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    Die Bedeutung von Niyyat

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    Die Absicht etwas zu tun, bezeichnet man mit „Niyyat“. Niyyat ist also eine Angelegenheit des Herzens. Die Niyyat bestimmt über die Qualität der Handlungen.Das Wort Niyyat ist von dem arabischen Wort Nawi abgeleitet, welches Dattelkern bedeutet.

     
    Die Absicht zu einer Handlung wird deshalb Niyyat genannt, weil sie im Inneren bereits vorhanden ist, noch bevor die Handlung vorgenommen wurde. In Wahrheit sind die Gedanken und Absichten im Geist des Menschen der verborgene Kern der Handlungen.

     

    Niyyat ist also das Motiv, welches im Geist des Menschen entsteht und in seiner Brust verborgen ist, so wie der Kern in der Dattel verborgen liegt.

     

    Niyyat nimmt in der Islamischen Kultur einen hohen Rang ein, denn jede Tat wird anhand der Absicht, der Niyyat, bewertet. Gott belohnt gemäß der Absicht, aufgrund derer jemand eine Handlung vornimmt.

    Man kann also nicht von einem Gott-Dienen reden, ohne die innere Absicht zu beachten.

     

    In der Islamischen Kultur wird die Niyyat sogar noch wichtiger als die Handlung selber bezeichnet, denn es ist die Niyyat, die einer Handlung einen Sinn gibt und sie wertvoll oder wertlos macht.

     

    Nach außen hin scheinen Handlungen sich zu ähneln, aber durch die Niyyat sind sie in Wirklichkeit sehr unterschiedlich zu bewerten, und manchmal wird sogar ein gutes Handeln wegen einer schlechten Absicht zu etwas Schlechtem.

    In einem Hadith hat der Erhabene Prophet gesagt: „Der Wert von Handlungen liegt an der Absicht, die damit verbunden ist. Jeder wird entsprechend seiner Niyyat (Absicht) etwas erhalten.“

     

    Wenn also eine wohlhabende Person einen Teil ihres Reichtums für wohltätige Zwecke wie den Bau von Schulen, Krankenhäusern usw. hergibt, aber dies nur tut, um Lob zu ernten, ist er durch das Lob der anderen belohnt worden. Aber gemäß islamischen Denken wird er für diese Tat, welche nicht mit der Absicht, Gott zufrieden zustellen, geschah, im Jenseits nicht belohnt werden. Er hat ja auch nur den diesseitigen Lohn gewollt.

     

    Einmal schickte der Prophet (s) eine Gruppe unter Befehlshabung von Hasrat-e Ali in den Kampf. Da sagte einer der Kämpfer zu seinem Bruder: „Komm, lass uns an diesem Kampf teilnehmen. Vielleicht bekommen wir einen Sklaven oder ein Pferd (als Kriegsbeute) ab. „ Der Prophet Gottes (s) erfuhr davon. Da sagte er:

     

    „Die Art des Handelns eines Menschen hängt von der Absicht ab. Jeder wird das Ergebnis seiner Absicht erhalten. Wer ausschließlich wegen der Zufriedenheit Gottes gegen den Feind kämpft, dessen Lohn ist bei Gott. Aber wenn er für weltliche Dinge kämpft und er an ein Pferd oder ein Stück Boden gelangen will, dann werden ihm nur diese Dinge zuteil, und er wird keinen Lohn bei Gott erhalten!“

     

    Wenn der Mensch keine lautere Absicht hegt, werden seine Taten schlecht und hässlich und wenn seine Absicht ehrlich und rein ist, so führt dies zu Segen und würdigen Handlungen.

    Ein Wasserspeicher versorgt alle Orte mit Wasser. Sollte er verschmutzt sein, liefert er nur ungesundes Wasser an die Menschen und macht sie krank.

     

    Falls er jedoch rein und sauber bleibt, gibt er gutes Wasser an sie alle ab, das ihnen Leben spendet.

    Glücklich ist also jemand, der sich innerlich rein hält und in dessen Inneren eine Niyyat existiert, die zur Quelle von guten Dingen und Werten wird.

     

    Eine gute Absicht wirkt sich bereits im Leben aus. Sie verhilft dem Menschen zum Wohl und zur Vervollkommnung. Imam Ali a.s. sagt:

    „Jeder, dessen Absicht gut ist, dem wird der Erfolg weiterhelfen.“

     

    Wir sollten also, um im Leben erfolgreich zu sein, gute und rechtschaffene Absichten besitzen, damit es sich positiv auf unser weltliches Leben auswirkt und zugleich die Verheißung des Propheten Gottes (s) wahr wird, der gesagt hat: „Die gute Absicht bringt ihren Besitzer ins Paradies.

     

    Der Islam gibt dem Menschen viele gute Ratschläge, wie er seine Absicht gut werden lassen kann. Zum Beispiel muss laut islamischer Lehre das tägliche Gebetsritual auf einer aufrichtigen Absicht beruhend durchgeführt werden. Der Mensch soll in der ungetrübten Absicht das Gebetsritual verrichten, mit Gott eng in Verbindung zu treten. Wenn er diese Niyyat vergisst, ist sein Gebet ungültig.

