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    Bibel, Koran und Wissenschaft (3): Wer ist der Autor des Alten Testaments?

    Bibel, Koran und Wissenschaft (3): Wer ist der Autor des Alten Testaments?
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    Nicht wenige Leser des Alten Testaments würden auf diese Frage jene Antwort geben, die sie aus der Einleitung zu ihrer Bibel kennen, daß nämlich Gott der Autor dieser Bücher sei, wenngleich sie von Menschen geschrieben worden seien, die vom Heiligen Geist inspiriert waren.

     

    Die Einführung zur Bibel beschränkt sich bald auf diesem kurzen Hinweis, der jede Nachfrage unterbindet, bald aber wird dies korrigiert, und der Leser erfährt, daß der ursprüngliche Text von Menschen ergänzt worden sein mag, daß aber der strittige Charakter eines Abschnitts nichts an der allgemeinen „Wahrheit“ andere, die sich daraus ableitet. Man besteht auf dieser „Wahrheit“, deren Garant der Oberherr der Kirche ist, der – unterstützt vom Heiligen Geist – allein fähig ist, die Gläubigen über diese Punkte aufzuklären. Schließlich hat die Kirche seit den Konzilien des vierten Jahrhunderts eine Liste heiliger Bücher proklamiert, die nach ihrer Bestätigung durch das Florentinische (1441), Tridentinische (1546) und Erste Vatikanische (1870) Konzil zu dem wurden, was wir heute den Karton nennen.

     

    Erst vor kurzem hat das Zweite Vatikanisches Konzil nach vielen Enzykliken auch einen Text von erstrangiger Bedeutung über die Offenbarung veröffentlicht, der in drei Jahren emsiger Arbeit erstellt worden war (1962-65. Die überwiegende Mehrheit der Bibelleser findet diese beruhigenden Hinweise den meisten modernen Bibelausgaben vorangestellt, begnügt sich mit den Garantien für die Authentizität, wie sie im Verlauf der Jahrhunderte abgegeben wurden, und denkt kaum daran, daß sich hierüber diskutieren ließe.

     

    Betrachtet man aber die von Mönchen geschriebenen Werke, die nicht für das einfache Volk bestimmt sind, so stellt man fest, daß die Frage der Authentizität der Bücher der Bibel viel komplexer ist, als man zuvor angenommen hatte. Nimmt man beispielweise die in Einzelüberlieferungen erscheinende, moderne Ausgabe der unter der Leitung der Bibelschule in Jerusalem ins Französische übersetzten Bibel, so stellt man einen ganz anderen Ton fest. Auch erkennt man, daß das Alte wie das Neue Testament Probleme aufwerfen, und die Autoren der Kommentare halten nicht mit jenen Elementen hinter dem Berg, die zur Kontroverse anreizen.

     

    Präzise Angaben finden sich auch in gedrängteren, aber sehr objektiven Studien, wie jene von Professor Edmond Jacob: Das Alte Testament. Dieses Buch gibt eine hervorragende Übersicht.

     

    Am Anfang war eine Vielzahl von Texten, nicht etwa ein einheitlicher Text, betont Jacob; dies wissen aber nur wenige. Um das dritte Jahrhundert vor Jesus Christus gab es mindestens drei Versionen des hebräischen Textes der Bibel: der masoratische Text, der zumindest teilweise der griechischen Übersetzung und dem samaritanischen Pentateuch als Grundlage diente. Im ersten Jahrhundert vor Jesus Christus neigte man zur Erstellung eines einheitlichen Textes, aber es sollte noch zweihundert Jahre dauern, bis der Bibeltext festgelegt wurde.

     

    Würden wir diese drei verschiedenen Texte besitzen, so wäre ein Vergleich möglich, und man könnte das Original rekonstruieren. Unglücklicherweise aber haben wir nicht die leiseste Idee. Sieht man von den Schriftrollen der Grotte von Qumran ab. die aus der Zeit kurz vor Jesus stammen, und einem Papyrus mit den Zehn Geboten aus dem zweiten Jahrhundert nach Christus, die in einigen Punkten vom klassischen Text abweichen. sowie einigen Fragmenten aus dem fünften Jahrhundert nach Christus, so stammt der älteste hebräische Text der Bibel aus dem neunten nachchristlichen Jahrhundert.

     

    Die griechische Spetuaginta gilt als älteste Übersetzung. Sie wurde im dritten Jahrhundert v.Chr. von Juden in Alexandria angefertigt Auf diesen Text stützen sich später die Autoren des Neuen Testaments, und sie galt bis zum siebten Jahrhundert n. Chr. als Autorität. Die in der christlichen Weit an meisten benutzten grundlegenden griechischen Texte sind die Handschriften des Codex Vaticanus im Vatikan und der Codex Sinatiticus im Britischen Museum zu London Beide Handschriften stammen aus dem vierten Jahrhundert n.Chr.

