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    Das Verhalten des Erziehers zum Kind

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    Die Pflicht zur Achtung und zum Respekt dem Mitmenschen gegenüber schließt das Verhalten des Erziehers zum Kind mit ein, was beispielsweise darin zum Ausdruck kommt, aß die Kritik am Verhalten des Kindes nicht vor Dritten geäußert wird. Der Erziehers muss das Kind als vollwertige Persönlichkeit – als Geschöpf Allahs – anerkennen und sich dementsprechend ihm gegenüber verhalten.

     

    Als der Prophet Muhammad (s) eines Tages mit einer großen Anzahl von Gläubigen das Gebet verrichtete, verweilte er eine überaus lange Zeit bei der Niederwerfung (Sugud), so dass die Mitbetenden, die aufgrund der gleichen Stellung nichts sehen konnten, sehr beunruhigt und verwirrt waren. Nach Beendigung des Gebetes begründete der Prophet (s) auf Anfrage der Gemeinde das lange Verharren in dieser Position damit, dass sein kleines Enkelkind auf seinen Rücken gestiegen sei, um auf ihm zu reiten, und er, der Prophet (s) es nicht in seinem Spiel unterbrechen wollte, sondern abwartete, bis das Kind von selbst von seinem Rücken abstieg; denn der Prophet (s) und die islamische Gemeinschaft waren zum Wohle des Kindes verpflichtet.

     

    Der Islam fordert jedoch vom Erzieher andererseits, dass er dem Kind mit Nachdruck und Strenge die islamische Lebensweise und islamisches Wissen vermittelt. Der Grund dafür liegt in der Pflicht jedes Muslims, nach Allahs Willen auf der Erde zu leben, indem er diesen Willen in Wort und Tat verkündet. Aus dieser Beziehung zu Allah (t) entwickelt sich das patriarchalische Erziehungsstil in bezug auf das Kind. Der Vater wird hier als Hauptverantwortlicher aufgrund seiner Bestimmung zum Familienoberhaupt hervorgehoben.

     

    Bei diesem Patriarchat geht es also nicht darum, dass der persönliche Wille des Vaters bzw. des Erziehers maßgebend ist, sondern der Wille Allahs durch die Person des Vaters bzw. des Erziehers sich Geltung verschafft. Ein Hadith des Propheten Muhammad (s) soll verdeutlichen, wie diese Gebote miteinander zu vereinbaren sind: Er sagte den Eltern, dass sie mit ihren Kindern während der ersten sieben Lebensjahre „spielen“ sollen, d.h. ihnen in Liebe und Güte zu begegnen und ihre natürliche Entwicklung nicht zu beeinträchtigen oder zu hemmen.

     

    Der Islam wird – wie bereits gesagt – als das allumfassende Gesetz gesehen, das jedem Geschöpf Allahs innewohnt. So wird davon ausgegangen, dass der Mensch mit einer völlig reinen Seele geboren wird und bereits alle Eigenschaften eines Muslims als Dispositionen mitbringt, welche sich nur noch zu entfalten brauchen. Praktisch hieße das zum Beispiel, dass dem Kind ausreichend die Möglichkeit gegeben wird, seinen Bewegungsdrang auszuleben, die Fragen des Kindes ungeschminkt und umfangreich zu beantworten und die Erziehung zur Reinlichkeit nicht mit Zwang, sondern mit Liebe und Geduld zu verbinden.

     

    In den folgenden sieben Jahren, vom siebten bis zum vierzehnten Lebensjahr*, müssen die Kinder im Erzieherverhalten Strenge und Konsequenz erfahren, wobei davon ausgegangen wird, dass die Erzieher ihre Handlungen und Entscheidungen dem Kind erläutern, und dass das Kind die Erklärungen verstehen und nachvollziehen kann und in der entwicklungsbedingten Lage ist, diese in seinem Denken und Verhalten zu berücksichtigen. Demnach soll die Strenge nicht in einem willkürlichen autoritären Verhalten offenbart werden, sondern sich äußern in einer zielbewussten, konkreten und konsequenten Leitung und Führung des Kindes auf dem Weg zu Allah (t).

     

    In den nächsten sieben Jahren, vom vierzehnten bis zum einundzwanzigsten Lebensjahr, sollen die Eltern bzw. die Erzieher das Kind als Freund betrachten. Das kommt darin zum Ausdruck, dass das Kind als vollwertige Persönlichkeit anerkannt wird und die Erziehung in einem partnerschaftlich brüderlichen Verhältnis stattfindet, welches ebenso bei der gegenseitigen Hilfe und Erziehung zwischen erwachsenen Muslimen erwartet und gefordert wird. Danach, d.h. nach dem einundzwanzigsten Lebensjahr, sollen die Eltern ihren Kindern den rechten Lebensweg zeigen und ihnen als Berater beistehen, wie dies der Prophet (s) in einem Hadith erwähnt hat. Es geht dabei nicht darum, die Kinder als Besitz zu betrachten, sondern ihnen im Sinne von Brüdern und Schwestern im Auftrage Allahs zu helfen, den Weg zu Ihm zu finden und zu gehen. Das Verhalten des Erziehers zum Kind ist dabei abhängig von seinem Alter und seinen entwicklungsbedingten Fähigkeiten.

     

    Es versteht sich von selbst, dass diese vier Erziehungsstadien nicht als einzelne, zeitlich abgeschlossene und streng festgelegte Momente gesehen werden können, sondern dass es darum geht, die Erziehung des Kindes kontinuierlich zu entwickeln und sich dabei am Entwicklungsstand des einzelnen Kindes orientieren.

     

    Im großen und ganzen kann gesagt werden, dass das Vorbild das größte erzieherische Mittel im Islam ist. Die eigene vorbildliche Lebensführung und das Verhalten der Eltern und Erzieher nach Allahs Willen sollen das Kind zum Nachleben desselben anregen.

    *Überliefert bei At-Tirmidyy

     

    Quelle: „Grundzüge der islamischen Erziehung“
    Amal Ingrid Lehnert
    Islamische Bibliothek

     

    Quelle: http://www.allaha.de/index.php/der-islam/erziehung-im-islam

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