islamic-sources

    1. Startseite

    2. article

    3. Das richtige Verhalten eines Gläubigen

    Das richtige Verhalten eines Gläubigen

    Das richtige Verhalten eines Gläubigen
    2 (40%) 2 votes

     

    von Um Abdel Kareem

     

    Sich Muslim zu nennen, darf jeder, der die Schahada (Glaubensbekenntnis) gesprochen hat. Aber um ein richtiger Muslim zu sein, bedarf es viel mehr. Ein Gläubiger richtet sein ganzes Leben nach dem Islam. Der Muslim sollte immer wieder bestrebt sein, sich zu verbessern und nicht stehen zu bleiben. Er schmückt also seinen Charakter und seine Seele mit den schönsten Eigenschaften. Was viele sich vielleicht nicht vor Augen halten, ist die Tatsache, dass ein Mensch eine höhere Stellung erreichen kann, als die der Engel. Umgekehrt kann er aber auch eine niedrigere Stellung wie die eines Tieres erhalten. Dies geschieht wenn er nur noch nach seinen Begierden handelt.

     

    Über das Gebet

     

    Es sollte für jeden praktizierenden Muslim selbstverständlich sein, seine täglichen Gebete zu verrichten. Die nächste Stufe wäre, dass man die Gebete zur richtigen Zeit verrichtet und sich immer wieder bewusst ist, dass man nun vor seinen Schöpfer tritt. Wer sich das vor Augen hält, der wird versuchen sein Gebet und seine Bittgebete mit tiefstem Herzen zu verrichten.

     

    Über das Fasten

     

    Viele Muslime fasten den Monat Ramadan und praktizieren eigentlich nur das Bauchfasten. Damit ist lediglich das Verwehren jeglicher Nahrung und Flüssigkeit während des Fastens.  Der Gläubiger versucht allerdings sein Fasten zu erweitern, indem er sich von jeglich Schlechtem fernhält. Er spricht nicht Schlechtes, er handelt nicht schlecht und er verwehrt schlechte Taten. Er nutzt den Ramadan um seinem Schöpfer noch näher zu kommen. Er liest mindestens einmal den ganzen Quran (Khatem). Er schlägt sich nicht zum Fastenbrechen den Magen voll: Im Gegenteil, wird er doch versuchen so bescheiden wie möglich zu essen. Er verbringt die Zeit mit Gebeten und Andacht.

     

    Über seine Charaktereigenschaften und Taten

     

    Ich werde hier im Einzelnen ein paar Stichpunkte aufführen:

    Er kümmert sich täglich um die Angelegenheiten der Muslime

    Er lügt nicht und ist immer aufrichtig in seinen Worten

    Er flucht und schimpft nicht

    Er ist hilfsbereit und höflich

    Er respektiert seine Mitmenschen und hilft ihnen

    Er setzt sich für Gerechtigkeit ein

    Er nimmt die Schwächeren in Schutz

    Er stielt nicht und betrügt nicht

    Er ist nicht verschwenderisch und nicht geizig

    Er kleidet sich weder ungepflegt noch luxuriös

    Er spendet regelmäßig an Arme und Notleidende

    Er ehrt und respektiert seine Eltern und kümmert sich um sie

    Er ist ein aufrichtiger Freund für jeden Gläubigen

    Er ist bescheiden und nicht hochmütig

    Er pflegt seine Freundschaften und ist immer für seine Freunde da

    Er spricht nicht schlecht über andere

    Er pflegt seinen Körper und meidet schlechte Nahrung

    Er vermeidet alles was seinem Körper schaden könnte (Zigaretten, zu viel Essen etc.)

    Die Rechte eines Gläubigen gegenüber seinem Glaubensbruder

    Er wünscht das Gleiche für seinen Glaubensbruder wie für sich selbst

    Er hält das Gleiche von seinem Glaubensbruder fern, was er auch von sich fern halten würde

    Er hilft ihm mit all seinen Gliedmaßen: Mit seiner Zunge, seinen Händen und Füßen.

    Er isst und trinkt nicht, solange er weiß, dass sein Glaubensbruder hungrig und durstig ist.

