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    Das Islamische Erwachen und die lauernden Gefahren

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    Das Islamische Erwachen hat sich nicht zu leugnenden verdächtigen Aktivitäten zum Trotz , zu einer klaren Wahrheit verwandelt, die sich in den verschiedenen Lebensbereichen mit ihren Wahrzeichen und Resultaten und der Rolle des Islams bei der Gestaltung der Zukunft der Umma und ihrem politischen und sozialen Bewegungsprozess äußert.

     

    Ebenso hat sich diese Wahrheit auf die Rückkehr der Massen zum Islam, zu seinen Inhalten und seinem Regelwerk und auf den Wunsch nach seiner Verwirklichung in allen Bereichen und darauf ausgewirkt, dass die islamischen Alternativen zur Lösung der Probleme, unter denen die Islamische Weltgemeinde leidet, ins Gespräch gekommen sind.

     

    Nunmehr sind wir Zeuge der Erscheinungsformen der Treue zu den Islamischen Sitten gegenüber den verschiedenen anderen Methoden, welche einige in den einzelnen Gesellschaftsbereichen zu verbreiten suchen, obwohl sie dem allgemeinen Geschmack und dem Denken der Muslime fremd sind. Deshalb vermögen diese westlichen Gedanken und Muster, trotz allen Lärms und weitgehender Propaganda, keinen Einfluss auszuüben.

     

    Der verstorbene Denker Dr. Kalim Saqidi sagt: „Die Geschichte ist in eine neue Phase eingetreten. Rückständigkeit und schnelle Degeneration wurden aufgehalten und unter uns ist ein neues Verständnis von unserer Würde, unserer Richtung und unserem Ziel aufgekommen“ (1).

     

    Die Islamische Erwachensbewegung hat in den letzten Jahren in der Tiefe ihren Weg fortgesetzt. Sie hat den Westen mit all seinem Imponiergehabe und seiner Pracht laut Bekenntnis seiner Staatsführer und Politiker, Schriftsteller, Historiker und Theoretiker, in Besorgnis und Schrecken versetzt. Sie haben vor dem Erwachen der Islamischen Welt und vor der Zivilisation, die der Islam verleiht und die zu einer Abnahme des Machteinflusses des Westens und der Möglichkeiten für seine Überlegenheit führen, gewarnt.

     

    Wie oft waren westlichen Schriftsteller nicht schon bestrebt, die Muslime, nachdem sie die Hoffnung, mit dem Westen konkurrieren zu können, aufgegeben haben, zu Gleichmut und Nachsicht zu bringen. In diesem Zusammenhang schreibt Frau Shireen Hunter in ihren Ausführungen über die Zukunft der Beziehungen des Islams zum Westen: „Die Möglichkeit der Entstehung einer antiwestlichen wirtschaftlichen und politischen Größe wächst. Diese Macht kann für die islamischen Länder als ein Bündnispartner und eventuelle Unterstützungsinstanz gelten, ihre Neigungen, mit dem Westen zu konkurrieren stärken und sie zur Herausforderung der westlichen Strategien anspornen. Demgegenüber kann die Nicht-Existenz einer solchen Macht mildere und tolerantere islamische Standpunkte nach sich ziehen“(2). In ihrem Buch hebt diese Autorin die Momente der Toleranz und Nachsicht der Muslime hervor und verweist immer wieder darauf, dass die Muslime von ihren rivalisierenden Standpunkten Abstand nehmen sollten.

     

    Gefahren, welche das Islamische Erwachen bedrohen

     

    Wir möchten in diesem Zusammenhang die zahlreichen negativen Begleiterscheinungen hervorheben , mit denen das Islamische Erwachen und seine Bewegungen, wenn auch nur bei einem Teil ihrer Aktivitäten, zu kämpfen haben, in der Hoffnung auf vermehrtes Wissen über die Gefahren und darauf, dass eine Strategie zu ihrer Überwindung gefunden wird und es auf dem Weg des Fortschritts und der Verbesserung der Situation sowie der zunehmenden Wirksamkeit des Islamischen Erwachens und der Erreichung einer helleren Zukunft nützlich sein wird. In diesem Zusammenhang lässt sich auf einige negative Seiteneffekte hinweisen:

     

    1. Hervorhebung der Durchführung der Scharia (des Religionsgesetzes) für einige Lebensbereichen, wobei dies in anderen Bereichen versäumt wird

     

    Ein solches Vorgehen löst eine negative Rückwirkung aus und liefert häufig den Feinden des Islamischen Erwachens die Möglichkeit, dem Islamischen Erwachen zu schaden.

