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    Annäherung der islamischen Denkschulen und benötigte Rationalität

    • Ajatollah Taskhiri
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    Annäherung der islamischen Denkschulen und benötigte Rationalität
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    Der freie Wille ist es, was den Menschen von den anderen Lebewesen unterscheidet. Auch wenn dieser Wille das Resultat von wachsenden Leidenschaften und Gefühlen sein sollte, welches einige Philosophen und Psychologen für aufgestaute Leidenschaft und Emotionen gehalten haben, so besteht der Unterschied zu den tierischen Leidenschaften und Gefühlen darin, dass sie mit den Überzeugungen seiner Vernunft auf dem Gebiet „würdiger und unwürdiger Taten“, was terminologisch als Aql-i Amali (Moral) bezeichnet wird, in Verbindung stehen. Eine solche Moral aber besitzt das Tier natürlich nicht.

     

    Daher handelt der gesunde Wille des Menschen, trotz jeder Art von aufgestauten Gefühlen, die dahinter existieren, unter Anleitung des Aql- Amali – der Moral, während die Handlung des tierischen „Willens“ aufgrund von blinden triebhaften Motiven erfolgt und eine passive Reaktion ist. Daher gilt ein Mensch, der aufgrund solcher Motive handelt, als ein Tier und sogar noch schlimmer und verirrter als ein Tier. Gott, der Höchsterhabene, hat ihm doch in seiner Fitra – seinem Seelen-Urgrund, ein natürliches Zaumzeug zur Kontrolle mitgegeben – nämlich die Vernunft, aber er lässt diese unbeachtet. Gott der Höchsterhabene spricht:

     

     

    : « وَلَقَدْ ذَرَأْنَا لِجَهَنَّمَ كَثِيرًا مِّنَ الْجِنِّ وَالإِنسِ لَهُمْ قُلُوبٌ لاَّ يَفْقَهُونَ بِهَا وَلَهُمْ أَعْيُنٌ لاَّ

    يُبْصِرُونَ بِهَا وَلَهُمْ آذَانٌ لاَّ يَسْمَعُونَ بِهَا أُوْلَئِكَ كَالأَنْعَامِ بَلْ هُمْ أَضَلُّ أُوْلَئِكَ هُمُ الْغَافِلُونَ»

     

    Wir haben ja viele der Dschinn und der Menschen für die Hölle geschaffen. (Denn )sie haben ein Herz, mit dem sie nicht verstehen, Augen, mit denen sie nicht sehen, und Ohren, mit denen sie nicht hören. Sie sind (stumpfsinnig) wie das Vieh. Ja, sie irren noch eher vom Weg ab. Sie sind es, die überhaupt nicht Acht geben (Sure Ar`af (Sure 7), Vers 179).

     

    Dem Tier ist die Lenkung durch den Verstand, das Bewusstsein und die Abwägung fremd. Ein Mensch, der nicht auf sein Potential und seine Fähigkeiten achtet, ist genauso.

     

    Daher ist für das Tier und den tierhaften Menschen die Freiheit des Triebes und der egoistischen Verlangen eine unbeschränkte und zerstörerische Freiheit, die nach Ansicht von muslimischen und auch von nicht-religiösen Philosophen unbedingt kontrolliert und verwaltet werden muss. Der große Islamische Philosoph Sadr ad-din Schirasi (Mulla Sadra) sagt: „Die handelnde Vernunft (Aql -Amali – Moral) – ist eine Kraft , die ständig die Angelegenheiten des Menschen, die er für seinen Lebensunterhalt und sein Jenseits durchführen muss, erkennt und ableitet, genau im Gegensatz zu der einer Vernunft entbehrenden Kraft, deren Tun und Tätigkeit sämtlich tierisch sind und der kein Denken vorausgeht.

