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    Das Gesicht des Propheten (s) in der iranischen Malerei

    Das Gesicht des Propheten (s) in der iranischen Malerei
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    Die Islamische Kunstgeschichte beginnt bei der Niederschrift des Heiligen Korans. Es sind aus den Anfängen dieser Geschichte kostbare Koranexemplare, die von Kalligrafen in allen Teilen der Islamischen Welt angefertigt wurden, erhalten geblieben.

     

    Immer mehr Künstler wandten sich mit der Zeit auch der malerischen Verzierung des Heiligen Korans in Form von bunten Umrandungen des Textes zu. Beliebt waren dabei Blumenmotive in kräftigen Farben. Diese Kunst setzte sich immer weiter durch und allmählich gingen die Künstler auch zur Illustration von Geschichten des Korans über, zum Beispiel zu Ereignissen aus dem Leben der Propheten oder sie versuchten das Jenseits, Paradies und Verdammnis, zu verbildlichen. Man begann nun auch literarische und historische Werke und Bücher über die Religion zu bebildern.

     

    Die meisten Künstler beachteten bei der Buchillustration die Regeln des Islams in Bezug auf Darstellungen, insbesondere die Regel, das Gesicht des Propheten und der Edlen aus dem Prophetenhaus nicht abzubilden.

     

    Die ältesten Beispiele für Prophetenbilder in der iranischen Kunst wurden in einem Exemplar der Übersetzung des Buches „Taʾrīch ar-rusul wa-’l-mulūk wa-’l-chulafāʾ ‚(Geschichte der Propheten, Könige und Kalifen‘) von Mohammad Ibn Dscharir Tabari gefunden. Dieser hat im 3. Jahrhundert nach der Hidschra und dem Mondkalender, d.h. im neunten Jahrhundert nach Christus gelebt. Abul Ali Bal`ami übersetzte sein Buch um 963 n. Christus aus dem Arabischen ins Persische. Ein Manuskript dieser Übersetzung ist mit Bildern von Persönlichkeiten der Islamischen Frühzeit illustriert.

     

    Danach wurden Abbildungen von Prophet Mohammad (s) und Imam Ali (a) auch in weiteren Geschichts- und Literaturwerken üblich , aber meistens wurden ihre Gesichter nicht dargestellt oder ausgemalt bzw. blieben in unterschiedlicher Form verdeckt. Wichtige Motive der Abbildungen des Propheten waren vor allen Dingen: die Augenblicke seiner Berufung zum Propheten, die Verkündigung Imam Alis als seinen Nachfolger in Ghadir Chum, der Kampf mit den Ungläubigen oder der Prophet im Kreise seiner Gefährten und bei Verrichtung des Gemeinschaftsgebetes mit den Gläubigen.

     

    Viele muslimische Künstler haben aber auch versucht, die Himmelfahrt des Propheten Mohammad (s) als eines der wunderbarsten Ereignisse in seinem Leben zu verbildlichen.

     

    Die Himmelfahrt war ein wichtiges Schlüsselerlebnis für den Erhabenen Propheten: Im ersten Vers der Sure Isra (die Nachtreise) (Sure 17) und in den Versen 8 bis 18 der Sure Nadschm ( 53 ) weist der Koran auf dieses Wunder hin. Und zwar wollte Gott, dass der Prophet in einer Nacht von der Heiligen Moschee in Mekka zur Al-Aqsa-Moschee in El-Quds (Jerusalem) gebracht wird. Auf Gottes Geheiß bereiste er von dort aus die Himmel und stieg bis an eine Stelle empor, wo niemand außer Gott ist. Der Prophet wurde auf dieser Reise mit Angelegenheiten des Diesseits und Jenseits aus der Nähe vertraut gemacht. Die ganze Zeit über war er wach und er reiste mit seinem irdischen Körper durch diese Welten. Eine Himmelreise, die nur auf spiritueller Ebene geschehen wäre, hätte nicht auf diese Weise seine Rechtmäßigeit bestätigen können.

     

    Der Miradsch des Propheten ereignete sich am 17. des Fastenmonats Ramadan im 10. Jahr nach seiner Berufung zum Propheten. Begleitet wurde er von Dschibril (Gabriel) dem Offenbarungsengel.

     

    Die Bücher und persischen Gemälde zu dem historischen Ereignis „Miradsch“ des Propheten sind in der iranischen Kunst unter der Bezeichnung Miradschnameh bekannt (Buch der Himmelfahrt). Das erste Bild zu der Himmelfahrt des Propheten stammt aus der Zeit der Ilchane, circa Ende des 7. Jahrhunderts. (13. Jahrhundert nach Christus) . In diesem reich illustrierten und vergoldeten Buch werden die verschiedenen Abschnitte dieser wundersamen Reise verbildlicht. Die Illustrationen sind in schillerndem Gold, Blau und strahlendem Weiß gehalten und überall von Versen aus dem Koran begleitet. Abgebildet werden zum Beispiel Szenen aus dem Paradies mit den Gottesfürchtigen und den Prophetengefährten.

