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    Der Schutz vor Verfälschung (Teil 2): Die Bedeutung von „Tahrif“

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    Sayyed al-Kho’i schreibt: „Der Wortlaut „Verfälschung“ (Taĥrīf – التحريف) findet für verschiedene Bedeutungen Anwendung. Manche dieser Bedeutungen treffen unter Konsens der Muslime auf den heiligen Qur’ān zu, andere wiederrum treffen unter Konsens der Muslime nicht zu. Ebenso existieren hinsichtlich mancher Bedeutungen Meinungsverschiedenheiten, ob diese auf das heilige Buch Gottes zutreffen oder nicht. Einige Bedeutungen dieses Wortlautes mögen im Folgenden aufgeführt werden.

     

    1. Es ist die sinngemäße Verfälschung, in der die Deutung und Erklärung verdreht wird.

     

    Allah (t.) sagt im heiligen Buch:

     

    مِنَ الَّذِينَ هَادُوا يُحَرِّفُونَ الْكَلِمَ عَنْ مَوَاضِعِه

     

    Es gibt welche unter den Juden, die Worte aus ihren Stellungen verdrehen [1]

     

    Die Rechtsschulen der Muslime sind sich einig, dass diese Bedeutung des Wortes „Taĥrīf“ ohne Zweifel stattfand, denn jeder, welcher den heiligen Qur’ān nicht mit der Wahrheit deutet, hat ihn sinngemäß verfälscht. Wir sehen viele Personen, welche der Erneuerung (Bid`a) folgen, sowie die abtrünnigen und irregeleiteten Rechtsschulen, wie sie den heiligen Qur’ān gemäß ihren Meinungen und Ansichten deuten und damit den wahren Sinn und Kern verfälschen [2]. Das Verbot dieser Art der Verfälschung, sowie der Tadel derjenigen, die dies vollziehen, wurde in vielen Berichten und Überlieferungen bestätigt, unter ihnen der Bericht in „al-Kāfi“ worin über Imām al-Bāqir (a.) berichtet wird, dass er in einem Brief an Sa`d al-Khair schrieb: „Und sie haben seine Grenzen (Bedeutung) verfälscht. Sie sahen ihn (den Qur’ān), aber kümmerten sich nicht um ihn.“[3]

     

    2. Es ist das Hinzufügen oder Weglassen von Zeichen mit der Beibehaltung des Qur’ān, ohne das er sich von den anderen (Exemplaren) unterscheidet.

     

    Diese Bedeutung der Verfälschung fand ohne Zweifel bezüglich des heiligen Qur’ān statt und ist unter den Muslimen bewiesen. Wir haben im Vorfeld gezeigt, dass die Arten der Rezitationen sich unterscheiden und dies bedeutet, dass der herabgesandte Qur’ān mit einem dieser Rezitationsart übereinstimmt.

     

    3. Es ist das Hinzufügen oder Weglassen von einem oder mehrerer Worte mit der Beibehaltung und Schutz des ursprünglichen Qur’ān.

     

    Diese Art der Verfälschung gab es in der Anfangszeit des Islām und zu den Lebzeiten der Gefährten. Die Geschichte beweist diese Tatsache, da sie berichtet, dass der dritte Khalif Uthmān eine Ansammlung von Qur’ānexemplaren verbrennen ließ, da sie nicht mit den restlichen Exemplaren übereinstimmten und er befahl des Weiteren sämtliche Exemplare zu verbrennen, welche nicht mit seiner Sammlung konform waren. Dies beweist, dass die verbrannten Exemplare im Gegensatz zu der Version standen, welche er zusammengestellt hatte, denn ansonsten bestünde keine Notwendigkeit diese zu verbrennen.

