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    Amerikanischer Muslim oder muslimischer Amerikaner?

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    In den Vereinigten Staaten ist unter dem Schatten der Attacken des elften Septembers 2001 eine Generation junger Muslime herangewachsen, unter ihnen die KPCC Praktikantin Yasmin Nouh. Ein Teil der Diskussion, dem sie sich während dieser Jahre gewidmet hat, handelt davon, wie Muslime, deren Patriotismus seitdem unter genauer Beobachtung steht, sich selbst identifizieren sollten: als amerikanische Muslime oder als muslimische Amerikaner?

     

    In ihrer Gastposition untersucht Nouh Argumente für beide Wege, zunächst den Weg der Selbstidentifizierung und dann die multiamerikanische Identifizierung:

    Teilnehmer der jährlichen Muslimtag-Parade in New York am 26. September 2010 letzten Jahres – Die terroristischen Angriffe Osama bin Ladens vom elften September 2001 eröffneten ein Kapitel in der amerikanischen Geschichte, welches mit weitverbreiteten Missverständnissen über den Islam und die Muslime vollgeladen ist.

     

    Vor allem Muslime in den Vereinigten Staaten und in Europa waren aufgefordert worden, Extremismus zu verurteilen und zu beweisen, dass sie ihre Länder, in denen sie leben, unterstützen. Unter dem Aufkommen antiislamischer Gefühle wurde eine Frage ständig gestellt: Bist du ein Muslim oder ein Amerikaner? Was ist dir wichtiger?

     

    Wenn jemand sagte, er sei zuerst Muslim, dann war er unpatriotisch. Wenn jemand zuerst „Amerikaner“ sagte, dann war es, als ob er oder sie seiner oder ihrer muslimischen Identität weniger Wichtigkeit beimaß.

     

    In einem kürzlich auf der Webseite „Muslimische Angelegenheiten“ erschienenen Brief schrieb der zum Islam konvertierte Iesa Galloway darüber, wie Muslime in den Vereinigten Staaten den Ausdruck „amerikanischer Muslim“ im Zusammenhang mit der Selbstidentifizierung gebrauchen sollten. Er führte zwei Argumente an: Erstens ist „amerikanischer Muslim“ semantisch gesehen korrekt. „Amerikanisch“ ist ein Adjektiv und „Muslim“ ist ein Nomen. Aufgrund der Höflichkeit der englischen Grammatik steht das Adjektiv vor dem Nomen, und deshalb ist man ein „amerikanischer Muslim“.

     

    Zusätzlich ändert sich die „amerikanische“ Identität eines jeden und bezieht sich auf eines jeden Kultur und Nationalität, und deshalb kann sie nicht mit religiösen Praktiken in Konflikt treten. Anders gesagt schrieb Galloway: „Wenn du akzeptierst, dass deine muslimische Identität als erstes kommt, hast du es mit einem Silbenrätsel zu tun, welches in die von Anti- Muslimen und muslimischen Radikalen aufgestellten Fallen führt.“

     

    Er argumentierte, dass die Konstruktion „amerikanischer Muslim“deswegen praktisch sei, weil erstens das, was die Muslime in Amerika von den Muslimen an irgendeinem anderen Ort unterscheidet, die Nationalität ist und nicht die Ausübung des Islam; und zweitens das, was die Muslime in Amerika von anderen Amerikanern unterscheidet, der Glaube ist.

     

    Gemäß zweitem Teil von Galloways These soll die Phrase „amerikanischer Muslim“ nicht mit Bindestrich geschrieben werden, „weil sich die Schreibweise mit Bindestrich zum Ausdruck der Identität in erster Linie auf die ethnische oder rassische Linie bezieht. (Und) wenn wir unsere Identität rassifizieren, handeln wir uns als ein Amerikaner den Bindestrichstatus ein und akzeptieren daher das Anderssein, das uns aufgedrückt ist.“

     

    Galloway argumentiert, dass dies denjenigen dient, welche den Islam für antiamerikanisch oder mit der westlichen Zivilisation für unvereinbar halten. Schließlich fragt er:

    „Werden alle Probleme dadurch gelöst werden, dass wir ‚amerikanischer Muslim‘ mehr gebrauchen als ‚muslimischer Amerikaner‘?“

    Nein, aber es wird helfen. Dieser Gebrauch weist die grundlegenden Angriffe, dass Muslime keine richtigen Amerikaner seien und dass Islam eine Bedrohung für Amerika sei, zurück.

     

    In einem Leserbrief fand sich unter der Rubrik „Kommentare“ ein interessantes Argument. Einige Leser hatten nicht die gleiche Meinung wie Galloway.

