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    Die ersten Verse des Quran, eine schwere Last für den Propheten

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    Die ersten Verse des Quran, eine schwere Last für den Propheten
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    Gut.Wie viele wissen, begann die Berufung des Propheten mit der Offenbarung der ersten Verse aus dem Quran: „Lies im Namen deines Herren, der erschuf“ (Quran, 96:1). Es wird berichtet, dass Muhammad diese Verse durch den Engel Gabriel in der Höhle des Berges Hira überbracht wurden, am Rande der Stadt Mekka. Dorthin hatte sich Muhammad wie schon viele Male zuvor zurückgezogen, um zu meditieren, verstört vom rücksichtslosen Lebenshunger seiner Mitmenschen und nach mehr als nur dem Offensichtlichen suchend. Doch nachdem er diesmal diese ersten Verse des Qurans empfing, konnte er nicht länger in der Höhle verweilen. Er rannte hinaus, den Berg hinunter und flüchtete vor etwas, was ihm noch ungeheuer, beängstigend und unglaublich vorkommen musste.

     

    Auf dem steinigen Weg den Berg hinab, sah er den Engel Gabriel am Horizont und hörte seine Stimme: „O Muhammad, du bist der Gesandte Gottes und ich bin Gabriel“. Der Prophet wandte sich ab und schaute in die andere Richtung, doch wohin er auch sah, begegnete ihm am Horizont Gabriel in Engelsgestalt und sprach: „O Muhammad, du bist der Gesandte Gottes und ich bin Gabriel“. Er rannte nach Hause zu seiner Frau: „Bedecke mich! Bedecke mich!“ Sein Herz klopfte und sein Körper fröstelte. Er wusste nicht, was er im ersten Moment denken sollte: Hatte er den Verstand verloren? War er besessen? Doch schon bald folgte die Antwort in einer neuerlichen Offenbarung: „Nun. Bei der Feder und dem, was sie schreiben. Du bist nicht, dank der Gnade deines Herrn, besessen! Und siehe, dir wurde unerschöpflicher Lohn zuteil. Und siehe du bist von großartigem Charakter“ (Quran, 69:1-4).

     

    Doch so unvorhergesehen wie diese ersten Verse zu ihm kamen, so abrupt endeten sie scheinbar auch wieder. Es gibt unterschiedliche Aussagen wie viel Zeit zwischen diesen Versen und der Wiederholung und Bestätigung seiner Berufung durch neue Verse des Qurans lagen, ein paar Monate, zwei Jahre. Eines scheint jedoch sicher: Es war für Muhammad eine lange Zeit und er begann zu zweifeln. Er hatte den ersten Schock überwunden und war nun bereit für seine Aufgabe, doch schon bald überkam ihn das Gefühl, dass er von Gott alleine gelassen wurde. Es war still um ihn herum, kein Mensch vermochte diese Stille zu füllen und keine unerschütterliche Zuversicht sie zu durchbrechen. Was müssen ihm dabei für Gedanken durch Kopf gegangen sein. Hatte ihn Gott wirklich alleine gelassen? Hatte er irgendetwas getan, was seinen Zorn, seine Abscheu gegen ihn schürte? War er doch nicht gut genug, den Menschen diese Botschaft zu überbringen? Manche berichten sogar, dass er in seinem Leben keinen Sinn mehr sah, dass er daran dachte sich von einem Berg herabzustürzen. Muhammad kehrte zurück zur Höhle und versank in Gebeten. Er wandte sich mit all seinen Zweifeln und seinem Geist Gott zu und flehte ihn an, ihn aus dieser Ungewissheit zu befreien.

     

    Niemand weiß, wie oft er sich in die Einsamkeit zurückgezogen hatte, doch eines Tages empfing er die folgenden Verse, die wie Balsam für seine Seele gewesen sein müssen: „Bei der Morgenhelle und der Nacht, wenn sie still ist. Dein Herr hat dich weder verlassen noch hasst er dich. Und das Jenseits ist wahrlich besser für dich als das Diesseits. Und dein Herr wird dir wahrlich geben und dann wirst du zufrieden sein. Fand er dich nicht als Waise und nahm dich auf? Und fand dich nicht irrend und leitete dich? Und fand dich nicht arm und machte dich reich? Drum was die Waise anbelangt, unterdrücke sie nicht, und was den Bettler angeht, verstoße ihn nicht und was deines Herren Gnade anbelangt, verkünde sie“ (Quran 93:1-11).

    Gut. Wer war also nun der Prophet?

    Ich muss zugeben, ich weiß es immer noch nicht wirklich. Ich kann nicht vollständig beschreiben, wer er war, nicht nach diesen drei Beispielen. Ich kann nicht das komplette Bild zeichnen, das jedem den Aha-Effekte brächte. Aber ich kann mein bisheriges Bild darüber, wer er gewesen sein soll um einen Teil ergänzen: Er war mehr. Er war mehr als nur – und ich gebe zu das klingt seltsam – der perfekte Ehemann und Vater und er war mehr als nur der perfekte Lehrer, er war vor allen Dingen Mensch. Dies mag für jeden Muslim einfach klingen, wo doch Muhammad selbst immer wieder davor gewarnt hat, aus ihm mehr als das zu machen. Der Quran betont ebenfalls immer wieder, das Muhammad nur ein Mensch sei; ein Mensch, der wie jeder andere auf den Markt geht und Speisen zu sich nimmt (Quran 25:7ff).

     

    Also ist die Frage zulässig: Wo liegt die besondere Erkenntnis? Es wird immer wieder betont, dass er mit einem reinen Wesen gesegnet war, frei von Böswilligkeit und Schlechtem. Aber er war auch ein Mensch, nicht nur pro forma, sondern auch faktisch ein Mensch, der den körperlichen, geistigen und seelischen Beschränkungen, Einengungen und Zwängen des Menschseins unterworfen war. Aus dieser Identität konnte er sich nur durch ein Wunder befreien und Naturwunder als Teil seines Prophetentums waren bekanntlich die Ausnahme. Jeder hat mal diese Zwänge des Menschseins erlebt, man strebt nach etwas, man möchte etwas erreichen aber man stößt an seine Grenzen. Manchmal sind diese Grenzen scheinbar, sie sind nicht wirklich, man könnte sie überwinden durch größeren Einsatz durch mehr Anstrengung durch bessere Bedingungen. Manchmal sind diese Grenzen aber auch nicht beeinflussbar, nicht von uns, nicht von anderen.

     

    In solchen Momenten zweifelt man und möchte manchmal verzweifeln. In solchen Momenten wird man sich seines Menschseins am stärksten bewusst. Genau diese Momente hat auch der Prophet erlebt. Und genau das ist etwas, was ich bisher nur schwerlich in den Betrachtungen darüber, wer der Prophet gewesen sein soll, entdecken konnte. Er war ein Mensch, der mit diesem Leben und seinen Aufgaben immer wieder kämpfte, immer wieder an ihnen zu verzweifeln drohte und sich immer wieder aufrappeln und zu Gott wenden musste. Genau wie ich. Das weiß ich nicht, davon bin ich überzeugt.

    *“Gottes Friede und Segen sei auf ihm“
    Dies sagen Muslime stets bei der Erwähnung des Propheten Muhammad.