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    Die Glaubenslehre des Islam (1)

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    Im Laufe der Geschichte des Islams stimmten die Muslime in aller Welt, trotz einiger Unterschiede und Verschiedenheiten in den wesentlichen Glaubensfragen, in vielen sekundären praktischen Fragen überein. Einerseits haben der Koran und der hohe Charakter des geehrten Propheten und andererseits die herzliche Zuneigung und Ergebenheit für beide, die Muslime vereinigt und sie zu einer Einheit mit eigener Identität, eigenem Schicksal, Ziel und Erbe gemacht. Die Gegner des Islams, die bestrebt sind, den Islam zu vernichten sowie auch die Probleme der jeweiligen Zeit, hatten für das Erwachen und die Intensivierung der Einheit und Bruderschaft unter den Muslimen eine große Bedeutung. Die Einladung des Korans und des Propheten zu Einheit und Bruderschaft wurde schon immer von den großen Gelehrten der verschiedenen islamischen Glaubensrichtungen betont.

     

    Alle Muslime glauben an den einen einzigen Gott, alle bisher gesandten Propheten und im Speziellen an die Mission des Propheten Mohammad (s.a.a.s), welcher der letzte gottgesandte Prophet ist, an den Tag der Auferstehung und das Jüngste Gericht für alle Menschen. Dieses sind die wichtigsten Glaubensgrundsätze des Islams, an die alle Muslime glauben. Die Ansicht eines nichtmuslimischen Beobachters über die Einheit zwischen den Sunniten und Schiiten, wird in dem folgenden Satz zum Ausdruck gebracht:

     

    Seit der Islamischen Revolution im Iran, wissen alle, dass die Schiiten Muslime sind und wie die Sunniten an einen einzigen Gott, den Koran, den Propheten Mohammad (s.a.a.s.), den Tag der Auferstehung und das Jüngste Gericht glauben, sowie gleiche Pflichten haben, wie die täglichen Gebete, das Fasten, die Pilgerfahrt nach Mekka, die Almosensteuer und den Jihad (den Kampf auf dem Wege Gottes). Diese Gemeinsamkeiten sind wichtiger als die Verschiedenheiten. Zum Beispiel gibt es heute aus theologischer Sicht kein Problem, wenn ein Schiite an einem sunnitischen Gemeinschaftsgebet teilnimmt oder umgekehrt, obwohl es viele Schwierigkeiten in der Vergangenheit gab und auch heute noch gibt.26

     

    Nun wollen wir zunächst die Grundsätze des Islams untersuchen und danach einige Glaubensansichten der Schiiten betrachten.

     

    Die Glaubensgrundsätze

     

    1- DIE EINHEIT GOTTES / TAWĤID

     

    Es gibt keinen Gott außer Allah und Mohammad ist sein Prophet – La illaha illallah Mohammad rasulullah-. Jeder, der diese beiden Sätze sagt, wird als Muslim bezeichnet. Alle Muslime glauben daran, dass Gott einzig und allein ist; er hat keinen Partner, kein Kind und keine Frau. Er ist der Erste, der Letzte und der Immerwährende. Er ist allwissend, allmächtig und allgegenwärtig. Dem Koran zufolge ist Gott dem Menschen näher als des Menschen Halsschlagader. Er ist mit den Augen nicht sichtbar, und der menschliche Verstand kann ihn nicht begreifen. Imam Ali (a.s.) sagt zu Gott in einem seiner Gebete:

     

    „O Gott ! Ich bitte Dich bei Deinen Namen Allah, der Barmherzige, der Gnädige. O Du, der Gewaltige, der über sich selbst stehende und Du der Ewige, es gibt keinen Gott außer Dir.“

     

    2- DIE GÖTTLICHE GERECHTIGKEIT

     

    Neben der Einheit Gottes, legen die Schiiten bei den Eigenschaften Gottes besonderen Nachdruck auf die göttliche Gerechtigkeit. Natürlich glauben alle Muslime daran, dass Gott gerecht ist und keinem seiner Geschöpfe Unrecht zufügt. Diese Wahrheit wurde deutlich im Heiligen Koran erwähnt, wie z.B.