     

    Der deutsche materialistisch orientierte Philosoph Hegel übt an der üblichen Definition der Freiheit in seiner Zeit Kritik, nämlich der Definition „Macht, etwas durchzuführen, wozu es dich drängt“. Er ist überzeugt davon dass diese Definition ein Zeichen für fehlende geistige Reife darstellt, weil sie keinen Hinweis auf Recht und Wahrheit und das moralische Leben etc. vornimmt.

     

    In diesem Zusammenhang erklärt Ostad Schahid Morteza Motahari: „Das Kriterium für die Würde und Achtung der menschlichen Freiheit besteht darin, dass sie sich auf der Bahn der Menschlichkeit bewegt. Ein Mensch, der sich auf dieser Bahn bewegt, muss frei sein,   nicht aber jemand, der seinen Gelüsten folgt und dies sich sogar gegen die Menschheit richtet.“

     

    Deshalb sehen wir, dass der Islam den muslimischen Menschen auf verschiedenen Wegen auf der Basis der Anwendung der Vernunft bei der individuellen und kollektiven Willensbildung heranformt, zum Beispiel sieht er die Islamische Überzeugung und ihre zentralen Stützen (nämlich Glaube an den Einen Gott, die Propheten und das Jenseits) – als den wegweisenden Gesamtrahmen dieser Anwendung der Vernunft und der Rationalität vor und betrachtet generelle Inhalte wie die folgenden als Dinge, die aus ihr resultieren:

     

    Zielgerichtetheit der Daseinswelt:

    « رَبَّنَا مَا خَلَقْتَ هَذا بَاطِلاً سُبْحَانَكَ فَقِنَا عَذَابَ النَّارِ »

     

    Herr! Du hast das (alles) nicht umsonst geschaffen – Rein und gepriesen bist du. Bewahre uns vor der Strafe des (Höllen)feuers (Sure Imran (3), Vers 191)

     

    Verantwortung:

    « وَقِفُوهُمْ إِنَّهُم مَّسْئُولُونَ »

     

    Und haltet sie zurück, denn sie werden zur Rechenschaft gezogen (Sure Saffat (37), Vers 24)

     

    Bewusste Freiheit:

    « إِنَّا هَدَيْنَاهُ السَّبِيلَ إِمَّا شَاكِرًا وَإِمَّا كَفُورًا »

     

    Und wir haben ihm den rechten Weg gezeigt, ob er dankbar sein oder undankbar sein wird (Sure Insan (76), Vers 3)

     

    Abrechnung:

    « وَيَخْشَوْنَ رَبَّهُمْ وَيَخَافُونَ سُوءَ الحِسَابِ »

     

    … und ihren Herrn fürchten und vor der Strenge der Abrechnung Angst hegen (Sure Raad (13), Vers 21)

     

    Gleichgewicht in der Daseinsordnung und Umgang mit diesem:

     

    « وَالسَّمَاء رَفَعَهَا وَوَضَعَ الْمِيزَانَ * أَلَّا تَطْغَوْا فِي الْمِيزَانِ »

     

    Den Himmel hat Er emporgehoben. Und er hat die Waage aufgestellt* dass ihr hinsichtlich der Waage nicht aufsässig seid (Sure Ar Rahman (55), Vers 7 u. 8)

     

    Ablehnung jeder Art von Unrecht:

    « وَسَيَعْلَمُ الَّذِينَ ظَلَمُوا أَيَّ مُنقَلَبٍ يَنقَلِبُونَ »

     

    … Diejenigen, die freveln (und Unrecht tun), werden wissen, welche Wendung es mit ihnen nehmen wird (Sure Schu`ara (26),Vers 227)

     

    Nichterfüllung von Rechten und Betrug in Warenmenge sind ebenso Frevel:

     

    « وَلاَ تَبْخَسُواْ النَّاسَ أَشْيَاءهُمْ »

    …und zwackt den Leuten nicht ab, was ihnen gehört (Sure A`raf (7), Vers 85) ; » «وَيْلٌ لِّلْمُطَفِّفِينَ Wehe den Betrügern“ (Sure Al Mutaffifin (83) Vers 1)

