islamic-sources

    1. Startseite

    2. article

    3. Der Weg zur Selbsterkenntnis

    Der Weg zur Selbsterkenntnis

    Rate this post

     

    Wie ist es nun möglich, das eigene Selbst zu entdecken und dadurch Allah (t.) zu erkennen? Was sind die Schritte, die ein Mensch machen muss, um sich selbst zu erkennen und wie spiegelt sich diese Erkenntnis wieder?

    1 Der erste Schritt

    Der erste Schritt besteht darin, dass der Mensch den Punkt und das Ende seiner Reise erkennen muss. Viele reine Qur’anverse bestätigen uns, dass sich der Mensch auf eine Reise befindet und dass er bald zum Ende dieser Reise kommen wird.

    يَاأَيُّهَا الإِنسَانُ إِنَّكَ كَادِح ٌ إِلَى رَبِّكَ كَدْحا ً فَمُلاَقِيهِ

    O Mensch, du mühst dich hart um deinen Herrn, so sollst du Ihm begegnen [1]

    Der Mensch muss erkennen, dass dieses Leben nur eine Reise ist und dass diese Reise mit der Begegnung Allahs (t.) enden wird.

    وَأَنَّ إِلَى رَبِّكَ الْمُنْتَهَى

    Und dass zu deinem Herrn die endgültige Heimkehr ist [2]

    أَلاَ إِلَى اللَّهِ تَصِيرُ الأُمُورُ

    zu Allah kehren alle Dinge zurück [3]

    إِنَّا لِلَّهِ وَإِنَّا إِلَيْهِ رَاجِعُونَ

    Wahrlich, Allahs sind wir und zu Ihm kehren wir heim [4]

    Diese und viele weitere Verse bestätigen, dass sich der Mensch auf einer Reise zu Allah (t.) befindet. Dies ist eine Tatsache, welche der heilige Qur’an unmissverständlich anspricht. Der Kernpunkt liegt jedoch darin, dass der Mensch sich bewusst machen muss, dass er sich auf dieser Reise befindet. Er muss aufmerksam werden und sich eingestehen, dass er zu Allah (t.) zurückkehren wird und dass dieses Leben nur eine Brücke und ein Weg ist, welche bei Allah (t.) endet.

    Ein Mensch mag sich auf einer Reise von Ort A nach Ort B befinden, jedoch merkt er nicht, dass er sich auf dieser Reise befindet. Er genießt den Weg und die Landschaft, ohne jedoch das Ziel im Auge zu haben. Er ist bezüglich seiner Reise unachtsam. Ein anderer Mensch reist ebenfalls von Ort A nach Ort B, ist sich jedoch bewusst, dass er auf einer Reise ist. Er schaut sich ebenfalls die Landschaft an und genießt den Weg, jedoch ist er sich stets bewusst, dass dieser Weg nur eine Reise zu einem Ziel ist und dass dort das Ende dieser Reise ist. Der Unterschied zwischen beiden Reisenden ist somit die Achtsamkeit und das Bewusstsein, dass man sich auf einer Reise befindet.

    Der erste Schritt, um sein eigenes Selbst zu erkennen, liegt somit darin, sich bewusst zu machen, dass man sich auf einer Reise zu Allah (t.) befindet und dass bei Ihm (t.) die endgültige Heimkehr ist.

    2 Der zweite Schritt

    Der zweite Schritt besteht darin, dass der Mensch erkennen muss, dass er die Abhängigkeit selbst ist und nicht etwas eigenständiges, was abhängig ist.

    Mulla Sadra [5] sagt diesbezüglich:

    „Wenn der Mensch etwas wäre, was abhängig ist und nicht die Abhängigkeit selbst, dann würde dies bedeuten, dass er eigenständig in seiner Existenz gegenüber Allah (t.) ist und dies ist nicht möglich.“

    Doch was bedeuten diese Worte? Um sie verständlicher zu machen, sei folgendes Beispiel gegeben.

    Wir schauen uns das Verhältnis zwischen dem Menschen und seinen Gedanken oder Emotionen an. Die Gedanken sind etwas, was der Mensch selbst erschafft, seine Emotionen sind etwas, was der Mensch selber erschafft. Das Verhältnis zwischen Mensch und Gedanke ist damit das Verhältnis zwischen Erschaffer und Erschaffenen, denn der Mensch erschafft seine eigenen Gedanken. Wenn der Mensch nun einen Gedanken hat, so fragen wir uns, ob dieser Gedanke etwas ist, was vom Menschen abhängig ist oder ist der Gedanke die Abhängigkeit selbst? Ist der Gedanke etwas, was eine Verbindung zum Menschen hat oder ist der Gedanke die Verbindung zum Menschen selbst? Es ist eindeutig, dass der Gedanke die Verbindung selbst zum Menschen ist, die Abhängigkeit selbst und nicht etwas Eigenständiges, was vom Menschen abhängig ist. Wie kann man sich dies vorstellen?