    Junaid schrieb:

    In dem Moment, wo wir fühlen, dass es notwendig ist, jemandem zu beweisen, dass wir genauso wie sie „Amerikaner“ oder „Kanadier“ und Staatsbürger sind, haben wir schon die Debatte verloren. Die Frage ist wertlos, und Muslime sollten nicht ihre Loyalität irgendjemandem zu beweisen haben. Wir sollten solche Debatten einfach liegenlassen. Meiner Meinung nach sind sie eher schadhaft als gut, und sie ziehen die Aufmerksamkeit auf eine Sache, welche von Anfang an nicht hätte aufkommen sollen.

     

    Ich bin meiner Ansicht nach einfach nur ein „Muslim“. Wenn das bei irgendwelchen Leuten Unbehagen auslösen sollte, dann fehlt ihnen wahrscheinlich das Wissen darüber, was es heißt, ein Muslim zu sein. Und das ist der Ausgangspunkt, indem man Islam und die Identität der Muslime erklärt.“

     

    Eine andere Leserin, Amy, gab Galloway Recht, aber insgesamt hatte sie das Gefühl, dass es schließlich egal sei:

    Kürzlich hatte ich einen Konvertierten sagen hören „in dieser Reihefolge: `amerikanischer Muslim`“. Dies beschäftigte mich, weil dies einen Zusammenstoß zweier Ideen, welche nicht aneinander stoßen sollten, hervor zwang. Es schien, als ob er, wenn er die Wahl zwischen Amerikaner und Muslim gehabt hätte, sich dafür entschieden hätte, „Amerikaner“ zu sein. Ich denke nicht einmal, dass die meisten Amerikaner ihr Land über Gott stellen würden. Sagen sie denn nicht in dieser Reihenfolge „Gott, Familie, Land“?

     

    Persönlich denke ich, dass die Reihenfolge dieser Wörter ihre Bedeutung erweitern sollte. Jemand mag sich als einen amerikanischen Muslim bezeichnen, um sich von Muslimen anderer Länder zu unterscheiden, während jemand sich „muslimischer Amerikaner“ nennen mag, um sich von den anderen Amerikanern zu unterscheiden. Diese beiden Begriffe beschreiben verschiedene Sphären, mit welchen sich jemand identifizieren kann und welche verschiedene Teile seines Lebens berühren.

     

    Ich halte mich ohne Widerspruch für einen amerikanischen Muslim (oder muslimischen Amerikaner, wie auch immer). Aber ich weiß, dass wenn ich sterbe, nur eins von Bedeutung sein wird, und das ist meine Priorität. In der Tat, ich denke, dass es dies ist, was mich an erster Stelle zu einem Muslim macht.

     

    Die „amerikanischer Muslim“ – „muslimischer Amerikaner“- Diskussion ist schon einmal in diesem Jahr und zwar bei der ersten Runde der Kongresssitzung über „Radikalisierung“ unter Muslimen in den Vereinigten Staaten, deren Vorsitzender der New Yorker Vertreter der Republikaner, Peter King war, berührt worden. Muslimische Führer verurteilten sowohl King als auch die Sitzungen indem sie erklärten, dass die Sitzungen antimuslimischer Natur gewesen waren.

     

    In einem Interview des CNN, welches gleichzeitig zu den Sitzungen stattgefunden hatte, fragte der Kommentator zwei muslimische Gäste, ob sie sich zuerst für Amerikaner und dann für Muslime oder umgekehrt, zuerst für Muslime und dann für Amerikaner halten würden.

     

    Als Antwort darauf schrieb Rhonda Ragab, eine graduierte Studentin der USC, die Frage auf eine Serverliste, deren Mitglieder muslimische Frauen aus den gesamten USA sind. Ragab fragte:

    „Ich habe ein Interview im CNN gesehen, bei welchem ein Mann gefragt wurde, ob er ein amerikanischer Muslim oder ein muslimischer Amerikaner sei. Wie würdest du antworten, wenn du gefragt werden würdest, ob du zuerst ein Muslim oder zuerst ein Amerikaner bist?“

     

    Yasmin Mogahed, welche muslimische Angelegenheiten blogt, antwortete:

    „Die Frage selbst bringt es mit sich, dass die beiden Ausdrücke aufgrund ihrer Definition miteinander unvereinbar seien, und man daher einem von beiden den Vorrang geben müsse. Niemand fragt, ob man Christ oder Amerikaner sei. Bist du zuerst schwarz oder ein Christ? Bist du an erster Stelle ein Klempner oder ein Ehemann? Niemand fragt so etwas, weil niemand hierin einen Widerspruch sieht.“

     

    Die UC Irvine- Studentin Mina Malik sagte, dass sie es bevorzuge, sich als amerikanische Muslima zu identifizieren:

    „Ich denke, dass die Identitätskrise für uns kommt, wenn wir uns gezwungen fühlen zu wählen, ob wir selbst das denken oder wenn uns gesagt wird, dass wir nicht beides sein können. Was mich betrifft denke ich mit Sicherheit, dass ich, sobald ich wahrzunehmen begann, dass das Muslimsein das Amerikanisch-Sein nicht ausschloss und das Amerikanisch-Sein nicht ausschloss, ein Muslim zu sein, fühlte ich, dass ich trotzdem ein Teil der größeren amerikanischen Gesellschaft sein und dabei an meinem Glauben festhalten könnte.

