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    Das Konzept von Trauergedenkveranstaltungen in Muharram

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    übersetzt von Mariam C.

     

    Einführung

     

    Einer unserer hohen und einflussreichen Gelehrten sagte einmal: „Die zwei stärksten Barrieren (Hindernisse), die viele Menschen daran hindern, in die Schule der Ahl-ul-Bayt (a.s) einzutreten, sind La’n und Latem (Azadari in Muharram).“

     

    Der La’n (das Verfluchen) wurde schon ausführlich behandelt, daher wird nun anhand dieses Textes inschallah, die andere Barriere „Latem/Azadari“ analysiert.

     

    Die historische Entstehung übernahm Sayyed Ammar Nakhshawani (h.), während die gegenwärtige Einordnung von Scheikh Muhammad al-Hilli (h.) dargelegt wurde. Der Umgang mit den verschiedenen Ansichten in vielen gegenwärtigen Diskussionen, insbesondere in Internetforen, ist ein Zusatz des Übersetzers.

     

    Sayyed Ammar N.: „Heute abend werdet ihr Sayyed Ammar in einer defensiven Lage sehen, denn wenn ihr euch seine Geschichte und seine Karriere anschaut, ist es nicht möglich seine eigene Auffassung darzulegen. Leider gibt es dort Personen, die sofern man gegen ihre Ansicht ist, sie einen „erledigen“.

     

    Mehrere Meinungen und Ansichten von verschiedenen Azadari-Schulen:

     

    Es ist daher bei diesem Thema unerlässlich, dieses so diplomatisch wie möglich zu präsentieren. Wir schauen uns daher die Sicht eines jeden Vertreters genau an.

     

    Es gibt da ein Spektrum, welches sagt: „Azadari ist das wichtigste Prinzip im Islam.“ Die andere Seite sagt: „Diese ganzen Bewegungen bringen mich nicht weiter, ich lerne mehr von Vorträgen.“

     

    Eine Ansicht sagt: „Der Ursprung hiervon sind die Handlungen der Ahl-ul-Bayt (a.s).“ Die andere Seite wiederum wird sagen: „Dies hat lediglich einen kulturellen Ursprung.“ Dass also die Handlungen während Azadari, ausschließlich kulturell bedingt sind, ohne ein religiöses Fundament.

     

    Es wird dann entgegengesetzt: „Ja es ist kulturell, ohne Zweifel, aber die Kultur hat ihren Platz in der Religion.“ Hier gegen wird der Einspruch gehoben: „Solange es nicht der Scharia widerspricht.“ Man sieht, wie groß dieses Spektrum der Meinungen und Ansichten in diesem Bereich ist.

     

    Zweifellos ist Azadari eine Art und Weise, die Botschaft/Lehre der Imame der Ahl-ul-Bayt (a.s) und somit des Propheten (s) zu ehren und zu würdigen. Jedes Volk hat seine Art und Weise ihre religiösen/heiligen Figuren zu ehren und zu würdigen. Jede Kultur/ Religion hat ihr eigenes Azadari.

     

    Nehmen wir z.B. den Passionsweg Jesu‘, der von vielen Christen begangen wird, um das Leiden Jesu – nach ihrer Auffassung – zu gedenken. Oft sieht man auch, dass eine Person Jesus (a.s) „nachahmt“ und mit einem Kreuz auf dem Rücken durch die Stadt geht. Azadari ist also keine rein islamische Angelegenheit, sondern es existiert ebenfalls in der einen oder anderen Form überall auf der Welt.

     

    Die Frage in unserem Fall drängt sich daher auf: Was ist die Geschichte des Azadari im Islam, insbesondere in der Schule der Ahl-ul-Bayt (a.s)? Wie hat es begonnen, bzw. was war der Ursprung? Wir schauen uns also an, was für Formen von Azadari es gibt und was es unter dieser Kategorie für Einteilungen gibt.