    Nehmen wir mal an, dass ein Mensch an einen Baum denkt. Der Mensch ist etwas und der real existierende Baum ist etwas. Meine Gedanken an diesen Baum ist nicht etwas eigenständiges, was mit mir verbunden ist, meine Gedanken sind nicht etwas, welche von mir abhängig sind, sondern sie sind die Verbindung selbst, sie sind die Abhängigkeit selbst. Meine Gedanken sind die Verbindung zwischen mir und dem real existierenden Baum, aber sie sind nichts Eigenständiges. Das folgende Schaubild soll dieses Beispiel veranschaulichen.

    index

    Wenn der Gedanke nun etwas ist, was die Abhängigkeit selbst ist, dann kann dieser Gedanke nicht eine Sekunde lang ohne mich existieren. Die Existenz dieses Gedankens kann nur durch mich verwirklicht werden und hätte keine eigenständige Existenz, denn der Gedanke ist die Abhängigkeit selbst. Der Gedanke kann sich nicht von mir lösen und ohne mich existieren, denn ich habe ihn erschaffen und seine Existenz ist an meine angeknüpft.

    يَاأَيُّهَا النَّاسُ أَنْتُمُ الْفُقَرَاءُ إِلَى اللَّهِ وَاللَّهُ هُوَ الْغَنِيُّ الْحَمِيد

    O ihr Menschen, ihr seid Allahs bedürftig, Allah aber ist der Sich Selbst Genügende, der Preiswürdige [6]

    Die zweite Stufe in der Erkenntnis des eigenen Selbst besteht darin, dass der Mensch erkennen muss, dass er die Abhängigkeit und die Bedürftigkeit selbst ist und nichts Eigenständiges. Der Mensch muss erkennen, dass er gemäß dem vorangegangenen Beispiel der „Gedanke“ ist, die Verbindung selbst und nicht etwas, was mit Allah (t.) verbunden ist. So wie das Verhältnis vom Menschen zu seinen Gedanken ist, so ist auch das Verhältnis zwischen Allah (t.) und dem Menschen und dies muss deutlich werden.

    Der Mensch ist nichts anderes als das Geschöpf Allahs (t.), nichts als die übermäßige Barmherzigkeit Allahs (t.). Damit ist der Mensch die Abhängigkeit selbst, die Verbindung selbst und nicht etwas, was mit Allah (t.) verbunden ist. Wenn der Mensch diese Stufe der Erkenntnis erlangt hat, dann sieht er sich als schwach gegenüber der absoluten Stärke, unwissend gegenüber dem absoluten Wissen, tot gegenüber dem absoluten Leben, begrenzt gegenüber dem Unbegrenzten. Damit ist der Mensch in sämtlichen Angelegenheiten bedürftig und abhängig und besitzt nichts aus sich selbst heraus, sodass seine Existenz an der Existenz des Herrn der Welten geknüpft ist.

    Erreicht der Mensch diese Stufe und diese Erkenntnisse und fühlt sie, so hat er den zweiten Schritt in der Erkenntnis des eigenen Selbst gemacht.

    3 Der dritte Schritt

    Der dritte Schritt in der Selbsterkenntnis besteht darin, dass der Mensch sein Selbst auf eine unmittelbare [7] Art und Weise entdeckt und nicht durch ein Bild oder eine Vorstellung. Das Wissen wird in zweierlei Gruppen unterteilt.

    Das mittelbare, erlernbare Wissen (العلم الحصولي)

    Das unmittelbare Wissen (العلم الحضوري)

    Was ist der Unterschied zwischen diesen beiden Punkten?

    Das mittelbare, erlernbare Wissen ist jenes Wissen, welches man durch ein Bild in den Gedanken erwirbt. Es ist das Wissen, was nicht durch seine Anwesenheit gewusst wird, sondern durch eine Vorstellung und ein Bild, welches man von diesem Wissen hat.

    Das unmittelbare Wissen ist jenes Wissen, was nicht durch ein Bild im Kopf entsteht, sondern durch die Anwesenheit selbst gewusst wird.

