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    Der Segensgruß (Salawat) (Teil 3): Das Gesetz der Ursache und Wirkung

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    3. Das Gesetz der Ursache und Wirkung

     

    Nun stellt sich uns die Frage nach dem Grund der „Salawat“, welche die Gläubigen verrichten müssen. Wieso verpflichtete Allah den Gläubigen das „Salaa“, also das Bittgebet, auf den Gesandten Gottes (s.)? Inwiefern ist dies Notwendig?

     

    Die Antwort setzt sich aus Qur’ānwissenschaftlichen, philosophischen und geisteswissenschaftlichen Bestandteilen zusammen. Allah erschuf die diesseitige Welt nicht unmittelbar und in einem Augenblick, sondern erschuf Er (t.) vielmehr einiges sofort und ohne Mittel, wohingegen andere Geschöpfe mit einem Vermittler geschaffen wurden und letzteres wird als Kausalitätsprinzip[1] bezeichnet.

     

    Darüber sagte Imam al-Sādiq (a.):

    „Allah lehnt es ab, Geschöpfe ohne Mittel zu erschaffen. So sah Er für jede Schöpfung eine Ursache vor.“ [2]

     

    Was bedeutet es jedoch, wenn Allah für jede Schöpfung eine Ursache vorsieht?

     

    Wenn der Mensch beispielsweise Durst verspürt, so hat er zwei Möglichkeiten. Entweder bittet er Allah darum, seinen Durst zu nehmen oder er trinkt Wasser und durch das Wasser löscht er seinen Durst. Kein vernünftiger Mensch wird sagen, dass Allah den Durst eines Menschen nur durch sein Bittgebet löschen wird, jedoch befahl uns Allah unseren Durst durch das Wasser zu löschen. Deshalb ist das Wasser die Ursache für das Auslöschen unseres Durstes. Allah hat uns somit einen direkten Weg gegeben, unseren Durst zu löschen und dieser Weg ist das Trinken von Wasser. So kann auch keine Krankheit geheilt werden, es sei denn mit Medizin. Hunger kann nicht gestillt werden, außer durch das Essen. Ein Mensch kann keine Kinder bekommen, außer er heiratet. Dieses Gesetz ist das Gesetz der Ursache und der Wirkung [3].

     

    Wenn Allah das Gute, die Barmherzigkeit, die Rechtleitung und die Strafe herab sendet, so erfolgt dies ebenfalls durch ein Mittel. Allah ist der Rechtleitende[4], doch wie erfolgt die Rechtleitung – auf einem direkten oder indirekten Weg? Leitet Allah den Menschen ohne Vermittler recht oder entsendet er Gesandte und Bücher und Souveräne, welche die Menschen rechtleiten? Es ist eindeutig, dass Allah derjenige ist, der rechtleitet, jedoch erfolgt dies durch Mittel, wie beispielsweise Gesandte und Propheten. Der Mensch erstrebt das Paradies, doch kann er dieses ohne Grund betreten oder benötigt er einen Grund dafür? Es ist nicht möglich das Paradies, grundlos zu betreten und ohne entsprechende Taten vorzuweisen. Ebenso wird der Mensch das Feuer nicht grundlos betreten – es wird einen Grund dafür geben. Wir erkennen somit, dass diese Ordnung, welche Allah erschuf, auf Ursachen und Wirkungen basiert.

     

    Nun mag man sich die Frage stellen, was die erste Ursache war, durch die Allah seinen Geschöpfen alles Gute und Barmherzigkeit brachte. So wie Allah das Wasser als Mittel zum Löschen des Durstes schuf, so fragen wir uns, was die erste Existenz war, durch die Allah uns seinen Segen und seine Barmherzigkeit zukommen ließ.

     

    Wenn wir die Überlieferungen zu diesem Thema analysieren, so erkennen wir eine Wahrheit, welche wir bereits im ersten Teil der Analyse angedeutet haben. Was war die erste Existenz, die Allah erschaffen hat?

     

    Niemandem soll der Eindruck entstehen, dass die Führer[5] der Muslime nach dem Gesandten Gottes dies erläuterten. Vielmehr war es der Gesandte Gottes selbst, der uns diese Wahrheit unmissverständlich klar machte.