     

    „dass Gott nicht gewohnt ist, den Menschen Unrecht zu tun.“ (3:182, 8:51, 22:10)

     

    „Gott ist nicht gewohnt, den Menschen Unrecht zu tun.“ (41:46)

     

    „Gott tut (bei der Vergeltung im Jenseits) nicht im Gewicht eines Stäubchens (den Menschen) Unrecht.“ (4:40)

     

    „Gott begeht keinen Frevel gegen die Menschen. Diese begehen Frevel vielmehr gegen sich selbst.“ (10:44)

     

    Außer der Bedeutung des Wesens Gottes, ist für die Betonung der göttlichen Gerechtigkeit durch die Schiiten auch folgendes wichtig: eine Gruppe der sunnitischen Theoretiker glauben daran, dass es keine objektiven und unabhängigen Prinzipien für die guten oder schlechten moralischen Handlungen gibt. Nach ihrer Ansicht gilt das als gut, was Gott tut oder befiehlt. Nach dieser Meinung ist alles, was Gott tut oder befiehlt, gut und gerecht. Sie glauben daran, dass wenn Gott von uns verlangt zu lügen, dann ist Lügen gut. Und wenn Gott Fromme und Gläubige in die Hölle schickt, dann ist das gerecht. Natürlich glauben sie daran, dass uns Gott zur Wahrhaftigkeit einlädt und die Frommen nicht in die Hölle schickt. Und zwar aus dem Grund, dass es so Gottes Entscheidung ist und wenn er auch anders entscheidet, auch das gerecht ist.

     

    Diese Gruppe sunnitischer Theoretiker nennt man „Aschae’re“. Sie glauben daran, dass die Menschen nicht frei sind und, dass alles, was sie tun, in Wirklichkeit Gott tut und sie keine Rolle dabei spielen. Sie sind nur das Mittel, mit Hilfe dessen Gott seine Handlungen ausführt.

     

    Die Schiiten und einige andere Gruppen sunnitischer Theoretiker, wie z.B. die „Mo’tazeleh“, glauben daran, dass gut oder schlecht und gerecht oder ungerecht, objektiv sind und es vernünftige Prinzipien für das moralische Urteil gibt. Mit anderen Worten glauben sie an das wirklich Gute und Schlechte. Sie glauben daran, dass in Wirklichkeit ein Unterschied zwischen Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit besteht und Gott uns nicht unbegründet befiehlt gut zu sein und von uns auch nicht fordert, unseren Feinden Unrecht zuzufügen. Sie glauben im Gegensatz zu den „Aschae’reh“ daran, dass die Menschen frei und für ihre Handlungen verantwortlich sind. Natürlich glauben die „Mo’tazeleh“ an „Tafwiď“, d.h., sie glauben daran, dass Gott den Menschen, trotz seiner Herrschaft und Macht erlaube, selbst frei über ihre Handlungen zu entscheiden, aber ihre Freiheit und Macht beschränkt sei. Ihre Handlungen und Freiheiten stünden immer unter der Herrschaft und Macht Gottes. Dies wird deutlich in der bekannten Aussage von Imam Sadeq (a.s.):

     

    „Weder der Zwang noch die Freiheit, sondern zwischen diesen beiden.“

     

    Unter Beachtung der Bedeutung dieser Tatsache für jede gültige Ordnung, legen die Schiiten besonderen Nachdruck auf die göttliche Gerechtigkeit und stellen diese, neben der Einheit Gottes, dem Prophetentum und dem Tag der Auferstehung, an die alle Muslime und auch die Anhänger der anderen himmlischen Religionen glauben, als islamischen Glaubensgrundsatz vor. Die göttliche Gerechtigkeit ist nicht nur ein theoretischer Aspekt, sondern für die Schiiten ist sie ein Glaubensgrundsatz des Islams. Sie glauben daran, dass das Gerechtigkeitsprinzip in der Gesellschaft auch ausgeführt werden soll. Aus diesem Grunde gab es im Laufe der Geschichte des schiitischen Islams viele gerechtigkeitsuchende Bewegungen.

