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    Der Koran, der Mensch und das Leben

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    Der Koran beschreibt sich selbst als „Buch“ (Kitâb), „Heilung“ (Schifâ), „Recht“ (Hak), „Barmherzigkeit“ (Rahma), „Weisheit“ (Hikma), Wegweiser zur Rechtleitung (Hidâja), „Seil“ (Habl), „Licht“ (Nûr) und als das Rechte vom Unrechten Trennende.

     

    Jedoch muss hier die Tatsache, dass der Koran der letzte Aufruf Allahs an die Menschheit ist, an erster Stelle genannt werden. Denn aus diesem Grund beginnt der Koran mit dem Ausdruck „Rabbil âlamîn“ im ersten Vers der Sure Fâtiha und endet mit dem Wort „Nâs“ (Menschen) am Ende der Sure Nâs. Es ist möglich, diese Feinheit als „Aufruf des Herrn der Menschheit an die Menschen“ zu verstehen. Da der Islam die letzte Religion und Muhammad (Friede sei mit Ihm) der letzte Prophet ist, ist der Koran als Allahs letzter Aufruf an die Menschen, mit anderen Worten, die allerletzte Chance, zu verstehen.

     

    Der Koran ist ein Aufruf an alle Menschen

     

    Der Koran verwendet den Begriff „Dîn“ (Religion) in vielen Versen und bezieht sich damit insbesondere auf den Islam. Demzufolge werden die Begriffe „Islam“ und „Dîn“ im Koran als Synonyme verwendet, wobei hervorgehoben wird, dass „Islam“ die gemeinsame Bezeichnung für alle Religionen ist, die den Menschen von verschiedenen Propheten vermittelt wurden. Dass sich die offenbarten Bücher, die Propheten und die Religionen gegenseitig bestätigen, ist ein Hinweis auf die Gemeinsamkeiten bezüglich der von ihnen an die Menschheit herangetragenen Werte. So ist der Glaube an die geoffenbarten Schriften und Propheten sowie deren Bestätigung, ein Teil unseres Glaubens. Doch die Menschen veränderten die Werte, lehnten sich gegen die Propheten auf und töteten gar manche von ihnen. Mit seiner Offenbarung an einen neuen Propheten gab Allah den veränderten Werten ihre ursprüngliche Bedeutung wieder.

     

    Mit dem Koran berichtigte Allah die veränderten Werte zum letzten Mal und vollendete damit die für die Menschen relevanten Grundsätze. Er sandte den Koran an die gesamte Menschheit und nahm ihn unter seinen Schutz. Kurzum, der Koran ist die Vervollkommnung der Offenbarungen, die seit dem ersten Propheten an die Menschen gesandt wurden. Die Wiederherstellung der ursprünglichen Offenbarung erfolgte zum Beispiel im Bereich des Tawhîds. Allah stellte den Eingottglauben, der von den Christen mit der Trinitätslehre [5:72] [5:73], von den Juden mit der Anerkennung Uzajrs als Gottessohn [9:30] und den Götzendiener mit der Anbetung von Götzen [2:165], [3:151], [10:68] [16:18] [16:66] verändert wurde, mit dem Koran, insbesondere der Sure Ichlâs, wieder her. An dieser Stelle ist es notwendig auf eine Besonderheit hinzuweisen: Der Islam definiert sich zwar als die letzte wahre Religion, bezeichnet die anderen Religionen als unrechtmäßig und übt in theologischer Hinsicht harte Kritik an ihnen, aber akzeptiert dennoch die Selbstdefinition der anderen Religionen und ihre Sichtweisen auf die Menschheitsgeschichte sowie ihre Glaubensgrundsätze. Mit Rücksicht auf den freien Willen des Menschen, überlässt er ihnen die Wahl. Im Grunde ist dies ein Zeichen von Selbstsicherheit.

     