    Er folgt den Einladung und Anrufen seines Glaubensbruders

    Wenn er besucht wird, so wird er auch zu einem Gegenbesuch kommen

    Hat sein Glaubensbruder ein Bedürfnis so wird er alles versuchen, um ihm diesen zu erfüllen

    Er hilft ihm in allen schwierigen Phasen und Situationen

    Anvertraute Geheimnisse behält er selbstverständlich für sich

     

    Krankenbesuche

     

    Auch wenn diese Eigenschaften vielleicht dem einen oder anderen als ein Leichtes vorkommen, so sind sie es nicht. Ich möchte daher einen jeden mit den folgenden Hadithen dazu ermutigen sie zu praktizieren bzw. sein Verhalten zu verbessern.

     

    Es wird überliefert dass Abu Abd Allah (ع) sagte:

    Jemand der sich auf dem Weg mit einem Muslim befinde, um ihn zu helfen und zu beraten, so wird Allah ihm für jeden Schritt den er geht eine gute Tat hinzufügen und eine Schlechte vergeben.

     

    Es wird überliefert dass Abu Jaafar (ع) sagte:

    Jemand der eine Schritt unternimmt um die Bedürfnisse seines Glaubensbruder zu erfüllen, dem wird Allah 10 gute Taten aufschreiben und sie werden besser sein, als das Befreien eines Sklaven, und das Fasten für einen Monat und das Durchführen des I’tikaf in der heiligen Moschee von Mekka.

     

    Es wird von Abu Jaafar (ع) überliefert dass der Prophet (ص) gesagt hat:

    Ein jeder der seinen Glaubensbruder glücklich macht, der hat mich glücklich gemacht. Und wer mich erfreut, der hat Allah erfreut.

     

    Lästern und üble Nachrede

     

    Abu Dharr (r) fragte einst den Propheten Muhammad (ص): “Oh Botschafter Gottes, was ist gheebah?” Er antwortete: “Es ist, über seinen Bruder das zu sagen, was dieser verabscheut.” Abu Dharr (r) sagte dann: “Oh Botschafter Gottes, was, wenn das was man über ihn sagt, tatsächlich in ihm ist?” Er (ص) antwortete: „Wisse, dass wenn Du erwähnst, was in ihm ist, dann hast Du gheebah (Lästerei) begangen und wenn Du erwähnst, was nicht in ihm ist, hast Du ihn verleumdet.“
    [Al-Hurr al-`Amili, Wasai’l al-Shi`ah, Band 8, Tradition Nr. 16312]

     

    „… Und führt nicht üble Nachrede übereinander. Möchte denn einer von euch das Fleisch seines Bruders, wenn er tot ist, essen? Es wäre euch doch zuwider.“ (Qur’an 49:12)

     

    Der Prophet Muhammad (ص) sagte einst zu Imam ‘Ali (ع): „O ‘Ali! Sollte jemand hören, wie in seiner Anwesenheit über seinen Muslimbruder gelästert wird, ohne zu dessen Verteidigung zu eilen, obwohl es ihm möglich wäre, wird er von Gott im Diesseits und im Jenseits gedemütigt.“ [Al-Hurr al-`Amili, Wasa’il al-Shi`ah, Band 8, Tradition Nr. 16336]

     

    Das Verbot, Lästern anzuhören

     

    Ebenso, wie Lästern verboten ist, so ist es auch das Zuhören. Tatsächlich, wie einige Traditionen anzeigen, ist der Zuhörer gleich dem Lästerer – mit all den bösartigen Auswirkungen. Dies ist so sehr der Fall, dass seine Handlung eine schwerwiegende Sünde darstellt, die die Verpflichtung mit sich bringt, Vergebung durch das Opfer zu erwirken.

     

    Der Prophet (ع) sagte: „Der Zuhörer ist einer der beiden Lästerer.“
    [Al-Fayd al-Kashani, Al-Mahajjat al-Bayda‘, Band 5, S. 260]

     

    Imam as-Sadiq (ع) erzählte von dem edlen Botschafter (ص), von dem einst gesagt wurde, dass er sowohl Lästern als auch demselben zuzuhören verboten hat. Dann sagte er (ص): „Seht, wer immer seinem Bruder einen Gefallen tut, indem er Lästerei widerlegt, sobald er sie in einer Versammlung hört, den wird Gott vor tausend verschiedenen Arten von Übeln dieser Welt und des Jenseits schützen. Und wenn er es nicht tut, obwohl es ihm möglich gewesen wäre es zu widerlegen, auf dem soll die Last wie von jemandem liegen, der sein Lästern siebzig mal begeht.“
    [Al-Hurr al-`Amili, Wasa’il al-Shi`ah, Band 8, Tradition Nr. 16316]