     

    Außerdem hat eine solche unvollständige Durchführung nicht die gewünschte Wirkung, und die anderen Bereiche müssen unbedingt mit einbezogen werden. Dies entspricht völlig der Deutung des Islams als ein umfassendes und allseitiges Projekt, welches bei der Erwiderung der menschlichen Bedürfnisse, die in ihrer Art eine zusammenhängende Kette bilden – ausgewogene Konzepte zur Verfügung hat.

     

    Bezüglich dieses negativen Aspektes lässt sich als Beispiel anführen, dass die Durchführung der religionsgesetzlichen Gebote mit Schwerpunkt auf der Strafordnung betont wird, während die Lebensumstände und wirtschaftlichen und erzieherischen Realitäten sowie die gesellschaftlichen Freiheitsrechte und der Gedanke der Verwirklichung der sozialen Gerechtigkeit in Vergessenheit geraten.

     

    2. Oberflächlichkeit bei Deutung der Scharia

     

    Zweifelsohne führt ein solcher Dogmatismus und kleinlicher Umgang mit Texten, zu unvollständigen Lösungswegen, die in keiner Weise der Logik entsprechen und die Menschen von der Vorstellung, dass es bei der Umsetzung des Islams zu besseren Wegen zur Lösung ihrer komplizierten Probleme im Leben kommt, abbringt und in Wirklichkeit zu Spott führt und dem Feind erlaubt, einem solchen Islam frevelhafte Vorwürfe wie Rückständigkeit, Fortschrittsfeindlichkeit, Erstarrung, Versteinerung und Dogmatismus zu machen. Bei der Erfahrung mit den Taliban in Afghanistan lassen sich viele von diesen Phänomenen feststellen und weitere Beispiele scheinen sich zu erübrigen.

     

    3. Trennung von den Religionsgelehrten und Denkern und dem Prozess des wahren Idschtihads (selbständige Urteilsfindung)

     

    Dies bedeutet die Entstehung einer unvollständigen Urteilsfindung, insbesondere bei empfindlichen Fragen, was zu eigenwilligen Geboten und oftmals zur klaren Opposition mit der Scharia und ihren Zielen und Absichten führt. Ein solcher Aspekt ist bei Bewegungen von jungen Menschen, die begeistert dem Islam dienen wollen, während sie jedoch vom wahren Islam getrennt sind, und den unangenehmen Folgen dieser Bewegungen, deutlich zu verspüren.

     

    Möglicherweise spornen einige westliche Theoretiker diese Richtungen sogar an, wie Brian Bidham, der unterstreicht, die selbständigen religionsrechtliche Urteilsfindungen dürften nicht auf die Rechtsgelehrten beschränkt sein und alle müssten das Recht auf freie Leseart des Islams besitzen. Bidham erklärt, die Rechtsgelehrten seien das größte Hindernis auf dem Weg des Fortschritts der Umma, und ruft schließlich die Anführer der Islamischen Protestbewegungen auf, diese Hürde zu überwinden (3).

     

    Es verwundert, dass wir ebenso in der Islamischen Welt Zeuge sind, dass ein Buch von Leuten, die behaupten der Islamischen Bewegung anzugehören, aus dem Druck kam, in dem die „Schicht der Rechtsgelehrten“ wie es formuliert wird, abgelehnt wird und die religionsrechtliche Urteilsfindung allen überlassen und freie und religionsunabhängige Lesearten und oftmals eine Art von kunterbunter Hermeneutik verbreitet wird (4).

     

    Wieviel Bewegungen hat es schon gegeben, die mit sehr aufrichtiger Absicht begannen, aber wegen der Ignoranz ihrer Anführer und dem fehlenden Kontakt zu den Religionsgelehrten in der Praxis durch Dinge, die gegen den Islam verstießen, verunreinigt wurden und sogar dem Atheismus verfielen. Wir haben nicht vergessen, worin Black Muslim Bewegungen in den USA führten, nämlich zu der behaupteten Prophetie seitens Sharif Drew Ali , der angeblichen Verborgenheit von Fard Muhammad (Ali) dem „Erwarteten“ und der Behauptung Elija Mohammads, ein Prophet zu sein, sowie zu der Bewegung der Afro-Amerikaner gegen die Weißhäutigen und ähnliches(5).

