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    Bibel, Koran und Wissenschaft (2): Die heiligen Schriften im Licht moderner Erkenntnisse (von Maurice Bucaille)

    Bibel, Koran und Wissenschaft (2): Die heiligen Schriften im Licht moderner Erkenntnisse (von Maurice Bucaille)
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    Die Haltung christlicher Autoren zu den wissenschaftlichen Irrtümern der Bibeltexte und ihre Kritische Prüfung

     

    Man ist überrascht von der Vielfalt der Reaktionen christlicher Kommentatoren auf diese Anhäufung von Irrtümern, Unwahrscheinlichkeiten und Widersprüchen. Einige räume solche ein und zögern nicht, in ihren Werken diese heiklen Probleme anzusprechen. Andere greifen flugs zu unakzeptablen Behauptungen, versteifen sich auf eine Verteidigung des Textes Wort für Wort, und versuchen mit apologetischen Deklarationen und mit großem Aufgebot an oft unerwarteten Argumenten zu überzeugen, in der Hoffnung, das, was die Logik verwirft, vergessen zu lassen.

     

    In der Einführung zu seiner Übersetzung der Genesis spricht Pater de Vaux von dieser Kritik und verbreitet sich auch über ihre Berechtigung. Aber für ihn ist die objektive Richtigstellung von Ereignissen der Vergangenheit ohne Interesse. In seinen Anmerkung schreibt er, es sei wenig Bedeutend, ob die Bibel „die Erinnerung an eine oder mehrere verheerende Überschwemmungen des Tigris-und Euphrattals aufgreift, die von der Überlieferung zur Weltkatastrophe aufgebauscht wurden; nur, uns das ist das wesentliche, hat der heilige Autor diese Erinnerung mit einer ewigen Lehre über Gerechtigkeit und Barmherzigkeit Gottes versehen, über die Bosheit des Menschen, und das Heil, das dem Gerechten zuteil wird“. So also wird die Umwandlung einer volkstümlichen Legende in ein Ereignis auf göttlicher Ebene gerechtfertigt, und als solches den Menschen als Glauben angeboten, sobald ein Auto diese Legende zur Veranschaulichung einer religiösen Lehre benutzt.

     

     

    Eine solche apologetische Einstellung rechtfertigt jeden menschlichen Mißbrauch bei der Herstellung von Schriften, von denen behauptet wird, sie seien heilig und enthielten das Wort Gottes. Dergleichen menschliche Eingriffe ins Göttliche zuzulassen bedeutet aber, alle menschliche Manipulation an den Bibeltexten zu verdecken. Sobald es einem theologischen Ziel dient, wird jede Manipulation legitim, und so werden auch die Manipulationen der „priesterlichen“ Autoren des 6.Jahrhunderts wegen ihrer legalistischen Absichten gerechtfertigt die zu den bekannten aus der Luft gegriffenen Berichten führten. Eine bedeutende Anzahl christlicher Kommentatoren verlief auf eine kunstvolle Erklärung, der Irrtümer, Unwahrscheinlichkeiten und Widersprüche der biblischen Berichte; sie argumentieren, die Ausdruckweise der biblischen Autoren sei entschuldbar wegen ihres Bezugs auf soziale Faktoren einer anderen Kultur oder Mentalität, was zur Definition besonderer „literarische Gattungen“ führte.

     

     

    Durch die Einführung, dieses Ausdrucks in die subtile Dialektik der Komentatoren werden alle Schwierigkeiten überdeckt. Jeder Widerspruch zwischen zwei Texten fände seine Erklärung im Unterschied der Ausdruckweise des jeweiligen Autors, in seinem speziellen „literarischen Genre“. Freilich wird dieses Argument nicht von allen geteilt, denn es fehlt ihm der Ernst. Dennoch ist es heute nicht ganz veraltet, und wir werden beim neuen Testament noch sehen, in weichem Ausmaß man so versucht, die flagranten Widersprüche der Evangelien zu erklären. Eine andere Methode, das akzeptabel zu machen, was die Logik verwerfen mußte, wenn man sie auf den strittigen text anwendete, besteht darin, den fraglichen Text in apologetische Betrachtungen einzukleiden. So wird die Aufmerksamkeit des Lesers von der entscheidenden Frage nach dem Wahrheitsgehalt des Berichtes auf andere Probleme gelenkt. Auf dieser Methode beruhen die Überlegungen des Kardinals Danielou zur Sintflut, die er unter dein Titel „Sintflut“, Taufe, Jüngstes Gericht in der Zeitschrift Dieti vivant ‚veröffentlichte. Dort schreibt er „Die älteste Tradition der Kirche erblickte in der Theologie der Sintflut eine Figur des Heilands und der Kirche. „Sie ist ein „Vorfall von eminenter Bedeutsamkeit ein Gericht, das die gesamte menschliche Rasse trifft“. Nachdem er Origenes zitierte, der in seinen Predigten über Hesekiel von einem „Schiffbruch des gesamten Universums, das in der Arche gerettet wurde“ spricht, beschwört der Kardinal die Zahl Acht,“die die Anzahl der durch die Arche geretteten Personen ausdrückt (Noah und seine Frau, ihre drei Söhne und deren drei Frauen)“.