    In der Logiklehre (Mantiq) lesen wir folgende Definitionen für diese beiden Punkte:

    „Das mittelbare, erlernbare Wissen ist das Wissen, welches man durch ein Bild vermittelt bekommt, wobei das unmittelbare Wissen die Anwesenheit des Gewussten selbst ist.“

    Wie soll man sich dies vorstellen? Auch dazu soll folgendes Beispiel gegeben werden, damit deutlich wird, inwiefern man zwischen diese beiden Formen des Wissens unterscheidet.

    Ein Patient geht zu einem Arzt und berichtet ihm von seinen Schmerzen. Der Arzt untersucht seinen Patienten, macht Röntgenaufnahmen von ihm und sieht, dass sein rechter Fuß verstaucht ist. Der Patient weiß, dass er selbst Schmerzen hat und der Arzt weiß auch, dass sein Patient Schmerzen hat. Ist das Wissen des Arztes gleich dem Wissen des Patienten? Sicherlich nicht, denn der Patient ist derjenige, der diesen Schmerz spürt, der Schmerz ist bei ihm anwesend, wohingegen der Arzt vom Schmerz nur durch ein Bild und eine Vorstellung Bescheid weiß. Das Wissen des Arztes und des Patienten vom Schmerz unterscheidet sich also durch die Anwesenheit bzw. Abwesenheit des Schmerzens selbst. Das Wissen des Arztes vom Schmerz wird als das mittelbare Wissen bezeichnet, wohingegen das Wissen des Patienten vom Schmerz als unmittelbares Wissen bezeichnet wird.

    Genauso sind auch alle meine Gedanken, Emotionen und Stimmungen – alles was mich selbst betrifft fällt unter der Rubrik unmittelbares Wissen, denn ich weiß von meinen Emotionen nicht durch ein Bild, sondern durch meine Gefühle Bescheid. Ich weiß, dass ich traurig bin, weil ich die Trauer spüre und sie bei mir anwesend ist und nicht weil ich ein Bild bzw. eine Vorstellung von der Trauer habe. Die Trauer selbst ist bei mir vorhanden und deshalb ist es das unmittelbare Wissen. Dass der Himmel blau ist oder die Blätter des Baumes grün, ist ein Wissen, welches durch ein Bild oder eine Vorstellung in meinem Kopf gelangt und damit ist es ein mittelbares, erlernbares Wissen, denn es entsteht durch eine Vorstellung und ein Bild.

    Die Lehre des Irfān fordert, dass die Selbsterkenntnis nicht durch das mittelbare, erlernbare Wissen erfolgt, sondern durch das unmittelbare Wissen. Der Mensch muss sein Selbst und ihre Schwächen und Bedürftigkeit und Armut durch das unmittelbare Wissen kennen lernen, nicht durch ein Bild oder eine Vorstellung. Er muss die Schwäche und die Bedürftigkeit des eigenen Ichs fühlen, er muss selbst erkennen, dass er in jeglichen Angelegenheiten die Abhängigkeit und Bedürftigkeit selbst ist, denn nur dann kann eine wahrhaftige Selbsterkenntnis eintreten. Diese Bedürftigkeit und Hilflosigkeit macht der Fürst der Gläubigen (a.) deutlich, indem er sprach:

    „Was ist nur mit dem Sohn Adams und seinem Stolz? Sein Anfang ist ein (unreiner) Tropfen und sein Ende ist Gestank.“

    Aus welchem Grund soll ein Mensch stolz sein, obwohl doch sein Anfang nichts als ein unreiner Tropfen war und sein Ende ist nichts als Gestank? Diese und weitere Aussagen des Fürsten (a.) machen deutlich, dass der Mensch die Abhängigkeit und Armut selbst ist, der nichts aus sich besitzt sondern in einer vollkommenen Art und Weise von Allah (t.) abhängig ist.

    Wenn der Mensch nun diese Selbsterkenntnis auf Basis des unmittelbaren Wissens erlangt, so hat er auch Allah (t.) unmittelbar erkannt. Viele Menschen haben Allah (t.) nur durch ein Bild bzw. durch eine Vorstellung erkannt. Es ist richtig, dass dieses Bild und Vorstellung keine definierten Maße annimmt, aber wenn das Wort „Allah“ vor ihnen fällt, dann entspringt in ihrem Kopf eine bestimmte Vorstellung über Allah (t.). Manche denken dabei an Seine Macht, andere an Seine Gaben, wieder andere an Seine Barmherzigkeit etc. Diese Menschen haben Allah (t.) lediglich durch eine Vorstellung und ein Bild erkannt.

