islamic-sources

    1. Startseite

    2. article

    3. Der geehrte Prophet (s.) und das Erfordernis einer Regierung im Islam ( Teil 2)

    Der geehrte Prophet (s.) und das Erfordernis einer Regierung im Islam ( Teil 2)

    Rate this post

     

    Im letzten Abschnitt des 1. Teils hieß es:
    Bis hierher ist demnach klar geworden, dass der Islam für den individuellen und den sozialen Bereich Gesetze und Bestimmungen bereithält, welche die Existenz der Regierung erforderlich machen. Daher hat der Prophet des Islams selber direkt eine Regierung gebildet und dies zeigt, dass es zur Zeit des Propheten bereits einen Islamischen Staat gegeben hat, dessen Bildung unter Beachtung der Natur der islamischen Gesetze und des Bedürfnisses der muslimischen Gesellschaft erfolgte.

     

    3. Die Islamische Ummah (Gemeinschaft, Volk, Nation)

     

    Nachdem der geehrte Prophet (s) in Medina sesshaft geworden war, ergriff er zwei wichtige Maßnahmen:

     

    3.1. – Die Gründung der Islamischen Ummah

     

    Wie wir bereits sagten, gilt das Volk und die Gesellschaft als wichtiger Bestandteil eines Staates und wenn es keine Gesellschaft und kein Volk gibt, ergibt die Staatsmacht keinen Sinn. Deshalb hat der Prophet mit dem gedanklichen Konzept der Islamischen Brüderlichkeit, das Bündnis der Bruderschaft zwischen den Muslimen geschlossen und unter der Bezeichnung „ Islamische Ummah “ die nationale Einheit begründet.

     

    3.2. – Gründung der Islamischen Staatsmacht

     

    Nachdem der Prophet eine geschlossene Gesellschaft namens Islamische Ummah gegründet hat, rief er eine Regierung mit Islamischem Denken und gestützt auf die religiöse Denkweise hervor. Eine Islamische Ummah benötigte nämlich eine cc die ihre Angelegenheiten regelt. Auf diese Weise wurde im Islam die Regierung (Staatsmacht) aufgrund des politischen Denkens des Propheten selber errichtet. Der Prophet hat also als ein Führer der menschlichen Gesellschaft – von Anfang an die Notwendigkeit der Gründung einer Regierung verspürt, und sein nächster Schritt nach der Bildung der Islamischen Gesellschaft war die Bildung der Islamischen Regierung. Der Prophet des Islams hat, als er erstarkte und das Potential des Volkes (für den Islam) gewonnen hatte, zwei bedeutende politische Schritte unternommen:

     

    Zum einen die Bildung der Ummah (der Gemeinde, des Volkes) und zum anderen die Gründung des Staates (- der Regierung). Indem er von der Islamischen Brüderlichkeit sprach, hat der Prophet des Islams eine geschlossene, feste nationale Einheit auf der Basis der Religion geschaffen. Dies war eine große politische Maßnahme, der außerordentliche Anstrengungen vorausgingen. Diese nationale Einheit namens Islamische Ummah besteht immer noch und galt und gilt als eine der elementarsten Grundfesten der Islamischen Einheit, welche richtungweisend für die islamische Politik ist und Energie spendet. Die Grundlage für die Bildung der Regierung, der Herstellung von politischen Beziehungen, innere Ordnungsmaßnahmen und andere Verwaltungsregelungen und soziales Regelwerk, deren Fundament zu Lebenszeit des Propheten gelegt wurde und die nach seinem Versterben fortgesetzt und weiter ausgebaut wurden – all dies ging aus dem islamisch-politischen Denken, dessen Begründer der geehrte Prophet war, hervor. (11)

     

    Diese beiden großen Schritte des Propheten geschahen demnach im Zusammenhang mit der Gründung einer Islamischen Gesellschaft, denn eine Islamische Gesellschaft ist ohne die Existenz eines einheitlichen Volkes und einer Islamischen Regierung nicht möglich.

     

    4. Das Erfordernis einer Regierung im Islam

     

    Wie es bei der Besprechung des allgemeinen Erfordernisses der Bildung einer Regierung, unabhängig von ihrer islamischen Beschaffenheit, hieß, ist der Mensch ein soziales Wesen, wobei diese Eigenschaft des Menschen eine Reihe von Bedingungen voraussetzt, welche erfüllt und beachtet werden müssen.