     

    Zu Beginn des fünften Jahrhunderts   n. Chr. soll der Heilige Hieronymus auf der Grundlage hebräischer Dokumente eine lateinische Ausgabe angefertigt haben. Diese Ausgabe wurde später wegen ihrer allgemeinen Verbreitung ab dem siebten Jahrhundert als Vulgata bezeichnet. Erinnert sei ferner an die aramäische und syrische (Peschitta) Versionen, die aber nicht vollständig sind.

     

    Aus all diesen Varianten konnten die Spezialisten einen “ Durchschnitisiext“ erstellen, der eine Art Kompromiß bildet. Auch gibt es Sammlungen, weiche die verschiedensprachigen Versionen nebeneinander stellen: die hebräische, griechische, lateinische, syrische, aramäische und sogar die arabische. Ein Beispiel hierfür ist die Walton’sche Bibel ( London, 1657). Der Vollständigkeit halber sei darauf verwiesen, daß die zwischen den verschiedenen christlichen Kirchen umstrittenen Auffassungen von der Bibel dazu führten, daß nicht alle Kirchen die exakt gleichen Bücher anerkennen und daß sie sich bislang nicht auf eine Übersetzung in einer Sprache verständigen konnten. Allerdings steht ein vereinheitlichendes Werk vor dem Abschluß: die von sehr vielen Katholischen und protestantischen Experlen erarbeitete ökumenische Übersetzung des Alten Testaments soll eine Synthese ergeben.

     

    Der Mensch hat also einen großen Anteil am Text des Alten Testaments. So stellt man leicht fest, wie von Version zu Version, von einer Übersetzung zur anderen – mit all den Veränderungen, die sich daraus zwangsläufig ergeben – im Verlauf von zwei Jahrlausenden der Originaltext abgeändert werden konnte.

     

     

    Vom Ursprung der Bibel

     

    Am Anfang stand nicht ein Sammlung von Büchern, sondern eine volkstümliche Oberlieferung die sich nur auf das menschliche Gedächtnis stützte, das allein die Ideen übermittelte. Diese Oberlieferung wurde gesungen.

     

    “ In einem ursprünglichen Zustand“ , schreibt E.Jacob, *’singt jedes Volk; in Israel wie anderswo lag die Poesie zeitlich vor der Prosa. Israel hat viel und gut gesungen . Von den Wechselfällen seiner Geschichte ebenso auf den Gipfel der Begeisterung getragen wie in die Abgründe der Verzweiflung gestürzt, erlebte dieses Volk alles zutiefst, da in seinen Augen alles einen Sinn hatte. Diese Breite von Empfindungen schlägt sich in seinen Gesängen nieder. “ Man sang zu den verschiedensten Anlässen, und E. Jacob zählt eine Anzahl solcher Begleitgesänge auf, die sich im Alten Testament wiederfinden. Gesänge zu den Mahlzeiten, zum Ende der Ernte und zu anderen Arbeiten wie der berühmte Brunnengesang (Mo 21,17). Hochzeitslieder wie das Hohelied Salomos. Trauergesänge und die in der Bibel so zahlreichen Kriegsgesänge wie das Triumphlied der Debora (Richter 5,1-31), das den von Jahwe gewünschten Sieg Israels in einem von Jahwe selbst geführten heiligen Krieg feiert (4 Mo 10,35):“ Und wenn die Lade zog, so sprach Mose : „ Herr, stehe auf ! Laß deine Feinde zerstreut und die dich hassen, flüchtig werden vor dir !“

     

    Es handelt sich hier noch um die Lehren und Sprüche (Buch der Sprüche, Sprüche und Lehren der Bücher der Chronik), die Segens- und Fluchformeln und um Gesetzte, weiche die Propheten nach Erhalt ihres göttlichen Mandats den Menschen diktieren.