     

    1. Majlis (Sitzung/Versammlung)

     

    Ist dies kulturell entstanden oder religiöser Natur? Wenn man die Länge des Majlis betrachtet, dann hängt es sicherlich davon ab. Wenn man von einem kurzen Majlis ausgeht, so ist der erste Majlis in der Zeit von Adam (a.s) gewesen. Denn in der Schule der Ahl-ul-Bayt (a.s) sind wir davon überzeugt, dass der Prophet Adam (a.s) von der Tragödie um Imam Hussein (a.s) wusste. Diese Tradition setzte sich dann bei allen Propheten und Gesandten nach Adam (a.s) fort.

     

    Nehmen wir z.b. Prophet Zakariya (a.s) (Zacharius). Seine Geschichte im Koran beginnt mit den Buchstaben: Kaf Ha Ya ‚Ain Sad. Als ihm mitgeteilt wurde, dass ‚K‘ für Karbala steht und was dort geschehen würde, bat er (a.s) Allah um Folgendes: „Schenke mir einen Sohn, der wie Imam Hussein (a.s) sterben wird und lass mich um ihn weinen, wie die Menschen um Hussein weinen werden.“

     

    Als der Prophet Moses (a.s) in seinen „Munajaat“ (Anflehungen) zu Allah versunken war, fragte er Allah, den Erhabenen:

    „O Allah, durch was (bzw. wieso) hast du die Gemeinschaft des Propheten Muhammad über die übrigen Gemeinschaften erhöht/bevorzugt?

     

    Allah, der Erhabene antwortete: „Durch 10 Aspekte:

     

    1. Das Gebet

    2. Das Fasten

    3. Die Pilgerfahrt

    4. Djihad

    5. Zakat

    6. Das Gute gebieten

    7. Das Schlechte verwehren

    8. Khums

    9. Nahrung spenden (z.B das Opferfleisch an den Festtagen oder in Muharram)

    und 10. Aschura.“

     

    Moses (a.s) fragte: „O Herr! Was ist Aschura?“

     

    Allah, der Erhabene antwortete: „O Moses, Aschura ist eine Zeit, in der ein gutes Volk über den Sohn des Propheten weinen und trauern wird, nachdem er (Hussein (a.s) getötet wurde. Aschura, O Moses ist das Weinen wegen Hussein und das Spenden von Nahrung für Hussein. Wer auf der Basis der Liebe zu Imam Hussein Speise spendet und wegen ihn weint, so werde Ich ihn das Paradies zu seiner Heimstätte machen.“

     

    Daraufhin weinte Moses (a.s).

     

    Allah (swt) sagte: „O Moses, bei meiner Ehre und Würde, es gibt keinen Diener, der Hussein erwähnt und wegen ihm weint, und sei es auch, dass eine Träne, die so klein wie die Flügel einer Fliege oder einer Spinne ist, aus seinen Augen tritt, dem ich nicht den Lohn von 100 Märtyrern aufschreibe.“

     

    Der Majlis als Azadari in kurzer Form begann also mit dem Propheten Adam (a.s) und diese Tradition setzte sich bei allen Propheten und Gesandten nach ihm fort. Der Initiator der längeren Majalis wird entweder in Sayyidah Zeinab (a.s) und ihre Rede in Kufa gesehen oder in Imam as-Sajjad (a.s) und seine Rede in Scham.

     

    2. Gedichte als Azadari

     

    Was den Inhalt (Zusammensetzung) eines Majlis betrifft, gerade im Hinblick auf die poetischen Worte, sieht man den Ursprung bei Umm Kulthum, als sie mit ihrer Familie als Gefangene von Karbala nach Scham ging. Daher fügt man bei Majalis stets Gedichte ein, die vom Geschehen in Karbala erzählen. Außerdem wird in der Schule der Ahl-ul-Bayt (a.s) das Weinen als Bestandteil eines Majlis gesehen. Hier sieht man den Ursprung bei den Propheten und den Engeln insgesamt. Der Imam sagt in Ziyarat Nahiya:„Gegrüßt sei der, um den die Engel der Himmel weinten.“