     

    Zu den eher subtilen Formen des Lästerns gehört das faszinierte Zuhören. Solch eine Person drückt ihre Faszination aus, um den Lästerer in seinen Beschreibungen lebhafter werden zu lassen. Seine Faszination ermutigt den Letzteren noch in seiner bösartigen Handlung. Beispielsweise wird er sagen „Seltsam“, oder „Astaghfirullah!” (Ich bitte Gott um Verzeihung). Oder er sagt vielleicht, „Das wusste ich nicht!“, oder „Ich wusste nicht, dass er so etwas tun würde!“. Diese Worte dienen dazu, den Lästerer zu bestätigen und ihn zu ermutigen, noch etwas hinzuzufügen. Dieses Verhalten ist in Wirklichkeit des Teufels List. Sicherlich ist die Unterstützung des Lästerns auch Lästern; ebenso wie das Zuhören oder sogar nur zu schweigen, während man es hört.
    [al-Shahid al-Thanis Rede als Zitat in Vierzig Hadith von Ayatollah Khomeini.]

     

    Ist Lästern jemals erlaubt?

     

    Es gibt sehr wenige Situation, in denen es erlaubt ist, über die Schwächen anderer Personen zu sprechen. Man muss sehr vorsichtig sein, das Bestehen dieser Ausnahmen nicht bis hin zur Sünde ausufern zu lassen. Einige dieser Situationen sind:

    Um Muslime vor der Boshaftigkeit einer anderen Person zu schützen, eingeschlossen Situationen, in denen jemand gebeten wird, für die Integrität eines Heiratskandidaten zu bürgen.
    Wenn die Person, über die gesprochen wird, keinen Hehl aus ihren Übertretungen gegen die göttlichen Befehle macht.
    Um jegliche Schwächen eines Patienten gegenüber einem Arzt zu Zwecken einer Behandlung zu beschreiben.
    Zur Kritik an einem Überlieferer von Traditionen (hadith).

     

    Folgen des Lästerns

     

    Der Prophet (ص) erteilte Abu Dharr (r) einst Rat, indem er sagte: “Oh Abu Dharr! Hüte Dich vor dem Lästern, denn Lästern ist schwerwiegender, als der Ehebruch (zina’).“Abu Dharr (r) sagte: „Wieso ist das so, Oh Botschafter Gottes?“Er (ص) antwortete: „Dies ist so, weil, wenn ein Mann Ehebruch begeht und dann aufrichtig vor Gott bereut, dann akzeptiert Gott diese Reue. Wie auch immer, Lästern wird nicht vergeben, bevor es nicht das Opfer vergeben hat.“
    [Al-Hurr al-`Amili, Wasai’l al-Shi`ah, Band 8, Tradition Nr. 18312]

     

    Der edle Botschafter (ص) sagte: „Wer auch immer über einen Muslim lästert, verdirbt sein Fasten und verliert seine Wudu (Vorwaschung), und am Tage der Auferstehung wird der Gestank aus seinem Mund stärker verwest sein, als ein Kadaver und er wird die, die sich mit ihm in dieser Station (mawqif) befinden, belasten. Sollte er sterben, bevor er bereut hat, ist sein Tod wie der Tod von jemandem, der als erlaubt betrachtet, was Gott, der Gepriesene und Glorreiche, verboten hat.“
    [Al-Hurr al-`Amili, Wasa’il al-Shi`ah, Band 8, Tradition Nr. 16316]

     

    Imam as-Sadiq (ع) erzählte von dem Propheten (ص), der sagte: „Oh, Ihr, die Ihr den Islam mit der Zunge angenommen habt, in deren Herzen der feste Glaube noch nicht eingekehrt ist, seid gegenüber den Muslimen nicht herabschätzend und sucht bei ihnen nicht nach ihren Fehlern. Wahrlich, Gott wird die Fehler dessen hervorbringen, der nach den ihren sucht; Und jemand, dessen Fehler Gott hervorbringt, der wird erniedrigt, sogar in seinem eigenen Hause.“
    [Al-Kulayni, al-Kafi, Band 2, „Kitab al-Iman wa al-Kufr“, „Bab man talaba ‚atharat al-Mu’minin“, Tradition Nr. 2]

     