    Diejenigen aber, welche Allah (t.) durch das unmittelbare Wissen erkannt haben, indem sie ihr eigenes Selbst durch die Anwesenheit der Schwächen und Abhängigkeit erkannt haben, spüren eine gewisse Süße und Freude, wenn vor ihnen Allah (t.) gedacht wird. Es kommt keine Vorstellung oder Bild in ihren Gedanken, sondern sie fühlen die Süße des Gottesgedenkens in sich selbst, die Freude und Glückseligkeit des Gottesgedenkens ist bei ihnen anwesend und dies verursacht ein Gefühl des Wohlseins.

    أَلاَ بِذِكْرِ اللَّهِ تَطْمَئِنُّ الْقُلُوب

    Wahrlich, beim Gedenken Allahs ist’s, dass die Herzen Sicherheit finden [8]

    اللَّهُ نُورُ السَّمَاوَاتِ وَالأَرْضِ ۚ مَثَلُ نُورِه ِِ كَمِشْكَاة ٍ فِيهَا مِصْبَاح ٌ ۖ الْمِصْبَاحُ فِي زُجَاجَة ٍ ۖ الزُّجَاجَةُ كَأَنَّهَا كَوْكَب ٌ دُرِّيّ ٌ يُوقَدُ مِنْ شَجَرَة ٍ مُبَارَكَة ٍ زَيْتُونِة ٍ لاَ شَرْقِيَّة ٍ وَلاَ غَرْبِيَّة ٍ يَكَادُ زَيْتُهَا يُضِيءُ وَلَوْ لَمْ تَمْسَسْهُ نَار ٌ ۚ نُورٌ عَلَى نُور ٍ ۗ يَهْدِي اللَّهُ لِنُورِه ِِ مَنْ يَشَاءُ ۚ وَيَضْرِبُ اللَّهُ الأَمْثَالَ لِلنَّاسِ ۗ وَاللَّهُ بِكُلِّ شَيْءٍ عَلِيم

    Allah ist das Licht der Himmel und der Erde. Das Gleichnis Seines Lichts ist wie eine Nische, worin sich eine Lampe befindet. Die Lampe ist in einem Glas. Das Glas ist gleichsam ein glitzernder Stern – angezündet von einem gesegneten Baum, einem Ölbaum, weder vom Osten noch vom Westen, dessen Öl beinah leuchten würde, auch wenn das Feuer es nicht berührte. Licht über Licht. Allah leitet zu Seinem Licht, wen Er will. Und Allah prägt Gleichnisse für die Menschen, denn Allah kennt alle Dinge [9]

    Diejenigen Auserwählten, welche Allah (t.) zu Seinem Licht leitet, spüren durch die Anwesenheit dieses Licht und diese Glückseligkeit und Vollkommenheit.

    Der dritte Schritt der Selbsterkenntnis ist damit der Versuch, das eigene Selbst durch das unmittelbare Wissen zu erkennen und die Anwesenheit ihrer Schwächen und Bedürftigkeit zu spüren und nicht die Erkenntnis durch das mittelbare Wissen oder das Bild und die Vorstellung.

    4 Zusammenfassung

    Wer diese drei Schritte durchführt, der wird weit vorankommen hinsichtlich der Selbsterkenntnis und ihm werden viele Aspekte des Selbst offensichtlich werden. Der Mensch ist verpflichtet, sich selbst zu erkennen, denn mit der Selbsterkenntnis geht die Erkenntnis Allahs (t.) einher. Aus diesem Grund muss der Mensch so früh wie möglich damit beginnen, diese Anstrengungen auf sich zu nehmen.

    Der edle Gesandte Gottes Muhammad (s.) sagte:

    „Achte auf vier, bevor dich andere vier einholen.

    Deine Jugend vor deinem Alter

    Deine Gesundheit vor deiner Krankheit

    Dein Reichtum vor deiner Armut

    Dein Leben vor deinem Tod“

    Solange der Mensch noch jung, gesund und lebendig ist, kann er die Anstrengungen auf sich nehmen und sein Selbst erkennen.

    Die Schritte zur Selbsterkenntnis werden im Folgenden kurz zusammengefasst.

    1. Schritt: Man muss sich bewusst machen, dass man auf einer Reise ist, wobei das Ziel und die endgültige Heimkehr bei Allah (t.) liegt.

    2. Schritt: Die Erkenntnis gewinnen, dass man die Abhängigkeit, Verbindung und Bedürftigkeit selbst ist und nichts Eigenständiges, was durch die Abhängigkeit mit Allah (t.) verbunden ist.

