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    Arabien vor Islam (Teil 2)

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    Das Wüstenleben war zu allen Zeiten ein Leben bar jeder Ordnung, wie sie die Zivilisation kennt. Es war ein Leben, das sich auf das Vergeltungsrecht stützte, die Beantwortung von Feindseligkeit mit Feindseligkeit und die Ermordung des Schwachen, der niemanden fand, der ihn unter seinen Schutz stellte. Nach solch einem Leben zu streben oder es im Detail kennenzulernen, ermutigt niemanden.Deshalb blieb die arabische Halbinsel der damaligen Welt unbekannt, bis die göttliche Vorherbestimmung nach dem Erscheinen Muhammads (s.a.s) gebot, durch auswandernde Bewohner die Informationen über sie den anderen Völkern zukommen zu lassen.*Möglicherweise meinte der Verfasser den Euphrat, denn es ist schwer zu verstehen, weshalb eine westorientierte Karawane am Tigris entlang ziehen sollte.**

     

    Es handelt sich um den engen Landschaftsstreifen entlang der Ostküste des Roten Meeres, der dieses von der Gebirgskette des Hedschas und der dahinterliegenden Wüste trennt. Die Kultur des Jemen Nur der Jemen und die an den Persischen Golf angrenzenden Länder entzogen sich der Unkenntnis der Welt. Dies lag aber nicht daran, dass sie nahe am Persischen Golf bzw. Indischen Ozean oder Roten Meer lagen, sondern vielmehr daran, dass sie nicht wie der Rest der Halbinsel aus öden Wüsteneien bestanden und der Welt nicht schadeten; sie waren nicht wie der Rest der Halbinsel, die bei keinem Staat freundschaftliche Beziehungen hervorrief und die bei keinem Kolonialisten Begierden weckten.

     

     

    Im Gegenteil, sie waren Gegenden mit fruchtbarem Boden und regelmäßigen Niederschlägen und von daher Gebiete mit festgegründeter Kultur, dichtbesiedelten Städten und lange standhaltenden Tempeln. Ihre Bewohner, die Banu Himjar, waren intelligent und verstanden es, den Regen zu ihrem bestenNutzen so zu sammeln, dass er nicht über die abfallende Erde ins Meer fließen konnte. Sie errichteten den Damm von Marib, wodurch sie den natürlichen Lauf des Wassers auf eine Weise abänderten, wie es das kulturelle und sesshafte Leben erforderte. Vor der Errichtung dieses Dammes fiel der Regen auf die hohen Berge des Jemen und floss dann in die im Osten der Stadt Marib gelegenen Täler. Er kam zwischen zwei Bergen zu beiden Seiten des Tals herab, die etwa 400 Meter auseinander lagen.

     

    Wenn er dann Marib erreichte, verzweigte sich der Strom, so dass das Wasser sich darin verlor, wie es sich im Staubereich des Oberlaufes des Nil verliert. Als dann die Bewohner des Jemen durch Erkenntnisse undVerstandesschärfe zum Bauen des Damms von Marib geführt wurden, errichteten siean der engsten Stelle des Tals eine Steinmauer mit öffnungen, durch die die Ableitung des Wassers und seine Verteilung dahin möglich wurden, wohin es die Menschen wollten, um die Erde zu bewässern und ihre Fruchtbarkeit und ihren Ertrag sicherzustellen.

     

     

    Was bisher an überresten dieser Himjari-Kultur im Jemen zutage gefördert wurde – und noch heute zutage gefördert wird -, ist Beweis dafür, dass sie zeitweise auf einer achtbaren Höhe stand und den Härten der Zeit in einem für den Jemen schwierigen Zeitalter trotztem. Judentum und Christentum im Jemen Diese Kultur, die gegründet war auf Fruchtbarkeit und Sesshaftigkeit, gereichte dem Jemen dennoch zu Schaden, vor dem der mittlere Teil der Halbinsel aufgrund der Dürre bewahrt wurde. Die Königsherrschaft im Jemen blieb bei den Banu Himjar; mal wurde sie vererbt, mal riss sie ein Himjari aus dem Volk an sich, bis Dhu Nuwas König wurde.