     

    Die Verfälschung ist damit eine Tatsache. Es stellt sich aber die Frage, ob die Exemplare verfälscht waren, welche verbrannt wurden oder die Version verfälscht war, welche Uthmān gesammelt hat. Im Anschluss werden wir jedoch feststellen, dass die Version, welche Uthmān zusammengestellt hat, der Qur’ān ist, welcher auf das Siegel des Propheten (s.) herab gesandt wurde. Die Verfälschung hinsichtlich des Weglassens und des Hinzufügens wurde damit mit dem Zeitalter von Uthmān beendet. Der Qur’ān, welcher jetzt existiert, ist frei von jeglicher Verfälschung.

     

    4. Das Hinzufügen oder Weglassen im Vers oder Sure mit der Beibehaltung und Schutz des ursprünglichen Qur’ān.

     

    Die Verfälschung mit dieser Bedeutung ist ebenso bezüglich des heiligen Qur’ān zutreffend. Beispielsweise sind sich die Muslime einig, dass der Prophet (s.) die „Basmala“ vor jeder Sure außer At-Tawbah gelesen hat. In der Rechtsschule der Şaĥāba gibt es Meinungsverschiedenheiten, ob die „Basmala[4]“ ein Bestandteil des Qur’ān sei oder nicht. Einige von ihnen vertraten die Meinung, dass sie nicht zum Qur’ān gehört. Die Mālikiyya[5] sind beispielsweise der Meinung, dass es verpönt ist, sie vor der Rezitation der al-Fātiĥa zu lesen. Andere Gruppierungen glauben jedoch daran, dass sie ein fester Bestandteil des Qur’ān ist. Was die Rechtsschule der Ahl al Bayt (a.) angeht, so sind sich die Rechtsgelehrten einig, dass die „Basmala“ ein Bestandteil des Qur’ān ist und zu jeder Sure gehört, wobei Sure At-Tawbah ausgeschlossen ist. Diese Ansicht vertreten auch einige Gelehrte anderer Rechtsschulen.

     

    5. Die Verfälschung hinsichtlich des Hinzufügens, sodass ein Teil des Qur’ān nicht zur offenbarten Botschaft gehört.

     

    Diese Bedeutung der Verfälschung ist unter Konsens der Muslime ausgeschlossen und fand nicht statt. Die Unmöglichkeit des Eintreffens dieser Art der Verfälschung ist bewiesen.

     

    6. Die Verfälschung hinsichtlich des Weglassens, sodass ein Teil des Qur’ān verloren ging und den Menschen verborgen und nicht in seiner vollkommenen Form, so wie er vom Himmel offenbart wurde, verfügbar ist.

     

    Hinsichtlich dieser Art der Verfälschung herrschen Meinungsverschiedenheiten. Einige Rechtsschulen bestätigen diese Art der Verfälschung, während andere es ablehnen und deutlich zurück weisen.“ [6]

     

     

     

    [1] Der heilige Qur’ān: Sure 4, Vers 46

    [2] Ein Beispiel wäre, dass der heilige Vers in Sure 33, Vers 33 für die Ahl al Bayt (a.) herab gesandt wurde und diese sind der Prophet Muĥammad (s.), Ali Ibn Abi Tālib (a.), Al-Ĥassan Ibn Ali, Al-Ĥussain Ibn Ali und Fāţima bint Muĥammad (a.). Indem nun gesagt wird, dass mit der „Ahl al Bayt“ andere Personen gemeint sind, verfälscht und verdreht man den Sinn und die Deutung dieses heiligen Verses.

    [3] Thiqat al-Islām Abu Ja`far Muĥammad Ibn Ya`qūb Ibn Isĥāq al-Kulayni (verst. 328 n.d.H.): „Furū` al-Kāfi“, Band 8, S. 35

    [4] Als „Basmala“ bezeichnet man die Formel „Bismillah al-Raĥmān al-Raĥīm“

    [5] Anhänger der Māliki-Rechtsschule

    [6] Za`eem al-Ĥawzah al-`Ilmiyya al-Sayyed Abū al-Qāsim al-Kho’i: „Al-Bayān fi Tafsīr al-Qur’ān“, S. 197

     

     

    Quelle: http://www.alhaydari.de/quran