     

    3. Weinen als Azadari

     

    Der geschichtlicher Ursprung im Weinen um Hussein (a.s), findet man bei den Engeln, den Propheten und Gesandten, und beim Propheten Muhammad (s) selbst. Dabei bezieht man sich auf ein bekanntes Ereignis: Als der Prophet einmal weinte, fragte ihn seine Frau Umm Salama nach dem Grund und er (s) berichtete ihr dann von den Geschehnissen in Karbala.

     

    4.  Veränderung der Stimme beim Vortragen der Masa’ib (Tragödien)

     

    Hinsichtlich der Stimme werdet ihr sicherlich vernommen haben, dass es dort bei einigen Majalis eine Veränderung gibt. Diese Veränderung der Stimme beim Rezitieren der Tragödien (Masa’ib) ist mehr eine arabische Art und Weise, weniger eine Indopakistanische.

     

    Beim Letzteren rezitiert der Vortragende ohne Veränderung der Stimmenlage weiter, nur dass er ein wenig seine Stimme hebt. Das hängt damit zusammen, dass Imam as-Sadiq (a.s) einmal einen Vortragenden, der in seinem Majlis gerade die Tragödien (Massa’ib) erwähnen wollte, anwies: „Trage vor, in der Art und Weise, wie es die Menschen im Irak tun.“ Denn diese Art der Tragödien lässt uns weinen, daher vernehmt ihr diese Veränderung der Stimme (singend, klagend), dessen Ursprung im Hadith von Imam Jaafar as-Sadiq (a.s) zu finden ist.

     

    5. Matam [ar. Latm] als Azadari

     

    Bezüglich des historischen Ursprungs des Matam (Auf die Brust schlagen): Es wird überliefert, dass der Ursprung von Matam nach dem Tode des Propheten Muhammad (s) zu datieren ist. In dem Buch „Al-Bidaya wal-Nihaya“ wird überliefert, dass, als der Prophet starb, seine Frauen sich selbst auf deren Gesichter schlugen. In Bezug auf Imam Hussein (a.s) so wird berichtet, dass es direkt nach dem bzw. während dem Massaker von Karbala begann.

     

    Dies entnehmen wir wiederum aus der Ziyarah von Nahiya Muqaddasa. Lasst mich erklären, was Nahiya ist. Ziyarat Nahiya ist die Version der Ziyarah von Imam Mahdi (a.s). Wir sehen mit dieser Ziyarah die Geschehnisse von Karbala aus der Sicht Imam Mahdi’s (a.s). Nahiya bedeutet der heilige Ort.

     

    Eine der Überlieferungen besagt, dass es das Haus von Imam Askariy (a.s) sei. Viele der Hadith-Gelehrten stufen diese Ziyarah als authentisch ein. In dieser Audienz beschreibt der Imam wie die Frauen sich selbst auf die Gesichter schlugen, als sie sahen, was mit Aba Abdillah (a.s) geschah:

     

    „[…]In der Zeit gallopierten die Feinde in Richtung deines Zeltes, wiehernd und weinend. Als die Frauen dein bestürztes Pferd sahen und dein Sattel darauf verdreht, kamen sie von ihren Zelten hinaus mit zersaustem Haar und schlagend auf ihre nackten Wangen. Sie riefen nach dir, klagend und heulend, sie wurden gedemütigt, nachdem sie geehrt wurden, eilend zum Ort, wo du verwundet gelegen hast.[…]

     

    Der Ursprung des Latem bzw. des Schlagens eines Körperteils entstand also in Karbala. Außerdem wird überliefert, dass Sayyidah Zeinab (a.s) sich selbst an drei von einander getrennten Anlässen schlug. Nach zwei verschiedenen Büchern „Al-Bidaya-wal-Nihaya“ und „Al-Imama-wal-siyasa“ werden die drei Anlässe erwähnt, in denen Sayyidah Zeinab sich selbst schlug.