     

    Dieser neigte der Religion Mose zu und verabscheute das Heidentum, in das sich sein Volk verstrickt hatte. Er hatte diese Religion bereits von den Juden angenommen, die in den Jemen eingewandert und dort sesshaft geworden waren. Von diesem Dhu Nuwas Al Himjari behaupten die Historiker, dass er es sei, den die Geschichte von den Gefährten des Grabens meine, über die die folgenden Qur´aanverse geoffenbart wurden:”Die Gefährten des Grabens, des Feuers voll von Brennstoff, wurden getötet, als sie davor saßen und dessen, was sie den Gläubigen antaten, Zeugen waren. Und sie hegten ihnen gegenüber nur deshalb rachsüchtige Gefühle, weil sie an Allah , den Allmächtigen, den Rühmenswerten, glaubten.” *

     

    Es ist dies in Kurzfassung die Geschichte von einem rechtschaffenden Mann unter den Anhängern Jesu namens Kaimijun, der aus dem Imperium Roms ausgewandert war und sich in Nedschran niedergelassen hatte; dessen Einwohner folgten ihm, als sie seine Rechtschaffenheit sahen. Sie nahmen an Zahl ständig zu und erlangten ernstzunehmende Bedeutung. Als Dhu Nuwas über sie Kunde erhielt, begab er sich nach Nedschran und rief dessen Bevölkerung auf, zum Judentum überzutreten, andernfalls würden sie getötet. Als sie sich weigerten, ließ er für sie einen Graben ausheben, setzte ihn in Flammen und warf sie hinein. Wer im Feuer nicht umkam, wurde mit dem Schwert getötet und mit ihm verstümmelt.

     

     

    Den Berichten der Biographien zufolge wurden 20.000 von ihnen umgebracht. Einer dieser Christen, der der Hinrichtung und Dhu Nuwas entkommen war, reiste zum römischen KaiserJustinian und bat um Hilfe gegen Dhu Nuwas. Da Rom aber vom Jemen zu weit entfernt war, schrieb der Kaiser an den Negus von Abessinien, er solle Rache am König des Jemen nehmen. Zu jener Zeit – im sechsten Jahrhundert n. Chr. – waren Abessinien und der Negus auf der Höhe ihrer Macht. Unter ihrem Befehl stand eine umfangreiche Handelsflotte, die die Meere befuhr und ihren Einfluss auf die angrenzenden Länder ausdehnte. Abessinien war der Verbündete des Byzantinischen Reichs und der Fahnenträger des Christentums am Roten Meer, so wie es Byzanz am Mittelmeer war.Als der Negus des Kaisers Brief erhalten hatte, entsandte er mit dem Jemeniten, der ihm den Brief überbracht hatte, ein Heer unter dem Oberbefehl von Arjat. Unter den Soldaten war auch Abraha Al Aschram ** .

     

    Arjat eroberte den Jemen und herrschte in ihm im Namen des Herrschers von Abessinien, bis Abraha ihn ermordete und an seine Stelle trat. Abraha war der “Herr des Elefanten”, der einen Kriegszug gegen Mekka unternahm, um die Kaba zu zerstören; sein Vorhaben scheiterte jedoch, wie wir in einem späteren Kapitel sehen werden.Nach Abraha regierten dessen Söhne im Jemen und verbreiteten dort ihre Willkürherrschaft. Als dieser Zustand nicht mehr zu ertragen war, zog Saif Ibn Dhu Jazan Al Himjari zum Kaiser Roms, klagte ihm ihr Los und bat ihn, jemanden aus Rom zu senden, der die Herrschaft im Jemen führen solle. Wegen des Bündnisses zwischen ihm und dem Negus wehrte der Kaiser ab, ohne die Klage Dhu Jazans anzuhören. So zog Dhu Jazan zu Numan Ibn Al Mundhir, dem Statthalter Chosroes” in Al Hira und den umliegenden Ländern des Irak. *Qur´aan, Sura 85, Ayat 4-8.** Wörtlich übersetzt: “Der Mann mit der Hasenscharte”.