     

     

    Darin übernimmt er seinerseits, was Justinian in seinem Dialog geschrieben hat: „Sie boten das Symbol des achten Tages, an dein unser Heiland von den Toten wieder auferstand“, und er schreibt: „Noah, der Erstgeborene einer neuen Schöpfung, eine Figur des Heilands, der vollendete, was Noah gestaltet hatte,“ Er bleibt dann bei diesem Vergleich zwischen Noah, der durch das Holz der vom Wasser getragenen Arche gerettet wurde einerseits, und dem Taufwasser („Wasser der Sintflut, aus der eine neue Menschheit geboren wird“) und Holz des Kreuzes anderseits. Er besteht auf den Wert dieses Syrnbolismus und schließt mit Betonuna des „spirituellen und doktrinalen Reichtunis des Sakraments der Sintflut“ (s i c).

     

    Über diese apologestischen Annäherung gäbe es viel zu sagen. Es sei daran erinnert, daß sie ein Ereignis kommentieren, dessen Wahrheitsgehalt sich nicht verteidigen läßt, weder hinsichtlich seiner universellen Bedeutung noch der Zeit, in die es die Bibel le(yt. Mit Kommentaren wie dem des Kardinals Danieöou kehrt man ins Mittelalter zurück, wo die Texte so genommen werden mußten, wie sie sind, und wo jede nonkonformistische Arbeit außer Rede stand. Es ist allerdings tröstlich festzustellen, daß vor dieser Zeit eines aufgezwungenen Obskurantismus man auch sehr logische Stellungnahmen entdecken kann, etwa die des Heiligen Augustinus, der mit seiner Überlegung seiner Zeit weit voraus war. Zur Zeit der Kirchenväter müssen Probleme der Textkritik aufgetaucht sein, denn in seinem Brief Nr. 82 spricht Augustinus ein solches an.

     

     

    Der charakteristische Abschnitt davon ist folgender: „Nur den Büchern der Schrift, die man die kanonischen nennt, habe ich gelernt, solche Aufmerksamkeit und Respekt entgegenzubringen, daß ich fest glaube, daß sich keiner ihrer Autoren beim Schreiben irrte. Wenn ich in diesen Büchern auf eine Aussage treffe, die der Wahrheit zu widersprechen scheint, dann zweifle ich nicht, daß entweder der Text (meines Exemplars) fehlerhaft ist, oder der Übersetzer den Urtext nicht richtig wiedergab, oder aber daß meine Intelligenz mangelhaft ist“. Dem Heiligen Augustinus schien es undenkbar, daß ein heiliger Text einen Fehler beinhalten könnte; er definierte sehr klar das Dogma vom ausgeschlossenen Irrtum. Angesichts eines Abschnitts, der der Wahrheit zu widersprechen schien, plädierte er für die Erforschung der Ursache, und schloß dabei nicht die Hypothese eines menschlichen Ursprungs aus. Das ist die Einstellung eines Gläubigen mit kritischem Sinn. Zur Zeit des Heiligen Agustinus gab es keine Möglichkeit der Konfrontation von Bibeltext und Wissenschaft.

     

    Eine Aufgeschlossenheit wie die seine würde es erlauben, viele Schwierigkeiten auszuräumen, die heutzutage durch die Konfrontation gewisser Bibeltexte mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen entstehen. Aber die heutigen Spezialisten geben sich in Gegenteil alle Mühe, den Bibeltext gegen jeden Vorwurf eines Irrturms zu verteidigen. In seiner Einführung zur Genesis nennt uns Pater de Vaux die Gründe, die ihn zu dieser Verteidigung des Textes um jeden Preis veranlassen, selbst wenn dieser offenkundia historisch oder wissenschaftlich unakzeptabel ist. Er bittet uns, die biblische Geschichte nicht „nach den Regeln der heute üblichen Historik“ zu betrachten – als ob es verschiedene Arten der Geschichtsschreibung geben könnte.