     

    Der Islam ist eine Religion, die zur Rechtleitung der Menschen gekommen ist und alle Anweisungen und Gesetze enthält, welche die Bedürfnisse des Menschen in sämtlichen Bereichen erwidert. Sie achtet auf die Erfordernisse des Privat- und Gesellschaftslebens und strebt deren Erfüllung an. Damit in der menschlichen Gesellschaft kein Chaos und keine Gesetzlosigkeit aufkommen und Ordnung und Sicherheit in ihr herrschen, muss es eine Regierung geben, die sich der Verwaltung der Angelegenheiten der Gesellschaft widmet. Der Islam unterstreicht nachdrücklich das Erfordernis einer Regierung für die Gesellschaft. Es gibt mehrere Anhaltspunkte als Beweis dafür, dass es sich aus der Sicht des Islams um ein Erfordernis handelt, und zwar:

     

    1. Erforderlichkeit eines Exekutivorgans (rationaler Grund)

    2. Wesen der Islamischen Gesetze

    3. Handlungspraxis der religiösen Führer

    Die genannten Punkte waren Gründe für das Erfordernis einer Islamischen Staatsmacht. Wir möchten sie nun einzeln behandeln, um die Notwendigkeit der Existenz einer Regierung im Islam zu verdeutlichen.

     

    1. Erforderlichkeit eines Exekutivorgans (rationaler Grund)

     

    Der Mensch ist ein soziales Wesen und der Islam ist eine Lehre und ein Regelwerk, welches die zulässigen Erfordernisse und Forderungen der Gesellschaft erwidert und nicht außer Acht lässt. Es liegt auf der Hand, dass chaotische Zustände eintreten, falls für eine Gesellschaft keine Regierung existiert.

     

    Die Menschen streben nach Überlegenheit und danach, die anderen für ihre eigenen Interessen in ihren Dienst zu stellen. Wenn der Mensch sich selbst überlassen wird und kein Gesetz über die Gesellschaft herrscht, kommt es zu Streit, Spaltung und einem Durcheinander, da die Resultate der Bemühungen der Einzelnen im Zusammenhang miteinander stehen, miteinander verstrickt sind und alle sie nutzen wollen. Die Interessen verursachen Gedränge und Zwist und schüren Hass, während die Beseitigung der daraus entstandenen chaotischen Zuständen Sache des Gesetzes ist. (12)

     

    Um ein Durcheinander in der Gesellschaft zu beseitigen, ist es notwendig, dass das Gesetz zur Herstellung von Ordnung und Sicherheit in der Gesellschaft herrscht, um Auseinandersetzung und Reibung zwischen ihren Mitgliedern zu verhindern und die Gesellschaft gemäß dem Gesetz zu regeln. Aber die Existenz des Gesetzes reicht nicht aus, um ein Chaos in der Gesellschaft zu überwinden, sondern es muss eine Einrichtung geben, welche diese Gesetze durchführt. Dieses Exekutivorgan ist nichts anderes als die Regierung.

     

    So vollendet dieses Gesetz auch sein mag und so gut es auch entsprechend der Bedürfnisse der Gesellschaft geregelt worden ist: Dies reicht noch nicht aus, sondern es bedarf eines Regenten, der das Gesetz durchführt. Eines der wichtigen Ziele der Staatsmacht ist die Herstellung von Ordnung und Sicherheit in der Gesellschaft und die Verhütung von Konflikten und Chaos. Sicherheit und Ordnung sind ein Ziel, dessen Erforderlichkeit jedem Menschen einleuchtet. Gott hat Seine Gesandten zur Durchführung der göttlichen Gesetze in der Gesellschaft ausgeschickt. Einigen Propheten gelang es, die göttliche Herrschaft herzustellen und andere stießen auf Hindernisse und vermochten dies nicht. (13)

     

    Die Vernunft gebietet, dass es eine Regierung geben muss, um Ordnung und Sicherheit in der Gesellschaft herzustellen und das Gesetz durchzuführen, und die Aussendung von Gottgesandten erfolgte mit eben dieser Absicht, damit die menschliche Gesellschaft aufgrund der göttlichen Gebote verwaltet wird. Der Prophet des Islams gehört zu den Gottgesandten, denen es gelang, die Gottesherrschaft durchzuführen. Er begründete eine islamische Staatsmacht und machte den Muslimen und der Menschheit in der Praxis das Erfordernis der Existenz einer Regierung und eines Staates deutlich.

     

    2. Wesen der Islamischen Gesetze

     

    Die Gebote des Islams sind derartig, dass sie sich nicht auf den Privatbereich und das Gott-Dienen beschränken, sondern der Islam ist eine vollständige Religion. Diese beachtet alle Bedürfnisse des Menschen in allen Bereichen und hält je nach Bereich entsprechende Gebote bereit. Der Islam schließt Gesetze und Bestimmungen mit ein, welche die Bereiche Gesellschaft, Kultur, Wirtschaft, Politik, Militärfragen und weitere Bereiche betreffen. Die Durchführung dieser Gesetze und Bestimmungen erfordert die Existenz einer Regierung.

