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    Astronomie

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    Eine Wissenschaft mit größter Bedeutung für Muslime

     

    An der Frage der Datierung des Ramadan zeigt sich die große Bedeutung astronomischen Wissens für die religiöse Praxis der Muslime. Sei es bei der Frage der Kalenderberechnung, die sich nach dem Mondlauf richtet, der Bestimmung der Gebetszeiten, die örtlich gebunden nach dem Sonnenstand variieren, in der Festlegung der Qibla, der Gebetsrichtung nach Mekka – Muslime brauchen schon aus ganz praktischen Gründen weitreichende Kenntnisse, um anhand der Himmelskörper Berechnungen anstellen zu können.

     

    Dementsprechend war ein starker Anreiz gegeben, sich auf diesem Gebiete fortzuentwickeln. Das alte Wissen der Griechen wurde nicht nur intensiv genutzt, sondern vor allem eigenständig als Sprungbrett für Neues genutzt.

     

    Davon zeugen heute noch viele Vokabeln, die wie selbstverständlich in den europäischen Wortschatz eingegangen sind: von A wie Almanach bis Z wie Ziffer, gar nicht zu reden von alle dem astronomischen Fachvokabular in den europäischen Sprachen, das sehr häufig aufs Arabische zurückgeht: Zenit, Nadir, Azimut und zahlreiche Sternennamen wie Wega und Atair.

     

    Bei der Bestimmung des Beginns der Mondmonate ist dies für den Ramadan besonders spannend. Wann beginnen die Muslime zu fasten? Sobald die ganz schmale Mondsichel, beobachtet von einem Zeugen, den Beginn des Ramadan anzeigt. In Europa wäre eine Sichtung aber selbst mit technischem Gerät aufgrund natürlicher Gegebenheiten längst nicht so früh möglich wie etwa in Ländern des Südens, Afrika und dem Mittleren Osten. Und so sorgt oft für Verwirrung, dass manche Muslime bereits zu fasten begonnen haben, während andere erst einen Tag später folgen.

     

    Denn noch verfolgen die Muslime in Europa verschiedene Arten, den Ramadanbeginn zu bestimmen. Manche gehen nach ihrem Herkunftsland, andere mit Mekka, wieder andere sind von der Möglichkeit astronomischer Berechnung überzeugt. Während in Ländern der muslimischen Welt sich jeweils auch dadurch eine Einheitlichkeit herausbildet, dass der Ramadanbeginn zentral und medial verbreitet wird, stellt sich für die Muslime Europas schon lange die Frage, ob nicht ein gemeinsames Begehen von Ramadan und dem anschließenden Fest zu Beginn des nächsten Mondmonates erstrebenswert wäre – auch wenn eine Sichtung des Mondes als Zeuge zu ganz frühem Zeitpunkt wie schon beschrieben nicht möglich ist.

     

    Ramadandatierung in Europa

     

    Damit rückt das Thema des „Idschtihad“ in den Mittelpunkt, das Prinzip der freien Meinungsbildung im Islam auf Basis der Quellen. Eine lebhafte Debatte hat sich entsponnen. Auch wenn es für viele reizvoll und wünschenswert wäre, wenn eine von allen begrüßte Lösung gefunden werden könnte, zeigt die Diskussion schon jetzt eines:

     

    Der Islam ist eine dynamische Religion, die in sich den Anspruch trägt, je nach Zeit, Ort und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen Antworten auf neue Fragen zu finden. Gleichzeitig ist Vielfalt auch innerhalb der Gemeinschaft der Gläubigen ein Wesensmerkmal, ohne dass man sich deswegen gleich gegenseitig beschuldigen müsste, gegen die Religion zu handeln. Gelassenheit ist also angeraten und die Frage des Ramadanbeginns mag auch ein Anlass sein, selbst bei divergierenden Auffassungen Respekt voreinander zu üben, denn: Eigentlich kann jeder auch plausible Argumente für den gewählten Weg anführen.

