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    Die Nähe zu Allah (Teil 2): Die Reise zur göttlichen Nähe

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    2. Die Reise zur göttlichen Nähe

     

    Dies war eine kleine nötige Einleitung zum Verständnis der heutigen Analyse. Im ersten Teil haben wir den Rang des Gesandten Gottes (s.) hinsichtlich des Beginns der Schöpfung analysiert und sind hierbei zu dem Ergebnis gekommen, dass er (s.) das erste Geschöpf Gottes war. In Bezug zur Einleitung kann man sich nun die Frage stellen, welche Existenz auf dieser Reise zu Allah die größte göttliche Nähe erlangt hat. So wie der Schwerpunkt des ersten Teils auf den Beginn der Existenz lag, wird das Kernthema dieser Analyse das Erlangen der (größten) göttlichen Nähe sein.

     

    Wir fragen den heiligen Qur’ān, wer solch eine Nähe erlangt hat, die keine andere Existenz je erreicht hat, noch erreichen wird.

     

    ثُمَّ دَنَا فَتَدَلَّى

    فَكَانَ قَابَ قَوْسَيْنِ أَوْ أَدْنَى

     

    Hierauf näherte er sich; bis sich seine Nähe verstärkte, (8) bis er eine Entfernung von zwei Bogenlängen erreicht hatte oder noch näher[1]

     

    Dieser Vers bezieht sich auf die Nähe des Gesandten Gottes (s.). Doch was ist die Bedeutung dieses Verses, der besagt: „Hierauf näherte er sich.“? Das arabische Wort „al-Dunuw“ (الدنو), welches in diesem heiligen Vers verwendet wurde, bezeichnet die Nähe. Weiter heißt es in dem Vers: „bis sich seine Nähe verstärkte.“ Hierbei ist das Wort „al-Tadali“ (التدلي) eine Steigerung für die Nähe, welche der Gesandte Gottes auf seiner Himmelfahrt erreicht hatte. Wir haben eingangs erläutert, dass dies keine örtliche oder zeitliche Nähe ist, doch wieso heißt es im darauf folgenden Vers: „bis er eine Entfernung von zwei Bogenlängen erreicht hatte oder noch näher.“? Um uns die spirituelle Nähe des Gesandten Gottes zu verdeutlichen, macht Allah (t.) ein metaphorisches Beispiel hierzu, um die bessere Veranschaulichung zu unterstützen. Hierzu heißt es im heiligen Qur’ān:

     

    وَتِلْكَ الأَمْثَالُ نَضْرِبُهَا لِلنَّاسِ وَمَا يَعْقِلُهَا إِلاَّ الْعَالِمُونَ

     

    Und dies sind Gleichnisse, die Wir den Menschen prägen; doch es verstehen sie nur jene, die Wissen haben[2]

     

    Allah verwendet als Beispiel zur Verdeutlichung der Nähe des Gesandten Gottes (s.) das arabische Wort „al-Qaws“ (القوس) und dies ist eine andere Bezeichnung für das Wort „al-Thirah“ (الذراع). Um uns ein Bild hiervon zu machen, beschreibt Allah die Nähe seines Gesandten auf zwei oder weniger Armlängen. Die Gelehrte, welche sich mit der Interpretation des heiligen Qur’āns auseinandergesetzt haben, beschreiben den Sachverhalt wie folgt:

     

    „Wenn wir die (spirituelle) Nähe des Gesandten Gottes (s.) zu Allah bildlich beschreiben wollen würden, so hätte er eine Nähe von weniger als zwei Armlängen zu Ihm.“

     

    An dieser Stelle sei nochmals darauf hingewiesen, dass es sich dabei um keine örtliche Nähe handelt. Als Beispiel wurde eine Ortsangabe gegeben, um das Verständnis zu unterstützen.

     

    Wir sehen, wie der heilige Qur’ān darauf aufmerksam macht, dass es keine Existenz vor oder nach dem Propheten (s.) gibt, welche diese Nähe erreicht hat. So haben wir im ersten Teil der Analyse von einer Begebenheit berichtet, die auf der Himmelfahrt des Propheten (s.) geschah:

     

    „O Gabriel, in solch einer Situation verlässt du mich?“ Er antwortete: „Trete vor, O Muĥammad. Du hast eine Stufe erreicht, die niemand vor dir und niemand nach dir erreichen wird.“[3]

    Dies ist die Stufe des Siegels der Propheten (s.) und niemandem ist es möglich, diese Stufe zu erreichen.

     

    Hier wird uns eine Definition des Wortes „Khatem“[4] (Siegel) deutlich: Eine Bedeutung besagt, dass das Prophetentum mit dem Gesandten Gottes (s.) versiegelt bzw. abgeschlossen wurde und somit er der letzte Prophet ist. Eine andere Bedeutung jedoch ist, dass die absolute Nähe, welche je eine Existenz zu Allah erreichen kann, mit dem Gesandten Gottes (s.) versiegelt wurde. Es gibt also keinen Rang der Nähe zu Allah, welcher höher als der des Gesandten Gottes Muĥammad (s.) ist. Was folgt jedoch aus dieser Stellung, die das Siegel der Propheten (s.) erreicht hat? In welch einem Rang wird er (s.) sich am Tage des Gerichts befinden?