     

    Jaber Ibn Abdillah al-Ansari (r.) fragte den Gesandten Gottes (s.): „Was war das Erste, was Allah schuf?“ Da antwortete der Prophet (s.): „O Jaber, das Erste was Allah erschuf, war das Licht deines Propheten. Allah erschuf ihn und erschuf aus ihm alles Gute.“

     

    Das Licht des Gesandten wurde direkt und ohne Mittel erschaffen, gemäß dem Vers:

     

    إِذَا قَضَى أَمْرا ً فَإِنَّمَا يَقُولُ لَه ُُ كُنْ فَيَكُونُ

     

    Wenn Er eine Sache beschließt, so sagt Er nur zu ihr: „Sei!“ und sie ist[6]

     

    Anschließend wurde alles Gute durch ein Mittel erschaffen und dies war der Gesandte Gottes Muĥammad (s.). Es ist nicht möglich, dass etwas zu Allah gelangt, ohne an der Existenz des Siegels zu gelangen, denn er ist der Vermittler zwischen Allah und seinen Geschöpfen, wie wir im ersten Teil auch erläutert haben. Nur durch die Existenz des Gesandten Gottes (s.) kommt die göttliche Barmherzigkeit und der Segen auf seine Geschöpfe.

     

    „O Jaber, das Erste was Allah erschuf, war das Licht deines Propheten. Allah erschuf ihn und erschuf aus ihm alles Gute. Sodann brachte Er dieses Licht in Seine göttliche Nähe und zerteilte es (in 4 Lichter). Er erschuf aus einem Teil sein Reich[7] und aus einem anderen Teil Seinen „Thron“[8] und aus dem anderen Teil dieses Lichtes die Träger des Reiches und die Stütze des Throns.“

     

    Wir sehen, dass all jene heilige Geschöpfe nach dem Gesandten Gottes (s.) erschaffen wurden.

     

    Der vierte Teil des Lichts hat die Stellung der Liebe erhalten. Dann zerteilte Er das vierte Licht wieder in vier Teile. Er erschuf aus einem Teil den „Stift“[9]. Aus einem anderen Teil erschuf Er „die Tafel“[10] und das Paradies aus einem anderen Teil. Der letzte Teil hat die Stellung der Angst bekommen. Dann teilte Er dieses Licht in verschiedene Teile. Er erschuf die Engel aus einem Teil und die Sonne aus einem Teil und den Mond aus einem Teil und der vierte Teil erhielt die Stellung der Bitte. Sodann teilte er dies in verschiedene Teile. Er erschuf den Verstand aus einem Teil und das Wissen und die Geduld aus einem Teil und die Fehlerlosigkeit und den Erfolg aus einem Teil. Der vierte Teil des Lichts erhielt die Stellung der Scham. Dann schaute Er dieses (Licht) mit dem Blick des Ansehens an und es splittete sich in 124.000 Lichter, woraus er pro Lichttropfen einen Propheten oder Gesandten erschuf. Dann atmeten die Seelen der Propheten und Allah erschuf aus ihrem Atem die Seelen ihrer Nachfolger, Märtyrer und Rechtschaffenen.“

     

    Die Interpretation dieser Überlieferung würde den Rahmen dieser Analyse sprengen. Es soll jedoch verdeutlicht werden, wie und in welcher Reihenfolge Allah den Anfang der Schöpfung begann. Wir sehen, dass die Geschöpfe durch Mittel erschaffen wurden und aus verschiedenen Stufen des Lichtes in ihre Existenz beordert wurden, wobei der Beginn dieser Schöpfung, und dies ist die Schöpfung ohne Mittel, das Licht des Gesandten Gottes Muĥammad (s.) war.

     

    Hier finden wir einen schönen Kommentar von Sayyed al-Ţabatabai (r.) in „Tafsir al-Mizān“ bezüglich dieses Verses. Dort schreibt er:

    „Wehe denjenigen, die solche gesegneten Überlieferungen, welche der Quelle des Wissens und der Weisheit entspringen, den Mystikern und Philosophen zuschreiben.“ [11]

     

    Es darf niemandem in den Sinn kommen, dass lediglich die Leute des „Irfan“[12] an solche Überlieferungen glauben. Mehrere Überlieferungen der reinen Ahl al Bayt (a.) deuten auf diese Wahrheit hin.

     

     

     

    [1] القانون السببية – „al-Qanun al-Sababiyya“ (wört. übersetzt: „Das Gesetz der Ursache“)

    [2] Muĥammad Ibn al- Ĥussein al-Safār: „Basāer al-Darajāt“, S. 26

    [3] نظام السببية والمسببية – „Nidham al-Sababiyya wal-Musababiyya”

    [4] الهادي – „al-Hadi“

    [5] Die 12 Imame

    [6] Sure: Al-Baqarah, Vers 117

    [7] العرش

    [8] الكرسي

    [9] القلم

    [10] اللوح

    [11] Allamah al-Ţabatabai: „Tafsir al-Mizān“, Band 1, S. 122

    [12] Die Lehre von der Erkenntnis Gottes

     

     

    Quelle: http://www.alhaydari.de