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    Die genialen Kräfte und die Einheit in der Islamischen Welt

    • Sepehr Nikgohar
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    Die genialen Kräfte und die Einheit in der Islamischen Welt
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    Die Islamische Welt bietet kulturell kein einheitliches Bild. Sie bezieht auf der einen Seite südostasiatische Länder und sogar Länder in Ostasien mit ein und andererseits gehören Teile der Kulturen in Südspanien zu ihr. Außerdem fallen auch nordafrikanische und mittelasiatischen Länder sowie Indien und Pakistan neben den wichtigsten Kulturen des Mittleren Osten darunter.

     

    Diese geografische Vielfalt hat eine große Vielfalt hinsichtlich der Kultur in diesen Ländern herrschen lassen. Der Islam hat in einer Zeit ein beachtliches Wachstum fortgesetzt, in der alle Kulturen auf der Welt unter dem Einfluss von zwei oder drei höheren Kulturen standen. Auf der einen Seite existierte die griechische Kultur, welcher sich viele geistig und sprachlich zugewandt hatten, die aber auch im Römischen Reich auffallend lebendig wahr. Auf der anderen Seite gab es die iranische Kultur, die einen wichtigen Teil der Welt beeinflusste. Dazu reihte sich die östliche Zivilisation, die vom Schintoismus , Buddhismus und der Philosophie des Konfuzius geprägt war.

     

    Der Islam hat mit seiner Menschen veredelnden Lehre diese Kulturen betreten, doch war der Einfluss, den er hinterließ und die Verbindung, die zwischen diese Lehren und den einheimischen Kulturen entstand, bei jeder Zivilisation und Kultur anders. Somit entwickelte sich, als der Islam im Iran eintraf, der iranische Islam, der bald zur Schia wurde. Die Mystik, die im Süden des Ostens und im Fernen Osten existiert, wird von den religiösen Lehren dieses Gebietes beeinflusst.

     

    Einige Forscher, die sich mit der Geschichte des Islams beschäftigt haben, sind der festen Ansicht, dass einer der Gründe für die Entfaltung des Islams in den ersten zwei bis drei Jahrhunderten nach der Hidschra (7. bis 10. Jahrhundert n. Chr.) auf die Vielfalt zurückgeht, die in diesen Kulturen herrschte.

     

    Die Kunst des Islams bestand darin, dass er den Bewertungsmaßstab für Annahme bzw. Zurückweisung einer Lehre, nicht mit der Zugehörigkeit dieser Lehre zu einem bestimmten Gebiet oder einer bestimmten Zivilisation formulierte, sondern vielmehr die Wahrheit als den Maßstab für eine Annahme ins Auge fasste. Deshalb sind wir Zeuge, dass inmitten der Islamischen Zivilisation viel von den Erkenntnissen, die anderen Zivilisationen angehörten, akzeptiert wurde und man auch Gelehrte, die Christen , Juden oder Zarathustrier waren, achtete.

     

    Eines der wichtigsten Phänomene, welches diese Suche nach der Wahrheit sehr gut verdeutlicht, besteht darin, dass die Muslime der Philosophie der Griechen Beachtung geschenkt haben. Sie haben der Philosophie der Griechen nicht den Rücken zugekehrt, weil dieses Wissen zu einem bestimmten geografischen Gebiet gehörte, sondern sie haben sich ihm mit offenem Geist zugewandt und versucht, gestützt auf sie, für ihre eigenen Überzeugungen eine feste Grundlage zu bilden. Hierbei diente lediglich die Rationalität oder Nicht-Rationalität als Maßstab. In diesem System hat sich sowohl das Denken der Mutazilah entwickelt, welche, sich auf die Ratio stützend, die Gesamtsichtweise der Religion und der Rationalität forderten, ebenso wie die Aschariyah, welche gegenüber den Befehlen und dem Wort Gottes der Rationalität jede Rolle absprachen. Und genau hierbei entwickelte sich das Dar al Hikma (das Haus der Weisheit), welches als Manifestation eines zwischenreligiösen, außerreligiösen und zwischenkulturellen Dialoges betrachtet wird und in dem alle Kulturen ihre Vertreter hatten.

     

    Einige Denker sind der Meinung: Wenn die Islamische Welt wieder einen geeigneten Stand wie ihre Position in den ersten zwei drei Jahrhunderten nach der Hidschra erreichen will, muss sie das damals ins Auge gefasste Modell verwirklichen und in diesem Zusammenhang auch die neuen Erfordernisse mit berücksichtigen.