     

    3- DAS PROPHETENTUM

     

    Gott hat die Menschen weise und zielbewusst erschaffen, so steht es sinngemäß in Sure 51,Vers 56. Gott gab den Menschen die Vernunft und die Freiheit, damit sie selbst ihren Weg zu Glück und Vollkommenheit wählen. Er vervollkommnete die menschliche Vernunft mit Hilfe göttlicher Offenbarung. Aufgrund seiner Gerechtigkeit und Weisheit lässt er kein Volk ohne Führer. Er hat zu allen Völkern Propheten gesandt, die Menschen zu lehren und zu leiten. So steht es sinngemäß in Sure 10, Vers 47 und auch in Sure 16, Vers 36.

     

    Der erste der Propheten war Adam und der letzte ist Mohammad (s.a.a.s.), das Siegel der Propheten (33:40). Im Heiligen Koran werden die Namen von insgesamt 25 Propheten genannt, aber es wird auch erwähnt, dass deren Anzahl viel höher ist (40:78). Gemäß der Überlieferungen (Ahadith) glauben die Muslime daran, dass 124 000 Propheten durch Gott den Menschen gesandt wurden. Die im Heiligen Koran erwähnten Propheten sind unter anderem Adam, Noah , Abraham, Ismael, Isaak, Jakob, Josef, Lot, Hiob, Moses, Aaron, Hesekiel, David, Salomon, Zacharias, Johannes, Jesus, Mohammad. Unter diesen Propheten hatten Noah, Abraham, Moses, Jesus und Mohammad eine universelle Mission und jeder von ihnen brachte eine neue Religion, in ihrer Zeit. Diese fünf Propheten nennt man „Ulo Al-‚Aazm“, d.h., die mit einer großen Bestimmung.

     

    Im Koran werden, außer dem Koran selbst, die Namen von vier anderen himmlischen Büchern genannt, diese sind: Die Schrift von Abraham (Sahifeh) (87:19); die Psalmen von David (4:163 und 17:55); die Thora von Moses (2:87 und 3:3 u. 4, 6:91 u. 154); Das Evangelium von Jesus (5:46)

     

    Jeder Muslim soll an alle genannten himmlischen Bücher (2:4 u. 285) und alle Propheten (4:152) glauben. Wie wir später sehen werden, glauben die Schiiten daran, dass alle Propheten vor und während ihrer Missionen unfehlbar und frei von Sünde waren.

     

    Die Schiiten, sowie auch die anderen Muslime, glauben an die ewige Mission des Propheten des Islams, Hadrat-e Mohammad (s.a.a.s.) und lieben ihn von ganzem Herzen. Nach ihrer Meinung ist Hadrat-e Mohammad (s.a.a.s.) das vollkommene Beispiel im Vertrauen auf Gott, in der tiefen Kenntnis Gottes, in der Gottergebenheit, der treuen Gehorsamkeit in Gottes Willen, des edlen Charakters und in der Barmherzigkeit gegenüber allen Menschen. Die Wahl Mohammads als Prophet für die Mitteilung der letzten und vollkommensten Botschaft Gottes, ist nicht zufällig. Um eine göttliche Offenbarung zu erhalten, und mit Gott sprechen zu können, braucht es natürlich einer besonderen Fähigkeit und Kapazität. Und um die vollkommenste Offenbarung Gottes zu erhalten, braucht es noch vollkommenerer Fähigkeit und Kapazität.