    3. Schritt: Die Selbsterkenntnis durch die Anwesenheit der Schwäche und Armut des eigenen Selbst spüren, also mit dem unmittelbaren Wissen.

    يَاأَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا اتَّقُوا اللَّهَ وَلْتَنْظُرْ نَفْس ٌ مَا قَدَّمَتْ لِغَد ٍ وَاتَّقُوا

    O die ihr glaubt, fürchtet Allah; und eine jede Seele schaue nach dem, was sie für morgen vorausschickt [10]

    أَلَيْسَ الصُّبْحُ بِقَرِيب

    Ist denn der Morgen nicht nah?[11]

    Ein jeder muss sich für eine bestimmte Zeit frei machen und seine Seele und sein Selbst erkundschaften. Wer nicht an der Selbsterkenntnis arbeitet, der ist auch nicht imstande, Allah (t.) zu erkennen.

    وَلاَ تَكُونُوا كَالَّذِينَ نَسُوا اللَّهَ فَأَنْسَاهُمْ أَنْفُسَهُمْ

    Und seid nicht gleich jenen, die Allah vergaßen und die Er darum ihr eigenes Selbst vergessen ließ [12]

    Das Vergessen des eigenen Selbst geht mit dem Vergessen Allahs (t.) einher und wer Allah (t.) vergisst, der kann keine Gottesfurcht besitzen und wer keine Gottesfurcht besitzt, der sündigt permanent. In einer Überlieferung heißt es, dass der Gläubige anders ist als der Heuchler. Wenn der Heuchler sündigt, so ist die Sünde für ihn wie eine Fliege die vorbei fliegt. Er schenkt ihr keine Beachtung. Wenn der Gläubige jedoch sündigt, dann wiegt die Sünde für ihn schwerer auf seine Brust als ein Berg. Der Gläubige, welcher sündigt, merkt, dass er sein eigenes Selbst Unrecht getan hat und den Bezwinger des Himmels und der Erde erzürnt hat.

    Aus diesem Grund ist es notwendig, das eigene Selbst zu erziehen und zu kontrollieren.

    إِنَّ النَّفْسَ لَأَمَّارَة ٌ بِالسُّوءِ

    Wahrlich, das Selbst gebietet (oftmals) das Böse [13]

    Deshalb gilt es wachsam vor dem Selbst und den Gelüsten zu sein. Die Wachsamkeit muss zu jeder Zeit gegeben sein, denn die schadhaften Neigungen suchen sich den Zeitpunkt der Unachtsamkeit aus, um anzugreifen. Aus diesem Grund muss das Selbst gezügelt werden und diese Kontrolle kann durch folgende Schritte erfolgen.

    [1] Der heilige Qur’an: Sure 84, Vers 6

    [2] Der heilige Qur’an: Sure 53, Vers 42

    [3] Der heilige Qur’an: Sure 42, Vers 53

    [4] Der heilige Qur’an: Sure 2, Vers 156

    [5] Muĥammad Ibn Ibrahim al-Schirazi (979 – 1050), bekannt als „Mulla Sadra“, zählt zu den größten Philosophen des 11. Jahrhunderts. Zu seinen bekanntesten Werken zählt „al-Ĥikma al-Muta`āliya fi-al-Asfār al-`Arba`ā“, „Tafsir al- Qur’an al-Kareem“ und „Scharĥ Usool al-Kāfi“

    [6] Der heilige Qur’an: Sure 35, Vers 15

    [7] Das Wort „unmittelbar“ wird in diesem Kontext wie folgt verwendet: „Unmittelbar“ bedeutet in diesem Fall, dass kein Mittel verwendet wird, um das eigene Selbst zu entdecken. Dieses Wissen und die Erkenntnis des Selbst müssen aus dem eigenen Ich entspringen und dies möchte das Wort „unmittelbar“ ausdrücken, nämlich dass kein Mittel (für die Selbsterkenntnis) genutzt wird.

    [8] Der heilige Qur’an: Sure 13, Vers 28

    [9] Der heilige Qur’an: Sure 24, Vers 35

    [10]Der heilige Qur’an: Sure 59, Vers 18

    [11] Der heilige Qur’an: Sure 11, Vers 81

    [12] Der heilige Qur’an: Sure 59, Vers 19

    [13] Der heilige Qur’an: Sure 12, Vers 53

    **********

    Quelle: http://www.alhaydari.de/irfan/einblick-in-den-irfan/117-3-der-weg-zur-selbsterkenntnis.html

    Schlagwörter: , ,