     

    Die Islamischen Gebote sind nicht auf das Gott-Dienen beschränkt. Die Umfassendheit des Islams, als eine Lehre und ein Regelwerk, welches zahlreiche individuelle und Einzelfragen nicht auslässt, erfordert, dass er eine so wichtige Frage wie die Regierung, von der die Lenkung der Menschheit und elementare Dinge im Leben des Menschen abhängen, nicht unbeantwortet lässt. Ein kurzer Blick auf die Gebote und Gesetze des Islams zeugt davon, dass das Wesen dieser Gebote dergestalt ist, dass ihre Durchführung und Beachtung nur dank der Bildung einer Regierung wirksam sein wird. (14)

     

    Gebote wie der Dschihad (Mühen auf Gottes Wegen), Rechtssprechung, Verwirklichung der Rechte der Bevölkerung, Durchführung der Hudud (Strafmaßnahmen) und ähnlicher Gebote sind ohne eine Regierung (Staatsmacht) nicht durchführbar. Die Natur dieser Gebote erfordert also die Existenz einer Regierung.

     

    Der Dschihad (das Mühen, u.a. der Kampf auf dem Wege Gottes), die Verteidigung des Territoriums der Islamischen Gesellschaft, die Herstellung von Sicherheit im Inland, die Rechtssprechung und Beilegung von Konflikten, die Verwirklichung der Rechte der Bürger, das Gebot, Gutes zu gebieten und Schlechtes zu verwehren, die finanziellen Angelegenheiten der Muslime und des Beyt-ul Mal (Volkskasse), die Chums-Abgabe, die Zakkat-Abgabe und die Verteilung von Kampfesbeute sind Angelegenheiten, die sich nur regeln lassen wenn es eine Staatsmacht gibt. Ist es möglich, dass der Islam ein Gesetz in Bezug auf diese Dinge, welche sich auf das politische und soziale Leben der Islamischen Gesellschaft beziehen, besitzt, aber hinsichtlich der durchführenden Kraft und der Art der Durchführung nichts gesagt haben soll?! (15)

     

    Gemäß dem, was angeführt wurde, kann es nicht sein, dass der Islam für die sozialen Angelegenheiten ein Gesetz besitzt, aber keine Einrichtung für dessen Verwirklichung vorsieht, zumal der Islam als eine vollendete Religion alle Seiten des menschlichen Lebens beachtet. Es ist also nicht möglich, dass er ein Gesetz aufweist, aber keine durchführende Instanz bestimmt hat. Vielmehr betrachtet der Islam genauso wie er für verschiedene Fragen ein Gesetz aufgestellt hat, um das Leben der Menschen zu regeln, die Existenz einer Regierung und eines Staates zur Durchführung dieser Gesetzesbestimmungen ebenso als notwendig, wofür es in verschiedenen Koranverse und Überlieferung Hinweise gibt.

     

    3. Handlungspraxis der religiösen Führer

     

    In der Handlungspraxis des Propheten des Islams (s), Imam Alis (a.s.) und Imam Hassan (a.s.) liegt die Betonung auf der Notwendigkeit einer Regierung im Islam, denn sie haben eine Regierung gebildet und haben die Bildung einer Regierung empfohlen. Der geehrte Prophet hat in Medina eine Staatsmacht gegründet, während auch Imam Ali (a.s.) und Imam Hassan (a.s.) die Führung der Islamischen Regierung übernommen haben. Auch hätten die anderen Imame, wenn ihnen das möglich gewesen wäre, mit Sicherheit dasselbe getan. Ebenfalls sind nach dem Verscheiden des Propheten die Kalifen Verwalter der Angelegenheiten der Islamischen Gesellschaft geworden und haben über die Muslime regiert. Auch dies zeigt die Notwendigkeit einer Staatsmacht im Islam. Wenn eine Regierung nicht nötig gewesen wäre, hätten sie in dieser Beziehung keine Maßnahmen ergriffen. Daran, dass sie eine Regierung gründeten, wird deutlich, dass sie mit Sicherheit verspürt haben, dass dies ein Erfordernis ist.

     

    Der Prophet des Islams (s) hat zu Lebzeiten als ein Vorbild, parallel zur Schaffung der Möglichkeiten für die Bildung einer Regierung, Maßnahmen zu deren Gründung ergriffen. Bei genauerer Betrachtung des Korans und der weisen Ratschläge des Propheten erkennen wir, dass es zu Lebzeiten des Propheten keine zwei verschiedenen Arten von Herrschaft gab – einmal eine religiöse und zum anderen eine weltliche, sondern es gab eine religiös-weltliche Macht, welche in der Hand des Propheten lag. Er war die Instanz, an die sich die Muslime in materiellen und immateriellen Belangen richtete. (16)

     

    Dem Propheten wurden zahlreiche Fragen über verschiedene Dinge gestellt. Jedoch ist niemals eine Frage nach dem Erfordernis einer Staatsmacht an ihn erfolgt, denn dies war so klar, dass keiner in diesem Zusammenhang den Propheten gefragt hat. Das bedeutet: Die Existenz einer Regierung gehörte zu den Selbstverständlichkeiten und bei niemandem kamen Unklarheiten darüber auf, so dass er zu deren Beseitigung darüber hätte sprechen müssen.