     

    4. Begeisterung für einige westlichen Sichtweisen und deren Annahme unter dem Titel „neues islamisches Denken“

     

    oder mit anderen Worten organisierte Aktivitäten oder Programmierung des Revolutionsverlaufes und Anwendung von linken und rechten Theorien – mit dem Vorwand, dass die Gläubigen überall nach Wissen und Weisheit suchen sollen – ohne darauf zu achten, dass diese Theorien in Wahrheit Teil eines Systems sind und ihre eigenen Grundlagen haben und dass, wenn ihre Bedingungen akzeptiert wurden, dies unweigerlich auch zur Akzeptanz ihrer prinzipiell nicht akzeptablen Grundlagen führt. So ist es jedenfalls einigen Links- bzw. Rechtsorientierten in zahlreichen islamischen Ländern ergangen. Diese haben sich dem Atheismus und – Gott bewahre – in gewisser Weise einer Gedankenkette und geistigen Tendenz genähert, welche den Islam mit dem Liberalismus bzw. dem Sozialismus vermischt und ohne sich an die Kriterien für eine Veränderung zu halten, die Parole von der Evolution und Veränderung ausgibt.

     

    5. Neigung zu Gewalt und Terror

     

    Dies ist ein gefährliches Phänomen, welches allen Richtlinien und Strategien in die Quere kommt und der Kampagne der verschiedensten Vorwürfe gegen die Islamische Umma Aufwind gab und derartig Probleme für sie, die Wahrzeichen, theologischen und wissenschaftlichen Zentren und seine gesellschaftlichen Tätigkeiten heraufbeschwor, dass weitere Ausführungen sich erübrigen.

     

    Dieses Phänomen kommt manchmal durch Fremde zustande und manchmal ist es auch eine fanatische Reaktion auf die feindseligen Aktivitäten gegen uns. In keinem Fall kann es aber das wahre Spiegelbild der islamischen Dschihad-Ordnung sein, so wie es einige Freunde irrtümlich und alle Feinde wirklich glauben. Sie – die Feinde – planen unter Einsatz aller ihrer Möglichkeiten für das Ziel, diese ursprüngliche Ordnung und ihre Lehren aus unseren Bildungsprogrammen, unserer Ausdrucksweise und unserer politischen Kultur auszulöschen. Anstatt dies nachweisen zu wollen, möchten wir lieber die Feststellung machen, dass der Islam den ziellosen Einsatz von Massenvernichtungswaffen im heutigen Sinne, ob auf individueller oder auf staatlicher Ebene, ablehnt und es noch schlimmer findet, wenn dieser Einsatz im Namen des Islams und im Namen des Islamischen Erwachen geschieht.

     

    Zugleich verlieren wir nicht aus den Augen, dass die USA – welche behaupten, den Krieg gegen den Terrorismus anzuführen – selber an verschiedenen Orten den Terrorismus, insbesondere den zionistischen Terrorismus finanziell unterstützen. Sie betreiben missbräuchlich diese Kampagne gemäß westlicher Autoren (6) – zum Aufzwingen ihrer irrigen und schrecklichen Globalisierung auf der politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und anderen Ebenen. Dabei verstoßen sie gegen Gesetze und Bestimmungen der internationalen Gremien und bringen gefährliche Begriffe und Ansichten auf; am gefährlichsten davon der Begriff „vorbeugender Angriffskrieg“ und der Gedanke „Entweder stehst du auf unserer Seite oder du bist auch ein Terrorist“ usw.