     

    Auch dazu lesen wir im heiligen Qur’ān:

     

    وَمِنَ اللَّيْلِ فَتَهَجَّدْ بِه ِِ نَافِلَة ً لَكَ عَسَى أَنْ يَبْعَثَكَ رَبُّكَ مَقَاما ً مَحْمُودا

     

    Und unterbrich deswegen (für die Lesung) in der Nacht deinen Schlaf – (vollbringe) diese (Leistung) freiwillig. Es mag sein, dass dich dein Herr (dafür) zu einem löblichen Rang erweckt[5]

    Dies ist die Stellung des „Gepriesenen“[6], doch was ist die Bedeutung dieses Ranges?

     

    Im Arabischen bezeichnet „al-Maĥmud“ eine Person, welche von anderen gepriesen wird, weshalb eine zutreffende Übersetzung „der Gepriesene“ lauten könnte. Was bedeutet diese Lobpreisung jedoch, welche wir sogar im Gebet verwenden: „Gepriesen sei Allah, der Herr der Welten“? So bezeichnet das arabische Wort „der Lob“[7] gleichzeitig den „Lob“ und den „Dank“, den jemand zweifelsohne für eine gute und löbliche Tat verdient. Deshalb könnte eine andere Übersetzung des Verses wie folgt lauten: „Lob und Dank gebührt Allah, dem Herrn der Welten.“ Weshalb besitzt der Gesandte Gottes am Tage der Auferstehung den Rang des Gepriesenen? Welche Tat geht von ihm hervor, weshalb er von jedem gedankt und gepriesen wird? Hier hat sich das Wort der Interpreten darauf geeinigt, dass es die große Fürsprache des Propheten (s.) sein wird. Der Gesandte Gottes (s.) wird für jeden, ohne Ausnahme, seien es die Ersten oder die Letzten, die Fürsprache einlegen. Als Beweis werden verschiedene Verse und Überlieferungen hierzu aufgeführt, so Gott will.

     

    Alle Muslime und ihre Gelehrte sind sich über folgende Überlieferungen einig. Die erste Überlieferung wird im „Tafsir al-`Ayāschi“ zum bereits erwähnten Vers aufgeführt.

     

    Die Menschen werden 40 Jahre am Tag der Auferstehung verweilen und der Sonne wird befohlen, einen niedrigen Stand einzunehmen, um besonders heiß zu sein. Der Schweiß wird die Menschen tränken und der Erde wird befohlen, ihren Schweiß nicht aufzusaugen. So kommen die Menschen zu Adam (a.) und erbitten ihn um Hilfe. Er weist sie zu Noah (a.), da er nichts für sie tun kann. Die Menschen gehen zu Noah und er weist sie zu Ibrahim, da auch er nichts machen kann. Ibrahim (a.) weist die Menschen zu Mussa (a.), da auch er nichts in seiner Macht stehende tun kann, um ihnen zu helfen. Mussa ergeht es genauso und er weist sie zu Issa (a.) und dieser sagt: „Ich lege euch Muĥammad, das Siegel der Propheten nahe.“ Der Gesandte Gottes (s.) wird sagen: „Ich werde mich darum kümmern.“ Er wird zum Tor des Paradieses gehen und daran anklopfen. Er wird gefragt: „Wer ist das und Allah weiß es besser?“ und er antwortet „Muĥammad“. Die Tore werden ihm geöffnet und der Gesandte Gottes wirft sich nieder.

    Er hebt seinen Kopf nicht aus der Niederwerfung, bis ihm gesagt wird: „Sprich und fordere, dir wird gegeben und lege Fürsprache ein und sie wird akzeptiert.“

     

    Die Überlieferung erzählt weiterhin, dass selbst derjenige eine Fürsprache erhält, welcher mit dem Feuer verbrannt wurde. Es gibt keinen Menschen, welcher bei Allah angesehener ist, als der Gesandte Gottes Muĥammad (s.) und dies ist das Wort des Erhabenen:

     

    عَسَى أَنْ يَبْعَثَكَ رَبُّكَ مَقَاما ً مَحْمُودا

     

    Auf das dich dein Herr in einer gepriesenen (löblichen) Stellung wieder erweckt[8]

     

    In einer anderen Überlieferung, welche auf den vierten Imam, Ali Ibn al-Hussein (a.) zurück geht, soll er gesagt haben:

    „Es gibt niemanden, weder von den Ersten noch von den Letzten, außer dass er der Fürsprache des Gesandten Gottes bedarf.“

     

    Niemandem soll in den Sinn kommen, dass die Fürsprache lediglich dafür da ist, um aus dem Feuer errettet zu werden. Dies ist nur ein Aspekt, aus dem die Fürsprache einen Ausweg findet. Die Fürsprache kann auch dafür sorgen, dass jemand eine höhere Stufe des Paradieses erlangt. Deshalb kann die Fürsprache auch den Propheten gelten, ja sogar den Gesandten der „Ul-ul-Azm“ um ihre Stufe im Paradies weiter zu erhöhen, was wir auch anhand des heiligen Qur’ān belegen werden.

     

     

     

    [1] Sure: An-Najm, Vers 8-9

    [2] Sure: Al-`Ankabūt, Vers 43

    [3] Siehe dazu das Kapitel über die Himmelfahrt des Gesandten Gottes (s.)

    [4] الخاتم

    [5] Sure: Al-‚Isrā‘, Vers 79

    [6] محمود – „Mahmud“

    [7] الحمد

    [8] Sure: Al-‚Isrā‘, Vers 79

     

     

    Quelle: http://www.alhaydari.de