     

    Zweifelsohne konnte die Wissensordnung jener Zeit in der Islamischen Welt eine Antwort auf die anfallenden Fragen liefern. Aber wie wir sehen, existierte eine Form der Rationalität, welche wie der Rahmen für Entwicklungen in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur fungierte.

     

    Diese Ordnung ist nach einiger Zeit aus verschiedenen Gründen unter anderem wegen Fehlens des nötigen Entwicklungsehrgeizes in der Islamischen Welt verblasst und hatte nur noch wenig Wirkung. Als die Islamische Zivilisation und Islamische Welt dem modernen Westen begegnete, präsentierte sich das Maximum dieser Wirkungsschwachheit und die Muslime haben in diesem neuen Umfeld nicht die Macht und den Mut gehabt, auf die Entwicklungen im Westen eine Reaktion zu zeigen.

     

    Grundsätzlich fragt sich im Zusammenhang mit der Rekonstruierung des Wissens- und Kulturmodells zur Zeit der Islamischen Zivilisation, mit welchen Mechanismen diese Rekonstruktion vonstatten gehen soll und welche Rolle das Wissen der Menschen im Westen dabei übernimmt. Wir wiederholen, dass wir gewiss bei dieser Rekonstruktion die Rolle der Zeit und der neuen Erfordernisse ins Auge fassen und auf der anderen Seite die rationalistischen Bewegungen, die in dieser Ordnung existiert haben, mehr beachten sollten.

     

    Aus der Sicht einiger moderner Religionsautoren, gibt es für die Islamische Welt nur einen Weg, und der besteht darin, dass wir die rationalistischen Bewegungen in der Islamischen Welt, welche in den Ansichten von Denkern wie Ibn Sina (Avicenna), Ibn Roschd (Averroes) und Chadscheh Nasir verankert sind, wiederbeleben.

     

    Auch kann die freie Atmosphäre der Islamischen Zivilisation jener Ära die genialen Kräfte der neuen Ära in der Islamischen Welt inspirieren, wobei eine ihr ähnliche Atmosphäre , die den Bedingungen der Zeit angepasst ist, erforderlich wird. Zweifelsohne können Vereinigung und der Zusammenhalt nur in einem von Freiheit und Sicherheit für Psyche und Geist begleiteten Klima zustande kommen, deshalb bedarf das politische Klima in einigen islamischen Ländern der Herstellung eines Gleichgewichtes.

     

    Bei den Punkten, auf die wir hinwiesen, wurde die Rolle beachtet, welche die Elitekräfte und die Denker hinsichtlich der Vereinigung und des Zusammenhaltes in der Islamischen Welt spielen. Sie können über die herausragenden Denker der Islamischen Frühzeit sprechen und deren Gedanken als Grundlage für die Vereinigung heranziehen, den einzelnen in den verschiedenen Gesellschaften die Tiefe des Islamischen Denkens und der Islamischen Zivilisation bewusst machen und auf diese Weise die Furcht vor den Fremden und die Selbstentfremdung verhindern. Sie können die Hervorhebung der Gemeinsamkeiten zwischen den verschiedenen Kulturen in der Islamischen Welt hervorheben und die Uneinigkeiten tilgen und schließlich können sie aufgrund ihres möglichen Einflusses auf Politiker und staatliche Amtsträger diese zur Herstellung von Strukturen und Einrichtungen veranlassen, welche intensiver zur Zunahme der Islamischen Einheit beitragen.

     

    Diese wichtigen Anliegen werden nicht verwirklichbar, es sei denn wir begegnen genialen Kräften und Spezialisten, die sich mit folgenden beiden Waffen ausrüsten: Zum einen, dass sie ihre Sunnah und Religion genau kennen und in ihrer Sprache und ihren Grundlagen bewandert sind und zweitens, dass sie den Westen und seine Bedingungen kennen.

     

    Das soll jedoch nicht bedeuten, dass sie das gesamte Wissen der Sunnah und des Modernismus besitzen müssen. Jedoch ist die Bekanntschaft mit den modernen und traditionellen Quellen und den Verbindungsmöglichkeiten zwischen ihnen eines der wichtigsten Dinge, die sie benötigen. Dies gilt nicht nur für die Experten der Islamischen Welt. Selbst die westliche Zivilisation, die die Übergangsepoche vom Modernismus zum Postmodernismus erfährt, benötigt geniale Kräfte, welche die modernen und traditionellen Inhalte gut kennen. In diesem Zusammenhang ist allerdings die Bekanntschaft der Islamischen Denker mit den Entwicklungen zu Beginn der Islamischen Welt ein Erfordernis und die Beachtung der rationalistischen Bewegung ist dabei von größter Vorrangigkeit.