    Imam as-Sadiq (ع) erzählte von dem Propheten (ص) der sagte: „Der Schaden, der der Glaubenstreue eines Gläubigen durch Lästern zugefügt wird, ist geschwinder, als der, der durch aklah (eine Krankheit, die das Fleisch aufzehrt) in der Seite seines Körpers hervorgerufen wird.“
    [Al-Kulayni, al-Kafi, Band 2, „Kitab al-Iman wa al-Kufr“, „Bab al-Gheebah wa al-Buht“, Tradition Nr. 1]

     

    Wenn Lästern Eingang findet in unser Verhalten, hinterlässt es schädliche Konsequenzen für die Seele. Eine ist die Kultivierung von Feindschaft und Hass gegen das Opfer, die nach und nach steigt. Zum Zeitpunkt des Todes, wenn die Schleier des Engelreiches (al-malakut) gelüftet werden, ist es möglich, dass der Lästerer Zeuge des hohen Status seiner Opfer vor Gott und der Ehren und des Segens der ihnen von Seiten des allmächtigen Herren zuteil wurde, wird. Der Hass des Lästerers und die Feindseligkeit gegenüber dieser Person kann dazu führen, dass er Gott den Allmächtigen hasst! So wird er dann diese Welt mit Feindseligkeit gegen Gott in seinem Herzen verlassen, und sich in ewigwährendes Elend begeben.

     

    Die Heilung dieser Krankheit

     

    Sollte sich jemand, Gott bewahre, dieses hässlichen Verhaltens schuldig gemacht haben, muss er oder sie dieses Laster auslöschen und die Wurzeln der Ehrlichkeit, Einheit und Solidarität in seinem oder ihrem Herzen entfachen, indem er oder sie folgende Schritte vollführt:

     

    Denke für eine Weile tief über die Auswirkungen dieser Sünde in dieser Welt und im Jenseits nach. Überdenke die erschreckenden, angsteinjagenden Formen, die Dich im Grabe, in der Zwischenwelt und am Tage der Auferstehung heimsuchen werden. Beachte die Worte des heiligen Propheten (ص) und seiner Familie (ص), da Dich ihre Perlen des Wissens in dieser Hinsicht überwältigen werden. Dann wiege eine Viertelstunde voll Vergnügen, Tratsch und Erfüllung der imaginären Lust gegen tausende über tausende von Jahren der Widrigkeit oder ewiger Verdammnis in der Hölle und immerwährender schmerzhafter Bestrafung ab!

     

    Beachte dies: Selbst wenn Du mit der Person, über die Du lästerst verfeindet bist, verlangt diese Feindseligkeit, dass Du dich nicht des Lästerns bedienst. In den Traditionen wird ausgesagt, dass die guten Taten des Lästerers in das Buch der Taten seines Opfers übertragen werden und die Sünden des Opfers dessen Lästerer zugeschrieben werden.

     

    Bereue und suche die Vergebung von Seiten des Opfers, in soweit, als dies möglich ist, ohne dass die Gefahr boshafter Konsequenzen entsteht; Ansonsten musst Du Gott um Gnade für das Opfer anflehen.

     

    Sammle alle Deine Kräfte, um Deine Seele um jeden Preis von dieser Sünde zu befreien, indem Du mit Dir selbst abmachst, Dich dieser abstoßenden Sünde für eine bestimmte Zeit zu enthalten. Gewinne die Kontrolle über Deine Zunge und sei vollkommen auf der Hut vor Dir selbst, unbeirrbar wachsam, Dich selbst zur Raison rufend. Mit Gottes Hilfe besteht Hoffnung, dass Du Dich nach einiger Zeit erneuert und frei von den üblen Spuren dieser Sünde findest. Nach und nach wird die Last dieser Aufgabe leichter fallen und Du wirst eine natürliche Veranlagung empfinden, diese Sünde geringzuschätzen und zu verabscheuen. An diesem Punkte wirst Du seelischen Frieden und das Vergnügen erlangen, Freiheit von diesem Laster errungen zu haben.

     

    Lästern findet seine Ursache oft in einer Schwäche der Seele des Lästerers selbst, wie zum Beispiel einem Minderwertigkeitskomplex. Du solltest Deine Seele ergründen, um herauszufinden, welche Schwäche Dich dazu gebracht hat, über Deinen Bruder oder Deine Schwester zu lästern, um Dich dann daran zu machen, diese Schwäche zu beheben.

