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    Der Qur’an als Mittel (Teil 6): Der heilige Qur’an

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    6. Der heilige Qur’an

     

    Niemandem darf in den Sinn kommen, dass der heilige Qur’ān uns nicht hört, wenn wir mit ihm sprechen. Der schwarze Stein in Mekka hört uns, wenn wir mit ihm sprechen und unsere Bekenntnisse ablegen und wird uns am Tage des Gerichts Fürsprache einlegen. Kann es da sein, dass der heilige Qur’ān uns nicht hört und uns keine Fürsprache einlegt? Ist der Qur’ān also lebendig? Ja, alles in dieser Welt ist lebendig, doch können wir manches wahrnehmen, anderes wiederrum nicht. Der heilige Qur’ān selbst sagt dazu:

     

    تُسَبِّحُ لَهُ السَّمَاوَاتُ السَّبْعُ وَالأَرْضُ وَمَنْ فِيهِنّ

    وَإِنْ مِنْ شَيْء ٍ إِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِه ِِ وَلَكِنْ لاَ تَفْقَهُونَ تَسْبِيحَهُمْ

     

    Die sieben Himmel und die Erde und wer darin ist, sie lobpreisen Ihn; und es gibt kein Ding, das Seine Herrlichkeit nicht preist; ihr aber versteht ihre Lobpreisung nicht[1]

     

    Es liegt an uns, dass wir die Lobpreisungen nicht verstehen, aber der heilige Qur’ān bezeugt selbst, das alles auf dieser Welt lebendig ist, doch wir nehmen es nicht wahr. Zahlreiche Überlieferungen bestätigen uns, dass der Gesandte Gottes (s.) selbst mit Sand und Kies redete und dieser antwortete ihm.

     

    Aus diesem Grund fragen wir den heiligen Qur’ān: „Wer bist du? Gib dich uns zu erkennen.“ Eine der wichtigsten Verse als Antwort zu dieser Frage finden wir in Sure An-Naĥl.

     

    وَنَزَّلْنَا عَلَيْكَ الْكِتَابَ تِبْيَانا ً لِكُلِّ شَيْء

     

    Und Wir haben dir das Buch hernieder gesandt zur Erklärung aller Dinge[2]

     

    Alles was in dieser und in der jenseitigen Welt existiert, ist der heilige Qur’ān eine Deutung und Erläuterung dafür. Wir erfüllen jedoch nicht die Voraussetzungen, um die Antworten auf unsere Fragen zu erhalten. Aus diesem Grund sagte der Fürst der Gläubigen (a.):

     

    „Fragt den Qur’ān, jedoch wird er nicht zu euch sprechen. Ich bin es, der euch berichtet, was darin ist. Darin sind Information über das Vergangene, über die Zukunft, was geschehen wird, was geschah […].“

     

    Deshalb wird das heilige Buch als „der stille (schweigende) Qur’ān“ bezeichnet, wohingegen der Fürst der Gläubigen (a.) als „der sprechende Qur’ān“ bekannt ist.

    Bezüglich des Verses der Sure An-Naĥl sind uns zahlreiche Überlieferungen der Ahl al Bayt (a.) erhalten, welche wir im Folgenden analysieren möchten.

     

    Imam al-Sādiq (a.) sagte: „Wir wissen, was in den Himmeln und auf Erden, was im Paradies und was in der Hölle und was zwischen ihnen ist.“ Die Zuhörer waren verwundert über jene Aussage des Imams. Der Imam bemerkte die Verwunderung und sagte: „Dies ist im Buch Gottes enthalten.“ Dann rezitierte er (a.) folgenden Vers: „Und Wir haben dir das Buch hernieder gesandt zur Erklärung aller Dinge“.

     

    Da die Ahl al Bayt (a.) mit dem heiligen Qur’ān einhergehen (siehe die Überlieferung der zwei Gewichtigen) und sich niemals von ihm trennen, folgt daraus, dass auch sie (a.) die Erklärung und Erläuterung aller Dinge wissen.