     

    Ja! Innerhalb solcher Richtlinien bringt der Islam die Rationalität und die Anwendung der Vernunft bei einem Muslim zur Entfaltung und ist darum bemüht, dass die geistigen Dimensionen in ihm wachsen und die Hindernisse für das richtige Denken ihm aus dem Weg geräumt werden. Für den Verlauf der denkerischen und rationalen Entwicklungen gibt es ein allseitiges Konzept, welches die folgenden Dinge umfasst:

     

    a) Öffnung des Tors zu fruchtbaren menschlichen Gesprächen unter Beachtung der Logik, Sachlichkeit und Achtung der anderen, Hervorhebung der praktischen Fragen und der Befolgung höherer Methoden etc.

     

    b) Anregung des Menschen zur konstruktiven Wandlung und Nicht-Verharren bei gedanklicher Versteinerung und Rückständigkeit mit Betonung darauf, dass der Wandel bei ihm (dem Menschen) selber zu beginnen hat:

     

    « إِنَّ اللّهَ لاَ يُغَيِّرُ مَا بِقَوْمٍ حَتَّى يُغَيِّرُواْ مَا بِأَنْفُسِهِمْ »

     

    Zweifelsohne ändert Gott nichts an dem was eine Gruppe besitzt (und nimmt ihnen nichts weg) solange sie nicht verändern , was sie in sich haben (Sure Raad (13), Vers 11).

     

    Der Veränderungs- und Wandlungsprozess gehört zu den besonderen Merkmalen des Menschen dank Nutzung seiner Verstandeskräfte.

     

    c) Anregung des Menschen zur Nachdenken, Bereitschaft aus Erfahrungen zu lernen, Wissen und Bewusstsein: « لِّيَدَّبَّرُوا آيَاتِهِ » … damit sie sich über Seine Zeichen Gedanken machen (und damit diejenigen, die Verstand haben, sich mahnen lassen) (Sure Sad (38), Vers 29);

     

    «أَفَلَمْ يَسِيرُواْ فِي الأَرْضِ فَيَنظُرُواْ»

    … Sind sie denn nicht im Land umhergezogen, so dass sie schauen konnten, wie das Ende derer war, die vor ihnen lebten? (Sure Yusuf (12), Vers 109);

     

    « إِنَّ فِي ذَلِكَ لآيَةً لِّقَوْمٍ يَعْقِلُونَ»

    Darin liegt ein Zeichen für Leute, die Verstand haben (Sure Nahl (16), Vers 67);

     

    « يَا أَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا إِن جَاءكُمْ فَاسِقٌ بِنَبَأٍ فَتَبَيَّنُوا»

    Ihr Gläubigen! Wenn ein Frevler mit einem Gerücht zu euch kommt, dann passt genau auf, damit ihr nicht einigen Leuten in Unwissenheit etwas antut… (Hudschurat (49),Vers 6);

     

    « وَتَعِيَهَا أُذُنٌ وَاعِيَةٌ »

    …und damit es von Ohren aufgenommen werden könnte, die aufzunehmen vermögen(Haqqa (69) Vers 12);

     

    « تَقْرَبُواْ الصَّلاَةَ وَأَنتُمْ سُكَارَى حَتَّىَ تَعْلَمُواْ مَا تَقُولُونَ »

    Ihr Gläubigen! Kommt nicht betrunken zum Gebet, damit ihr wisst, was ihr sagt und … (Nisa (4), Vers 43);

     

    d) Ebnung des Prozesses der selbständigen Urteilsfindung (Idschtihad)

     

    e) Ansporn zur Konsultation: « وَأَمْرُهُمْ شُورَى بَيْنَهُمْ » …die sich untereinander beraten (Schura (42), Vers 38);

     

    Der Islam ist außerdem darum bemüht, die Hindernisse für ein richtiges und gesundes Denken aus dem Weg zu räumen, zum Beispiel folgende Hürden:

     

    a) eingebildete relativ absolute Größen:

     

    « مَا تَعْبُدُونَ مِن دُونِهِ إِلاَّ أَسْمَاء سَمَّيْتُمُوهَا أَنتُمْ وَآبَآؤُكُم مَّا أَنزَلَ اللّهُ بِهَا مِن سُلْطَانٍ »

    Ihr dienet an seiner Statt bloßen Namen, die ihr und eure Väter aufgebracht habt und wozu Gott keine Vollmacht herabgesandt hat

     

    b) Aberglauben

     

    « مَا جَعَلَ اللّهُ مِن بَحِيرَةٍ وَلاَ سَآئِبَةٍ وَلاَ وَصِيلَةٍ وَلاَ حَامٍ »

     

    Gott hat keine Verbote für Bahira (Kamelsstute, die mehrmals Junge hatte und der man die Ohren geschlitzt hat) oder Saiba (den Götzen geweihte Kamelstute)   oder Wasila (ein Zwillingsschaf – weiblich und männlich) oder Ham (Kamelstute, die zehnmal hintereinander Fohlen eines Kamelhengstes zur Welt gebracht hat) aufgestellt (Maidah (5), Vers 103)

     

    c) blinde Nachahmung:

     

    « وَإِذَا قِيلَ لَهُمُ اتَّبِعُوا مَا أَنزَلَ اللّهُ قَالُواْ بَلْ نَتَّبِعُ مَا أَلْفَيْنَا عَلَيْهِ آبَاءنَا أَوَلَوْ كَانَ آبَاؤُهُمْ لاَ يَعْقِلُونَ شَيْئاً وَلاَ يَهْتَدُونَ »

     

    Und wenn man zu ihnen sagt, sie sollen dem folgen, was Gott herabgesandt hat, sagen sie: „Nein, wir folgen dem, was wir als Glauben und Brauch unserer Väter überkommen haben.“ Wenn nun aber ihre Väter nichts verstanden haben und nicht rechtgeleitet waren (folgen sie dann weiter ihren Vätern)? (Baqara (2), Vers 170)

     

    d) Achtlosigkeit: « وَلاَ تَكُن مِّنَ الْغَافِلِينَ » …Und sei keiner von denen, die unachtsam sind! (Sure Araaf (7), Vers 205)

     

    usw.

     

    Gestaltannahme und Entwicklung von islamischen Denkschulen aufgrund dieses rationalen Denkens

     

    Es leuchtet ein, dass zu Lebzeiten des Erhabenen Propheten (s.a.a.s.) kaum das Bedürfnis nach selbstständiger Rechtsfindung (Idschithad) bestanden hat, denn die Gebote und religionsrechtlichen und religiösen Begriffe wurden direkt von ihm übernommen. Allerdings hatten einige der Anhänger des Propheten selbstständig Antworten auf religionsrechtliche Fragen gefunden, die von ihm bestätigt worden waren.

     

    Damals gab es nur einfache Meinungsunterschiede und als sich das islamische Gebiet vergrößerte, wurde der An-nafr-Vers geoffenbart. Er festigte eine Wahrheit und verankerte religionsrechtlich den Idschithad und die Beweisbarkeit eines durch eine oder mehrere Personen überlieferten Wortes des Propheten oder der Imame. In diesem Vers spricht Gott:

     

    « وَمَا كَانَ الْمُؤْمِنُونَ لِيَنفِرُواْ كَآفَّةً فَلَوْلاَ نَفَرَ مِن كُلِّ فِرْقَةٍ مِّنْهُمْ طَآئِفَةٌ لِّيَتَفَقَّهُواْ فِي الدِّينِ وَلِيُنذِرُواْ قَوْمَهُمْ إِذَا رَجَعُواْ إِلَيْهِمْ لَعَلَّهُمْ يَحْذَرُونَ »

     

    Und die Gläubigen sollen nicht geschlossen (in den Dschihad oder zur Belehrung über die religiösen Angelegenheiten) ausziehen. Warum zieht dann nicht von jeder Gruppe von ihnen wenigsten eine Schar aus, damit sie sich in der Religion unterweisen lassen und ihre Leute warnen, wenn sie zu ihnen zurückkommen? Vielleicht werden sie sich in Acht nehmen (Sure Tauba (9), Vers 122).