     

     

    Alle Weit ist sich einig, daß die unrichtig erzählte Geschichte zu einem historischen Roman gerät. Hier aber entgleitet sie den Normen unserer Vorstellungen. der Bibelkommentator lehnt jegliche Überprüfung, der Bibelberichte durch Genealogie, Paläontologie und Fakten der Vorgeschichte ab. Er schreibt: “ Die Bibel unterliegt keiner dieser Disziplinen ; würde man sie mit den Tatsachen dieser Wissenschaften konfrontieren, so müßte dies zu einer irreellen Gegnerschaft oder aber zu einer gekünstelten Eintracht führen.“ Es sei angemerkt, daß sich diese Überlegung auf das beziehen, was in der Genesis keineswegs mit den Erkenntnissen der modernen Wissenschaft in einklang steht, im vorliegenden Fall die ersten elf Kapitel.

     

    Wenn aber heute einige Berichte- etwa gewisse Episoden aus der Zeit der Patriarchen- absolut verifiziert sind, so versäumt es der Autor nicht, die biblische Wahrheit mit diesen modernen Erkenntnissen zu unterstützen. er schreibt: “ Die Verdächtigungen, denen diese Berichte ausgesetzt waren, mußten vor den Aussagen weichen, die Geschichte und Archäologie des Orients zu ihren Gunsten machen.“ Anders gesagt : Wenn die Wissenschaft der Bestätigung der Bibelbericht dient, wird sie angeführt, wo sie sie aber schwächt, ist es nicht zulässig, sich auf sie zu berufen. Um das Unvereinbare zu vereinbaren, d.h. die Theorie von der Wahrheit der Bibel mit dem unexakten Charakter gewisser Fakten, über die in den Berichten des alten Testaments gesprochen wird, haben sich die modernen Theologen darangemacht die klassischen Konzepte von Wahrheit zu revidieren.

     

     

    Es würde den Rahmen dieses Buches sprengen, eine ausführliche Darstellung der subtilen Betrachtung zu geben, die des langen und breiten in den Werken angestellt werden, die sich mit der Wahrheit der Bibel beschäftigen, etwa 0. Loretz (1972), Was ist die Wahrheit der Bibel? 14 Wir geben hier nur das Urteil zur Wissenschaft wieder : Der Autor vermerkt, daß das Zweite Vatikanische Konzil, es vermieden hat, Regeln für die Unterscheidung von Irrtum und Wahrheit in der Bibel aufzustellen. Grundsätzliche Überlegung zeigen, daß dies unmöglich ist, da die Kirche nicht über Richtigkeit oder Unrichtigkeit wissenschaftlicher Methoden dahingehend befinden kann, daß sie damit grundsätzlich und allgemein die Frage nach der Wahrheit der Schrift lösen könnte“. Es ist ganz offensichtlich, daß sich die Kirche nicht über den Wert einer wissenschaftlichen “ Methode“ als Mittel des Zugangs zum Wissen äußern kann. Es geht hier aber um etwas ganz anderes. Es geht nicht um Theoriediskussion, sondern um festsehende Fakten. Muß man denn heutzutage ein großer Gelehrter sein, ihm zu wissen, daß die Erde und der Mensch nicht vor 37 oder 38 Jahrhunderte entstanden, und daß diese auf biblischen Genealogien beruhende Schätzun- als falsch bewiesen werden kann, ohne daß man dabei Gefahr liefe, sich zu irren?

     

     

    Der hier zitierte Autor müsste das wissen. Seine Ausführungen zur Wissenschaft haben mir das Ziel, vorn Problem abzulenken, um es nicht so behandeln zu müssen, wie es das verdient hätte. Die Wiederholung all dieser Stellungnahmen christlicher Autoren zu den wissenschaftlichen Irrtümern der Bibeltexte zeige das Unbehagen auf, das sie mit sich bringen, und die Unmöglichkeit, eine andere logische Position zu beziehen, als den menschlichen Ursprung der Irrtümer anzuerkennen, und die Unmöglichkeit, sie als Teil einer Offenbarung zu akzeptieren. Dieses Unbehagen in jenen Christlichen Kreisen, die sich mit der Offenbarung beschäftigen, zeigte sich auch beim Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965).Es bedurfte damals nicht weniger als fünf Fassungen, bis man sich nach dreijähriger Diskussion auf den Schlusstext einigte und“ diese schmerzliche Situation, an der das Konzil zu scheitern drohte“, endete, wie Monsignore Weber es in seiner Einführung zum Konzilsdokument Nr.4 über die Offenbarung formulierte“.