     

    E. Jacob schreibt, daß diese Worte entweder auf die vertraute Art übermittelt wurden, oder aber durch Heiligtümer in Form der Geschichte des von Gott auserwählten Volkes. Diese Geschichte geriet schnell zur Fabel wie im Apolog des Johann (Richter 9,7-21), wo „sich die Bäume aufmachen, ihren König zu salben, und sich der Reihe nach an den Ölbaum, den Feigenbaum, den Weinstock un4 den Dombusch wenden, wozu E.Jacob schreibt: „Vom Fabelcharakter inspiriert, hat die Erzählung keine Schwierigkeiten mit Themen und Epochen, deren Geschichte wenig bekannt war.“ Hieraus schließt er:

     

    „Das, was das Alte Testament über Moses und die Patriarchen erzählt, entspricht den geschichtlichen Tatsachen wahrscheinlich nur annähernd, aber die Erzähler verstanden es bereits im Stadium der mündlichen Obermittlung, mit viel Anmut und Phantasie sehr unterschiedliche Episoden mit – einzuweben, so daß es ihnen gelang, das, was sich zu Anfang der Welt und der Menschheit ereignete, wie eine Geschichte darzustellen, die alles in allem auch kritischen Geistern wahrscheinlich klang.“

     

     

    Es besteht Grund zur Annahme, daß nach der Ansiedlung des jüdischen Volkes in Kanaan , also am Ende des 13. Jahrhunderts v.Chr., zur Übermittlung und Bewahrung der Tradition bereits die Schrift verwendet wurde, wenngleich nicht in voller Strenge. Dies gilt selbst für jene Teile, die der Mensch für bestandswürdiger hält, nämlich die Gesetze. Darunter liegt jenes Gesetz, das man der direkten Handschrift Gottes zuschreibt, nämlich die Zehn Gebote, im Alten Testament in zwei Fassungen vor : im Exodus (2 Mo 20,1-17) und im Deuteronomium (5 Mo 5,6-18). Der Geist ist derselbe, aber die Variationen sind offenkundig. Mann versuchte, eine wichtige Dokumentation aufzustellen; Verträge, Briefe, Personenlisten ( Richter, hohe städtische Beamte, genealogische Tafeln) , Verzeichnisse von Opfergaben und Beutegut. So entstanden die Archive, die die spätere Endfassung, wie wir sie heute als Bücher haben, mit einer Dokumentation untermauerten. So mischen sich in jedem Buch verschiedene literarische Gattungen. Es bleibt den Spezialisten der Bibelforschung überlassen, die Motive für das Zusammenstellen voneinander abweichender Dokumente zu ergründen.

     

    Es ist interessant, die Entstehungsgeschichte des unzusammenhängenden Ganzen des Alten Testaments -ausgehend von mündlicher Oberlieferung – mit dem zu vergleichen, was sich unter einem anderen Himmel und zu anderer Zeit bei der Geburt einer primitivere Literatur abgespielt haben mag.

     

    Nehmen wir beispielweise die Entstehung der französischen Literatur zur Zeit des Fränkischen Reiches. Die gleiche mündliche Oberlieferung bewahrt anfangs wichtige Ereignisse; Kriege, die oft Verleidungskriege der Christenheit sind, verschiedene Dramen, in denen sich Helden hervortun, und aus denen Jahrhunderte später Minnesänger, Chronisten und Autoren verschiedene „Zyklen“ schöpfen. So entstanden ab dem 11.Jahrhundert christlicher Zeitrechnurig jene Heldenepen, in denen sich Wirklichkeit und Sage vermischen und die zum Monument eines Epos wurden.

     

     

    Das berühmteste hiervon ist das Rolandslied, ein romanhafter Gesang von einem Waffengang, in dem Roland glänzt, der Befehlshaber der Nachhut Kaiser Karls des Großen bei der Rückkehr von einer Expedition nach Spanien. Die Episode von Rolands Opfer wurde nicht für diesen Bericht erfunden. Sie wird auf den 15. August 778 datiert und war ein Angriff baskischer Bergbewohner. Das literarische Werk ist hier nur legendenschaft es hat zwar eine historische Grundlage, doch wird diese von den Historikern nicht wörtlich genommen.

     

    Es scheint mit der Realität genau Übereinzustimmen, wenn man zwischen der Entstehung der Bibel und einer solchen profanen Literatur eine Parallele zieht. Im Gegensatz zu den Versuchen so vieler, die jegliche Gottesvorstellung systematisch leugnen, soll mit dieser Parallele nicht die Gesamtheit des den Menschen vorliegenden Bibeltextes ins Magazin mythologischer Sammlungen abgeschoben werden. Man kann vollständig an die Realität der Schöpfung glauben, an die Übergabe der Gesetze durch Gott an Moses , an das götiliche Eingreifen in menschliche Belange – beispielsweise zur Zeit des Königs Salomon -, man kann annehmen, daß uns das Wesentliche dieser Dinge berichtet wurde, und dennoch dafürhalten, daß Einzelheiten dieser Beschreibungen kritisch untersucht werden müÜen. Zu groß nämlich war der menschliche Anteil an der Niederschrift der ursprünglichen mündlichen Überlieferungen.

     

    Quelle: Die Wahrheit

     

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    Quelle: http://www.enfal.de/bibkur3.htm