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    Bankett des Lichtes (Teil 8)

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    In unserem Gebet am 8. des Monats Ramadan bitten wir Gott, dass er uns hilft, die Hungernden zu speisen und den Waisen zu helfen, klar und deutlich mit Salam („Friede“) zu grüßen und die Gesellschaft der Edelmütigen zu suchen.

     

    Es ist ein wichtiges Gebot des Islams, den Waisen zu helfen. Jede Gesellschaft hat die Aufgabe, eltern- oder fürsorgelosen Kindern Schutz und Hilfe zu bieten. Natürlich streichen auch die anderen Gottesreligionen diese Wohltat heraus. Zum Beispiel schlossen die Anhänger Moses gemäß Sure 2 (Baqara) Vers 83 mit Gott ein Bündnis über die guten Werke an Waisen:

     

    Und damals als wir die Verpflichtung der Kinder Israels entgegennahmen: Ihr sollt nur Gott dienen. Und zu den Eltern gut sein, und zu den Verwandten, den Waisen und den Armen.

     

    Der Koran hat in verschiedenen Versen darauf hingewiesen, dass der Einzelne und die islamische Regierung hinsichtlich der Waisen Verantwortung tragen. Im Koran werden die Waisen gewürdigt und es wird den Muslimen zur Pflicht gemacht, sich um die Angelegenheiten dieser Kinder zu kümmern. Für ein Versäumnis und Verstoße diesbezüglich wird Strafe im Dies- und Jenseits angekündigt.

     

    Bei Betrachtung der verschiedenen Verse und Überlieferungen stellen wir fest, dass die Muslime drei Hauptaufgaben hinsichtlich von Waisen haben, nämlich die Bereitstellung von Unterkunft und Nahrung, finanzielle Versorgung und ein freundliches und verständnisvolles Verhalten zu ihnen.

     

    Das erste was man einem Waisenkind geben sollte, ist Herzenswärme. Die liebevolle Aufnahme eines Waisenkindes wird vom Koran als Gewährung von Zuflucht bezeichnet. Ein Kind, das seinen Vater verloren hat, hat den wichtigsten Menschen, der ihm Zuflucht gewährte, aus der Hand gegeben. Der Prophet des Islams s.a.s. sagt:

     

    „Das beste Haus ist ein Haus, in dem ein Waisenkind Wohltaten erfährt und das übelste Haus ist ein Haus, in dem es schlecht behandelt wird.“ (Mischkatu-l Anwar, Abu-l Fazl Ali Ibn Hassan Tabarsi S. 167)

     

    Imam Ali hat in einer Ansprache empfohlen: „Bei Gott, bei Gott! Speist die Waisen jeden zweiten Tag. Nicht dass die Waisenkinder bei euch Schaden erleiden!“

    (Bihar ul Anwar, Bd. 72, S. 14)

     

    Das Gebet zum 8. Ramadan mahnt die Gläubigen, dass sie im Fastenmonat nicht die Waisenkinder vergessen sollen. Wenn den Gläubigen Gottes Segen zu teil wird, dürfen sie nicht die Bedürftigen und Waisen vergessen und ihnen von ihren Speisen zum Fastenbrechen und vor Fastenbeginn vorenthalten.

     

    Lesen Sie aus dem Leben von Sokrates. Sokrates erblickte einen Mann, der sehr bekümmert war. Er fragte ihn nach dem Grund. Der Mann anwortete: „Unterwegs sah ich einen meiner Bekannten. Ich habe ihn gegrüßt, aber er hat mir nicht geantwortet, sondern ging achtlos vorbei. Dies hat mich sehr betroffen gemacht.“

     

    Sokrates fragte: „Warum hast du dich darüber aufgeregt?“ Da wunderte sich der andere: „Das ist doch klar: Ein solches Verhalten ist einfach verletzend.“

     

    Sokrates fragte: „Wenn du jemanden angetroffen hättest, der sich vor Schmerzen auf dem Boden hin und herwälzt, würdest du ihm das übelnehmen und wärst du verletzt?“

     

    Der Mann: „Nein natürlich nicht! Warum sollte ich verletzt sein?!“

     

    Sokrates:

     

    „Welches Gefühl hättest du dann und was würdest du tun?“

     

    Der Mann: „Ich würde Erbarmen und Mitgefühl für ihn verspüren und versuchen einen Arzt herbeizuholen oder ihm eine Arznei zu bringen!“

     

    Da sagte Sokrates zu ihm: „Das alles würdest du tun, weil du der Ansicht bist , dass er krank ist. Erkrankt der Mensch aber nur körperlich? Ist jemand, der sich falsch verhält, nicht seelisch krank? Verhält sich jemand schlecht, wenn er gesund denkt und seine Seele heil ist? Die Krankheit des Herzens und der Seele nennt sich Achtlosigkeit und Oberflächlichkeit. Statt verletzt und beleidigt zu sein, wenn jemand sich schlecht verhält und achtlos ist, muss man Mitgefühl haben und ihm helfen und ihm den Arzt und die Arznei der Seele bringen.“

     

    Es passiert im gesellschaftlichen Umgang häufig, dass jemand Missachtung erfährt oder seine Rechte verletzt werden. Würde niemand diesbezüglich Nachsicht üben, so gäbe es laufend Konflikte und Feindseligkeiten. Das Leben würde für alle unerträglich.