     

    Eine Überlieferung sagt, dass Sayyidah Zeinab (a.s) sich selbst schlug, als sie hörte, dass die Feinde das Zelt Imam Husseins attackieren wollten. Sie ging zu Imam Hussein (a.s) und fragte: „Was ist dieser Lärm vor unseren Zelten?“ Der Imam (a.s) antwortete: „Ich sah den Propheten (s) in meinem Traum, der mir berichtete, dass sie mich morgen erreichen werden.“ Als Sayyidah Zeinab (a.s) dies vernahm, begann sie sich auf ihr Gesicht zu schlagen.

     

    Die zweite Überlieferung besagt, dass Sayyidah Zeinab (a.s) sich auf ihr Gesicht schlug, als sie die letzen Worte ihres Bruders Imam Husseins hörte. Die dritte Überlieferung sagt uns, dass Sayyidah Zeinab (a.s) sich selbst auf ihr Gesicht schlug, als sie die heiligen Körper auf dem Boden Karbalas sah. Matam begann also mit den Gefährten Imam Husseins direkt nach Karbala.

     

    6. Jaloos [Marsch] als Azadari

     

    Jaloos als Azadari hat seinen Ursprung in der Reise der Familie und der Gefährten Imam Husseins von Karbala nach Kufa nach Scham zurück nach Karbala und schließlich nach Madina. Dieser Marsch steht für die Demonstration gegen Tyrannei. Jaloos als Azadari beruht also auf den Taten der Ahl-ul-bayt (a.s) und besteht bis heute noch fort.

     

    7. Zanjeer [Mit Ketten schlagen]

     

    Zanjeer hat nach meiner Meinung (Sayyed Ammar) kein Fundament in den Handlungen der Imame der Ahl-ul-Bayt (a.s). Warum Zanjeer nun als kultureller Brauch als Azadari entstand, so gibt es hierfür mehrere Ansichten der Gelehrten.

     

    Eine Ansicht sagt, dass Zanjeer seinen Ursprung bei Imam Sajjad (a.s) hat. Denn als dieser von Karbala nach Kufa nach Scham in Fesseln mit der Familie Husseins ging, wurde er von den Feinden gepeitscht. So ahmen die Menschen diese Handlung nach, um ihn zu ehren bzw. zu würdigen.

     

    Die zweite Ansicht besagt, dass Zanjeer als Azadari seinen Ursprung in der Tawaboon (Bereuenden) Bewegung hat. Diese Menschen waren aus verschiedenen Gründen nicht in Karbala, so dass die Tragödie Karbalas sie veranlasste tiefe Reue zu empfinden und sie sich schworen, Rache zu nehmen.
    Einer von ihnen war Mukhtar al-Thakafi (r), der zu der Zeit im Gefängnis festsaß. Andere waren versunken im Diesseits und wiederum andere konnten es sich nicht vorstellen, dass man den Enkelsohn des Propheten (s) töten würde. Diese tiefe Reue nach Karbala ließ sie große Schuld empfinden. Daher geißelten sie sich selbst. Da es einige Zeit (Jahre) nach Karbala geschah, wurde es schließlich als eine traditionelle Zeremonie nachgeahmt. Ihren Höhepunkt der Prominenz erreichte es in der Zeit der Safawadin im Iran und in der Türkei. Und heute besteht dies fort, auch in der arabischen Welt und im indopakistanischen Kontinent.

