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    Andacht und Gedenken im Islam

    • Dr. Mohammad Razavi Rad
    • http://www.islamic-sciences.de
    Andacht und Gedenken im Islam
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    Wenn wir uns das Leben der Imame und das der Propheten anschauen, erkennen wir in ihren den Islam betreffenden Aktivitäten eine ganz bestimmte Zieleinigkeit. Eines ihrer Ziele aber war kein anderes als die Menschen zu Gott, Dem Allerhöchsten, und zur Gottergebenheit – dem Islam – aufzurufen. Ihr ganzes Bemühen war darauf ausgerichtet, die Menschen zu einem tief spirituellen Glauben aufzurufen, einem Glauben, dessen Gottesdienst politisch und dessen Politik gottgefällig ist, einem Glauben und einer Religion, die kein Unrecht duldet und kein Verbrechen toleriert und deren Aktivität und Bewegung durch keine Zeit und keinen Ort eingeschränkt werden kann. Eine Religion, die kein anderes Maß kennt als die Wahrheit und kein anderes Ziel hat als die Falschheit zu vernichten. So verlangt es die Vernunft, und so verlangt es auch die Schrift.

     

    Ein anderes Ziel aber war es, einen spirituellen und geistigen Zustand zu schaffen, durch den der Mensch sicher zu Gott geführt wird. Dieser Zustand war der innere Glaube und die Hinwendung des Menschen zu Gott. Oder so, wie es in vielen der Verse des Korans ausdrückt wird: “die Andacht” oder “das Gedenken”, auf Arabisch: ad-Dikr. Denn das, was der erhabene Schöpfer mittels der Propheten und Imame verleiht, ist nichts anderes als eben diese Andacht und dieses Gewahrsein.

     

    Jemand also, der bei sich einen solchen Zustand der Andacht und des Gewahrseins findet, ist auch dazu bereit, sich warnen und verbessern zu lassen. Wenn sich die Menschheit jedoch dieser Dimension nicht gewahr ist, dann bleiben ihr – wie dies heute auch in unserer materialistischen Zeit der Fall ist – alle Türen zu geistiger Wohlfahrt verschlossen.

     

    Es gibt absolut keinen Zweifel daran, dass der Schlüssel der heutigen materialistischen Welt zu geistiger und spiritueller Wohlfahrt, ja sogar zu materieller Wohlfahrt im Sinne von globaler Gerechtigkeit, in der Selbstbesinnung, dem Gewahrwerden und der Andacht zu finden ist. Zweifellos kann nur eine Besinnung auf das Ziel der Schöpfung und auf das, was hinter den materiellen Erscheinungen des Lebens in dieser Welt verborgen liegt, einen Ausweg aus dem geistigen und spirituellen Dunkel des Materialismus bahnen. Das Leben – und vor allem den Sinn des Lebens – auf Speise, Trank, Ramsch und alle anderen Begierden zu beschränken und sich vom eigentlichen Innern dieser Welt und dem, was sie in Wahrheit zusammenhält, abzuwenden, ist die Wurzel allen Übels und allen Leids. Das wahre Element menschlichen Lebens lebt allein durch die Philosophie vom Ursprung und Ziel desselben.

     

    Das dritte gemeinsame Ziel aller Propheten und Imame aber war die Errichtung und Schaffung einer gesunden Gesellschaft, in der menschenwürdiges Leben zum ersten Mal in größerem Rahmen ermöglicht wurde. Eine Gesellschaft, in der kein Unrecht und keine schlechte Gesinnung herrschen, sondern die stets um richtiges und gerechtes Verhalten und Handeln bemüht ist. Denn neunundneunzig Prozent aller sozialen Miseren, die in den menschlichen Gesellschaften vorkommen, entstehen aufgrund von ungerechtem Verhalten und schlechter Moral. Oder beobachten wir diese Erscheinungen nicht jeden Tag an vielen Orten der Erde von neuem?

     

    Die Sorgen, Probleme und Nöte, mit denen heute auch die Muslime in der Welt zu kämpfen haben, rühren von der Unachtsamkeit und Gleichgültigkeit her, die sie ihrer Religion und ihrem Glauben entgegenbringen. Trotz dem, dass die Möglichkeiten der Verständigung und der Informationsübermittlung weltweit enorm fortschrittlich und modern geworden sind, treffen wir überall Muslime an, die ganz grundlegende Fragen ihrer Religion und ihres Glaubens nicht beantworten können.

     

    Wir müssen uns gewahr werden und darüber im Klaren sein, dass die Welt von heute mit einer Religion des Geheimnisumwobenen und Unbekannten nichts anzufangen weiß, solange ihre Fundamente nicht klar gemacht und ihre Stärke und ihr Potential in der Leitung des Menschen und in allen ihn betreffenden Fragen noch nicht bewiesen sind.

     

    Darum sind wir alle dazu verpflichtet, mit allem, was in unserer Macht steht, wie z.B. die Erfahrungen der vergangenen Zivilisationen und das Vertrauen auf unseren Glauben, eine islamische Welt zu schaffen, die dem Rest der Welt eine echte Alternative und eine Lösung ihrer Sorgen und Nöte bieten kann. Eine solche islamische Gesellschaft muss, in der Anlehnung an den Glauben an Gott, an die Urnatur des Menschen und an sein Gewissen, in allen Bereichen und Dimensionen des menschlichen Lebens effektive und aktuelle Lösungen bereitstellen. Aus diesem Grunde müssen wir uns, gemäß den Grundlagen des islamischen Rechts und Gesetzes, den Fragen der Welt heute mehr denn je öffnen.

     

    Jeder von uns wird wohl zustimmen, wenn ich sage, dass die Muslime gerade heute, mehr als je zuvor dazu in der Lage sind, produktive Gedanken zu fassen und realisierbare, praktische Schritte zu gehen, die Botschaft des Islams zu erfüllen und seine Ziele wie auch sein Potential in die Tat umzusetzen. Denn wir glauben felsenfest daran, dass der Islam die freie Ergebenheit in Gott, die Religion der Zukunft ist. Und gerade deshalb ist es unser aller Treuepfand, dieses Erbe sicher und gewahr an die nächsten Generationen weiterzugeben.