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    Die kulturelle Einheit der Islamischen Welt

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    In der Arabischen und Islamischen Welt existieren zahlreiche Faktoren, die Anziehungskraft ausüben, aber auch solche, die eine gegenteilige Wirkung haben.

     

    Wenn das Zentrum erstarkt, versammelt es auch die Randgebiete in Afrika und Asien um sich. Wird es jedoch schwächer, nimmt die Peripherie Abstand auf und wird nicht mehr vom Kern angezogen werden. In der aktuellen Situation, in der die Gefahr besteht, dass die Arabische Welt und die Islamische Umma aufgrund der Volkszugehörigkeit -Araber, Berber, Kurden, Turkmenen, Afrikaner- in kleinere Länder aufgeteilt wird oder aufgrund der Religionen eine Aufteilung in sunnitische und schiitische; islamische und koptische Länder erfährt, erfolgt eine historische Suche nach der Einheit und zwar im Rahmen der Kultur. Vielleicht kann heute die Kultur Abhilfe schaffen.

     

    Die heutige Welt ist eine Welt, in der sich nicht nur die traditionellen Mächte wie Europa zusammengetan haben. Diese Welt hat sich auch unter der Bezeichnung „Globalisierung“ und unter dem Aufhänger „Weltdorf“, der Kommunikationsrevolution, dem „Ende der Geschichte“ und der „unipolaren Welt“ und dem „Krieg zwischen den Zivilisationen“ vereint; ein Krieg, bei dem nur die Zivilisation siegt, welche über die anderen Zivilisationen zu stehen kommt.

     

    Die regionale Zusammenarbeit auf der Ebene von bilateralen Abkommen oder regionalen Kooperationsräten bzw. Koordinationsausschüssen zwischen Nachbarn und sogar zwischen regionalen Organen wie die Arabische Liga und die an sie angeschlossenen Organisationen sowie die Organisation für Islamische Zusammenarbeit (ehemals Organisation für Islamischen Konferenz) ist wichtig. Aber ihr Wirkungskreis ist begrenzt. Diese Wirkungen und Handlungen erfolgen zwischen den Regierungen und die Völker haben nicht daran teil.

     

    Die Namensliste derjenigen, die nicht in arabische Länder einreisen dürfen, wird immer länger, und das Verhalten arabischer Regierungen zu Staatsangehörigen anderer arabischer Länder immer schlechter. Dies geht sogar so weit, dass Beziehungen abgebrochen und Grenzen geschlossen werden und es führt zu Kriegen innerhalb der Arabischen Welt zwischen zwei Nachbarn oder gegenseitiger Grenzverletzung. Der arabische Militärpakt zur gemeinsamen Verteidigung scheint ebenso völlig sinnlos zu sein. Die Angriffe Israels auf Palästina nehmen seit Jahren immer weiter zu und Amerika konnte den Irak angreifen.

     

    Anscheinend können politische, wirtschaftliche und militärische Wege nur sehr wenig zur Lösung des Problems beitragen. Es verbleiben nur noch das Gewissen, die Geschichte, die Kultur und die gemeinsamen Sorgen sowie die Hoffnung auf eine entfernte Zukunft. Die Nation wird vielleicht im militärischen Bereich scheitern und in der Wirtschaft und Politik schwach werden. Aber im Bereich der Kultur und Literatur steht sie aufrecht und sie bringt in der Poesie und in der geschriebenen Kunst und sogar in anderen Künsten wie der darstellenden Neues hervor.

     

    Überall in der Arabischen und Islamischen Welt gibt es historische Ursprungsorte und denselben theoretischen Rahmen und gemeinsame geschichtliche Maßstäbe. Ihr Beginn liegt bei dem Beginn des Islams und seiner Ausbreitung. Auch geht die Aufgliederung der Geschichte der Länder in Epochen nach dem Kalifat der Raschidin-Kalifen (Abu Bakr, Uthman, Umar und Ali (a.s.)), entsprechend der Herrschaft der Umayyaden, Abbasiden und Osmanen, der Fatimiden und Ayyubiden in Ägypten und Sanhadscha und Meriniden im arabischen Maghreb, auf denselben Ursprung zurück und dies ist ebenso von der Islamischen Zivilisation in ihrer goldenen Ära bis zu Ibn Chaldun und der Abfassung von Kommentaren und Übersichten nach ihm bis zu der Epoche der religiösen Reform und des Sieges der Arabischen Bewegung vor 200 Jahren und danach die heutigen Epochen, in der die Reformen in die Sackgasse gerieten und die Bewegung kein Ergebnis brachte, der Fall. Nun haben Bemühungen für eine erneute religiöse Reform begonnen; Bemühungen um eine neue Arabische Bewegung für Inangriffnahme des Reformprojektes und Dynamik und Fortsetzung der Ersten Revolution für die Befreiung der Heimat, die Freiheit des Volkes und soziale Gerechtigkeit und die Erreichung einer einzigen Nation und eigenen Fortschritts; zur Erreichung der Identität und Mobilisierung von Millionen.