     

    Die Herrschaft Persiens über den Jemen Als Al Numan vor Chosroes Parwez trat, wurde er von Saif Ibn Dhu Jazan begleitet. Chosroes saß in der Halle seines Palastes, in dem der Thron des Darius aufgebaut war; dieser war verziert mit den Sternbildern der Milchstraße. Um ihn herum hingenVorhänge aus Pelz, die umgeben waren von Kronleuchtern aus Silber und anderen aus Gold, die mit warmem Wasser angefüllt waren. Darüber befand sich eine gewaltige Krone, in der Saphire, Chrysolithen und Perlen in Gold und Silber eingelassen waren; sie waren mit einer Kette aus Gold an der Decke befestigt. Er war in Goldgewebe gekleidet und trug goldenen Schmuck. Sobald jemand seinen Sitzungssaal betrat, überwältigte ihn sein ehrfurchtgebietendes äußeres schon beim ersten Anblick. Dies geschah auch mit Saif Ibn Dhu Jazan.

     

     

    Als er sich wieder gefasst hatte und Chosroes ihn über sein Anliegen befragte, erzählte er ihm von Abessinien und der Unterdrückung des Jemen. Chosroes zögerte zunächst mit seiner Entscheidung, sandte aber dann doch ein Heer unter dem Oberbefehl von Wahriz, der aus einer der besten Familien Persiens stammte und einer der Ritterlichsten und Tapfersten war. Die Perser vertrieben die Abessinier aus dem Jemen, nachdem sie dort zweiundsiebzig Jahre geherrscht hatten.

     

     

    Der Jemen blieb unter persischer Herrschaft, bis der Islam kam und alle Länder Arabiens der Religion Allahs (t.) und dem Islamischen Reich beitraten. Cyrus” Herrschaft über Persien Dennoch unterstanden die Perser, die über den Jemen herrschten, nicht unmittelbar der Macht des persischen Königs. Dies galt in besonderem Maße, nachdem Cyrus seinen Vater Chosroes Parwez getötet und dessen Thronfolge angetreten hatte. In seiner Unbedachtheit bildete er sich ein, alle Welt richte sich nach seinen Wünschen und die Königreiche der Welt seien tätig, um seine Schatzkammern zu füllen und die Annehmlichkeiten, denen er sich maßlos hingab, zu mehren. Sodann gab dieser jugendliche König viele Reichsangelegenheiten zu Gunsten genüsslichen Zeitvertreibs und seines Vergnügens auf.

     

    Er zog in einem Prunk auf die Jagd, desgleichen ein Auge noch nie gesehen hatte: Er pflegte in Begleitung junger Prinzen in roten, gelben und violetten Kleidern loszuziehen. Um ihn herum waren Falkenträger und Diener, die zahme Geparden mit Maulkörben führten, parfümtragende Sklaven, Kammerjäger und Musikanten. Um sich in der Kälte desWinters das Gefühl der Frühlingspracht geben zu können, saßen er und sein Gefolgegewöhnlich auf einem großen Teppich, auf dem die Wege des Königreichs und seine Gärten mit Blumen verschiedener Arten und Farben aufgezeichnet waren – mit Wäldern und grünen Niederungen und silberfarbenen Flüssen im Hintergrund. Trotz Cyrus” Vergnügungssucht bewahrte Persien seinen Ruhm und seine Rolle als Machtrivale gegenüber der Macht Byzanz und der Verbreitung des Christentums. Das Verblassen dieses Ruhmes ließ die Thronbesteigung Cyrus” jedoch bereits voraussehen; sie bereitete später den Muslimen den Weg für die Eroberung Persiens und die dortige Verbreitung des Islam.

     

     

    Bruch des Dammes von Marib Diese Auseinandersetzung, deren Schauplatz der Jemen seit dem vierten Jahrhundert n. Chr. war, hatte schwerwiegende Auswirkungen auf die geschichtliche Entwicklung der arabischen Halbinsel hinsichtlich der Bevölkerungsverteilung: Es wird berichtet, dass der Damm von Marib, durch den die Himjari den natürlichen Verlauf zum Vorteil ihres Landes geändert hatten, aufgrund einer gewaltigen Flut brach. Der ständige Unfriede zwischen den Menschen und das ständige Aufeinanderfolgen der Regierungen, hielten von der Instandhaltung des Dammes ab, so dass er so brüchig wurde, dass er jene Wassermengen nicht mehr halten konnte. Ferner wird überliefert, der römische Kaiser habe eine Flotte zusammenstellenlassen, als er erkannt hatte, dass der Jemen Schauplatz der Auseinandersetzungen zwischen ihm und Persien war und sein Handel dadurch bedroht wurde.