     

    6. Organisationsdogmatismus und institutionelle Interessenorientiertheit (7)

     

    Hierbei handelt es sich um ein Phänomen, welches eventuell in einer materiell ausgerichteten oder liberalistischen interessenorientierten Klima anzutreffen und vorstellbar ist. Aber dies wird von der Lehre des Islams, die die Vielfalt der Parteien und Gruppen und die praktischen unabhängigen Schritten von ihnen nicht nur nicht ablehnt, sondern diesen Verlauf sogar fördert, niemals akzeptiert. Allerdings lässt sie auch nicht zu, dass Organisationen selber zu einem eisernen Denkrahmen werden, welcher in ihren Mitgliedern den eigenen Willen und die Möglichkeit des Einspruchs und das Urteilsvermögen über Standpunkte abtötet und auch bei Unkenntnis zur völligen Hörigkeit gegenüber ihren Anführern anspornt.

     

    Wir finden in unseren Islamischen Kultur viele Texte, in denen dies abgelehnt wird, zum Beispiel heißt es in der Erklärung zu dem gesegneten Vers

    “(Tauba (9): 31) (Sie nahmen ihre Schriftgelehrten und ihre Mönche zu Göttern anstelle von Gott,“

    dass damit gemeint ist, dass sie auf diese gehört haben, d.h. ihnen bedingungslosen Gehorsam – und damit etwas, was nur Gott verdient – erwiesen.

    Die Koranexegeten sind unter Heranziehung von zahlreichen Überlieferungen zu diesem Schluss gekommen. (8)

     

    7. Resignation und Nachlässigkeit

     

    Die schmerzlichen Schäden, die die Feinde beifügen und die verschiedenen Arten von Blockaden und ungerechten Sanktionen, die sie der Umma und den islamischen Bewegungen auferlegen, sowie die Aufbauschung der Probleme und die Bemängelung von Erfolgen, durch die diese Hindernisse überwunden wurden, sind alles Dinge, welche die Verantwortungsträger in die Resignation treiben. Außerdem führen sie dazu, dass eine Art Trägheit hinsichtlich Erreichung der großen Ziele entsteht, diese vergessen werden und man schon mit kleinen Zielen zufrieden ist und sich mit geringfügigen Errungenschaften und letztendlich schlichter Werbung ohne Änderungen an der Wurzel und ohne grundlegende Maßnahmen begnügt und die großen und entscheidenden Fragen dem Schicksal überlässt usw. Wehe Leuten, die ihre Hoffnung verloren haben und sich der Schmach ausliefern, während die Hoffnung und das Hoffen auf Gott zu den Merkmalen der Gläubigen gehört! Gott, der Höchsterhabene spricht (Sure Nisa (4): 104):

    „Wenn ihr dabei leidet, leidet auch er (der Feind). Ihr aber erhofft von Gott, was er nicht erhofft.“

     

    8. Hang zu nebensächlichen Reformen und Nicht-Beachtung von grundlegenden Änderungen

     

    Wir wissen, dass wenn nebensächliche Angelegenheiten nicht im Gesamtrahmen und als kleiner Bestandteil eines Ganzen gesehen werden, diese zu täuschenden Taktiken führen. Wie oft fördern Positionsträger, die unberechtigt ein Amt belegt haben, die Fortsetzung dieser Handhabe, damit sie irgendwie erreichen, dass die Bevölkerung mit ihnen zufrieden ist. Wenn die Hauptfragen und Schwerpunktprobleme in Vergessenheit geraten, verliert die Umma ihre Dynamik und ihre Zukunft.

     

    9. Fehlende Nutzung der aktuellen Möglichkeiten der Umma in Literatur und Kunst

     

    Es kann sogar die Rede von der Nichtbeachtung der großen mobilisierenden Rolle des Gott-Dienens für die Heranformung der Grundlagen des muslimischen Menschen sein, welche die Ergebenheit in einen anderen als Gott und ein Leben in einer Welt , mit der Gott nicht zufrieden ist, verurteilt, und zwar kann insbesondere von der Nichtbeachtung der Rolle kollektiven Gott-Dienens wie das Freitagsgebet und der Hadsch gesprochen werden.