     

    Noch werden alle von der Geschichte der Helden inspiriert. Von den Prophetengefährten und Anführern der Siege im Osten und den Helden des Nordens wie Chalid Ibn Walid in Damaskus und Tariq Ibn Ziyad im Westen, der Afrika hinter sich ließ und Europa erreichte. Wenn es um Schwächen und Härten, Erniedrigung und Kapitulation gegenüber Unrecht und Herabwürdigung geht, erinnern sich die Menschen an Saladin.

     

    Alle fragen nach dem Jetzt und dem Morgen der Arabischen Welt. Die Antwort liegt eher in der Betrachtung der Vergangenheit als in der Analyse der Gegenwart oder dem Blick in die Zukunft. Die Vergangenheit ist mehr als die Gegenwart zugegen. Und die Zukunft liegt in der Hand Gottes, der diese Umma und ihren Namen bewahrt hat. Sie ist das beste Glaubensvolk. Die Botschaft Gottes wurde an ihr vollendet und das Prophetentum verwirklicht. Die gemeinsame Geschichte ist nicht nur durch Erinnerung an Ereignisse und die gemeinsamen Ursprünge ins Leben zurückzurufen, sondern es ist auf die wichtigen Grundfesten der gemeinsamen Kultur, die sich vor den Gefahren der Spaltung schützt, zu achten. Die Islamischen Denk- und Rechtsschulen sind weit verstreut: Sunniten und Schiiten, Ibaditen und Drusen und die Ahmaditen in Afrika, die Imamiten und Ismailiten in Asien. Und im Westen der Islamischen Gebiete gibt es religionsrechtliche Schulen mit verschiedenen Bezeichnungen: die malikitische Rechtsschule im arabischen Maghreb, die schafiitische in Ägypten und die hanifidische in Irak sowie die Mahdiyya in Sudan.

     

    Die muslimischen Gelehrten sind Araber und Nicht-Araber. Al-Kandi war Araber, Farabi Türke und Ibne Sina (Avicenna) und Razi (Rhazes) waren Iraner. Der Sufismus und die sufistische Lehre haben ebenso die Umma vereint. Abu Al Abbas Al Mursi und Al-Badawi haben eine Brücke zur Einheit zwischen der Bevölkerung in Ägypten und im Maghreb geschlagen und Abd al Ghani Nablusi stellte diese Verbindung zwischen den Menschen in Syrien und Ägypten sowie Naqschbandi zwischen den Menschen in der Türkei und Mittelasien her, ebenso wie die Lehre von Molavi Iran und den Westen und Tijaniyah Amir Ghaniyah und die Mahdiyya Sudan mit Afrika verband. Die Kreise der gemeinsamen Gott-Erinnerung vereinen nach der Spaltung und der Besatzung von Gebieten und der Schwächung ihrer Bevölkerung überall Geist und Seele der Umma. Und die Hadithwissenschaften, der Koran, die Überlieferung, die Exegese, die Biografie des Propheten und das religiöse Rechtswissenschaft ist als religiöse Kultur in allen Bibliotheken, Moscheen und in den Lehrplänen vorhanden. Auch werden die rationalen und die reinen Naturwissenschaften als eine Ehre der Islamischen Umma genannt: Razi und Al Chwarazmi und Ibn Hayyan aus dem Reich der Perser und Hassan Ibn Al Haitham von Ägypten, Ghafiqi von Andalusien und Ulugh Bek, der Autor des Buches Al Marasid (Sternwarten) aus Sarmarkhand . Die Medizin und Heilmittellehre des Razi, Ebne Sinas und Ibn Roschd und Ibn Bitar sind gemeinsames Wissen der Umma. Immer wenn die Zwietracht wuchs und die Gebiete voneinander getrennt wurden, hat sich die Umma der gemeinsamen Kultur, dem gemeinsamem Wissen und den gemeinsamen historischen Innovationen zugewandt.

     

    Die erste Quelle der gemeinsamen Kultur ist Tauhid (Glaube an den Einen Gott). Tauhid ist nicht nur eine Überzeugung, sondern der Leitspruch der Islamischen Umma. Tauhid ist unter allen Völkern und Kulturen und allen Ländern und Glaubengruppen ein Überzeugungsgrundsatz. Tauhid wirkt sich auf die Einheit beim Einzelnen und die Einheit in der Gruppe aus, ebenso wie auf die Einheit von Ländern und die Einheit der Umma und Einheit der Menschheit.

     

    Tauhid ist eine Weltanschauung. Die Welt hat einen Ursprung. Sie geht in eine Richtung und ihr Ende ist dasselbe. Alles wird von der Einheit erfasst. Tauhid ist ein Wandel vom Verb zum Nomen. Von der Bewegung zur Stabilität. Es ist die Bemühung die sich gegen Zerspaltung und Zwietracht richtet.

