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    Der Sieg der Islamanhänger in den ersten freien Wahlen Tunesiens

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    Das Ergebnis der Wahlen in Tunesien annullierte die von den Medien und den westlichen Regierungen aufgestellten Vorurteile und Analysen über die Volksaufstände gegen die vom Westen gestärkten despotischen Regime im Mittleren Osten und in Nordafrika. Aufgrund der von der tunesischen Konstitutionsversammlung verkündeten Ergebnisse erzielte die islamische Partei „Al Nahda“ einen großen Sieg.

     
    Dutzende Parteien mit verschiedenen politischen Tendenzen hatten an den Wahlen der Verfassungsgebenden Versammlung in Tunesien, welche am 23. Oktober abgehalten worden war, teilgenommen. Die Wahlen, die frei unter der Beteiligung des größten Teils der Bevölkerung stattfanden, waren von verschiedenen internationalen und regionalen Beobachten verfolgt worden. Die jüngste Wahl ist die erste freie Volkswahl seit der fünfzigjährigen Unabhängigkeit Tunesiens von der französischen Kolonialregierung gewesen. Die „Al Nahda Partei“ hat 41 Prozent der Stimmen gewonnen, und damit gehören 90 der 217 Sitze der Konstitutionsversammlung dieser Partei. Die Partei „Kongress für die Republik“ kam mit 30 Sitzen bei den Wahlen auf den zweiten Platz. Nachdem der Vorsitzende der Al Nahda Partei Raschid Al- Ghanouschi den Sieg seiner Partei verkündet hatte, sagte er in einer Versammlung mit seinen Unterstützern, dass die tunesische Revolution so lange fortgesetzt werde, bis alle Forderungen des Volkes erfüllt wären. Er fügte hinzu, dass Tunesien frei und unabhängig sein und Aufschwung und Weiterentwicklung erleben soll.

     

    Die Al Nahda Partei ist von der früheren tunesischen Regierung über zwei Jahrzehnte lang stark unterdrückt worden. Ihre Mitglieder waren gefangen gesetzt oder ins Exil geschickt worden oder mussten sich versteckt halten. Die Partei hat den Islam zu ihrer Grundideologie gewählt, und unter Respektierung aller Gruppen ruft sie zu einem kompetenten System, das frei von lokaler Unterdrückung und fremder Abhängigkeit ist, auf.

     

    Al Nahda lädt jeden zur Aufstellung eines Volksgesetzes unter Respektnahme der Menschenrechte, Würde und Beachtung der politischen und kulturellen Vielfalt, die mit den islamischen Werten in Einklang gebracht werden kann, ein. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Islamanhänger die bevorstehenden Wahlen zur Bestimmung der Parlamentsmitglieder und der Exekutive gewinnen werden.

     

    In Anblick der Tatsache, dass die Al Nahda Partei die meisten Sitze in der Konstitutionsversammlung gewonnen hat, wird sie die Übergangsregierung in Tunesien bis zum Aufstellen einer neuen Konstitution bilden. Al Nahda hat den 62- jährigen Hamadi Al Jebali, die zweitwichtigste Person dieser Partei, zum Premierministerkandidaten ernannt. Während der Regentschaft des früheren despotischen Herrschers Zain- al- Abedin Ben Ali ist Al Jebali über 16 Jahre lang im Gefängnis gewesen, zehn Jahre davon in Einzelhaft.

     

    Gewisse Faktoren unterscheiden die tunesischen von anderen Wahlen. Erstens ist Tunesien der erste islamische Staat gewesen, in welchem das Volk revolutioniert und zügig den Diktator Ben Ali gestürzt hat. Zweitens sind die anderen islamischen Staaten wie Ägypten, Jemen, Bahrain und Libyen von der Welle des islamischen Erwachens in Tunesien mitgezogen worden, und nach kurzer Zeit setzten sie eine Revolution gegen ihre diktatorischen Herrscher in Gang. Bis jetzt haben sie die beiden Diktatoren in Ägypten und Libyen gestürzt. Es gibt unter den verschiedenen Experten und Analysten unterschiedliche Meinungen hinsichtlich der Natur der Aufstände und Revolutionen in den arabischen Muslimstaaten.