     

    Es sollte erwähnt werden, dass die Illustrationen zum Thema „Himmelfahrt des Propheten“ je nach dem vorherrschenden Kunststil und den künstlerischen Methoden , zwar verschieden gestaltet sind, aber inhaltlich gleich bleiben. Diese Bilder sind von einer spirituellen Stimmung geprägt. Meistens suggerieren sie durch eine entsprechende Flächenaufteilung auf gewisse Weise die Unendlichkeit des Alls. Es sind kräftige und fröhliche Farben, die die Künstler verwendet haben , um durch ihr Bild Dynamik und Vitalität auf den Betrachter zu übertragen.

     

    In vielen iranischen Gemälden und nicht nur in Abbildungen über die Himmelfahrt ist die Gestalt des Propheten (s) von Lichtschein umgeben und befindet sich in der Mitte des Bildes, während ihn Engel mit bunten Flügeln, goldene Kronen auf dem Haupt und Geschenke in der Hand, umringen. Ein anschauliches zeitgenössisches Beispiel für die Abbildung des Miradsch bietet das gleichnamige Werk des iranischen Künstlers Mahmud Farschtschian , welches kürzlich feierlich enthüllt wurde. Es ist eine Darstellung der Himmelfahrt des Propheten Mohammad auf hoher künstlerischer Ebene.

     

    Farschtschian stiftete dieses Werk dem Museum des Astan-e Ghuds-e Razawi. So heißt die Verwaltungsorganisation des Mausoleums von Imam Ridha (a.s) in Maschhad.

     

    Farschtschian betrachtet die Anfertigung dieses Gemäldes als eine Ehre. Er sagt, er habe sich ein Jahr Zeit dafür genommen, um jeden Makel auszuschließen. Außerdem habe er sich hinsichtlich der Darstellung des Propheten mit Religionsgelehrten beraten. Farschtschian sagt weiter: „Die meisten Maler von Prophetenbildern haben sein Gesicht verdeckt dargestellt, denn gemäß islamischem Gebot darf es keiner malen. Aus dem gleichen Grund habe ich die Gestalt des Propheten nicht von vorne gezeigt. Auf diesem Bild ist sein gesegnetes Gesicht Gott zugewandt.“

     

    Über sein Bild „Miradsch“ sagt Farschtschiayan weiter:

    Das Bild zeigt Hasrat-e Mohammad (s) auf dem Buraq sitzend– (einem Wesen, dass ihn zur Himmelfahrt trug) und zum Licht der göttlichen Audienz aufsteigend. Ich habe versucht zu zeigen, dass die Engel ihn auf diesem Wege begleitet haben. Dieses Bild soll die Stimmung in der Nacht der Himmelfahrt andeuten. Hasrat-e Mohammad (s) befindet sich auf dem Bild höher als der Mond und je höher er steigt, desto mehr werden die Engelsgestalten wegen der Nähe zur Göttlichkeit unsichtbar.“

     

    Farschtschian hat in diesem Gemälde mit seinen schwungvollen Linien zahlreiche kräftige und zarte Farben miteinander zu einem strahlenden Werk kombiniert.

     

    Mahmud Farschtschian wurde 1929 nach Christus in Isfahan geboren, wo die Wiege der iranischen Kunst und Kultur steht. Sein Vater erkannte bald das Talent seines Sohnes und ließ ihn die Mal- und Zeichenkunst bei bekannten Meistern erlernen. Der junge Farschtschian absolvierte ein Studium an der Akademie für schöne Künste in seiner Heimatstadt und studierte daraufhin in Europa die Werke der westlichen Künstler in den Museen. Bei seiner Rückkehr trat er eine Stelle im Zentralbüro für Schöne Künste in Teheran an und erhielt einen Lehrstuhl an der Fakultät für Schöne Künste der Teheraner Universität.

     

    Seine Malkünste hat Farschtschian religiösen , nationalen und literarischen Themen gewidmet und unbestreitbare Meisterstücke iranischer und islamischer Kunst geschaffen. Seine Kunstwerke werden zum großen Teil in einem Museum in Teheran, das nach ihm benannt wurde aufbewahrt. Darunter sind bekannte Werke wie „Zamen-e Ahu“ (Beschützer des Rehs), „Pandschomin ruze Afarinesch“ (5. Schöpfungstag) „Setayesch“ (Preisung) und „Asr Aschura“ (am Nachmittag von Aschura) zu sehen.

     

    Farschtschians Name steht auf der Liste „Intellektuelle des 21. Jahrhunderts“ und er hat Auszeichnungen und Preise von Kunstgremien im Iran, Italien, Belgien und den USA erhalten. Mit seinen Werken nimmt er einen festen Platz in der iranischen Kultur und Kunst ein.

     

    Quelle: http://german.irib.ir