     

    Ergebnis: Der Prophet (ص) sagte: „Kein Feuer ist schneller in der Vertilgung trockenen Holzes, als gheebah in der Vertilgung der Tugenden eines ihr Ergebenen.[Al-Mahajjat albayda‘, Band 5, S. 264]

     

    Hochmut und Angeberei


    – Ayatollah Dr. Beheshti, Dr. Bahonar und Dr. Ghafuri –

     

    Hochmut bedeutet, den anderen gegenüber so tun, als sei man etwas Großes und Besseres. Dieses Fehlverhalten entsteht dadurch, dass jemand sich zeitweilig als großartig, zeitweilig aber auch als zu gering betrachtet und Minderwertigkeitsgefühle empfindet. Von Imam Jafar as-Sadiq (ع) wurde in diesem Zusammenhang nachstehende Definition überliefert: „Hochmut besteht darin, dass du die anderen als geringwertig betrachtest und dich der Wahrheit und Gerechtigkeit nicht unterordnest.“ Und anderes Mal sagte er: „Es gibt niemanden, der sich hochmütig verhält und Unrechtes erzwingen will, ohne dass dies die Folge von Selbstmissachtung und Schwäche wäre, die er in seinem Inneren gegen sich selbst verspürt.“

     

    Hochmut ist zudem ein Zeichen für Mangel an Vernunft oder wie Imam Jafar as-Sadiq (ع) es ausdrückt: „In keines Menschen Seele ist etwas von Hochmut zu finden, es sei denn dass sein Verstand nicht auch in dem gleichen Masse nicht mehr und nicht weniger geschmälert wäre.“Wer Wert und Stellung der eigenen Person so sieht wie sie sind, sich richtig einschätzt und zum unparteiischen Urteil bereit, die guten Eigenschaften der anderen eingesteht und die Wahrheit akzeptiert, der wird schon von selbst nicht überheblich werden. Der Hochmütige jedoch spürt, während er nach außen hin als großartig und selbstherrlich auftritt, in seinem tiefsten Innern Schwäche. Er weiß, dass es ihm an vielem mangelt und dies quält ihn. Anstatt, dass er aber danach strebt, dieses Manko mithilfe von Scharfsinn und Fleiß zu verringern, verschleiert er die Tatsachen und gibt, um sein Problem der Geringwertigkeit zu lösen vor, innerlich groß zu sein.

     

    Dabei verfügt doch nur Gott über wahre Größe und Erhabenheit. In Ihm sind alle Tugenden in unbegrenzter Form vereint. Nur Er besitzt absolute Allmacht, Allwissen, Allherrschaft und unbegrenzte Herrlichkeit. Von eigener Größe zu reden, Seine Herrlichkeit und Erhabenheit zum Ausdruck zu bringen, steht allein Ihm zu, da Er wirklich groß und erhaben ist. Die anderen aber, die ja alle von Ihm erschaffen, behütet und verwaltet werden, die von sich aus nichts besitzen und alle Seine Untertanen darstellen, sind nicht würdig, sich etwas selbst als groß zu betrachten und hochmütig zu sein. Nein, anstatt dass sie, obwohl im Innern schwach und unfähig und weit entfernt von allen Tugenden, nach außen hin den Großartigen und Erhabenen spielen, sollten sie alles daran setzen, wirklich an Größe und Würde zu gewinnen, sowie mittels Aneignung einer besseren Moral sich in Richtung Gott hinentwickeln und Ihn anstreben.

     

    Imam Jafar as-Sadiq (ع) hat einmal folgendes gesagt: „Hochmut tritt unter schlechten Menschen in Erscheinung, denn Größe und Erhabenheit sind göttliches Schmuckgewand und ein jeder, der mit Gottes Herrlichkeit und Würde konkurrieren will und versucht, sich als großartig heraus zu tun, dem vermehrt Gott nur seine innere Schwäche und Niedertracht.“Hochmütige bedeuten eine Gefahr für das Gesellschaftsleben. Sie sind derartig selbstherrlich, dass sie sich einbilden, nur die eigene Meinung und Meinungsäußerung träfe zu, obwohl sie ja in Wirklichkeit ausschließlich in allem ihren persönlichen Vorteil suchen und nur an das Ansehen und Image ihrer selbst denken. Die verschiedenen würdevollen Kompetenzen eines Menschen sind sämtlich nur in ihnen vereint und in keinem anderen, so glauben sie zumindest und schenken folglich der Meinung und dem Recht, Ansehen und der Position anderer keinerlei Beachtung.