     

    Aber natürlich nahm nach dem Versterben des Erhabenen Propheten (s.a.a.s.) stark das Bedürfnis am Idschithad zu und wuchs noch mehr in der Zeit der Gefährtennachfolger (Tabiun). Aber erst danach entstanden die verschiedenen islamischen Denkschulen in konkreter und klarer Form.

     

    Ostad Al Sayas ist der Ansicht, dass die Islamische Welt seit Beginn des zweiten Jahrhunderts nach der Hidschra (8.Jahrh. n. Chr.) bis zur Hälfte des 4. Jahrhundert n.d.H. (12. Jahrh. n. Chr.) 138 verschiedene Lehren und religionsrechtliche Denkschulen erlebte, wobei die meisten Städte im Islamischen Reich für sich eine Rechtsschule besaßen. Asad Heydar ist der Überzeugung, dass die Zahl dieser religionsrechtlichen Schulen und Glaubensgruppen mehr als 50 betrug.

     

    In den Augen einiger Religionsgelehrten handelt es sich bei einem Teil der religiösen Denkschulen, die nach der Gruppe der Gefährtennachfolger entstanden, um Rechtsschulen von einzelnen Personen, deren Anhänger und Freunde jedoch diese Schule nicht akzeptierten, so dass sie mit dem Zugrundegehen ihres Vertreters (durch Tod u.ä.) unterging. Bei einer anderen Anzahl von religionsrechtlichen Denkschulen handelte es sich um eine kollektive Denkschule, die dank dessen, was ihre geistigen Anführer und ihre Anhänger in zusammenhängenden Versammlungen aufstellen konnten, zu einer Reife gefunden hatte.

     

    Von den untergegangen Rechts- und Denkschulen kann unter anderem auf folgende hingewiesen werden, nämlich die Rechtsschulen von:

     

    1-Hassan Basri (23-110 n.d.H.), 2. Ibn Abi Leyla (74-148 n.d.H.), 3. Al Awzai (88-157 n. H.), 4. Sufyan ath Thawri (97-161 n.d.h.H.) 5, -al Laith Ibn Sa`d (gest. 175 n.d.H.), 6. Ibrahim Ibn Chalid Al Kalbi , 7. Ibn Khorram Davud Ibn Ali Al Asbahani al Zahiri (202-270 n.H), 8: Muhammad Ibn Dscharir al tabari (224-310 n.d.H.), 9: Soleyman Ibn Mehran Al `Amasch (verst. 148 n.d.H.) 10: Umar Ibn Schurahbil al Schu`bi (verst. 105 n. H.) und viele weitere religiöse Rechtsschulen.

     

    Die Rechtsschulen, die bis heute ihre Existenz fortgesetzt haben, sind:

     

    1.Schule der Zwölfer Schia, deren Lehre von Imam Mohammad Baqir und Imam Dschafar Sadiq , die zu den Imamen aus dem Prophetenhaus (aleihum salam) gehören, verbreitet wurde; 2. Schule der Zaiditen (Fünfer Schia); 3. Schule der Hanafiten; Schule der Schafiiten; 5. Schule der Malikiten; 6. Schule der Hanbaliten; 7. Schule der Ibaditen.