     

     

    Diese Flotte sollte das Rote Meer zwischen ägypten und dem Fernen Osten durchqueren, um die Handelsgeschäfte Byzanz” zu tätigen und um dadurch von den Karawanenstraßen unabhängig zu sein. Die Historiker erwähnen ein Ereignis, das sie einmütig als historisch anerkennen, über dessen Ursache sie aber unterschiedlicher Meinung sind. Es geht hierbei um die Auswanderung des Stammes Azd aus dem Jemen nach Norden. Alle von ihnen erwähnen diese Auswanderung; einige schreiben sie jedoch der Verarmung vieler Städte des Jemen aufgrund des Zurückgehens des durch ihn führenden Handels zu, während andere sie auf den Zusammenbruch des Damms von Marib und die dadurch erzwungene Auswanderung vieler Stämme aus Furcht vor dem Untergang zurückführen. Wie auch immer der wahre Sachverhalt sein mag, in dieser Auswanderung liegt der Grund für die Verbindung des Jemen mit den anderen Ländern Arabiens, eine Verwandtschaftsbeziehung und Zusammensetzung,die die Forscher bis heute noch näher zu bestimmen versuchen.

     

     

    Die gesellschaftliche Ordnung der Halbinsel Wie wir gesehen haben, war die politische Ordnung im Jemen aufgrund der Umstände, in denen sich das Land der Himjari befand, und aufgrund der kriegerischen Auseinandersetzungen schon gestört; in den restlichen Ländern der Halbinsel war ein politisches System erst gar nicht bekannt. Jedes System, das eine politische Ordnung darstellte, so wie wir sie heute oder die kultivierten Nationen in jenen Tagen in ihrer Bedeutung verstehen bzw. verstanden, war in den Gegenden von Tihama, Hedschas, Nedschd und jenen weitreichenden Gebieten, aus denen sich Arabien zusammensetzte, unbekannt. Ihre Bewohner waren – wie die meisten von ihnen auch heute noch -Nomaden, die die Sesshaftigkeit nicht gewohnt waren und denen ein Aufenthalt an irgendeinem Ort nicht zusagte.

     

    Sie kannten nichts außer ständiges Wandern auf der Suche nach Weideflächen und Befriedigung ihrer Leidenschaft, wie es dem Nomadenleben eigen ist und zu keinem anderen Leben passt. Das Nomadenleben gründet sich auf den Stamm, in welchen Ländern der Erde auch immer es angetroffen wird. Und die immerfort umherziehenden Stämme kennen kein Gesetz, wie wir es kennen, unterwerfen sich keiner Ordnung gleich der, der wir uns unterwerfen, und dulden nichts neben der völligen Unabhängigkeit des einzelnen, der Sippe und des Stammes. Die sesshaften Leute sind im Namen der Ordnung mit der Abtretung eines Teils ihrer Freiheit an die Gemeinschaft oder einen absoluten Herrscher im Austausch für das, was sie dadurch an Sorglosigkeit und Wohlstand genießen, einverstanden. Den Wüstenmenschen aber tröstet dies kein bisschen über die Aufgabe auch nur eines Teils seiner vollständigen Freiheit hinweg. Er entsagt dem Wohlstand, ist der Ruhe der Sesshaftigkeit überdrüssig und akzeptiert nur die völlige Gleichheit zwischen ihm und allen anderen Angehörigen seines Stammes sowie zwischen seinem Stamm und anderen Stämmen.