     

    Zwei ehrenswerte Forscher nämlich Meister Al Siryani und Mirsa haben im Zusammenhang mit der Wirkung des Hadsches auf die Unabhängigkeit von Indonesien darauf aufmerksam gemacht, dass die holländische Regierung, die dieses Muslimland von 1641 bis 1945 als ihre Kolonie beherrschte, feststellten, dass es nach jeder Hadschzeremonie große Unruhen gab. Auch wenn diese beiden Autoren den Grund dafür darin sehen, dass die Hadschpilger mit ihren Brüdern aus Java in Kontakt kamen (9), spielt unserer Meinung nach die Hadschzeremonie selber die größere Rolle. Denn das Hadschritual hinterlässt im Hadschpilger den Geist des Revolutionärs, dadurch nämlich, dass er sich der Bewegung der Propheten anschließt, die die Geschichte veränderten, insbesondere dem geehrten Abraham gegrüßet sei er und den Erhabenen Propheten Mohammad – Friede sei ihm und seinem Hause. Aus dem gleichen Grund fürchteten sich auch die französischen Besatzer vor der Hadschreise der Algerier und dies veranlasste sie dazu, diese zu verhindern oder scharf einzuschränken. (10)

     

    Auch auf individueller Ebene wirkt sich der Hadsch vielfältig auf viele Mekkapilger aus. Die Gruppe von Leuten, die sich für die Vertiefung und die Fortdauer des Islamischen Erwachens und für deren anhaltenden Dynamik einsetzen, sollten niemals die verborgenen Kräfte des Islams und seine weiten Bereiche vergessen, sondern den größtmöglichen Nutzen aus ihnen ziehen. Anderenfalls wird der Feind sie zu seinem Vorteil ausnutzen.

     

    10. Mangel an einer realistischen Sichtweise und Missachtung einer Stufeneinteilung

     

    Der Wandlungsprozess erfordert geistige Vorausplanung und bestimmte praktische Phasen und man darf nicht übermäßig optimistisch sein und diese stufenweise Einteilung aus den Augen lassen. Das führt nämlich meistens zu aufeinanderfolgenden Fehlern, deckt die Mängel auf und lässt jene Gruppen sich zurückziehen, die die Gedanken des Erwachens und Aufstehens nicht vollständig verstanden haben (11). Und wie oft haben wir im Gegenteil dazu Islamische Bewegungen gesehen, die tief mit einer Phase beschäftigt sind, und unter dem Vorwand, dass sie noch immer in der denkerischen Phase zubringen und keinen praktischen Schritt unternehmen können, bereitstehende Chancen verpasst haben!

     

    11. Sektierertum

     

    Beim Sektierertum haben wir es mit einer gefährlichen Plage zu tun und für die Islamische Umma ist dadurch schon viel Leid entstanden und sind Blut und Tränen geflossen. Der Islam hat entsprechend seiner realistischen Einstellung und Flexibilität und seiner Konzepte zur Wahrung der Beständigkeit der Gebote und Lebensstrategie, die selbständige Urteilsfindung (Idschdihat) zugelassen. Diese Urteilsfindungen haben durch die Komplexität des Lebens zu einer großen Vielfalt gefunden, so dass mehrere religiöse Rechtsschulen entstanden, welche zu den Schätzen dieser Umma zählen (12).

     

    Aber daraufhin sind diese religiösen Denk- und Rechtsschulen zu Sekten geworden, und die egoistischen Gelüste und Interessen von unwürdigen Regenten lösten Konflikte zwischen ihnen aus. Daher wurde der Umma der Genuss des freien Idschtihads vergällt, so dass sogar einige dazu übergingen, das Tor zum Idschtihad zu schließen.

     

    Wir wissen, dass das Islamische Erwachen in Wirklichkeit aus keiner bestimmten Glaubensgruppe hervorgegangen ist, seine Bewegung auf der Islamischen Bahn begonnen hat und kostbare Früchte trug. Aber scheinbar sind in einigen Bereichen des Islamischen Erwachens auch sektiererische Tendenzen zu beobachten, welche dieses bedrohen und es von dem richtigen und erforderlichen Weg abbringen können.

     

    12. Egozentrik und fehlende Verbindung zu anderen

     

    Das Islamische Erwachen spielt sich nicht in einem Leerraum ab, sondern an seiner Seite existieren noch weitere Bewegungen. Mit diesen muss sie Kontakt aufnehmen. Auch wenn die laizistischen, nationalistischen, sozialistischen und ähnlichen Bewegungen und Gruppen in den letzten Jahrzehnten viele Hindernisse für das Islamische Erwachen aufgestellt haben, so sind sie jedenfalls heute auf eine Koexistenz mit der Erwachensbewegung angewiesen. Ebenso muss die Bewegung des Islamischen Erwachens das Tor zu einem Dialog mit ihnen öffnen. Es kann gut sein, dass sie durch solche Gespräche zu einer Art Versöhnung und eventuell auch Zusammenarbeit zwecks Überwindung der Rückständigkeit und der todbringenden Zersplitterung und ebenso zum Kampf gegen den größeren Feind gewonnen werden können.