     

    Die Persönlichkeit des Propheten und sein Verhalten spielten eine bedeutende Rolle bei der Entwicklung des Islams. Die Menschen kannten ihn von seiner Kindheit an als eine zuverlässige, treue und fromme Person. Während seiner gesamten Prophetschaft lebte er gemäß der islamischen Prinzipien und Werte. Zu allen Zeiten, in schwierigen wie auch leichten Situationen, in Sicherheit oder bei Bedrohung, im Krieg oder Frieden, bei Sieg oder Niederlage, war der geehrte Prophet immer das beste Vorbild in Demut, Gerechtigkeit, Ruhe und Zuversicht. Der geehrte Prophet war so demütig und ergeben, dass er nie hochmütig oder egoistisch über sich selbst sprach und er sich nicht für besser als andere hielt, und nie prachtvoll lebte.

     

    Er verhielt sich immer gleich, egal ob er alleine und schwach war, oder aber die ganze arabische Halbinsel beherrschte und die Muslime ihm von Herzen gern folgten und jeden Tropfen Wasser seiner rituellen Waschungen für heilig hielten. Er lebte schlicht und einfach und verbrachte die meiste Zeit mit den Armen. Er besaß keinen Palast oder Gerichtshof und keine Leibgarde beschützte ihn. Wenn er mit seinen Freunden und Begleitern zusammensaß, konnte ein Neuankömmling an Kleidung oder Sitzstellung nicht erkennen, wer von ihnen der Prophet ist. Nur seine Worte und sein hoher geistiger Charakter unterschieden ihn von den anderen.

     

    Er handelte so gerecht, dass er niemandem, auch nicht seinen Feinden, Unrecht zufügte. Er zeigte die Botschaft des Heiligen Koran praktisch in seinem Leben:

     

    „O die ihr glaubt! Seid standhaft in Allahs Sache, bezeugend in Gerechtigkeit! Und die Feindseligkeit eines Volkes soll euch nicht verleiten, anders denn gerecht zu handeln. Seid gerecht, das ist näher der Gottesfurcht. Und fürchtet Allah; wahrlich, Allah ist kundig eures Tuns.“ (5:8)

     

    Vor den Kriegen befahl der Prophet seinen Soldaten, dass sie den Kindern, Frauen und Alten und auch denjenigen, die sich ergeben, kein Leid und den Höfen, Ländereien und Gärten keinen Schaden zuzufügen, die Fliehenden nicht zu verfolgen und die Gefangenen gütig zu behandeln.

     

    Kurz vor seinem Tod ging der Prophet zur Moschee und verlangte von den Leuten, dass jeder, dem er zu Dank verpflichtet ist, oder jeder, dem er Unrecht zugefügt hatte, zu ihm komme und sein Recht verlangen solle. Die Muslime wurden betrübt und weinten, denn sie erinnerten sich an all die Dienste, die der Prophet ihnen erwiesen hatte und an alle aufopfernden Bemühungen, die er nur für die Führung der Muslime auf sich nahm. Sie wussten, dass der Prophet niemals seine eigenen Wünsche in den Vordergrund stellte und nie seiner Ruhe und Bequemlichkeit den Vorzug gab. Deshalb begannen alle Muslime in der Moschee, ihm zu danken.

     

    Aber ein Mann unter ihnen stand auf und sagte, dass der Prophet ihm etwas schulde. Nach seinen Worten habe der Prophet vor einem der Kriege, als er die Reihen der muslimischen Soldaten ordnete, ihn, diesen Mann, mit seinem Stock gestossen. Nun verlangte er Vergeltung. Ohne weitere Fragen sagte der Prophet zu einem seiner Begleiter, er möge diesen Stock aus seinem Hause holen. Dann gab der Prophet dem Mann den Stock, damit er sich am Propheten räche. Der Mann sagte, dass der Stock die Haut seines Bauches gestossen habe. Daraufhin zog der Prophet seine Kleidung vom Bauch weg, damit der Mann sich genauso an ihm rächen könne. Die anwesenden Muslime sahen beunruhigt diesen wundersamen Vorfall. Aber plötzlich beugte sich der Mann auf seine Knie und küsste den Bauch des Propheten. Möglicherweise wollte dieser Mann dem geehrten Propheten damit nur seine Liebe und seinen Respekt zeigen.