     

    Es gibt da so eine unsichtbare Kraft, die uns weismachen will, dass wir nicht beides sein könnten, dass sich beide Begriffe vollständig gegenüberstehen. Ich denke, dass einige nicht den Glauben praktizierende Muslime in Amerika so fühlen.

    Für mich war es als Gymnasiastin eine gewaltige Sache gewesen, dies zu realisieren und zu akzeptieren. Jetzt bin ich froh, und mich bedrücken keine Identitätsfragen mehr!“

     

    Alija O’Keefe, deren Name schon auf ihren Hintergrund weist, hielt es für besser, nicht auf diese Frage zu achten. Sie sagte:

    „Mir wurde gesagt, dass in mir Widersprüche lägen und ich nicht beides sein könne (da ich irisch-amerikanisch und muslimisch bin). Hinsichtlich der Begriffe „amerikanischer Muslim“ und „muslimischer Amerikaner“ denke ich, dass es besser sei, sich von der Frage fernzuhalten und sie als ein dummes semantisches Problem zu behandeln, weil man es ohnehin so auslegen kann, wie man will.

     

    Wenn man sagt, dass man „amerikanischer Muslim“ ist, dann könnte man auch argumentieren, dass man in erster Linie ein Muslim und „amerikanisch“ nur ein Adjektiv ist. Und wenn man „muslimischer Amerikaner“ sagt, dann werden die Leute sagen: „Oh, du bevorzugst es, ein Muslim zu sein.“ Das Unsinnige liegt in der Frage selber: Wir „wählen“ ja gar nicht das eine oder andere. Wir sind Amerikaner, und wir sind Muslime.

     

    Es eröffnet wirklich eine Möglichkeit für eine gute Diskussion über den Islam, ob er Religion/ Glaube oder Kultur/ Nationalität sei. Ich denke, dass die Verwechslung mit Juden und deren Identifizierung mit „jüdische Amerikaner“ daran liegt, dass die Juden sich selbst als eine kulturelle/ethnische Einheit sehen. Daher nennen sie sich selber jüdische Amerikaner um ihre Herkunft/Volkszugehörigkeit darzustellen, ähnlich wie es afrikanische Amerikaner, irische Amerikaner usw. … tun.“

    So wie identifiziere ich mich? (Frage von Autorin) – Ich bin eine Muslima, der es zukam, amerikanisch zu sein.

     

    Meine Mutter ist Iranerin, und mein Vater ist Ägypter, aber ich identifiziere mich weder mit der einen noch der anderen Staatsangehörigkeit, wenn ich nach meiner Nationalität gefragt werde. Ich fühle mich zuerst als eine Amerikanerin, weil ich hier geboren bin und sowohl meine Familie als auch meine Freunde hier sind.

     

    Meine Mutter kommt aus einer schiitischen Familie, und mein Vater ist Sunnit, aber ich fühle mich zu keiner dieser Richtungen zugehörig, wenn ich gefragt werde, welchen Typ des Islam ich denn praktiziere. In meinem Innern bin ich eine Muslima, zumindest versuche ich den Islam im besten Maße auszuführen. Ich lebe so, weil Islam eine Lebensansicht ist.

     

    Was es für mich heißt, eine Amerikanerin zu sein, wechselt immer, deshalb sehe ich es als einen Weg an, mich in den Worten meiner Kultur zu beschreiben. Amerika ist eine Mischung, und ich bin auch eine, und deshalb passe ich perfekt hierher.

     

    Daher kannst du mich nennen wie du willst, eine amerikanische Muslima oder eine muslimische Amerikanerin. Du kannst beide Ausdrücke nicht miteinander vergleichen, weil sie sich nicht auf der gleichen Ebene befinden. Zu guter Letzt hängt es nicht von der Wahl des Ausdrucks ab, wer ich bin.

     

    Quelle: Presseagentur Taghrib(TNA), Büro für den indischen Subkontinent/ AHM/ Taghrib.ir

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    Quelle: http://german.irib.ir/radioislam/beitr%C3%A4ge/verschiedenes/item/246347-amerikanischer-muslim-oder-muslimischer-amerikaner?