     

    Die allgemeine Anweisung im Zusammenhang mit der wichtigsten täglichen gottesdienstlichen Handlung spielt eine große Rolle bei der Läuterung der Nijjat, der Absicht. Wir sehen daran, dass die Lauterkeit der Absicht, das höchste aller göttlichen Gebote ist . Fehlt sie, gerät der Mensch auf den Irrweg und verfällt der Götzenanbetung.

     

    Die Läuterung der Absicht bedeutet mit anderen Worten, eine Läuterung von Herz und Geist und die Hervorrufung einer fruchtbaren Reinheit im Inneren. Durch diese Läuterung, werden auch die Handlungen lichterfüllt. Sie ermöglicht dem Menschen, aufgrund einer unversehrten lauteren Absicht entschlossen und leicht den rechten Weg zu gehen.

     

    Ist aber die Absicht und Motivation verschmutzt, wird dies automatisch negative Folgen haben und den Menschen vom geraden Weg abhalten und auf den Irrweg schicken. Denn er besitzt dann keinen starken Rückhalt mehr, mit dem er unproblematisch den ebenen Weg gehen.

     

    Der Koran bringt zahlreiche interessante und anschauliche Beispiele für eine aufrichtige Absicht und das Gegenteil, nämlich die Heuchelei. Es heißt im Vers 265 der Sure 2 :

    „(Und die Taten von ) jene(n), die ihr Gut hingeben im Trachten nach Allahs Wohlgefallen und zur Stärkung ihrer Seelen, sind gleich einem Garten auf erhöhtem Grund. Platzregen fällt darauf (und er erhält genug Sonnenlicht und frische Luft) , und er bringt doppelt soviel Früchte hervor .“

     

    Demgegenüber wird im Vers 264 die unreine Absicht und geheucheltes Tun mit einem Stein verglichen, auf dem eine dünne Schicht Erde liegt und auf den Saat fällt. Aber wenn es regnet werden Erde und Saatkörner weggewaschen und es wächst natürlich nichts auf diesem Stein.

    Mit diesem Gleichnissen macht Gott deutlich, dass nur eine Handlung, die mit einer reinen unversehrten Absicht einhergeht, ein Resultat haben wird.

     

    Imam Resa a.s. hat laut einer Überlieferung gesagt:

    „Am Tag des Jüngsten Gerichtes wird einigen ihr Brief der Taten gebracht, während sie darin gute Werke stehen sehen, die sie nicht durchgeführt haben. Da fragen sie Gott: `O Gott, bei Deiner Größe, Du weißt, dass wir diese Werke nicht durchgeführt haben!`

     

    Und Gott spricht: `Es stimmt was ihr sagt, (aber) ihr hattet vor, diese Taten zu vollbringen und Wir haben sie (deshalb) in eurem Brief der Taten aufgeschrieben. Auf euch trifft also die Belohnung für sie zu.“

     

    Wenn Menschen handeln wollen, sind ihnen örtliche und zeitliche Schranken auferlegt und daher können sie eine Reihe von Handlungen gar nicht vornehmen.

    Zum Beispiel haben viele Gläubige nicht zur Zeit des Propheten Gottes gelebt und konnten ihn deshalb nicht persönlich unterstützen, aber sie wünschten, sie wären dabei gewesen und hätten es tun können. Für diesen guten Willen können sie belohnt werden. Dem menschlichen Handeln sind in Wahrheit Grenzen auferlegt, aber seiner Absicht nicht.

     

    Die Absicht des Menschen hat also eine derartige Reichweite, dass sie der reellen Durchführung guter Taten gleichkommen kann. Das bedeutet, dass der Mensch für diese guten Handlungen belohnt wird, ohne dass er sie wirklich durchführen konnte. Gott ist so großzügig, dass er die Reichweite der inneren Absicht über das Ausmaß der guten Taten, die dem Menschen wirklich möglich waren, hinausgehen lässt.

     

    Einer der Gefährten, Imam Alis a.s. , der an seiner Seite am Kampf gegen die Feinde teilgenommen hatte, sagte zu ihm: „Es wäre schön gewesen, wenn auch mein Bruder an diesem Gefecht teilgenommen, euren Sieg erlebt und den Lohn für die Teilnahme an diesem Kampf erhalten hätte. „Da fragte Imam Ali ihn: „War dein Bruder denn hinsichtlich seiner Motivation und seines Denkens auf meiner Seite?“ Da sagte der andere: „Ja.“

     

    Imam Ali a.s. erklärte daraufhin: „Dann ist er also in diesem Kampf mit uns zusammen gewesen und hat teilgenommen.“ Dann fügte Imam Ali a.s. noch hinzu: „ Selbst diejenigen, die erst später geboren werden und hinsichtlich Ansicht und Absicht in diesem Gefecht wie wir denken werden, sind auf unserer Seite.“

     

    Die lautere Absicht ist also derartig wertvoll und schicksalhaft. Sie ist Quelle des Segens und glänzender Resultate. In Wahrheit kann der Mensch durch Läuterung seines Denkens und durch Kampf gegen die Nafs-e Ammareh, jenen Teil seiner Seele nämlich, der das Schlechte befiehlt, einen geläuterten inneren Zustand erreichen. Diese innere Reinheit lässt dann eine unversehrte Niyyat entstehen, die dem Menschen viel Gutes beschert.

     

    Quelle: http://german.irib.ir/radioislam/beitr%C3%A4ge/verschiedenes/item/249775-die-bedeutung-von-niyyat