     

     

    Wie alle anderen Menschen regelt er sein Leben mit dem Willen zum überleben und zur Selbstverteidigung; nur tut er dies unter der Voraussetzung, dass es mit den Grundsätzen des Edelmuts übereinstimmt, die das freie Wüstenleben bestimmen. Deswegen haben die Bewohner der Wüste niemals ein ihnen zugefügtes Unrecht ertragen, sondern sich mit aller Kraft dagegen verteidigt. Und falls sie dies nicht konnten, verließen sie ihre Heimat und zogen, wenn diese Wanderung unausweichlich war, auf der gesamten Halbinsel umher. Deshalb fiel diesen Stämmen auch nichts leichter als der Kampf, wenn Auseinandersetzungen aufkamen, die nicht nach den Grundsätzen der Ehre, der Mannhaftigkeit und des Edelmuts beigelegt werden konnten. Die Charaktereigenschaften der Wüstenbewohner Aus genannten Gründen entwickelten sich bei vielen dieser Stämme Charaktereigenschaften wie Edelmut, Tapferkeit, Unerschrockenheit, Nachbarschaftshilfe und Nachsicht der Mächtigen.

     

    Diese Eigenschaften sind gefestigt im Menschen, wenn er dem Wüstenleben verbunden ist, jedoch schwach und spärlich, wenn er in der Zivilisation verwurzelt ist. Deswegen und aufgrund der bereits erwähnten wirtschaftlichen Gründe verlangten weder Byzanz noch Persien danach, außer dem Jemen eines der Länder der Halbinsel zu unterwerfen; denn diese zogen das Verlassen der Heimat der Unterdrückung vor, und ihre Menschen und Stämme fügten sich keiner Unterwerfung unter eine beständige Ordnung oderIrgendeiner über sie gesetzten Herrschaft.Diese Eigenarten der Wüstenbewohner beeinflussten im hohen Maße die wenigen kleinen Städte, die auf der ganzen Halbinsel durch den Handel der Karawanen, wie wir ihn bereits beschrieben haben, entstanden waren.

     

     

    Die Händler suchten sie auf und ruhten sich von den Mühen ihrer erschöpfenden Reisen aus; sie fanden in ihnen Tempel, in denen sie den Göttern dankten, dass sie ihnen ein Entkommen aus den Gefahren der Wüste gewährt und ihre Handelsgüter wohlbehalten hergebracht hatten. Solche Städte waren Mekka, At Taif, Jathrib und ähnliche zwischen den Bergen und Sandflächen der Wüste verstreute Oasen. Was die Ordnung der Stämme und Sippen und ihre Charaktereigenschaften sowie ihre Abneigung gegen jede Begrenzung ihrer Freiheit betrifft, so richteten sich diese Städte mehr nach der Wüste als nach der Zivilisation aus. Trotzdem zwang sie die Sesshaftigkeit zu einerForm des Lebens, die sich von der, die die Wüstenbewohner gewohnt sind, unterscheidet. Dies wird in späteren Kapiteln über Mekka und Jathrib im einzelnen dargelegt.

     

    Arabisches Heidentum und seine Gründe Diese natürliche Lage und die sich daraus ergebenden ethischen, politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse hatten auch auf die Religion Auswirkungen. Wurde also der Jemen durch die Berührung mit dem Christentum Roms und der Religion Zarathustras in Persien von diesen beiden Religionen beeinflusst, und beeinflusste er damit die übrigen Länder der Halbinsel? Dies scheint zunächst so, insbesondere was das Christentum angeht. Den Missionaren der Religion Jesu war zu jener Zeit dieselbe Aktivität im Aufruf zu ihrer Religion und deren Verkündung eigen wie heute.

     

    In der Natur des Wüstenbewohners findet sich eine gewisse Wachheit religiöser Vorstellungen, die die Natur des Menschen in der Zivilisation nicht kennt. Im Leben der Wüste steht der Mensch mit dem Sein in Verbindung, nimmt die Unendlichkeit des Universums in seinen verschiedenen Formen wahr und verspürt das Bedürfnis nach einer Ordnung dessen, was zwischen ihm und dem Sein in seiner Unendlichkeit ist. Dagegen lässt den durch die Zivilisation geprägten Menschen seine ständige Geschäftigkeit diese Unendlichkeit nicht wahrnehmen. Denn im Austausch gegen eine teilweise Abtretung seiner Freiheit an die Gemeinschaft nimmt er ihren Schutz in Anspruch. Indem er sich nun aber der Macht und dem Schutz des Herrschers unterstellt, wird er unfähig zur Verbindung mit dem, was außer eben diesem Herrscher an wirksamen Naturkräften das Leben bestimmt. Und deshalb verkümmert bei ihm der Sinn für die Beziehung zu den Elementen der ihn umgebenden Natur.