     

    Wenn sich die Erwachensbewegung abkapselt und die anderen ablehnt, kann es häufig passieren, dass die oppositionellen Kräfte sich gegen sie mobilisieren und die Durchführung ihrer Pläne zum Scheitern bringen.

     

    Wenn man eine Brücke zu den spirituellen Bewegungen der Welt und den Wohltätigkeitsgruppen, welche die Menschenrechte, die Entbehrenden und die Geschwächten (Mustas`afan) verteidigen, schlägt, wird dies selbstverständlich fruchtbare Ergebnisse liefern. Allerdings sind wir jüngst bereits Zeuge solcher Bemühungen gewesen (13).

     

    13. Lokale und regionale Tendenzen

     

    Wir beobachten, dass einige Mitglieder des Islamischen Erwachens und seiner Bewegung mehr zu einer lokalen oder regionalen Bewegung neigen und nicht auf die allgemeinen Aspekte achten. Sie haben eher bestimmte geografische Besonderheiten im Auge und widmen sich diesem beschränkten Bereich, ohne die Verletzung der Rechte und die Übergriffe, die anderswo geschehen zu, beachten. Sie achten nur flüchtig auf Fragen außerhalb ihres geografischen Gebietes und vergessen, dass der Feind sie nach Trennung von der Umma und wenn sie alleine da stehen, bequem unterwerfen kann.

     

    Diese geografischen Einfassungen und Grenzen scheinen zu Einschränkungen und zu Faktoren zu werden, die den universalen islamischen Standpunkten – welche als die wichtigste Stütze und das Merkmal des Islamischen Erwachens gelten, schaden. Wegen eventuell vorliegender Empfindsamkeit möchten wir keine Beispiele für diese Fälle anführen und begnügen uns mit diesem allgemeinen Hinweis.

     

    14. Fehlen einer strategischen und weitsichtigen Planung

     

    Dies ist ein Zustand, unter dem die Islamische Umma und die Dritte Welt leiden. Es gibt keine Zukunftsplanung und jegliche Zukunftsstudien fehlen. Selbst für die voraussehbare Zukunft gibt es keine konkrete Ansicht und Perspektive. Dass jemand, der sich ohne Landkarte und Routenplan auf den Weg macht, unterwegs zu Fall kommt und sich tödlichen Gefahren ausliefert, ist eine klare Tatsache. Seit ewigen Zeiten heißt es: Es kann gut sein, dass jemand, der im Dunkeln Brennholz spaltet, sich mit dem Beil auf die Hand schlägt. Selber schuld! Was kann man da noch anderes dazu sagen!

     

    Im Westen gibt es heute für die Zukunftsforschung anerkannte Studienfächer und diese schafft die Grundlagen für strategische Ansichten.

     

    Wir sind davon überzeugt, dass folgende Dinge alle, bevor sie zu einer konkreten Realität in den internationalen Verhältnissen wurden, einmal wie akademische Theorien diskutiert worden sind, nämlich Dinge wie der Skandal der “Satanischen Verse” mit seiner literarischen Parade, und die Theorien von dem „Zusammenprall der Zivilisationen“ und dem „Ende der Geschichte“ mit ihren historischen Shows, ebenso wie die Idee von den „Präventativkriegen“, welche militärischer Natur ist, aber auch einige Anzeichen der „Globalisierung“ und Ausdrücke wie „kleines Weltdorf“ oder auch „Welt ohne Grenzen“ (14), wobei letztere auf wirtschaftlicher Ebene zur Sprache kamen. Es fragt sich, welchen Standpunkt die Bewegung des Islamischen Erwachens angesichts jeder von diesen Gleichungen und dieser einzelnen Begriffen vertrat, und wie sie mit diesen umging.