     

    Gegenwärtige Einordung und Zukunft von Azadari

     

    [22.32] „Das (ist so). Und wer die Zeichen Allahs (Scha’aer Allah) ehrt – das rührt wahrlich von der Rechtschaffenheit der Herzen her.“

     

    Er stand in einem unfruchtbaren Land, einer Gegend ohne Vegetation. Er war mehr als hundert Jahre alt. Er wartete sehnsüchtig auf seinen Sohn. Der Befehl Allahs wurde empfangen:

     

    [2:125] „Und als wir das Haus zu einem Ort des Wiederkommens für die Menschen gemacht haben, und einem Ort der Sicherheit, – und nehmt euch die Stätte Ibrahims als Gebetsplatz – und wir haben mit Ibrahim und Ismail die Abmachung getroffen, dass sie Mein Haus reinhalten für die Umschreitenden und die sich Aufhaltenden und die sich Beugenden, Niederwerfenden.“

     

    Er erfüllte diesen Befehl. Am nächsten Tag verkündete er die großartige, besondere Mission. Sie sollten die Wallfahrt verrichten.

     

    [22:27] „Und verkündige den Menschen die Pilgerfahrt: Sie werden zu dir kommen zu Fuß und auf jedem hageren Kamel, auf allen fernen Wegen,[…]“

     

    Ibrahim sollte diesen Befehl also verkünden, dass die Menschen die Pilgerfahrt zum Hause ihres Herrn vollziehen sollten. Er sprach zu Allah, um ihn herum waren nur wenige Menschen. Wie soll diese Verkündung die Menschheit erreichen? Allah antwortete: „Dir wurde (nur) auferlegt zu verkünden (Minnka an-Nida), Wir (aber) übernehmen die Verbreitung (Wa Minna at-Tabligh).“

     

    Am Tage Aschuras, als Aba Abdullah (a.s), nachdem er die größte Tragödie in der Menschheitsgeschichte mit eigenen Augen sah, auf dem Sande Karbalas stand, was tat er? Er rief: „Gibt es denn keinen der uns hilft?“

     

    Für wen war der Ruf? War diese Verkündung für die feindselige Armee? Oder für seine quantitativ unterlegene Familie? Der Ruf an diesem Tag war für alle kommenden Generationen bis zum Tag der Auferstehung. Jede Person mit einer Mission plant präzise ebenso die Folgen dieser Mission und ihre Wirkung. Man wird nicht durch mangelndes Wissen bzw. durch Unachtsamkeit, was die Konsequenzen danach betrifft, nachlässig. Imam Hussein (a.s) plante achtsam und sorgsam die Revolution und den Widerstand. Er erhob sich gegen die Ungerechtigkeit, die Tyrannei.

     

    Heute vibrieren seine Worte auf der ganzen Welt. Sie sind eine Quelle der Inspiration für viele Gläubige, für mich und für dich. Und für diejenigen, die Tyrannei und Ungerechtigkeit praktizieren, erzeugen sie (die Worte) eine Furcht im Herzen. Imam Hussein (a.s) opferte, was er besaß, nicht nur für seine Familie und nicht nur Wohlstand etc. und auch nicht nur alles, was er begehrte. Sondern er plante (auch) für das „Danach“ seiner Revolution. Und diese Verkündung (Gibt es denn dort keinen Beschützer?) erreicht uns heute noch und wird bis zum Tage der Auferstehung Generation für Generation erreichen, durch die Prozessionen des Azadari!

     

    Dies ist die Signifikanz des Gedenken an Imam Husseins (a.s). Heute weinen wir und lamentieren und es gibt keine Region in dieser Welt, die nicht gedenkt und aufsteht und „Ya Hussein!!!“ ruft.  Ein guter Freund von mir ist einmal in Muharram wegen Vorträgen nach Finnland gefahren und erzählte mir folgendes:

     

    Nachdem sie die Majalis beendet hatten, wollte er gerne ein wenig das Land sehen, die Berge und die Städte. Er wurde begleitet von einigen Personen und einmal als sie durch das Land fuhren und er in der Schönheit der Landschaft und der Berge versank, entdeckte er drei, vier Häuser in mitten dieser Berge ganz oben. Er blickte genauer hin und sagte: Bei Allah, – und ich glaube ihm – eines dieser Häuser hatte eine Flagge auf der Spitze des Hauses wehen, worauf stand „Ya Abal-Fadl al-Abbas“.