     

    Dagegen bleibt beim durchdie Wüste geprägten Menschen die religiöse Vorstellung, die das Wüstenleben in seiner Seele weckt, erhalten. Hier mag man fragen, ob das Christentum – mit seinen vielfältigen Aktivitäten seit seinen Anfangszeiten – aus all diesen Gegebenheiten für seine Ausbreitung Nutzen zog. Es wäre vielleicht so gewesen, wenn nicht andere Umstände hinzugekommenwären und ganz Arabien sowie den Jemen im Heidentum, der Religion ihrer Väter und Urväter, belassen hätten. So folgten aber nur wenige Stämme dem Ruf des Christentums. Christentum und Judentum Wie wir sahen, befand sich die bedeutendste Kultur der Welt zu jener Zeit im Umkreis des Mittelmeeres und des Roten Meeres. Das Christentum und das Judentum waren in diesem Gebiet unmittelbare Nachbarn, und wenn es auch keine offene Feindschaft gegeneinander gab, so bestand doch keine offenherzige Zuneigung zueinander.

     

    Damals wie heute erinnerten sich die Juden des Aufstands Jesu gegen sie und seines Angriffs auf ihre Religion. So taten sie insgeheim alles, was sie konnten, um die weitere Verbreitung des Christentums, das sie aus dem Gelobten Land vertrieben hatte, zu verhindern. In den arabischen Ländern gab esviele jüdische Ansiedlungen, die meisten von ihnen im Jemen und in Jathrib. Auf der anderen Seite stand der Mazdaglaube in Persien dem Christentum gegenüber und verhinderte, dass es den Euphrat nach Persien überquerte, und unterstützte durch seine geistige Kraft überall die Stellung des Heidentums.

     

     

    Die Selbstzerfleischung der christlichen Sekten Durch den Fall Roms, das Schwinden seiner Macht und den Wechsel der Metropole der Weltkultur nach Byzanz wurden die christlichen Sekten immer zahlreicher. Wie wir schon erwähnten, zerstritten sie sich untereinander und bekämpften sich. Vom hohen Niveau des Glaubens fielen sie ab in Diskussionen, die nur noch Formen und Formulierungen zum Inhalt hatten, sowie das Ausmaß der Heiligkeit Marias und ihres Vorranges vor ihrem Sohn, dem Messias, bzw. dessen Vorrangs vor ihr. DieseAuseinandersetzungen – wo immer sie auch auftraten – zeigen den Grad der Erniedrigung und des Verfalls christlichen Gedankenguts und christlicher Praxis. äußerlichkeiten wurde soviel Aufmerksamkeit geschenkt, dass das Wesentliche unter ihrer undurchschaubaren Fülle verschwand und die Menschen das Christentum nicht mehr verstehen konnten.

     

    Die Auseinandersetzungen der Christen von Asch Scham * waren von anderer Art als etwa die der Einwohner von Hira oder Abessinien. Die Juden, die mit den Christen natürlich Kontakt hatten, unternahmen nichts, um diesen Streit beizulegen oder die Gemüter zu beruhigen. Die Araber wiederum kamen bei den Sommer- und Winterkarawanen sowohl mit den Christen aus Asch Scham als auch mit denen aus dem Jemen und aus Abessinien zusammen. Deshalb wollten sie natürlich weder für die eine noch für die andere Sekte Partei ergreifen und blieben ihrem Heidentum, in das sie hineingeboren waren und in dem sie ihren Vorfahren folgten, treu. Das Götzentum stand nicht nur bei ihnen selbst in Blüte, sondern wirkte sich sogar auf ihre Nachbarn, die Christen in Nedschran und die Juden in Jathrib, aus.

     

    Diese tolerierten ihre Götzenanbetung und freundeten sich schließlich sogar mit ihr an.Dies geschah der guten Handelsbeziehungen wegen, die zwischen ihnen und jenen Arabern bestand, und um sie durch Einschmeicheln Allah (t.) näher zu bringen. * Unter Asch Scham ist das Gebiet zu verstehen, das jetzt als Syrien, Libanon, Palästina und Jordanien bekannt ist. Die Ausbreitung des Götzentums Vielleicht war die Zerstrittenheit der christlichen Sekten nicht der einzige Grund für das Beharren der Araber auf ihrem Heidentum. Verschiedene Formen des Götzentums blieben auch bei jenen Völkern erhalten, bei denen sich das Christentum verbreitet hatte. Das ägyptische und das griechische Heidentum traten bei den verschiedensten, ja selbst bei christlichen Glaubensrichtungen zutage.