     

    Der Prophet (s.) sagte:
    Ich hinterlasse euch zwei gewichtige Dinge, das Buch von Allah und meine Nachkommenschaft, meine Ahl al Bayt (a.), und sie werden sich nicht voneinander trennen, bis sie sich beim Brunnen „al-Kawthar“ bei mir einfinden werden. [3]

     

    Kann es also sein, dass der heilige Qur’ān etwas beinhaltet, was die Ahl al Bayt (a.) nicht wissen? Nein, sie wissen alles darin, denn wäre dem nicht so, würden sie sich vom heiligen Qur’ān entfernen und dies würde dem Ausspruch des Gesandten Gottes (s.) widersprechen, welcher sagte, dass sie sich niemals voneinander trennen werden.

     

    Der heilige Qur’ān ist eine Erklärung aller Dinge. Laut der Überlieferung der zwei Gewichtigen, ist die Ahl al Bayt (a.) stets mit dem Qur’ān und diese beiden werden sich niemals voneinander trennen. Somit haben die Ahl al Bayt (a.) das gesamte Wissen des heiligen Qur’ān und die Erklärung aller Dinge.

     

    Nachdem der Imam (a.) die verwunderten Gesichter seiner Zuhörer sah und hierauf deutlich machte, dass diese Informationen im Buch Gottes zu finden sind, führte er (a.) seine Erläuterung fort, nämlich, dass der heilige Qur’ān die Erläuterung über jedes Ding verfügt, jedoch nicht die restlichen himmlischen Bücher.

     

    Allah (t.) sagte zu Mussa: Wir schrieben für ihn auf die Tafeln von jeglichem Ding.[4] Daraus wissen wir, dass der Erhabene (t.) Seinem Gesandten Mussa nicht von allen Angelegenheiten unterrichtete, sondern ihm nur einen Teil dieses Wissens gab. Auch sagte Allah (t.) zu Issa (a.): ich komme zu euch mit der Weisheit und um euch etwas von dem zu verdeutlichen, worüber ihr uneinig seid.[5] Aber Allah (t.) sagte zu Muĥammad (s.): Und Wir haben dir das Buch hernieder gesandt zur Erklärung aller Dinge.

     

    Der heilige Qur’ān bezeugt hiermit, dass er Seinen beiden „Ul-ul-Azm“ Gesandte Mussa (a.) und Issa (a.) nicht die Erläuterung über jegliche Angelegenheiten gab, jedoch Seinen Gesandten und Siegel der Propheten Muĥammad (s.) das Buch als Erläuterung aller Dinge sandte.

     

    Wir fragen uns an dieser Stelle, ob der heilige Qur’ān nur diese Ebene besitzt, welche aus Worten besteht, die wir lesen? Wenn jemand beispielsweise die arabische Sprache und ihre Grammatik erlernt und nun den heiligen Qur’ān liest – versteht er ihn oder nicht? Haben beispielsweise die Araber, welche zur Zeit des Gesandten (s.) gelebt haben und Ungläubige waren, die Worte des heiligen Qur’ān verstanden als der Gesandte sie verkündete oder nicht? Es ist deutlich, dass sie die Worte verstanden haben, denn der heilige Qur’ān ist in arabischer Sprache verfasst, also die Sprache, welche die Menschen gesprochen haben.

     

    Sie haben die Worte des heiligen Qur’ān verstanden, obgleich diese Worte nicht in das Herz eindrangen und keine Gottesfurcht oder Glaube erzeugten. Dieses oberflächliche Verständnis des heiligen Qur’ān wird als die „sichtbare“ Bedeutung des Qur’ān verstanden. Es ist die Bedeutung, welche man lediglich aus den Worten dieses heiligen Buches entnehmen kann, basierend auf der arabischen Sprache. Ist man der arabischen Sprache mächtig, so kann man den Qur’ān lesen und verstehen. Dies ist die „sichtbare“ oder „offensichtliche“ Bedeutung des heiligen Qur’ān. Hat der heilige Qur’ān jedoch nur diese sichtbare und offensichtliche Bedeutung oder beinhaltet der heilige Qur’ān noch zusätzlich eine verborgene Bedeutung, welche nur für bestimmte Menschen mit bestimmten Eigenschaften zugänglich sind?

     

    [1] Sure: Al-‚Isrā‘, Vers 44

    [2] Sure: An-Naĥl, Vers 89

    [3] al-Ĥurr al-`Ameli: „Wasa’el al-Shia“, Band 27, S.188, Hadith 33565

    [4] Sure: Al-‚A`rāf, Vers 145

    [5] Sure: Az-Zukhruf, Vers 63

     

    Quelle: http://www.alhaydari.de