     

    Zwei Sätze dieses Dokuments, die das Alte Testament betreffen (Kapitel 4, Seite 53), sprechen von der Unvollkommenheit und Hinfälligkeit gewisser Texte in einer Art, die keinen Zweifel zuläßt: „In Anbetracht der Situation der Menschheit, bevor Christus das Heil brachte, lassen die Bücher des Alten Testaments jeden erkennen, wer Gott ist und wer der Mensch ist, aber auch die Art, wie Gott in seiner Gerechtigkeit und seiner Barmherzigkeit mit den Menschen handelt. Wenngleich diese Bücher Unvollkommenes und Hinfälliges enthalten, sind sie doch Zeugnisse einer wahrhaft göttlichen Erziehungslehre. „Durch die Beziehungen „unvollkommen“ und hinfällig“, die gewissen Texten verliehen werden, läßt sich nichts besseres sagen, als daß diese Texte Kritik hervorrufen und sogar verworfen werden können; der Grundsatz wird sehr klar zugegeben.

     

     

    Dieser Text ist einer Gesamtdeklaration,die, um schließlich mit 2.344 gegen 6 Stimmen angenommen worden zu sein, nicht diese offensichtliche Quasi-Einhelligkeit ausgemacht haben kann. In der Tat findet sich in den Kommentaren zum offiziellen Dokument ein Satz aus der Feder des Monsignore Weber, der deutlich die Behauptung der Hinfhäligkeit gewisser Texte korrigiert, die in der feierlichen Konzilserklärung steht. „Zweifellos sind gewisse Bücher der israelitischen Bibel nur von zeitlich begrenzter Tragweite und tragen etwas Unvollkollunelles in sich.“ ,“ Hinfällig der Ausdruck der offiziellen ist sicher kein Synonym für „zeitlich begrenzte Tragweite—, dein Ausdruck des Kommentators. Was das Adejktiv „israelitisch betrifft, das dieser interessanterweise hinzufügt, sollte dieses suggerieren, daß der Konzilstext ausschließlich die hebräische Version der Bibel untersuchen konnte. Dein ist mitnichten so sondern bei diesen) Konzil war schlicht das Alte Testament Gegenstand einer Beurteilung der Unvollkommenheit und Hinfälligkeit einiger seiner Teile.

     

     

    Schlußfolgerungen

     

    Man darf die biblischen Schriften nicht künstlich mit Qualitäten schmücken, von denen man möchte, daß sie sie hätten, sondern muß sie objektiv als das betrachten, was sie sind. Dies impliziert nicht nur die Kenntnis der Texte, sondern auch von deren Geschichte. Letztere erlaubt in der Tat, sich eine Vorstellung von den Umständen zu machen, die im Verlauf‘ der Jahrhunderte zur Umarbeitung der Texte führten, zum langsamen Entstehen der Sammlung, wie wir sie besitzen -Mit zahlreichen Auslassungen und Hinzufügungen. Diese Auf1assung macht auch verständlich, daß man im Alten Testament verschiedene Versionen desselben Berichtes vorfindet, sowie Widersprüche, historischer Irrtürmer, Unwahrscheinlichkeiten und Unvereinbarkeiten mit sehr gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnissen.

     

     

    Letztere sind in allen alten Werken voll Menschenhand ganz natürlich. Wie könnten sie also in Büchern fehlen, die unter den Umständen der Entstehung des Bibeltextes geschrieben wurden ? Noch lange bevor sich die wissenschaftlichen Probleme ergeben konnten, zu einer Zeit also, wo man nur anhand voll Unwahrscheinlichkeiten und Widersprüchen urteilen konnte, postulierte ein verständiger Mann wie der Heilige Augustinus, für den es undenkbar war, daß Gott den Menschen etwas lehre, was der Realität widerspricht, das Prinzip der Unmöglichkeit des göttlichen Ursprungs einer Aussage, die der Wahrheit entgegengesetzt ist. Er war bereit, aus dem heiligen Text all das zu eliminieren, was ihm ans diesem Grund eliminiert werden zu müssen schien. Später, zu einer Zeit, da man sich der Unvereinbarkeit gewisser Passagen der Bibel mit modernen Erkenntnissen bewußt wurde, hat man sich geweigert, sich dieser Haltung anzuschließen. Man bestand dann auf dem aufblühen einer ganzen Literatur mit dem Ziel, auch gegen jede Vernunft in der Bibel Texte zu behalten, die dort nicht hingehören.

     

     

    Das Zweite Vatikanische Konzil (196~-1956) hat diese Unnachgiebigkeit stark- gemildert, indem es einen Vorbehalt gegenüber den „Büchern des Alten Testament“ einführte, die „Unvollkommenes und Hinfälliges enthalten“. Wird dieser Vorbehalt ein frommer Wunsch bleiben, oder wird er hundert an jenen Büchern nicht mehr akzeptabel ist, die abseits jeder menschlichen Manipulation- dazu bestimmt waren, nur die „Zeugnisse einer wahrhaft göttlichen Erziehungslehre zu sein?

     

     

    Quelle: Die Wahrheit

     

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    Quelle: http://www.enfal.de/bibkur2.htm