     

    Die Schule von Alexandrien und ihre Philosophien hatten weiterhin einen gewissen Einfluss, wenngleich weitaus geringer als zur Zeit der Ptolomäer und zu Beginn der christlichen ära. Diese Lehren hatten jedenfalls nie aufgehört, tief ins Bewusstsein der Menschen einzudringen. Ihre scheinbar glänzende Sprachgewandtheit, wenn auch hauptsächlich sophistisch, blieb verlockend für dieses Heidentum der Vielgötterei, dessen Götter der Macht des Menschen so nahe standen und ihm deshalb so lieb waren. Ich vermute sehr stark, dass es dieser Polytheismus ist, derschwache Menschen zu jeder Zeit – auch in unserer heutigen – heftig nach dem Heidentum verlangen lässt. Denn ein willensschwacher Mensch ist am wenigsten fähig, sich hoch genug zu erheben, um mit dem umfassenden Sein in Berührung zu kommen, auf dass er die Einheit des totalen Seins erfasse, die Einheit, die repräsentiert wird durch das, was größer ist als alles Existierende, nämlich durch Allah (t.), den Erhabenen.

     

    Und dieser schwache Mensch bleibt stehen vor einer äußeren Erscheinungsform dieses Seins, wie z.B. der Sonne, dem Mond oder dem Feuer; seine Vorstellungskraft reicht nicht aus, diese Erscheinungsform als Teil des Ganzen zu betrachten. Diese schwachen Menschen begnügen sich mit einem Götzenbild, in dem sich für sie eine unklare Bedeutung manifestiert und das Sein und die Einheit verloren gehen lässt; sie treten mit ihm in eine Beziehung und verleihen ihm den Anschein von Heiligkeit. Das ist in allen Ländern der Welt immer wieder anzutreffen, obwohl diese Welt wissenschaftlichen Fortschritt und ein hohes kulturelles Niveau für sich in Anspruch nimmt. Ein Beispiel sehen diejenigen, die die St.-Peter-Kathedrale in Rom besuchen: sie sehen ein Standbild eines Heiligen, dessen Fuß von den Gläubigen in Verehrung geküsst und dadurch so abgenutzt wird, dass er von der Kirche von Zeit zu Zeit ausgewechselt werden muss.

     

     

    Im Bewusstsein dessen müssen wir jenen Menschen, die Allah (t.) noch nicht zum wahren Glauben geführt hat und die dieZerstrittenheit ihrer christlichen Nachbarn und die ـberbleibsel des Heidentums unterihnen sahen und an der Anbetung von Götzen festhielten, die bereits ihre Väter angebetet hatten, mit Nachsicht begegnen und dürfen sie nicht verurteilen.

     

    Wie sollten wir es ihnen auch nicht nachsehen, da doch dieser Zustand in der Welt ein bis heute tief verwurzeltes Relikt geblieben ist, das jedes Heidentum erklärt und selbst heutige Muslime in ihrer Religion billigen, obwohl es doch gerade der Islam ist, der jeder Götzenanbetung den Krieg ansagte und jeder Anbetung neben der Anbetung Allahs (t.) , des Erhabenen, ein Ende bereitete! Anbetung der Götzen Die heute schwer nachzuvollziehen sind. Der Prophet zerschlug die Götzen undbefahl seinen Gefährten, sie zu zerschlagen, wo immer sie sie auch fänden.