     

    An dieser Stelle möchten wir jedoch nicht über die Entstehung der genannten Rechtsschulen oder die Ursache ihres Aussterbens bzw. ihrer Verbreitung sprechen. Allerdings sind diese Faktoren und Bedingungen alle wissenschaftliche und objektive Ursachen und Faktoren, die von den Gelehrten bei der Diskussion über die Ursachen von Meinungsverschiedenheiten behandelt worden sind. Zum Beispiel weist Ibn Roschd auf das (auf die Differenzen ), die sich auf die Tanqih Sughriyat Hudschiyat-ul Zuhur

     

    „ Bereinigung der kleineren Faktoren der Beweisbarkeit einer Überlieferung“ oder „ Analogieschluss “ beziehen, hin, während Aghaje Hakim „die Meinungsunterschiede über die Prinzipien und Quellen der Ableitung“ hinzugefügt hat und wir   noch   „die Meinungsunterschiede über die Wege und Gepflogenheiten der Beweisführung und ihrer Stufen“ dazu rechnen können.

     

    Außer diesen objektiven und wissenschaftlichen Faktoren, sind auch in der Person liegende sich auf das Wissen beziehende Faktoren vorstellbar wie: Umfang bzw. Begrenztheit der Informationen oder psychische und personenbezogene Faktoren wie die Analysierfähigkeit; dabei darf aber auch nicht der Einfluss von politischen und geschichtlichen, interessenbedingten und gesellschaftlichen   und das Wohl mit einbeziehende sowie weitere Faktoren vergessen werden. Die Hervorhebung nachfolgender Punkte ist für unsere Debatte am wichtigsten:

     

    -Die Entstehung der verschiedenen Rechtsschulen spiegelt einerseits die Entwicklung der rationalen Tätigkeit der Muslime zur Überbrückung des Fehlens des Erhabenen Propheten (s.a.a.s.) und des Abbruchs der Offenbarung wieder und zeigt auf der anderen Seite auch die Zunahme der Bedürfnisse, die Fülle der debattierten Vorkommnisse und die Kompliziertheit der Gesellschaft. Dazu kommen noch als dritter Aspekt oft die Anhäufung von religionsrechtlichem Wissen und die Diskussion über vorstellbare Verzweigungen in diesem Wissen. Daher galt dieser Zustand also als natürlich, gesund und zivilisatorisch.

     

    Zweitens: Diese Rechtsschulen bilden selber einen wertvollen geistigen Reichtum für die Islamische Zivilisation und stellen dem Islamischen Richter – ebenso wie dem einzelnen Muslim – ein weites Spektrum von besseren und mehr Alternativen auf dem Gebiet der Praktizierung des Islamischen Religionsrecht im persönlichen Leben (insbesondere wenn es keinen Mudschtahid Alam– keinen Mudschathid, der wissender als alle anderen Rechtsgelehrten ist – gibt) und dem gesellschaftlichen Leben bereit. Die Standpunkte, die aus dem offiziell anerkannten Islamischen Verfahren wie Idschithad hervorgehen, können nämlich richtig dem Islam angepasst werden , so dass sich dann für den Hakim-i Schar ` , den Richter gemäß der Schari`a eine weites Feld für Manöver und die Wahl der besten Standpunkte zur Verwirklichung dessen, was zum Wohl gereicht (selbst wenn dieser Richter in seinem persönlichen Idschtihad nicht mit diesem Standpunkt übereinstimmt), öffnet und er in die Lage versetzt wird, die verschiedenen Standpunkte zur Erreichung einer höheren gesellschaftlichen Theorie und Schule miteinander zu kombinieren und dies ist in sich die beste Deutung einer islamischen Flexibilität.

     

    Drittens:   Diese Rechtsschulen bilden, wie wir schon sagten, einen Reichtum des islamischen Lebens und sind ein natürlicher, logischer und vernünftiger Zustand, dessen Erreichung zu erwarten war. Was aber dieses natürliche Phänomen im Laufe der Islamischen Geschichte zu einer negativen Erscheinung machte, ist etwas, was wir „Verwandlung in ein engstirniges Sektierertum“ nennen. Dieser sektiererische Geist hat sich immer mehr von der Rationalität und dem Dialog, zu dem der Heilige Koran aufruft, entfernt, den Geist der islamischen Toleranz und Nachsicht und Gemäßigkeit vergessen und manchmal unfruchtbare Streitigkeiten und abstoßende Auseinandersetzungen hervorgerufen.