    Denn den koranischen Aussagen zufolge ist der Unterschied zwischen den vom Koran vermittelten und alle Bereiche des Lebens umfassenden Werten und anderen Werten so groß und beachtlich, wie der zwischen einem Sehenden und einem Blinden [6:60], einem Tauben und einem Hörenden [11:24], der Finsternis und dem Licht, den Lebendigen und den Toten [35:19][35:20][35:21][35:22], dem Rechten und Irrtümlichen [2:256] [7:146][7:147] und wie das Licht, das die Dunkelheit bricht. Zudem wurde dem Menschen genügend Verstand gegeben, um all dies zu begreifen [6:104]. Aus diesem Grunde ist es die Aufgabe der Gläubigen (auf intellektueller Ebene) die Gesellschaft mit Weisheit und gutem Rat zum Islam einzuladen, die göttliche Botschaft zu vermitteln, und (auch mit denen, die einen Hang zum Diskutieren haben) Wege zu suchen, um auf die beste Weise zu diskutieren und sie so zu überzeugen [16:25]. Laut der Definition des Korans ist ein Prophet keiner der zum Glauben zwingt, vielmehr ist er ein Übermittler der Botschaft und ein Ermahner [4:165][5:19]. Ob die Botschaft angenommen wird oder nicht ist dem freien Willen des Menschen überlassen. Im Jenseits werden sie eine ihrer Wahl entsprechende Behandlung erfahren. In dieser Hinsicht ist es nicht einmal wünschenswert, hartnäckig zu sein [28:56]. Im Grunde haben alle Propheten diese Haltung gemein. [16:35][16:17]. Wer diese eindeutige Einladung erhält, hat als Verantwortung tragende Person das Recht, sie anzunehmen oder zu verweigern und trägt somit auch allein die Verantwortung für die sich daraus ergebenden Folgen im Jenseits. [6:104][10:43][10:44]. Der Koran gebietet den Propheten, denjenigen die sich gegen den Glauben entscheiden folgendermaßen zu antworten: „Und wenn sie (dir) den Rücken zukehren, dann sprich: „Allah allein genügt mir! Es gibt keinen Gott außer Ihm. Auf Ihn vertraue ich. Und Er ist der Herr des herrlichen Thrones.“ [9:129] Des Weiteren erinnert der Koran daran, dass Allah neben dem Islam keine andere Religion anerkennen wird: „ Siehe die Religion bei Allah ist der Islam.“ [3:19], „Es ist mein Wille, dass der Islam euer Glaube ist.“ [5:3]„Wer eine andere Religion als den Islam will, sie soll von ihm nicht angenommen werden, und im Jenseits wird er verloren sein.“[3:85], überlässt die Wahl den Menschen selbst: „Euch euer Glaube und mir mein Glaube!“ [109:6] und verbietet es die Werte anderer zu schmähen [6:108].

     

    Die Botschaft des Korans ist universell und vom Wesen her dynamisch

     

    Abgesehen von der genauen Benennung derjenigen Personenkreise, denen es verboten es miteinander zu heiraten [4:22] [4:23] [4:24] und die Erwähnung, dass die Belange der Menschheit nicht von Zeit und Ort abhängen, geht der Koran nur in wenigen Bereichen ins Detail. Vielmehr vermittelt er universelle Grundprinzipien, die alle Bereiche des Lebens regeln, bis zum Jüngsten Tag für eventuell auftretende Fragen einen Lösungsansatz bieten und dem Koran sein dynamisches Wesen verleihen. Die realitätsnahen Grundsätze des Korans, die für Gerechtigkeit sorgende Rechtsprechung, die gesellschaftlichen Wirklichkeiten in den Berichten früherer Zeiten, das Gerechtigkeitsverständnis in den zwischenmenschlichen Beziehungen, die Forderung das natürliche Gleichgewicht der Erde zu beachten und zu bewahren, die Bewusstseinsbildung, dass das Verhalten im Diesseits mit Konsequenzen im Jenseits verbunden ist, die Ausgewogenheit in der Wertschätzung des Diesseits und Jenseits, die Ermutigung die unvergleichliche Ordnung und Harmonie im Universum zu erforschen, um so die Menschen zu neuen Erfindungen zu ermutigen und auf der anderen Seite mit dieser Vollkommenheit auf die Zeichen Allahs zu machen, um auf diese Weise die Ungläubigen zum Glauben zu bewegen und die Gläubigen in ihrem Glauben zu festigen, sowie die Forderung zu der Ordnung des Makro-Universums mit dem eigenen Mikro-Universum beizutragen, sind Zeichen für die Wirklichkeitsnähe des Korans. Es wäre nicht zu hoch gegriffen zu behaupten, dass die Einhaltung des koranischen Gebots, das Recht der anderen zu beachten nahezu jegliche Korruption, Armut und zwischenmenschliche Zerwürfnisse aufheben würde. Das Recht eines anderen zu verletzen, wird seitens der Koranexegeten als eine Sünde beschrieben, die von der Gnade Gottes ausgeschlossen ist. Als Nachweis dafür werden viele Hadîthe und folgender Vers aufgeführt: „O unser Volk! Hört auf Allahs Rufer und glaubt ihm, damit Er euch von euren Sünden vergibt und vor einer schmerzlichen Strafe bewahrt.“[46:31] In der Tat wird dieser Sachverhalt in der Sure Mutaffifîn ausführlich behandelt: „Wehe denen, die das Maß verkürzen, die volles Maß verlangen, wenn sie sich von (anderen) Leuten zumessen lassen. Aber weniger gegeben, wenn sie ihnen zumessen oder auswiegen. Glauben diese etwa nicht, dass sie auferweckt werden. An einem gewaltigen Tag, dem Tag, an dem die Menschen vor dem Herrn der Welten stehen? Doch nein! Das Buch der Übeltäter ist das Unentrinnbare. Und was lässt dich wissen, was das Unentrinnbare ist? Ein unauslöschliches Verzeichnis (der Sünden)!“[83:1-9]

     

    Quelle: Taghrib.de