     

    Ein anerkannter Hadith, also Ausspruch des Propheten Muhammad besagt: „Wenn ihr den Neumond (arab. Hilal) gesehen habt, dann fastet, und wenn ihr ihn (am Egesehen habt, dann brecht das Fasten“ und „Fastet, wenn ihr ihn gesehen habt und brecht das Fasten, wenn ihr ihn gesehen habt“ (arab. sumu liru’yatihi wa aftiru liru’yatihi) Von der Berechenbarkeit ist im Koran die Rede: „Die Sonne und der Mond kreisen nach einer festgesetzten Berechnung.“ (55:5).

     

    Übrigens ist allein vom Mond rund 25mal im Koran die Rede. Eine Fatwa, also ein Gutachten islamischer Gelehrter, stellte nach einer Konferenz im Jahre 1999 fest, dass Sichtungen von Zeugen der Mondsichel nur dann angenommen werden dürften, wenn sie theoretisch auch mit astronomischen Berechnungen übereinstimmen können – eine Sichtweise, die etwas vom dem vom Islam bevorzugten „goldenen Mittelweg“ vermittelt. Die Islamische Glaubensgemeinschaft gibt auch aus praktischen Gründen der Vorausplanbarkeit Daten der Feiertage im Vorhinein bekannt.

     

    Mondsichel nichts „Heiliges“ im Islam

     

    Am Ende sei mit einem verbreiteten Missverständnis aufgeräumt: Die Mondsichel, die so oft als Symbol des Islam schlechthin angesehen wird, hat zwar ihre Bedeutung in der religiösen Praxis, wie wir gerade sehen konnten. Sie ist aber keinesfalls etwas „Heiliges“. Der Koran wird hier mehr als deutlich: „Und zu Seinen Zeichen gehören die Nacht und der Tag und die Sonne und der Mond. Werft euch nicht vor der Sonne anbetend nieder, und auch nicht vor dem Mond, sondern werft euch anbetend vor Allah nieder, Der sie erschuf, wenn Er es ist, Den ihr verehrt.“ (41:37) Muslime nutzten lange Zeit weder Mond, noch Mondsichel als Symbol, auch nicht auf Flaggen. Dies kam erst unter den Osmanen im 16. Jh. auf.

     

    Selbstverständlich sind Astronomie und Mathematik und Geographie verwandte Wissenschaften und viele Forscher arbeiteten fächerübergreifend. Doch wer weiß hier im Westen schon von Al Khwarizmi, auch wenn sich von dessen Name der Terminus „Algorithmus“ ableitet und auf einen seiner Buchtitel das Wort „Algebra“ zurückgeht. Er beschäftigte sich als Astronom auch mit Ptolomäus und seinem „Almagest“ und korrigierte dessen Karten von Afrika und dem Mittleren Osten.

     

    Al Battani entwickelte astronomische Tafeln (Zij) , die schon Anfang des 12. Jh. ins Lateinische übersetzt und 1537 als „Scientia Stellarum“ in Nürnberg gedruckt wurden. Er berechnete die Länge des Sonnenjahres und Planetenbahnen. Ibn al Haitham revolutionierte das Wissen über das Sehen und gewann auf dem Gebiet der Optik wesentliche Erkenntnisse, die später auch bei der Entwicklung nötiger technischer Geräte zur Himmelsbeobachtung nötig waren. Auf ihn geht die erste Lochkamera zurück und er berechnete die Höhe der Atmosphäre. Al Biruni schließlich fertigte bereits um 1000 den ersten Globus an, berechnete den Äquatorumfang und die Entfernung einiger Sterne und diskutierte die Rotation der Erde. Auch eine Frau reiht sich in die Gruppe dieser Pioniere: Ijliya al Astrulabi entwickelte das Astrolab ganz entscheidend weiter.

     

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    Quelle: http://www.al-shia.org/html/ger/

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