     

    Die Gelehrten der religiösen Grundsatzlehre und die Sufis haben beide das Tauhid als „Wahdat-i Schuhud“ (Einheit der Erscheinung) bezeichnet, das bedeutet, dass der Mensch den doppelwertigen Maßstäben oder dem Widerspruch zwischen ihnen mit der Sichtweise der Einheit begegnet. Was die Araber und Muslime in Palästina, Irak, Afghanistan, Tschetschenien und Kaschmir tun, soll (gemäß einem doppelwertigen Maßstab) Terrorismus sein, und was Israel und die USA , Russland und Indien tun, soll Gegenwehr und Selbstverteidigung und die Verwirklichung von Frieden darstellen!

     

    Für alle Dinge gibt es aber die Wahdat-e Wudschud“ „Einheit in der Existenz“: die Einheit zwischen Mensch und Mensch, die Einheit zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft; – die Einheit zwischen Gegensätzen, so dass kein Unterschied mehr zwischen Arabern und Nicht-Arabern verbleibt. Auch nicht zwischen Weiß und Schwarz. Ebensowenig zwischen Reich und Arm, zwischen Starken und Schwachen, zwischen Herrscher und Untertan.

     

    Tauhid beginnt bei dem Einzelnen. (Es bedeutet) den inneren und äußern Kräften Einheit verleihen – den Kräften des Denkens und der Seele und den äußerlichen Kräfte des Sprechens und des Handelns – damit die Menschen aus der Angst befreit werden und damit sie an ihr Gefühl denken. Damit sie sich von der Heuchelei fernhalten und nichts sagen, wovon sie nicht überzeugt sind und ihre Überzeugung ohne zu lügen darlegen, (denn: ) – „Wer nicht die Wahrheit sagt, ist ein stummer Satan.“ ; damit der Mensch nichts sagt, wonach er nicht handelt und was er nicht sagt, auch nicht ausführt. Nach der Einheit beim Einzelnen folgt die Einheit in der Gemeinschaft (und Gesellschaft) und der Abstand zwischen den Bevölkerungsschichten geht zu Ende. Denn eine Gesellschaft die unter einer tiefen Gesellschaftskluft zwischen Wohlhabenden und Armen leidet, läuft Gefahr, in mehrere Teile aufzusplittern. Dies können wir am Beispiel des Nordens, Südens und Westens von Sudan sehen ebenso wie im Osten und Westen des (saudi-) arabischen Gebietes – Dort ist eine große Kluft zwischen den Reichen auf der einen und den Mittellosen auf der anderen entstanden und die Armen finden bei Naturereignissen der Wüste und Überschwemmung oder durch Hunger und Durst den Tod.

     

    Modern ausgedrückt: „Staatsangehörigkeit“ lässt Gleichstellung hinsichtlich der Rechte und Pflichten gegenüber dem Gesetz entstehen, ohne dass zwischen Männern und Frauen, der Religion oder den Völkern, den Hauptfarben und Gesichtern oder Sprachen ein Unterschied gemacht wird.

     

    Der Einheit in der Gesellschaft folgt die Einheit der Umma auf allen Ebenen. Die arabische Umma und die Islamische Umma : Zwischen diesen beiden Reichen gibt es keinen Widerspruch. Das kleinere ist Herz, Zentrum und Fundament und das größere hat dem Islam Erhabenheit und Ehre verlehren und die Völker haben es gruppenweise betreten, so dass sie zahlenmäßig und von ihrem Reichtum , ihrer Wirtschaft und dem Wachstum her den Arabern vorausgeeilt sind. Angesichts der Verteilung und der großen Ausdehnung des Gebietes von China bis Marokko und vom Osten Europas bis nach Südafrika, muss die Einheit der Islamischen Umma nicht unbedingt eine politische Einheit sein. Aber sie ist eine Einheit in den Zielen und den gemeinsamen Interessen der Koordinierung und der Zusammenarbeit und der Unterstützung der Unabhängigkeit und dem Ausgleich in der Weltordnung.

     

    Schließlich folgt der Einheit der Umma die Einheit der Menschheit. Alle Menschen bilden eine Umma, ob Muslime oder Nicht-Muslime. Der Islam ist die jüngste und letzte Religion, die alle Religionen, die vor ihm waren, in sich vereint: die Religion Abrahams, den jüdischen Glauben und das Christentum, die asiatische Welt mit dem Konfuzianismus und Taoismus, Hinduismus und Buddhismus und Schamanismus. Es hat kein Volk gegeben, dem kein Prophet erschienen wäre. Ziel der Religion ist die Verteidigung des Lebens, der Vernunft, des Wissens, der Würde und des Reichtums. Sie macht keinen Unterschied zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen und lässt keinen Unterschied zwischen ihnen zu. Die Islamische Umma ist die Säule der Menschlichkeit und der Kern und die Waage ihrer Ausgeglichenheit.

     

    Die Kultur des Tauhid ist nicht nur eine Überzeugung oder Geschichte, sondern sie ist eine angewandte Errungenschaft und ein Gesetz der Geschichte und die Bewegung einer Gesellschaft. Es ist Tauhid, welches die Umma in einer Situation, wo sie Faktoren der Verstreuung und der Zersplitterung bedroht wird, behüten kann.

     

     

    Quelle: Taghrib.ir