     

    Dies ist, wie Hussein ibn Ali (a.s) die Herzen und die Gedanken von unzähligen Menschen Generation nach Generation bis zum Tag der Auferstehung, besetzt hat. Wie? Wie hat er dies getan? Durch die Prozession von Azadari, was eingeführt wurde von seiner Schwester Sayyidah Zaynab (a.s), dem Berg der Standhaftigkeit und seinem Sohn, Imam Ali Zayn-ul-Abideen (a.s).

     

    Die Unterstützung und die Ermutigung der Ahl-ul-Bayt (a.s) für die Ausführung von Azadari kann nicht ignoriert werden. Wieso? Schauen wir uns doch mal heute um, und einige Personen kommen mit Missverständnissen und negativen Urteilen. Sie sagen, wieso müssen wir weinen und Matam machen? Können wir nicht einfach diese Geschichte in einem Buch lesen und davon lernen? Ist das nicht ausreichend? Wie antworten wir darauf?

     

    Die Gelehrten der Philosophie sagen: Es gibt zwei essentielle Kräfte, die intellektuelle rationale Kraft und die Kraft unseres Herzens. Manchmal ist es so, dass unser Verstand ein bestimmtes Konzept akzeptiert, aber unser Herz sich dem nicht unterwirft. Der Koran in Sure 22, Vers 19, spricht über die Muschrikeen [Polytheisten], die zwar den Tawhid (Monotheismus) theoretisch verstanden haben, aber ihre Herzen sich dem niemals unterworfen haben bzw. niemals akzeptiert haben.

     

    Wenn wir nun zum Konzept von Imam Hussein kommen, wenn wir unsere tiefste Loyalität unserem Imam kundtun und über Azadari sprechen, dann meinen wir die Synchronisierung von Intellekt und Gefühl, um das zu verinnerlichen, wofür Imam Hussein steht.

     

    Wenn ich heute nicht mit Herz und Seele im aktiven Erinnern und Gedenken an Karbala bin, dann wird mich das nicht so sehr berühren, wie wenn ich lediglich ein Buch hierzu lese. Das ist die Idee, die dahinter steckt. So sagen einige Gelehrte, dass wenn man in einem verschlossenen, dunklen Raum mit einer Leiche eingesperrt ist, es nicht lange aushalten würde. Denn wie viele von uns würden das durchstehen? Unser Verstand sagt uns zwar, dass diese Leiche uns nichts anhaben kann, aber unser Gefühl, unser Herz ist voller Furcht. Es ist unabdingbar für ein Individuum, einen vollständigen und tiefen Glauben zu haben, für ein bestimmtes Konzept, für eine bestimmte Handlung, dass der Verstand (Aql) und das Herz (qalb) Hand in Hand im Sinne dieser Idee gehen.

     

    Nun, wenn ich heute Azadari praktiziere: Was bedeutet es für dich und für mich? Was bedeutet es, wenn ich haltlos weine oder irgendetwas als Darlegung meiner Gefühle tue, wenn ich mit der Hand auf meine Brust haue?

     

    Für mich (Scheikh Muhammad al-Hilli) bedeutet es drei Dinge:

     

    1. Allah sagt im Koran, dass das Empfinden von Trauer etwas vollkommen Normales ist. Wenn du nicht weinst, dann ist etwas nicht ganz ok mit dir?! Wenn du für deine Familienmitglieder, die bei einem Unfall davongehen, weinst, wie ist es dann erst für diejenigen, die Allah uns anwies zu lieben [Ayat-ul-Mawaddah], zu helfen und zu gehorchen?

