer Buschexpedition zwischen den Jahren 1808 und 1810 aufgegriffen worden waren. Trotz des Verlusts der islamischen Wurzeln dieser Sklaven wird zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch in verschiedenen Büchern Bezug auf Spuren der arabischen Sprache in Schriftstücken genommen, die Sklaven zugeschrieben und in Britisch- Guyana entdeckt worden sind.

     

    Sylvaine A. Diouf zitiert in ihrem Buch „Diener Allahs: in Amerika versklavte afrikanische Muslime“ („Servants of Allah: Muslims Enslaved in the Americas) aus John Rodway „Geschichte Britisch- Guyanas von dem Jahr 1668 bis in die Gegenwart“ (“ History of British Guyana from the Year 1668 to the Present Time „), dass Zeugnisse der arabischen Schrift vermutlich auf einer der Zuckerplantagen gefunden worden waren. Nach Rodway waren 1807 auf einer Plantage in Essequibo Papiere gefunden worden, als ein Sklave einen Anschlag von Rebellen, der für den Weihnachtsabend desselben Jahres geplant worden war, aufdeckte. Aufgrund der Anklage des Sklaven waren zwanzig Sklaven gefangen genommen und der Anführer war zusammen mit ein paar anderen für ihre Teilnahme an der „ Rebellion“ erhängt worden. Ein Beweisstück, welches während des Verhörs gezeigt wurde, war ein von dem Rebellen auf Arabisch verfasster Brief gewesen, der an die Sklaven adressiert worden war. Wie auch immer, da kein Mitglied des Gerichts in der Lage gewesen war, den Brief zu lesen, konnte sein Inhalt nur erahnt werden. Ein zweites Buch, eine Autobiographie mit dem Titel „Aufenthalt eines Soldaten in Britisch- Guyana, 1806 – 1808“, geschrieben von Thomas Stauton St. Clair und 1834 veröffentlicht, zeugt ebenfalls von einem Sklavenaufstand in der Kolonie im Jahr 1807. St. Clair war ein britischer Soldat gewesen, der für drei Jahre, von 1805 bis zum Juni 1808, in Demerara stationiert gewesen war. Aus seinen persönlichen Erinnerungen erzählte er, dass eine Sklavin, die mit einem jungen schottischen Aufseher auf einer Plantage zusammenlebte, die Verschwörer des Sklavenaufstandes verriet. Als die Verschwörer gefangen genommen worden waren, fand man in ihrem Besitz ein Papier, das auf Arabisch beschrieben worden war.

     

    Noch wichtiger war es, dass 1836, zwei Jahre vor der Ankunft der ersten Indischen Muslime in Britisch Guyana, die Londoner Missionsgesellschaft berichtete, dass Thomas Lewis, ein freigelassener Afrikaner, in England erzogen worden war und eine Schule in Union Chapel in New Amsterdam gegründet hatte. Lewis war zuvor ein Muslim gewesen, der unter dem Namen Toby bekannt war und der den arabischen Text des Heiligen Qur’an lesen konnte.

     

    Zuletzt sollte erwähnt werden, dass die erste Sklavenrevolte 1763 von einem Haussklaven namens Kofi (was „am Freitag geboren“ bedeutet) ausgetragen worden war. Er war ein Muslim aus dem Stamm der Akan in Ghana gewesen. Dies sind klare Beweise dafür, dass Sklaven noch immer in der arabischen Sprache bewandert gewesen waren, und manche von ihnen hatten vielleicht einige ihrer fulani oder islamischen Bräuche bewahrt, indem sie aus dem Gedächtnis Verse aus dem Heiligen Qur’an vortrugen (so wie es in dem Fall von Toby gewesen war) und trotz der Unterwerfung durch ihre Sklavenmeister sich an das Fasten und das Beten hielten.

     

    Quelle: Taghrib.ir