     

    Die Überempfindlichkeit gegenüber nebensächlichen Dingen reduziert außerdem das soziale Ansehen des Einzelnen. Imam Ali aleihe salam hat in einer Überlieferung empfohlen, sich nicht wegen geringfügiger nebensächlicher Dinge gegenseitig zu kritisieren, sondern vielmehr dadurch, dass man über Nebensächlichkeiten großzügig hinwegsieht, den eigenen Wert anzuheben. Er sagt ebenso, dass das Leben für den Menschen düster wird, wenn er keine Nachsicht übt.

     

    Dabei ist es ein wichtiger Punkt zwischen Situationen, in denen wir Nachsicht bzw. keine Nachsicht üben sollen, zu unterscheiden. Gemäß den Aussagen der Imame und Propheten ist es begrüßenswert in privaten Dingen Nachsicht zu üben. Aber bei sozialen und allgemeinen Fragen und in Fällen, wo die Rechte anderer verletzt werden oder das Recht Gottes missachtet wird, ist Nachsicht fehl am Platz. Jemandem, der die Rechte der Allgemeinheit verletzt hat, ist nicht so ohne weiteres zu verzeihen. Aus dem Leben des Imam Ali a.s. wissen wir, dass er empfindlich reagierte, als einer seiner Beamten sich unberechtigterweise Gelder aus der Volkskasse – dem Bait-ul Mal – genommen hatte. In einem Schreiben mahnte er ihn: „Fürchte Gott und gib den Leute zurück, was ihnen gehört. Bei Gott! Hätten meine Söhne Hassan und Hussein dies getan, hätte ich mir das Recht bei ihnen zurückgeholt.“

     

    Nachsicht üben ist besonders dann wertvoll, wenn der Mensch die Möglichkeit hat, ein Unrecht zu vergelten. Es ist gemäß Imam Sadiq a.s. die Art der Propheten, trotz Machtposition einem Schuldigen zu verzeihen. Zum Beispiel hat der Prophet des Islams nach Eroberung der Stadt Mekka seinen Feinden vergeben.

     

    Immer dann, wenn aufgrund von Vernunft und Wissen großzügig Nachsicht geübt wird, ist es in einem großen Umfang ein Gewinn. Nachsicht verleiht der Seele Gesundheit und innere Ruhe und verlängert das Leben. Aber die Suche nach Rache entfacht Hass im Herzen und steigert Aggression und Gewalt. Der Prophet des Islams empfiehlt: Verzeiht einander, damit Gefühle des Hasses unter euch vergehen. “

     

    Es ist auch zu beachten, dass die Nachsicht dem Menschen Größe verleiht, denn Nachsicht gilt allgemein als Zeichen des Großmuts und der Weitherzigkeit. Aber Rache spricht für fehlende Selbstbeherrschung , Aggressivität und Feindseligkeit.

     

    Gott hat versprochen, dass die Nachsicht, welche ein Diener Gottes übt, dazu führt, dass Gott auch ihm verzeiht. Im Vers 22 der Sure Nur (Sure 24) heißt es über die Gläubigen: „….Sie sollen verzeihen und Nachsicht üben. Wünscht ihr denn nicht, dass Gott euch vergibt?

     

    Seyyed Qutb ist ein ägyptischer Intellektueller und Koranexeget des 20. Jahrhunderts gewesen. Er hat von 1906 bis 1966 gelebt. Zu dem Vers 38 der Sure Yunus wo es heißt: … Oder sie (die Ungläubigen sagen): Er (Mohammad) hat den Koran erfunden und Gott zugschrieben. Sag! Dann bringt doch eine Sure herbei, die ihm gleich ist, und ruft, falls ihr die Wahrheit sagt, dazu herbei, wen ihr an Gottes Statt vermögt!

     

    Seyyed Qutb berichtet im Zusammenhang mit dieser Koranstelle von einer Schiffsreise nach New York, auf der er und noch fünf andere die einzigen Muslime an Bord waren. Sie baten den Kapitän, das Freitagsgebet verrichten zu dürfen. Er weiter: „Als ich die Gebetsansprachen hielt, versammelten sich die anderen Passagiere um uns herum und hörten zu.“

     

    Seyyed Qutb erzählt, dass nach dem Freitagsgebet eine Christin offensichtlich sehr gerührt war. Sie sagte: „Die Sprache, in der ihr gesprochen habt, hatte einen besonderen Klang, aber es gab besonders melodische und klangvolle Sätze darunter, die eine größere Wirkung auf mich hatten. Diese berührten mich so sehr, dass ich innerlich bebte und das Gefühl hatte, der Heilige Geist erfüllt mich.“

     

    Seyyed Qutb fährt fort: „Erst musste ich etwas nachdenken, um zu verstehen, welche Sätze sie meint. Dann wurde mir aber klar, dass es die Verse des Korans, die ich während der Freitagsansprachen rezitierte, gewesen waren, welche diese Christin so beeindruckt hatte. Ich war erstaunt, wie eine Frau, die überhaupt kein Arabisch konnte, dermaßen von den Klängen des Korans beeindruckt worden ist.“