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    Der Segensgruß (Salawat) (Teil 1): Die „seltenen“ Verse des Qur’an

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    Das „Salawat“ wird in jedem rituellen Gebet verrichtet und ist damit ein Fundament und Säule der religiösen Angelegenheiten. Auch der heilige Qur’an befiehlt den Gläubigen, das „Salawat“ auf den Gesandten Gottes Muhammad (s.) und seiner reinen Ahl al Bayt (a.) zu sprechen. Aus welchem Grund wird so sehr auf diese Praktik beharrt und welche Wahrheit steckt dahinter, sodass gar manche Überlieferungen bestätigen, dass kein Bittgebet erhört wird, wenn es nicht mit dem „Salawat“ versiegelt wird.

     

    إِنَّ اللَّهَ وَمَلاَئِكَتَه ُُ يُصَلُّونَ عَلَى النَّبِيِّ يَا أَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا صَلُّوا عَلَيْهِ وَسَلِّمُوا تَسْلِيما

     

    Wahrlich, Allah und seine Engel senden Segnungen auf den Gesandten. O ihr, die ihr glaubt, (bittet) auch ihr für ihn und wünscht ihm Frieden in aller Ehrerbietung (Sure 33, Vers 56)

     

     

    Inhaltsverzeichnis

     

    1. Die „seltenen“ Verse des Qur’an

    2. Die Interpretation des „Taslim“

    3. Das Gesetz der Ursache und Wirkung

    4. Das Bittgebet für den Gesandten Gottes (s.)

    5. Die „Hohen“

    6. Die empfangenen Worte

    7. Die Wirkung des „Salawat“

     

     

    1. Die „seltenen“ Verse des Qur’an

     

    Die Analyse erstreckt sich in diesem Teil auf die Auslegung des Verses der Sura Al-‚Aĥzāb. Dieser reine Vers gehört zu den Versen, in denen Allah die Gläubigen zu einer Tat verpflichtet, jedoch zunächst selbst diese Tat vollzieht. Im Normalfall werden die Gläubigen direkt angesprochen.

     

    „O ihr, die ihr glaubt, verrichtet das Gebet und entrichtet die Zakah“

    „O ihr, die ihr glaubt, warum sagt ihr, was ihr nicht tut“

     

    So sprechen viele Verse des gesegneten Buches die Gläubigen auf eine direkte Art und Weise an. Von den offenbarten Versen des heiligen Qur’ān gibt es auch jene, worin Allah, sobald Er die Gläubigen zu einer Tat verpflichten will, zunächst Selbst diese Tat vollzieht.

     

    إِنَّ اللَّهَ وَمَلاَئِكَتَه ُُ يُصَلُّونَ عَلَى النَّبِيِّ

     

    Wahrlich, Allah und seine Engel senden Segnungen auf den Gesandten.

     

    Im Anschluss daran befiehlt der reine Vers den Gläubigen, den Gesandten Gottes selbst zu segnen, indem gesagt wird:

     

    يَا أَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا صَلُّوا عَلَيْهِ وَسَلِّمُوا تَسْلِيما

     

    O ihr, die ihr glaubt, (bittet) auch ihr für ihn und wünscht ihm Frieden in aller Ehrerbietung

     

    Wenn wir die restlichen Verse des Qur’āns betrachten, so sehen wir, dass nur beim „Tawĥeed“[1] diese Vorgehensweise erneut Verwendung findet.

     

    شَهِدَ اللَّهُ أَنَّهُ لاَ إِلَهَ إِلاَّ هُوَ وَالْمَلاَئِكَةُ وَأُوْلُوا الْعِلْمِ قَائِما ً بِالْقِسْطِ

     

    Bezeugt hat Allah, dass kein Gott da ist außer Ihm Selbst; und die Engel und die Wissenden (bezeugen es)[2]

     

    Hier wird die Einheit Gottes zunächst von Ihm (t.) selbst, Erhaben und Gepriesen sei Er, bezeugt. Anschließend bezeugen dies die Engel und hierauf die Leute des Wissens. Wir erkennen somit dieselbe Verfahrensweise wie in Sura Al-‚Aĥzāb, worin zunächst Allah und die Engel die Segensgrüße auf den Propheten senden und dies anschließend den Gläubigen befohlen wird.