     

    Die Muslime nahmen davon Abstand, über Götzen zu sprechen, nachdem sie ihre Spuren beseitigt und in der Historie und in der Literatur alles, was mit ihnen in Verbindung stand, entfernt hatten. Was vom Götzen turn im Qur´aan erwähnt wird und was die Geschichtsschreiber im zweiten Jahrhundert nach der Hidschra * darüber berichteten, zeugte vom hohen Stellenwert, den es vor dem Islam hatte, und von seinen verschiedenen Formen und weist darauf hin, dass die Götzen sich im Grad der Heiligkeit voneinander unterschieden. Jeder Stamm hatte seinen eigenen Götzen, den er anbetete. Die altheidnischen Abgötter unterteilten sich in Götzenbilder aus Metall oder Holz, die menschliche Gestalt hatten, in solche, die ihre Gestalt in Stein zeigten und in SteinGötzen, die Felsbrocken ohne bestimmte Gestalt waren. Einige Stämme gaben ihnen einen anbetungswürdigen Rang, da sie ihnen himmlischen Ursprung zuschrieben; denn es handelte sich um vulkanisches Gestein oder desgleichen.

     

     

    Die am feinsten gearbeiteten Statuen besaßen die Bewohner des Jemen, was nicht verwundert, denn deren kultureller Fortschritt war weder den Bewohnern des Hedschas noch denen von Nedschd und Kinda bekannt. Dennoch teilen die Werke über Götzen nichts Genaues über die Gestalt jener Abgötter mit. Nur über Hubal wird berichtet, dass er in Menschengestalt und aus Karneolgearbeitet war und dass sein Arm einst zerbrach und die Kuraisch ihn gegen einen aus Gold auswechselten. Hubal war der Oberste von den Göttern der Araber und hatte seinen Standort in der Kaba zu Mekka; die Menschen pilgerten zu ihm aus allen Richtungen.Die Araber begnügten sich mit diesen großen Götzen, denen sie ihre Gebete und Opfer darbrachten, keineswegs; vielmehr nahmen die meisten von ihnen ein Götzenbild oder einen Stein Götzen in ihre Häuser, den sie umschritten, wenn sie zu einer Reise aufbrachen und von ihr zurückkehrten.

     

    Und sie führten ihn bei ihren Reisen mit sich, wenn er ihnen diese erlaubt hatte. All diese Götzen, ob sie sich in der Kaba oder um sie herum oder an verschiedenen Orten Arabiens bzw.beiverschiedenen Stämmen befanden, wurden als Mittler zwischen ihren Verehrern und dem obersten Gott betrachtet. Deshalb sahen die Araber die Götzenverehrung als Einschmeichelei bei Allah (t.) an, wenn sie auch über die Verehrung jener Abgötter die Anbetung Allahs (t.) vergessen hatten.*Die Auswanderung des Propheten Muhammad (s.a.s.) von Mekka nach Medina, die denBeginn der islamischen Zeitrechnung bildet. Die Stellung Mekkas Obwohl der Jemen hinsichtlich der Kultur wegen seiner Fruchtbarkeit und der guten Verteilung der Wasserressourcen das fortgeschrittenste Land der gesamten Halbinsel war, sahen die Bewohner der unermesslich weiten Wüstengebiete in ihm kein erstrebenswertes Ziel.

     

    Auch fanden keine Pilgerfahrten zu den Anbetungsstätten des Jemen statt. Ziel der Wallfahrt waren Mekka und seine Kaba, das Haus Ismaels. Dorthin zog es die Männer, und dorthin richtete sich ihr Blick. Das Einhalten der heiligen Monate * wurde dort starker als sonst irgendwo beachtet. Aus diesem Grund und darüber hinaus wegen seiner ausgezeichneten Lage für den Handel Arabiens insgesamt wurde Mekka als Hauptstadt der Halbinsel betrachtet. Ferner sollte es nach Allahs (t.) Willen später der Geburtsort Muhammads (s.a.s.),des arabischen Propheten, werden und Jahrhunderte hindurch die Blicke der Welt auf sich ziehen. Sein altes Haus behielt seine Heiligkeit, und den Kuraisch blieb darin eine erhabene Stellung. Dennoch standen sie den Härten des Wüstenlebens, dem sie seit Jahrtausenden ausgesetzt waren, auch weiterhin sehr nahe. * Vier Monate des Mondjahres waren besonders heilig; in ihnen waren jede kriegerische Handlung und sonstige Ausschreitungen verboten.

     

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    Quelle: http://www.wegzumislam.com/prophet/mohammad/biographie/232-arabien-vor-islam