     

    Sie erwarten, dass alle ihnen gehorchen und dienen. Alle das wollen, was sie wollen und ihnen auf jedem Fest und jeder Versammlung ehrerbietig den Weg freimachen. Alle sich nur ihrer Meinung unterwerfen und sämtlich ihnen huldigen. Und genau sie, die Hochmütigen, sind es auch, die nach und nach zu Abgöttern werden, zu Abgöttern, da sie sich eigensinnig und ihren Lauen folgend das Recht anmaßen, die anderen beliebig zu unterdrücken und nach Herzenslust Gewalt gegen sie auszuüben. Abgötter deshalb, weil sie sich als uneingeschränkt bevollmächtigt halten, über Tod und Leben, Gut und Habe und Ansehen eines Volkes zu bestimmen und damit einen Zustand in der Gesellschaft hervorrufen, der zu verurteilen ist und genau im Widerspruch zu den erzieherischen und sozialen Grundsätzen des Islams steht. Der Islam betrachtet alle Menschen im gleichen Maße als Wesen, die der eine und einzige Gott erschaffen hat. Jedem einzelnen stehen dabei die allgemeinen Grundrechte sowie der Anspruch auf Respektierung zu und niemand darf seines Rechtes beraubt, in seinem Ehrgefühl verletzt oder gleichgültig behandelt werden, auch nicht die sozial gesehen Allerschwächsten einer Gesellschaft. Sich selbst als höhergestellten Menschen und unbeschränkten Herrscher über die anderen zu betrachten, dazu ist im Islam keiner ermächtigt.

     

    So tretet durch die Tore der Dschahannam ein, um darin zu wohnen. Schlimm ist wahrlich die Wohnstatt der Hochmütigen. 16:29

    Und am Tage der Auferstehung wirst du diejenigen, die über Allah logen, mit geschwärzten Gesichtern sehen. Ist nicht in Dschahannam ein Aufenthalt für die Hochmütigen? 39:60

     

    „Und wenn zu ihnen gesprochen wird: „“Kommt her, der Gesandte Allahs will für euch um Verzeihung bitten!““, dann wenden sie ihre Köpfe zur Seite, und du siehst, wie sie sich in Hochmut abkehren.“ 63:5

    Wahrlich, denjenigen, die Unsere Zeichen für Lüge erklären und sich mit Hochmut von ihnen abwenden, werden die Pforten des Himmels nicht geöffnet werden, noch werden sie in das Paradies eingehen, ehe denn ein Kamel durch ein Nadelöhr geht. Und so belohnen Wir die Verbrecher. 7:40

     

    Eine kleine Geschichte zu Hochmut

     

    Bei einer Zusammenkunft hatten sich die Gefährten um den Propheten (ص) versammelt. Da kam ein armer, in Lumpen gekleideter Mann herein. Nach islamischer Sitte setzt sich der Neuankömmling ohne Ansehen der Person dorthin, wo ein Platz frei ist. Er sucht sich keinen besonderen, seiner gesellschaftlichen Stellung entsprechenden Platz aus. Der Mann schaute sich um, fand einen freien Platz und setzte sich dort hin. Zufällig setzte er sich neben einen angesehenen und reichen Mann. Der Reiche rückte zur Seite und hielt Abstand. Der Prophet (ص), der ihn beobachtete, wandte sich an ihn und fragte: „Hast du befürchtet, er könnte dich mit seiner Armut anstecken?“ Der Reiche antwortete: „Nein, Gesandter Gottes.“ – „Warum dann bist du zur Seite gerückt und hast Abstand gehalten?“, fragte der Prophet (ص) nach. „Ich gebe zu, ich habe mich geirrt und einen Fehler gemacht. Um diesen Fehler wieder gutzumachen und diese Schuld zu sühnen, bin ich bereit, die Hälfte meines Vermögens diesem muslimischen Bruder, dem ich Unrecht getan habe, zu schenken“, sagte der Reiche. Der lumpenverhüllte Mann antwortete: „Ich nehme es aber nicht an.“ Die Versammlung war erstaunt und fragte: „Warum nicht?“

     

    „Weil ich fürchte, ich könnte eines Tages so von Hochmut befallen sein, dass ich einen muslimischen Bruder genauso behandeln könnte, wie dieser Mann mich behandelt hat“, war die Antwort.

     

    ************

     

    Quelle: http://www.islamshia-w.com/Portal/Cultcure/German/CategoryID/8879/CaseID/45775/71243.aspx