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    Der Koran in Deutschland

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    Der Koran in Deutschland
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    Der Koran ist das Buch, welches dem Propheten Muhammad (saw) über 23 Jahre hinweg herabgesandt wurde.

     

    Er wurde auf Arabisch, also der Sprache des Propheten offenbart. Die Rezeption der islamischen Botschaft von nichtarabischen Völkern führte unweigerlich zu unterschiedlichen Übersetzungen des Korans in andere Sprachen. Auch auf dem europäischen Kontinent interessierte man sich aus den verschiedensten Gründen für den Islam und dessen Botschaft.

     

    In Europa wurde der Koran erst durch die lateinische Übersetzung bekannt, die der Abt von Cluny, Petrus Venerabilis (gest. 1156), in Spanien anfertigen ließ.1 Petrus konnte den Engländer Robert von Ketton, der damals an der Übersetzung mathematisch-astronomischer Werke aus dem Arabischen arbeitete, dafür gewinnen, den Koran ins Lateinische zu übersetzen. Trotz vieler Mängel in der Übersetzung ist sie ein erstaunlicher Erfolg geworden. Denn länger als ein halbes Jahrtausend war sie die wichtigste Quelle für die Korankenntnis in der westlichen Christenheit und Ausgangspunkt für weitere volkssprachliche Übersetzungen in andere europäische Sprachen. Die erste direkte Übersetzung des Korans aus dem Arabischen ins Französische erschien 1647 von Andre du Ryer. Der Übersetzer zog für seine Übersetzung auch islamische Korankommentare heran, wodurch er zu einem besseren Verständnis als Robert von Ketton gelangte. Voltaire, einer der meistgelesenen und einflussreichsten Autoren wurde von dieser Übersetzung so beeinflusst, dass er in seinem erstmals 1753 erschienenen „Essai sur les moers et l´esprit des nations“ (Versuch über die Sitten und den Geist der Nationen) dem Koran eine größere Gerechtigkeit zukommen ließ.

     

    Im Jahr 1616 erschien in Nürnberg die erste deutsche Übersetzung des Korans aus dem italienischem, welche Salomon Schweigger anfertigte. Eine erste deutsche Übersetzung direkt aus dem Arabischen erstellte David Friedrich Megerlin (1772) unter dem Titel „Die türkische Bibel, oder der Koran“. 1773 kam die Übersetzung des Quedlinburger Hofpredigers Friedrich Eberhard Boysen heraus, die 1828 vom Orientalisten Samuel Friedrich Günther Wahl überarbeitet wurde. Daraufhin versuchte Johann Christian Wilhelm Augusti 1773 in dem von ihm herausgegebenen Auszug aus dem Koran die poetische Wirkung des Originals zu erhalten. Die dem Koran innewohnende Spiritualität zu erkennen und zu würdigen, blieb jedoch dem katholischen Theologen Johann Adam Möhler (gest. 1838) vorbehalten, der sich in einem Aufsatz, in dem er das Verhältnis von Jesus (as) zu Muhammad (saw) nach der koranischen Lehre behandelt, wandte. Möhler schreibt, dass „uns häufig eine ganz originelle Pietät, eine rührende Andacht und eine ganz eigentümliche religiöse Poesie entgegentritt. Dies kann unmöglich etwas Erkünsteltes und Erzwungenes sein.“

     

    Friedrich Rückert verdiente mit seiner (Teil)- Übersetzung große Anerkennung. Denn diese Übersetzung hat das Poetische am Koran zu übertragen versucht, während die im akademischen Bereich empfohlene Übersetzung von Rudi Paret (1966) und jüngere von Hans Zirker (1999), die sich um weitestgehende philologischer Exaktheit bemühen. Dass sie dabei nicht zu stark vom Wortsinn abzuweichen versuchen, schreckt den Leser, der kein Interesse an spätantiken Religionsdisputen hat, eher von der Lektüre ab. Für Johann Wolfgang von Goethe, der dem Islam große Sympathien entgegenbrachte, war der Koran ein Buch, „das uns, so oft wir auch daran gehen, immer von neuem anwidert, dann aber anzieht , in Erstaunen setzt und am Ende Verehrung abnötigt.“ 2

     

    1939 veröffentlichte Mawlana Sadr- ud – Din, Imam einer Berliner Moschee, die erste von Muslimen angefertigte Übersetzung ins Deutsche. Der erste Muslim deutscher Muttersprache, der den Koran 1996 vollständig übersetzte, war jedoch Ahmad von Denffer. Er versucht mehrere deutsche Entsprechungen eines arabischen Ausdrucks aufzuzählen, weshalb seine Ausgabe schwer lesbar ist. Eine Übersetzung, die auch den arabischen Text und gleichzeitig zu jedem Vers eine Auswahl aus wichtigen, auf Deutsch übersetzten Kommentaren bringt, wurde 1997 von einer Gruppe deutschsprachiger Musliminnen unter Leitung von Fatima Grimm unter dem Titel „ Die Bedeutung des Koran“ herausgegeben. Wissenschaftliche Übersetzungen wurden im 20. Jahrhundert unter anderem von Max Henning (1901) , Rudi Paret (1966) und Adel Khoury (1999) veröffentlicht.

     

    2009 legte Ahmad Milad Karimi eine vollständige Neuübersetzung des Koran vor, in der er versucht, die Sprachgewalt und Schönheit des arabischen Originals für alle, die kein Arabisch können, spürbar zu machen. Hierbei geht es Karimi um die Vermittlung jener „ästhetisch-poetischen Erfahrung“, die „die Religiosität der Muslime grundlegend bestimmt.“3

     

    Ebenfalls 2009 erschien eine Übersetzung des „The Message of the Qur’an“ (1980) von Muhammad Asad alias Leopold Weiss ins Deutsche, die von Ahmad von Denffer und Yusuf Kuhn angefertigt wurde. Neben der Übersetzung hat Asad auch zahlreiche Kommentare angefügt, weshalb das Werk über eine Übersetzung hinausgeht.

     

    Von 2000 bis Anfang 2010 arbeitete Hartmut Bobzin an einer neuen Koranübersetzung. Die Neuübersetzung, zu der als Ergänzung noch ein Kommentarband geplant ist, erschien im Jahr 2010. Der Übersetzer möchte nicht nur philologisch korrekt, sondern auch ästhetisch angemessen das arabische Original in deutscher Sprache wiedergeben. So gilt für ihn wohl auch der Versuch der Rückertschen Koranübersetzung als Herausforderung, die Poesie des Koran „hörbar“ zu machen. Damit verfolgt er ein ähnliches Interesse wie Karimi. Sowohl Bobzin wie Karimi machen jedoch deutlich, dass Übersetzung auf das „Verstehen“ angelegt sein muss.

     

    Die Vielfalt der deutschsprachigen Übersetzungen zeigt, dass eine „endgültige“ Übersetzung schlichtweg nicht möglich ist. Alle Übersetzungen haben ihre Stärken als auch ihre Schwächen. Je nachdem mit welchem Anspruch und für welchen Gebrauch die Übersetzung dienen soll, kann die eine der anderen bevorzugt werden.

     

     

    Fußnoten:

     

    1 Hartmut Bobzin (Übers.): Der Koran. C.H.Beck, 2006

    2 Katharina Mommsen: Goethe und der Islam. Insel, Frankfurt am Main 2001

    3 Ahmad Milad Karimi (Übers.): Der Koran. Herder, Freiburg, 2009