     

    Er (der Prophet (s)) hat sofort nach seiner Hidschra eine Regierung gebildet. Während seine Gefährten und Anhänger ihm sehr viele Fragen über persönliche und gesellschaftliche Themen und Probleme stellten, haben sie niemals das Prinzip der Notwendigkeit einer Staatsmacht hinterfragt. Dies zeigt, dass die Angelegenheit so eindeutig und selbstverständlich war, dass sich eine Frage erübrigte. Nach dem Ableben des Propheten hat ebenso wenig jemand an der Notwendigkeit einer Staatsmacht gezweifelt. Bei ihren Meinungsverschiedenheiten ging es nur darum, wer Regent sein soll. Während der Ereignisse zu Saqifa (Ort in Medina) bei denen der Nachfolger des Propheten (s) bestimmt wurde, hat keiner davon gesprochen, dass die Existenz eines Kalifen nicht notwendig sei und es keinen Grund für seine Notwendigkeit gebe, sondern man stritt sich darum, wer für die Nachfolgerschaft des Propheten kompetent sei. (17).

     

    Insgesamt zeugen das Vorgehen des Propheten zu Lebzeiten und die Entwicklungen nach seinem Ableben vollständig für die Notwendigkeit einer Staatsmacht. Die Handlungspraxis der religiösen Führer hat auch immer gezeigt, dass die Existenz einer Regierung im Islam ein Erfordernis bildet und eine Islamische Staatsmacht die Verwaltung der Angelegenheiten der Islamischen Gesellschaft übernehmen muss.

     

    Das Vorgehen des Propheten in Medina bei der Darlegung von Fragen der Politik und Regierung und die Tatsache, dass er sich nicht ausschließlich auf Fragen des Gott-Dienens und der Ethik beschränkte, ebenso wie die Entsendung von Botschaftern zu den Königen und Herrschern und die Durchführung der Rechtssprechung: All das macht die Wichtigkeit der Frage der Staatsmacht und der politischen Führung in der Islamischen Gesellschaft deutlich. (18)

     

    Fazit:

     

    Der Islam ist als letzte Religion himmlischen Ursprungs um die Erwiderung der in der Gott gegebenen Natur des Menschen liegenden Bedürfnisse bemüht und will ihn dem Wohl und dem Ideal im Diesseits und im Jenseits zuführen. Zu diesem Zweck legt er Gesetze und Bestimmungen vor. Jedes Gesetz macht aber auch jemanden notwendig, der es durchführt, und erfordert ein Exekutivorgan. Dies bestätigt der Verstand, denn ein Gesetz kann von sich aus noch nicht den Menschen nützen und wirksam sein. Der Islam ist nämlich gekommen, um die natürlichen – in der Fitrah (Seelengrund) des Menschen verankerten Bedürfnisse zu erwidern und eines dieser Bedürfnisse, das zugleich als wichtigstes betrachtet wird, ist die Herstellung von Sicherheit und Ordnung in der Gesellschaft, denn ohne Sicherheit und Ordnung treten Störungen im menschlichen Leben auf. Die Einrichtung, die für die Herstellung von Sicherheit und Ordnung in der Gesellschaft Verantwortung trägt, ist die Regierung und der Staat.

     

    Die Forderung der Vernunft, die Natur der Gesetze des Islams und die Handlungspraxis des geehrten Propheten des Islams (s) und der religiösen Führer zeugen alle von der Notwendigkeit einer Staatsmacht gemäß Islam. Die Staatsmacht war und ist im Islam ein grundsätzliches Thema und wurde ernsthaft vom Propheten und den Führern der Islamischen Gesellschaft beachtet.

     

    Quellenangaben

     

    (11) Mohammad Hadi Moarefat, Zeitschrift “Islamische Regierung”, 2. Jahrgang, Nr. 4, Winter 1376 (1988), S. 14
    (12) Mohammad Yusof Mussa, Nizam al-Hukm fi’l-Islam (die Herrschaftsordnung des Islam) , S. 14 (in Berufung auf oben, S. 192)
    (13) Philosophie der Politik, S. 85
    (14) ebenda, S. 86
    (15) ebenda
    (16) ebenda
    (17) ebenda
    (18) ebenda, S. 87

     

    Quelle: Taghrib.ir