     

    Deshalb ist es nicht falsch zu sagen, dass dieser gesegnete Vers eine spezielle Bedeutung hat, zu den seltenen Versen gehört und zu einer Tat höherer Ebene aufruft, als in den davor erwähnten Versen, welche die Gläubigen direkt ansprechen. Bevor wir mit der Analyse dieses speziellen Verses beginnen, fragen wir uns zunächst, wieso es verpflichtend ist, Segensgrüße auf den Gesandten Gottes (s.) zu senden. Der gesegnete Vers beinhaltet eine Anordnung und lässt keinen Raum für freiwillige Entscheidungen zur Verrichtung dieser. Es ist eine Pflicht, so wie in vielen Versen des heiligen Qur’āns erwähnt wird.

    O ihr Gläubigen, verrichtet das Gebet!

     

    Eine ausdrückliche Anordnung ist diesem Vers zu entnehmen und genauso verhält es sich mit dem Vers der Sura Al-‚Aĥzāb. Deshalb möchten wir zunächst klären, wieso Allah den Segen auf den heiligen Propheten sendet. Der heilige Vers verwendet hierbei das Wort „al-Salaa“ und dies ist bekanntermaßen das Gebet, welches wir zum Tage und zur Nacht verrichten. Jedoch ist die Bedeutung des Wortes „al-Salaa“ in der arabischen Sprache eine andere, nämlich „das Bittgebet“.

     

    Was bedeutet es nun, wenn Allah und die Engel das Verb dieses Substantives verrichten, also „yusalun“ wie es in der arabischen Sprache heißen würde und im Vers Verwendung findet. Hier bestätigen die Überlieferungen beider Rechtsschulen[3], dass das Verrichten Allahs des Verbes von „al-Salaa“ („yusalun“) das Herabsenden der göttlichen Barmherzigkeit auf eine Person ist. So könnte man das Wort „yusalun“ als „jemandem die Barmherzigkeit zukommen lassen“ übersetzen.

     

    Wenn Allah sich jemandem erbarmen will, so bezeichnet man dies als „al-Salaa“ auf diese Person, also das Herabsenden der göttlichen Barmherzigkeit. Es hat somit nicht die Bedeutung, dass Allah beispielsweise eine Art Gebetskette nimmt und für jemanden betet, was man durchaus aus der Übersetzung des Wortes „al-Salaa“ als „das Bittgebet“ ableiten könnte. Dies ist damit auf keinen Fall gemeint. Ähnlich verhält es sich mit dem göttlichen Fluch, wie es im heiligen Qur’ān heißt:

     

    أُوْلَائِكَ يَلْعَنُهُمُ اللَّهُ وَيَلْعَنُهُمُ اللاَّعِنُونَ

     

    diese verflucht Allah, und diese verfluchen auch die Fluchenden[4]

     

    Was bedeutet es, wenn Allah jemanden verflucht? Es bedeutet nicht, dass Allah durch die Aussprache jemanden verflucht, also beispielsweise sagt: „Ich verfluche den und den“. Vielmehr ist es der Entzug der göttlichen Barmherzigkeit dieser Person. Gegensätzlich dazu ist das „Salaa“, welches die göttliche Barmherzigkeit einer Person bringt.

     

    Dies ist die Bedeutung des Ausspruches des Fürsten der Gläubigen, Ali Ibn Abi Tālib (a.):

    „Seine Worte sind Seine Taten.“

     

    Damit haben wir nun geklärt, dass das „Salaa“ Gottes auf jemanden so viel bedeutet, wie das Herabsenden Seiner göttlichen Barmherzigkeit auf diese Person. Was bedeutet nun der „Salaa“ der Engel? Verschiedene Überlieferungen bestätigen uns, dass der „Salaa“ der Engel ein Zeugnis dafür ist, dass jene Person die göttliche Barmherzigkeit verdient.

     

    Was bedeuten nun die „Salawat“[5] der Gläubigen auf den Gesandten Gottes (s.)? Die Überlieferer der beiden Rechtsschulen haben sich darauf geeinigt, dass damit das Bittgebet der Gläubigen für den Gesandten Gottes (s.) ist.

     

    Wieso beten wir jedoch für den Gesandten Gottes (s.) und hat er unsere Bittgebete nötig?

    Die Analyse wird sich somit auf den letzten Teil des Erwähnten beziehen, nämlich wieso die Gläubigen „Salawat“ auf den Gesandten Gottes (s.) machen müssen.

     

     

     

    [1] التوحيد – (Die Bezeugung der) Einheit Gottes

    [2] Sure: ‚Āli `Imrān, Vers 18

    [3] Die Rechtsschule der Sahaba („Ahl-as-Sunna wal-Jama’a“) und die Rechtsschule der Ahl al Bayt (a.)

    [4] Sure: Al-Baqarah, Vers 159

    [5] Mehrzahl von „Salaa“

     

     

    Quelle: http://www.alhaydari.de