     

    2. Was bedeutet es, wenn ich mit der Hand auf meine Brust schlage? Es bedeutet für mich, dass jedes Mal, wenn ich auf meine Brust schlage, eine Verkündigung abgebe, eine Vereinbarung mit Imam Hussein (a.s) mache, was besagt: „O Imam Hussein, Ich als jemand, der den Lehren der Ahl-ul-Bayt folgt, werde nicht nur weinen und um die Tragödie in Karbala trauern, sondern ich werde dafür sorgen, dass diese universellen und göttlichen Prinzipien und Lehren, die Imam Hussein der Menschheit verkündetet in meinem leben verinnerlicht werden. Ich will wer werden? Ein Botschafter Imam Husseins.“

     

    Wenn ich heute auf die Straße gehe, trage ich mit mir die Botschaft, dass ich ein Husseini bin. Wie Zuheir ibn al-Qain (r.). Zuheir ibn al-Qain folgte dem Uthmaniy Mazhab und wollte so wenig wie möglich Imam Hussein begegnen. Einmal sendete Imam Hussein einen Botschafter zu ihm. Zuheir ibn al-Qain kam als Uthmaniy und kehrte zurück als Husseini. Daher, wenn wir weinen und lamentieren und auf die Brust schlagen, so bestätigen wir damit, dass wir Botschafter Imam Husseins sind.

     

    3. So wie ich Azadari heute verstehe: Wir weinen, lamentieren, machen Majalis und Jaloos usw. usf., so protestieren wir – hiermit – gegen jede Form von Tyrannei, gegen Ungerechtigkeit in dieser Welt und in der Geschichte. Wir als Muslime, als Anhänger der Ahl-ul-Bayt (a.s), als Menschen wurden erzogen, diese universellen Prinzipien und Lehren der Gerechtigkeit gegen die Tyrannei zu erheben (beleben).

     

    Und für mich, wenn ich auf meine Brust schlage, dann protestiere ich gegen die Tyrannei am Tage Aschuras und von diesem Tag bis heute und zum Tag der Auferstehung. Jede Tyrannei die heute existiert, in Palästina oder anderswo, ich als Anhänger von Imam Hussein ibn Ali (a.s) bin dagegen! Azadari ist dieser hochgeschätzte Akt.

     

    Imam Jaafar as-Sadig (a.s) sagte: „Sitzt ihr etwa und sprecht miteinander? Belebt unsere Angelegenheiten, Allah erbarme sich denen, die unsere Angelegenheiten beleben.“ Ein Gefährte fragte: „Wie können wir dies tun?“ Der Imam sagte: „Studiert unsere Lehren und verkündet sie den Menschen. Denn bei Allah, wenn die Menschen die Schönheiten unserer Lehren erkennen, dann würden sie uns folgen.“

     

    Unser Imam gibt uns hier eine Garantie, ein sündloser Imam, der nicht sinnloses spricht. Wir würden also wie ein Magnet sein, welches zahlreiche Menschen überall auf der Welt anziehen würde. Das ist der Rang von Azadari!

     

    Azadari an sich und bezüglich dessen, wie wir in Zukunft damit fortfahren, so erwähnen die Gelehrten folgendes:

     

    Es gibt zwei Arten von Azadari. Und Allah erwähnt diese Idee, der Scha’aer im Koran, im oben genannten Vers [22:32]. Scha’aer bedeutet Ausdrücken, ein äußerst wichtiges Thema/Titel darstellen, der Adhan z.B. ist eine Scha’eera. Azadari ist eine Form von Scha’eera. Eine Form des Gedenken an die Tragödie Imam Husseins in Karbala. Wie fahren wir heute damit fort?

     

    Es gibt zwei Formen, einmal die fixe Scha’eera und die dynamische Scha’eera. Es gibt einige Scha’aer, die fest bestimmt sind in der Geschichte, wie das Weinen, der Matam, Majalis und Jaloos. Es gibt heute jedoch viele Möglichkeiten entsprechend den jeweiligen Gebieten insbesondere hier im Westen, um die Botschaft Imam Husseins an die Menschen vor Ort zu adressieren. Azadari ist nicht nur auf diese Handlungen begrenzt (Weinen, Matam, Jaloos etc.).

