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    Die Arten der menschlichen Liebe

    Die Arten der menschlichen Liebe
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    Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen.

     

    Aller Lobpreis gebührt Gott, dem Erhabenen, dem Herrn aller Welten. Wir danken Ihm für Seine Gnade und Seine Gaben und bitten Ihn um Hilfe und Rechtleitung in allem, was wir tun, und hoffen, dass Er uns in Seine Gunst aufnimmt. Sein Frieden und Segen seien mit unserem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm), seinen reinen Nachkommen (Friede sei mit ihnen) und seinen rechtschaffenen Gefährten. O Diener Gottes, ich rate mir selbst und Ihnen allen zur Ehrfurcht vor Gott und zum Gehorsam gegenüber Seinen Geboten.

     

    Liebe bedeutet eine Zuneigung zu den Dingen, die man als Genuss wahrnimmt, während Hass eine Abneigung gegen die Dinge ist, die man als schmerzhaft, mühsam oder schwierig empfindet.[1] Mulla Sadra definiert sie wie folgt: „Liebe ist, wenn man Freude über Dinge empfindet, die mit der eigenen Natur vereinbar sind – gleich ob es sich dabei um vernünftige, spürbare, wahre oder imaginäre Dinge handelt.“

     

    Liebe ist erst dann vorstellbar, wenn man Kenntnis über etwas gewonnen hat. Erst nachdem man etwas oder jemanden kennt, kann man eine Zuneigung für es oder ihn entwickeln. Leblosen Dingen kann dieses Gefühl daher nicht zugeschrieben werden, weil sie über keine Wahrnehmung oder Kenntnis verfügen. Die Fähigkeit, zu lieben, ist eine Eigenheit eines Lebewesens, dass über Verstand verfügt. In diesem Sinne wurde von Imam as-Sadiq (a.s.) überliefert:

    „Die Liebe wird von der Kenntnis abgezweigt.“[2]

     

    Die Wahrheit ist also, dass die Kenntnis über die Dinge die Wurzel für die Zu- oder Abneigung des Menschen zu bzw. gegen diese Dinge darstellt; er neigt zu etwas, wenn es für ihn von Vorteil und Nutzen ist, und scheut keine Anstrengung, es zu erreichen.

     

    Es gibt drei Arten der Liebe: Die natürliche oder sinnliche Liebe, die imaginäre Liebe und die vernünftige Liebe. Die sinnliche Liebe ist ein Zustand, der mittels Wahrnehmung der menschlichen Sinne entsteht, und die aus diesem Grund in fünf Arten unterteilt wird:

     

    1. Die sinnliche Liebe des Sehvermögens:

    Damit ist die Art von Liebe gemeint, die z. B. beim Anblick schöner, strahlender Gesichter, von Flüsse und Grünflächen beobachtet wird. Man empfindet Genuss, wenn man sich diese Dinge ansieht.

     

    2. Die sinnliche Liebe des Hörvermögens:

    Der Mensch reagiert vergnüglich auf schöne Gesänge und Lieder.

     

    3. Die sinnliche Liebe des Riechvermögens:

    Angenehme Düfte oder der Geruch aromatischer feiner Brisen, lösen positive Gefühle aus.

     

    4. Die sinnliche Liebe des Geschmacksvermögens:

    Diese empfindet man z. B. beim Genuss eines köstlichen Essens.

     

    5. Die sinnliche Liebe des Tastvermögens:

    Das Ertasten von Blütenblättern mit den Fingern kann z. B. positive Gefühle auslösen.

     

    Die imaginäre Liebe entsteht durch primitive Wahrnehmungen wie z. B. Macht oder Wollust. Dieses Gefühl ist stärker als die menschlichen Sinne und bringt gesteigertes Vergnügen, was dazu führt, dass der Mensch um ihrer Erlangung willen zum Verzicht auf einige sinnliche Genüsse bereit ist.[3]

     

    Die vernünftige Liebe entspringt der menschlichen Vernunft und bringt den Menschen dazu, seine wahre Stelle als Mensch zu finden und seine Zuneigung zu anderen Menschen oder Dingen an wahren Kriterien und Maßstäben auszurichten. Beispiele dafür sind die Zuneigung zu einem Lehrer, einem Führer und Leiter. Diese Liebe ist beständig, denn sie entspringt geistlichen und spirituellen Dingen und basiert nicht auf primitiven oder oberflächlichen Reizen. Mäßigt man seine Sinne und seine Fantasie mittels seines Verstands, verleiht man seinen Taten eine andere Farbe und gestaltet sie fester, vollständiger, würdiger und wertvoller. Sollten die Taten des Menschen aber nicht der direkten Kontrolle des Verstands unterliegen und eher den Dingen gleichen, die er zur Erfüllung seiner primitiveren Bedürfnisse tut, wie z. B. Essen, Trinken und dgl., verliert er seinen Stellenwert.[4]

     

    Die Menschen sollten also für ihre Liebe den richtigen Pfad erkennen und diesem Gefühl eine Richtung verleihen, statt sich in Einbildung und Selbstvergessenheit zu stürzen und von ihrem menschlichen und göttlichen Pfad abkommen, indem sie sich mit vergänglichen Dingen beschäftigen. Und der Friede und die Gnade Gottes und Seine Segnungen seien mit euch.

     

     

    Anmerkungen:

    [1] Imam Muhammad Gazzali, Ihya‘ ulum-ud-din (Die Wiederbelebung der religiösen Wissenschaften), Bd. 4, S 275.

    [2] Misbahu-l-scharia, 1. Kapitel.

    [3] Ihya‘ ulum-ud-din, Bd. 4, S. 275; Asfar, Bd. 7, S. 167, Ibn Sina, Abhandlung über die Liebe, S. 9-24.

    [4] Asfar, Bd. 7, S. 167.

     

     

    Quelle: www.myquran.de