     

    15. Zersplitterung und Verleumdung

     

    Bei materialistisch ausgerichteten Bewegungen kann man das Phänomen der Zersplitterung und Verleumdung als zutreffend annehmen, aber bei der Islamischen Bewegung ist solch ein Leiden nicht hinzunehmen. Denn es wird bei der Islamischen Bewegung dasselbe Ziel verfolgt und es ist nicht mit dem Geist der Toleranz und Nachsicht und der Akzeptanz der selbständigen Rechtsfindungen der anderen und dem brüderlichen Verhalten vereinbar und passt nicht in den Rahmen der Einheit, wenn irgend einer von uns das Programm der anderen stört und behindert. Wir sind aber – was sehr bedauerlich ist – Zeuge einer solchen Situation und dies bedroht die Existenz und die Wesensart des Islamischen Erwachens und zählt zu den sehr unheilvollen Dingen.

     

    16. Beschränkung islamischer Tätigkeit auf Freizeit

     

    Wir erleben, dass zahlreiche Verantwortungsträger nur in ihrer Freizeit und wenn sie nichts anders zu tun haben islamischer Tätigkeit nachgehen, wobei der größte Teil ihrer Zeit privaten Angelegenheiten oder auch der Zusammenarbeit mit traditionellen Einrichtungen gewidmet ist, welche sie selber nicht richtig ernst nehmen. Auf diese Weise wird die Islamische Bewegung – mit den Worten des verstorbenen Kalim Sadiqi – zu einer Randbewegung (15). Dabei erfordert die Sache, dass das Erwachen den wichtigsten und eigentlichen Bestandteil unseres Wirkens und unserer Tätigkeit ist.

     

    Einige Schlussbemerkungen

    Erstens:

    Es ist möglich, dass einige der Phänomene, die wir nannten, auseinander hervorgehen und dass einige von ihnen Folgen anderer Phänomene sind, aber wir meinen, dass sie wegen der Wichtigkeit, die sie besitzen, einzeln zu untersuchen und zu bekämpfen sind.

     

    Zweitens: Diese unangenehmen Begleiterscheinungen und Plagen können als interne Probleme betrachtet werden, welche ähnlich wie die externen Herausforderungen agieren; in Wahrheit nehmen die Herausforderungen von außen auf der Grundlage der durch solche (internen) Probleme entstandenen Schwäche die Form einer Bedrohung an. Wie oft sind sie auch die Folge von externen Herausforderungen. Der Westen ist viele Jahrzehnte und besonders im 19. und 20. Jahrhundert bestrebt gewesen, verschiedene Zustände der Rückständigkeit und der Spaltung, darunter die durch Sekten entstandene Zurückgebliebenheit der Umma zu zentieren.

     

    Drittens: Die Untersuchung dieser Plagen und negativen Begleiterscheinungen und danach die kluge Lenkung des Islamischen Erwachens, erfordert, dass man ihr eine Sonderdebatte widmet. Allerdings sind die Faktoren dieses Themas und das was zu tun ist, angesichts der Seiteneffekte, die wir als drohende Schäden nannten und gemäß dem, was wir sagten, außerordentlich gut zu erkennen und lassen sich wie folgt auflisten:

     

    1. Erfordernis der Bemühung um Anregung zur vollständigen und richtigen Durchführung des Religionsgesetzes

    2. Erfordernis des vertieften Verständnisses der Scharia und ihrer Ziele sowie Erfordernis der Enthaltung von Oberflächlichkeit

    3. Erfordernis der Hervorhebung der Rolle der Gelehrten und der wissenschaftlichen Zentren und die Aktivierung des Prozesses des freien Idschtihads.

    4. Wachsamkeit gegenüber importierten Strömungen und Vorsicht hinsichtlich einer Begeisterung für sie

    5. Beachtung der Güte im Islam und der Ablehnung von Terrorismus und Gewalt, was jedoch keine Unterwerfung unter das Unrecht und Schweigen gegenüber den Terrormaßnahmen seitens des Lagers des Unglaubens (Kufr) bedeuten soll.

    6. Ablehnung aller äußeren Formen der Götzenanbetung während revolutionärer Tätigkeiten

    7. Hervorrufung von Hoffnung unter den Volksmassen

    8. Betonung der grundlegenden Maßnahmen, ohne allerdings die Verbesserungen im Einzelnen in diesem Zusammenhang zu vergessen

    9. Nutzung aller Gelegenheiten, die sich bieten

    10. realistischer Umgang mit Problemen

    11. Ablehnung des Sektierertums

    12. Brücken für logische Beziehungen zu den anderen schlagen

    13. Stärkung des universalen politischen Islams

    14. sich auf langfristige Programme mit Blick in die Zukunft stützen

    Und noch weitere Dinge, deren Anführung wir ausführlicheren Darstellungen überlassen (16).

