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    Die Interpretation des Qur’an mit dem Qur’an (Teil 3): Praktische Umsetzungen anhand der reinen Überlieferungen

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    Die reinen Überlieferungen bieten viele praktische Beispiele, wo der heilige Qur’ān sich selbst interpretiert, sodass man daraufhin zu einem Ergebnis kam.

     

    Es wird berichtet, dass zu `Umar Ibn al-Khaţāb eine Frau gebracht wurde, welche nach sechs Monaten ein Kind zur Welt brachte. Da befahl `Umar die Steinigung der Frau. Ali Ibn Abi Tālib (a.) wurde darüber informiert und er sagte: „Die Steinigung ist nicht auf sie anzuwenden.“ Diese Nachricht wurde `Umar übermittelt und er bat um eine Erklärung. Da sagte Ali (a.): „Allah (t.) sagt im heiligen Qur’ān: „Und (die geschiedenen) Mütter sollen ihre Kinder zwei volle Jahre säugen, so jemand will, die Säugung vollständig zu machen [1]“ und Er (t.) sagt: „Und ihn zu tragen und ihn zu entwöhnen erfordert dreißig Monate [2]“. Sechs Monate hat sie ihn getragen und 2 Jahre soll sie ihn stillen. Ihr obliegt keine Strafe und keine Steinigung.“ Aus diesem Grund wurde sie verschont.[3]

     

    Zurqān (möglicherweise ist es Muĥammad Ibn `Abdallah Ibn Sufyān, welcher als Zurqān al-Zayyāt bekannt ist), der Gefährte von Ibn Abi Dawūd, sprach: „Einst kam Ibn Abi Dawūd betrübt von al-Mu`taşim zurück und ich befragte ihn nach dem Grund (seiner Betrübtheit). Er sagte: „Ich wünschte ich wäre vor 20 Jahren gestorben.“ Ich fragte: „Wieso denn das?“ Er antwortete: „Abi Ja`far Muĥammad Ibn Ali Ibn Mūssa (a.) war heute beim Fürst der Gläubigen al-Mu`taşim.“ Ich fragte weiter: „Was ist geschehen?“ Abi Dawūd sprach: „Ein Dieb bezichtigte sich selbst des Diebstahls und bat den Khalifen al-Mu`taşim darum, ihn durch die gerechte Strafe zu reinigen. Deshalb versammelte der Khalif die Rechtsgelehrten in seinem Anwesen und darunter war Muĥammad Ibn Ali (Imām al-Dschawād).

     

    Es kam die Frage auf, an welcher Stelle die Hand abzuhacken sei. Ich sagte: „Vom Handgelenkt ist sie abzuhacken.“ Ich wurde nach meinem Beweis gefragt und ich sagte: „Die Hand besteht aus den Fingern und die Handfläche bis zum Handgelenk, denn Allah (t.) sagt: „dann nehmt reinen Sand und reibt euch damit Gesicht und Hände [4]“. Eine Gemeinschaft der Anwesenden stimmte mit mir überein. Andere wiederrum sagten: „Der Schnitt muss vom Ellenbogen ausgeführt werden.“ Auch sie wurden nach ihrem Beweis gefragt und sie antworteten: „Allah (t.) sagt: „und eure Hände bis zu den Ellbogen [5]“ und dies beweist, dass die Strafe ab dem Ellenbogen auszuführen ist.“

     

    Da wandte er (al-Mu`taşim) sich zu Muĥammad Ibn Ali und sagte: „Was sagst du darüber, o Aba Ja`far?“ Er (a.) sagte: „Das Volk sprach in dieser Angelegenheit.“ Al-Mu`taşim entgegnete: „Lass mich mit dem, worüber sie sich streiten – was sagst du darüber?“ Er antwortete: „Entschuldige mich davon (zu antworten).“ Al-Mu`taşim lies nicht ab und sagte: „Ich beschwöre dich bei Allah, dass du mir deine Meinung sagst.“ Daraufhin sagte er (a.): „Wenn du mich bei Allah beschwörst, so will ich dir sagen, dass sie (allesamt) die Sunnah (Verfahrensweise des Propheten) falsch ausgelegt haben. Der Schnitt ist ab den Fingeransätzen zu tätigen und die Handfläche ist zu verschonen.“

     