     

    Sind diese Aufstände bloß aufgrund wirtschaftlicher und sozialer Forderungen mit einigen Aspekten der Freiheitssuche im Stil der westlichen liberalen Demokratie angestiftet worden oder wurzeln sie in dem Bestreben muslimischer Nationen nach Rückkehr zu ihrer historischen Identität? Nach dem Aufkommen der Volksaufstände in Nordafrika und im Mittleren Osten hielten die westlichen Regime und ihre vom Staat geführten Medien diese Revolutionen nur für ein Ergebnis wirtschaftlichen Drucks und wirtschaftlicher Ungleichheit. Die westlichen Medien nennen die Aufstände der muslimischen Nationen im Mittleren Osten und Nordafrika „arabischer Frühling“.

     

    Indem die westlichen Regierungen die Revolutionen in Nordafrika und im Mittleren Osten als nichtideologisch schildern, versuchen sie diese zu verzerren und sekuläre Strömungen in diesen Ländern an die Macht zu bringen. Aber das Wahlergebnis in Tunesien war aus dieser Einschätzung ausgebrochen. Die tunesische Wahl ist eigentlich der Anfang der zweiten Entwicklungswelle nach dem Sturz der vom Westen unterstützten Diktatoren im Mittleren Osten. Die dritte Welle wird aus den Änderungen bestehen, welche den Ergebnissen der tunesischen Wahl in Form der Errichtung einer neuen Verfassung und neuer Strukturen nachfolgen werden. Vor elf Monaten wirkten die Flammen am Körper des jungen Tunesiers Mohammad Bu Azizi, der sich aus Protest in Brand gesetzt hatte, wie ein Funken im Pulverfass und lösten die Volksrevolution gegen die despotische Regierung Ben Alis aus. Die Ausweitung der Proteste führte schließlich zu der verächtlichen Flucht Ben Alis am 14. Januar.

     

    Die strukturellen, kulturellen und historischen Ähnlichkeiten unter den meisten der Staaten des Mittleren Ostens ermutigten die ägyptische Jugend, den lebenslangen Präsidenten des Landes, Husni Mubarak, zum Rücktritt zu zwingen. Muammar Gaddafi war der dritte Diktator gewesen, der aus seinem Palast floh und nach 42 Jahren despotischer Regentschaft getötet wurde.

     

    Wie bei der ersten Welle haben die Tunesier auch bei der zweiten Welle des islamischen Erwachens die Rolle der Pioniere inne. Sie haben in ihren ersten Wahlen sogar einen noch größeren Schritt vollzogen und zwar indem sie die Wahlen zur Verfassungsgebenden Versammlung den Parlamentswahlen vorgezogen haben, um damit den Boden für einige Gesetzesänderungen und das Schaffen eines Mechanismus zur Verhinderung der Machtergreifung eines Diktators zu ebnen. Der Sieg der Islamanhänger in Tunesien unter der Führung Raschid Al- Ghanouschis wird seine spezifischen Folgen haben. Die wichtigste davon ist die, dass die Bevölkerung ihren Wunsch nach freien Wahlen zeigt, um der Gesellschaft und ihren Gesetze islamischen Charakter zu geben. Diese Angelegenheit erhält dadurch noch mehr Schwung, wenn wir wahrnehmen, dass die Zahl tunesischer Intellektueller, Akademiker, Mittelständler sowie kulturelle und zivile Daten viel höher als in vielen anderen regionalen Staaten sind.

     

    In Hinsicht auf den Einfluss Ägyptens, Libyens und vieler anderer Länder nach der ersten Entwicklungswelle in Tunesien, ist es offensichtlich, dass die zweite Welle, d.h. der Sieg der Islamanhänger in Tunesien sehr wahrscheinlich auf diese beiden und andere Länder übergreifen wird. Die dritte Welle des islamischen Erwachens im Mittleren Osten wird unter den Umständen stattfinden, dass die siegreichen Gruppen, welche voraussichtlich hauptsächlich aus Islamanhängern oder zumindest den Islamanhängern Nahestehenden bestehen werden, dem Errichten islamischer Gesetze in ihren Ländern folgen. Bis jetzt haben die Tunesier demonstriert, dass sie dies möchten, und die Ägypter und Libyer haben ausdrücklich gezeigt, dass ihre zukünftigen Systeme auf dem islamischen Gesetz basieren sollen.

     

    Quelle: Taghrib.ir