     

    Viertens: Wie oft heißt es: Warum werden den Staatsführern und Politikern Ratschläge und Empfehlungen gemacht, obwohl sie diese Angelegenheiten nicht betrifft? Aber wird denken, dass das Thema, und sei es nur indirekt, auch sie etwas entgeht, nämlich aus folgenden Gründen:

     

    Erstens liegt die Kontrolle über viele Angelegenheiten dieser Umma in ihren Händen und ist die Frage des Islamischen Erwachens und seine Lenkung zweifelsohne eine Angelegenheit der Umma und sie können diese Verantwortung nicht abschütteln.

    Zweitens stehen viele von diesen Empfehlungen direkt mit ihnen im Zusammenhang, zumal einige wissenschaftlichen Zentren und Gremien, die der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (früher: Organisation der Islamischen Konferenz) angeschlossen sind, ähnliche Empfehlungen aufgestellt haben (17).

    Und drittens können sie den geeigneten Raum dafür schaffen, dass die Massen und die Zivilorgane ihre wichtige Rolle ausüben.

     

    Quellen:

    (1) Leitartikel der kanadischen Zeitung Crescent, Ausgabe vom 15.8.1980
    (2) مستقبل الاسلام و الغرب Mustaqbal-ul Islam wa-l Gharb („Zukunft des Islams und Westens“), aus dem Arabischen von Zeynab Schurba, S. 225
    (3) Artikelserie in der Zeitschrift „Economist“, London, 1974
    (4) siehe „Al Hawar Maa ul Achir“ („Meinungsaustausch mit anderen“), der Autor, S. 162
    (5) siehe Artikel Prof. Adam Bamba über den amerikanischen Kämpfer Malcom X auf dem Großen Hadsch-Seminar (im Heiligen Mekka) 1423 n.d.H. Mndk. (2004)
    (6) رساله المسلم فى حقبه العولمه „Risalat-al Muslim fi Hiqbat-ul `uwalama“ („Botschaft der Muslime in der Globalisierungsära“), S. 515
    (7) siehe über dieses Phänomen in ‎“Thaqufah ul Da`wa“ (Kultur der Verkündigung), eine Publikation der irakischen Hizb al-Da’wa al-Islamiya
    (8) Koranexegese „Al Misan“ von Alamah Tabatabai, Bd. 9, S. 255
    (9) laut Ausführungen auf dem Großen Hadsch-Seminar 1424 (2005)
    (10) Artikel von Prof. Mawlūd `Uwaymir zum Thema „Mekka und seine Welten im Denken von Malik Bennabi“ auf dem großen Hadsch-Seminar (2005)
    (11) „Thaqufah ul Da`wa“, ebenda
    (12) siehe Buch „Qissat al Tawaif“ – („Geschichte der Glaubensgruppen“), Ostad Ansari, S.155- 220
    (13) u.a. das Semimar „Islamisch-nationaler Dialog“ in Beirut, sowie Seminare zum Thema „Christentum und Islam“ in Beirut, Kairo, Teheran, Khartum und einigen anderen muslimischen Ländern
    (14) es handelt sich um Ausdrücke und Phrasen, welche der Westen wegen dieser Ziele propagiert hat
    (15) in einer Ansprache auf der Sitzung der Organisation „Junger Muslim“ in Riad, 1976
    (16) siehe Artikel des Autors: in Zeitschrift Risalat-al Taghrib“, Ausgabe 34 und 35, S. 227, „Risalat-al Muslim fi Hiqbat-ul awalema“, S. 510, und zum Thema „Al Sahwat-ul Islamiyah“ (das Islamische Erwachen) auf verschiedenen Konferenzen
    (17) u.a. Empfehlung seitens der 5. Sitzung des Islamischen Rechtsgelehrtengremiums hinsichtlich Durchführung der Gebote des Islams (Resolution)

     

    Quelle: Taghrib.ir