     

    Danach sind wir mit den Worten von Yusuf Al Qaradawi Zeuge von schrecklichen Epochen und nicht-islamischen Methoden beim Takfir, Tafsiq und Tadbi`-(d.h. andere zu Ungläubigen, Frevlern und Ketzern zu erklären) geworden, welche zu schweren bedauerlichen Konflikten führten und Bäche von Blut und Tränen in Gang setzten, die Umma (das muslimische Volk) verstreute, und sie von ihrer angemessenen zivilisatorischen Position entfernte und den Geist der Rationalität, den der Islam mit alle dem was er erfordert, wie „freier Idschtihad“ fruchtbare Konsultation“ , konstruktive Veränderungen“ und logischer Dialoge“ gedeihen ließ, tötete oder schwächte und imaginäre Absolutwerte wie „Einziggültigkeit einer Rechtsschule“ , Monopolrecht“, „Unglauben der anderen (Rechtsschulen)“ „ Eigenschaft: gerettete Glaubensgruppe“ usw. nahmen Überhand.

     

    Deshalb rufen wir ernsthaft zur Rückkehr der Rechtsschulen zu ihrer natürlichen Zustand durch die Verbreitung der benötigen Rationalität und des Gedankens des konstruktiven islamischen Dialoges, der Einmütigkeit und dem Einklang und der Suche nach den gemeinsamen Bereichen auf, das heißt wir rufen zu dem auf, was wir „ Bewegung der Annäherung der Islamischen Rechtsschulen“ nennen.

     

    Bewegung der Annäherung der Islamischen Rechtsschulen

     

    Was in den letzten Jahrzehnten die Bewegung der Annäherung genannt wurde, ist in den ältesten Islamischen Epochen verwurzelt, denn sie hat ihre Wahrheit und Vitalität aus den leuchtenden Grundsätzen der Scharia entnommen und ihre Notwendigkeit wird durch die Ausdehnung der Verantwortungsbereiche dieser Umma beim Aufbau der menschlichen Zivilisation oder zumindest der aktiven Teilnahme an ihr, noch deutlicher.

     

    Die großen Gelehrten und Persönlichkeiten der 40iger Jahre des letzten christlichen Jahrhunderts haben die ersten Bausteine für diese großartige und gesegnete Bewegung gelegt und sich wirklich bei der Darlegung der Grundprinzipien und deren Beispiele aufrichtig angestrengt und zahlreiche Artikel über ihre Stärkung und Festigung unter der Bevölkerung geschrieben und die religionsrechtlichen Ursprünge und ihre zunehmende Notwendigkeit erklärt.

     

    Wir freuen uns aufrichtig zu sehen, dass die gestreute Saat gewachsen, gediehen und zu einem edlen Baum geworden ist, dessen Wurzeln fest auf ihrem Platz stehen und dessen Zweigwerk zum Himmel reicht und mit Gottes Erlaubnis jeden Augenblick Früchte trägt, denn nun haben zahlreiche wissenschaftliche Gremien wie die Madschme`Fith Islami (Forum für Islamisches Recht) und die ISESCO ihr Augenmerk darauf gerichtet und sie zu den wichtigsten ihrer Ziele ausgewählt. Die Muslimführer haben das Thema „ Annäherung der Islamischen Rechtsschulen“ auf ihren Sondersitzungen im Heiligen Mekka in ihr 10-Jahres-Programm der Muslimländer aufgenommen und die Islamischen Gelehrten haben dies besonders nach den Vorfällen in Pakistan, Afghanistan, Irak und Libanon und an anderen Orten, freudig begrüßt.