     

    Was wir also heute erstens brauchen sind: Institutionen, Zentren etc., die die Revolution Imam Husseins studieren und hinauskommen mit Empfehlungen, Konzepten und universell akzeptierten Grundwerten, für alle Menschen, nicht nur für Muslime oder für die Anhänger Imam Husseins.

     

    Zweitens sollten wir diese zehn Tage in Muharram, bzw. in Muharram und in Safar insgesamt bzw. im ganzen Jahr als eine Möglichkeit ansehen, denn Allah der Erhabene hat uns einen Schatz gegeben, dieser Schatz sind die Ahl-ul-Bayt (a.s).

     

    Wenn wir uns besinnen, dann sehen wir, dass man für einen Schatz eine Karte braucht. Der höchste Schatz ist das Paradies und das Erreichen Allahs‘ Barmherzigkeit und Vergebung. So brauchst du eine Karte, diese Karte besteht aus zwei Teilen, Quran und Ahl-ul-Bayt (a.s).

     

    Die Mehrzahl der Muslime hat diese Karte entzweit. Sie halten nur einen Teil in der Hand. Daher können sie auch nicht den Schatz finden. Gemäß Hadith Thaqalain können sie nur den Schatz im Zusammenspiel mit Koran und Ahl-ul-Bayt (a.s) finden, wie es uns Allah anwies.

     

    Folglich sollten diese Tage des Gedenkens und der Erinnerung dazu verwendet werden, um die spirituelle Entwicklung unserer Gemeinde, unserer Jugendlichen und unser Selbst zu fördern. Wir sollten diese Möglichkeiten heute nutzen um diese Werte zu verkünden und zu verinnerlichen, diesen Schatz sollten wir heute ausnutzen und uns überlegen, wie wir mit heutigen Mitteln, diese Husseini Verkündigung an die Menschen bringen und nicht nur in unseren kleinen Boxen denken und uns zurückziehen.

     

    Das Thema der Gerechtigkeit ist nun universeller und aktueller denn je geworden. Selbst die, die unschuldige Menschen töten, sagen von sich, dass sie für Gerechtigkeit seien und für die Menschenrechte. Niemand auf dieser Welt würde daher kommen und sagen, dass Ungerechtigkeit etwas tolles sei. Wir sollten darstellen, wie Imam Hussein die Gerechtigkeit in seiner Revolution manifestiert hat. Es den Menschen erklären und an sie zu adressieren, die vielleicht noch nie etwas von Imam Hussein gehört haben.

     

    [Einige Beispiele: Blutspende Kampagnen organisieren; Wasserspende (Erhaltungs-)Aktionen; Soziale Dienste anbieten z.B. muslm. Jugendliche/Kinder in der Schule unterstützen durch Hausaufgabenbetreuung, Nachhilfeunterricht; Obdachlosenspeisungen; Essens- und Kleiderverteilungsaktionen in Flüchtlingsheimen z.B.; jeder kann ein Husseini Botschafter werden, dazu braucht man kein Verein oder ähnliches. Schaut einfach wie eure Gemeinde/Stadt zusammengesetzt ist, wo ihr helfen könnt und was ihr an Eigenschaften mitbringen könnt. In Moscheen, karitativen Institutionen, lokale Gruppen, Vereine, Versammlungen etc. könnt ihr dann eure Hilfe anbieten. Das sind lediglich Beispiele, wie man direkt vor Ort in schönster Art und Weise und mit einfachen Mitteln im Sinne der Revolution Imam Husseins (a.s) ein Husseini sein kann. Dies selbstverständlich neben der Vermittlung islamischen Wissens durch Aufbau von Moscheen, Husseiniyas etc. Global denken, lokal handeln. Iman und Wissen als Fundament. Einladung und Verkündung durch vorzügliches Verhalten]

     

     

    Quelle: http://www.al-shia.de/aschura/azadari.htm