    Daraufhin wurde er gefragt, was sein Beweis dafür ist. Er (a.) antwortete: „Das Wort des Gesandten Gottes (s.) als er sagte: „Die Niederwerfung wird auf sieben Gliedmaßen verrichtet: das Gesicht, die beiden Hände, die beiden Knie und die beiden Füße.“ Wenn ihr die Hände vom Handgelenk oder Ellenbogen abhackt, so hat er daraufhin keine Hände mehr, auf denen er die Niederwerfung vollziehen kann. Allah (t.) sagt jedoch im heiligen Buch: „Alle Stätten der Anbetung sind Allahs [6]“ und damit meint Er (t.) diese sieben Gliedmaßen, mit denen die Niederwerfung vollzogen wird. „So rufet niemanden an neben Allah“ und was Allah (t.) gehört, das wird nicht abgehackt.“ Da war al-Mu`taşim beeindruckt und befahl, die Hand ab den Fingeransätzen abzuhacken und die Handfläche zu verschonen.“ Ibn Abi Dawūd sagte daraufhin: „Ich wünschte, ich wäre niemals geboren worden [7].“[8]

     

    Von Zurara und Muĥammad Ibn Muslim wird berichtet, dass sie sagten: „Wir fragten Imām Abu Ja`far al-Bāqer (a.): „Was sagst du über das Gebet auf Reisen? Wie wird sie verrichtet und wie ist ihre Anzahl?“ Er (a.) antwortete: „Allah (t.) sagt: „Und wenn ihr durch das Land zieht, dann soll es keine Sünde für euch sein, wenn ihr das Gebet verkürzt [9]“ und so ward die Verkürzung des Gebets auf Reisen zu einer Pflicht, genauso wie die Vollständigkeit des Gebets Zuhause verpflichtend ist.“ Sie antworteten: „Aber Allah (t.) sagt: „dann soll es keine Sünde für euch sein“ und Er (t.) sagte nicht, dass es verpflichtend ist.“ Der Imām (a.) entgegnete: „Sagte Allah (t.) bezüglich der Şafa und Marwa nicht: „Şafa und Marwa gehören zu den Zeichen Allahs. Darum ist es keine Sünde für den, der nach dem Hause (Gottes) pilgert oder die Umra vollzieht, wenn er zwischen den beiden hin – und herläuft [10]“? Das Laufen zwischen den beiden ist verpflichtend, denn Allah (t.) erwähnte dies in Seinem Buch und der Gesandte Gottes (s.) vollzog es. Genauso ist das Verkürzen des Gebets auf Reisen etwas, was der Gesandte Gottes (s.) tat und es wird im heiligen Buch erwähnt.“[11]

     

    Diese Überlieferung macht deutlich, wie der Imām (a.) einen Vers des Qur’ān auf einen anderen Vers auslegte und damit die Wahrheit extrahierte. Das bedeutet, dass die Methodik den Qur’ān mit dem Qur’ān zu interpretieren bereits zu den Zeiten der Imāme existiert hat und die richtige Verfahrensweise ist, das heilige Buch Allahs zu verstehen.

     

     

     

    وَآخِرُ دَعْوَانا أَنِ الْحَمْدُ لِلَّهِ رَبِّ الْعَالَمِينَ

     Der letzte Ruf gebührt dem Dank Allahs, dem Herrn der Welten

     

     

    [1] Der heilige Qur’ān: Sure 2, Vers 233

    [2] Der heilige Qur’ān: Sure 46, Vers 15

    [3] Allamah al-Madschlisi: „Biĥār al-Anwār“, Band 40, S. 180, „die Geschichte des Fürsten der Gläubigen“, Bāb 93, Hadithnummer 61

    [4] Der heilige Qur’ān: Sure 4, Vers 43

    [5] Der heilige Qur’ān: Sure 5, Vers 6

    [6] Der heilige Qur’ān: Sure 72, Vers 18

    [7] Diese Aussage tätigte Ibn Abi Dawūd als Zeichen seines Unmutes und weil er offensichtlich ein falsches Rechtsurteil fällte und damit vor dem Khalifen vorgeführt wurde.

    [8] „Tafsir al-`Ayāschi“, Band 2, S. 46

    [9] Der heilige Qur’ān: Sure 4, Vers 101

    [10] Der heilige Qur’ān: Sure 2, Vers 158

    [11] Al-Faqih al-Muĥadith al-Schaykh Muĥammad Ibn Al-Ĥassan al-Ĥurr al-`Āmeli: „Wasa’el al-Shi`a ila taĥseel Masa’el al-Schari`a“, verst. 1104 n.d.H., Band 8, S. 517, „das Buch des Gebets“, Bāb 22, Hadithnummer 2

     

     

    Quelle: http://www.alhaydari.de