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    Die Notwendigkeit des Prophetentum (Teil 2): Die hervortretenden Taten

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    2. Die hervortretenden Taten

     

    Bevor wir uns dem Rang des Gesandten Gottes (s.) zuwenden, benötigen wir eine kurze Einleitung hierzu. Vom Menschen treten während seines Lebens bestimme Verhaltensweisen hervor. Dieses Benehmen ist vom Menschen sowohl am Tag als auch in der Nacht wahrzunehmen, seien diese Taten gottesdienstlich oder allgemein, nützlich oder sinnlos, hilfreich oder schädlich. Wir stellen uns nun folgende Frage: Wieso unterscheiden sich die Menschen bezüglich ihrer Taten? Wir sehen Menschen, deren gute Taten die schlechten überwiegen, jedoch nehmen wir auch Menschen wahr, deren schlechte Taten die guten dominieren. Beispielsweise finden wir in muslimischen Gemeinschaften einen größeren brüderlichen Zusammenhalt, erhöhte Motivation, sich gegenseitig zu helfen, sowie mehr Nächstenliebe. Solches Verhalten finden wir in nicht-muslimischen Gemeinschaften seltener [1].

     

    Wenn wir nun die muslimische Gesellschaft betrachten, so finden wir auch dort Personen, welche mehr gute Taten verrichten als andere. Wenn wir von manchen Personen Hilfe erbitten, so helfen diese ohne zu zögern. Sie spenden, geben, fördern und unterstützen diese Person so sehr sie können. Ganz im Gegensatz dazu finden wir auch Personen, welche genau dieselben Mittel besitzen, jedoch bei einem Hilferuf nicht reagieren. Sie spenden nicht, unterstützen nicht die Armen und eilen niemandem zu Hilfe. Wieso unterscheiden sich Menschen in dieser Hinsicht?

     

    Der Grund für die verschiedenen Verhaltensweisen der Menschen findet sich in den unterschiedlichen Glaubensüberzeugungen wieder. Je stärker die Überzeugungen der Menschen sind, umso bestrebter sind sie, ihren Wertevorstellungen gerecht zu werden. Je schwächer die Glaubensüberzeugung eines Menschen ist, umso weniger bemüht er sich. Um diesen Aspekt zu verdeutlichen, führen wir ein Beispiel auf.

     

    Nehmen wir an, dass eine Person an Gott, seinen Gesandten und an die Wiederauferstehung glaubt. Er glaubt daran, dass er für seine Taten zur Rechenschaft gezogen wird, für die guten Taten belohnt, für die schlechten Taten bestraft. Diese Glaubensüberzeugung ist tief in seinem Herzen verankert. Auf der anderen Seite haben wir einen Menschen, der diese Glaubensüberzeugung nicht im Herzen trägt und sie ablehnt. Er glaubt weder an Gott, noch an seinen Gesandten oder an die Wiederauferstehung, ebenso glaubt er nicht daran, dass er für seine Taten jemals zur Rechenschaft gezogen wird. Inwiefern würden sich die Taten dieser beiden Menschen voneinander unterscheiden?

     

    Der Unterschied besteht darin, dass derjenige, welcher die Glaubensüberzeugung im Herzen trägt, vor jeder Tat, welche er begeht, zunächst schaut, inwiefern sie ihm im Jenseits zugutekommt. Es ist eine natürliche Angelegenheit, dass derjenige, der an die Wiederauferstehung glaubt, davon überzeugt ist, dass er für jede einzelne Tat zur Rechenschaft gezogen wird, stärker darüber nachdenkt, ob diese Tat, die er zu verrichten beabsichtigt, vorteilhaft für ihn ist oder nicht. Bringt diese Tat Lohn oder führt sie eher zur Strafe? Ist Allah (t.) mit dieser Tat zufrieden oder ruft sie Sein Missfallen hervor? Ist man somit von der Wiederauferstehung überzeugt, so verrichtet man jene Taten, welche Allahs Zufriedenheit hervorrufen und hält sich von denjenigen Taten fern, welche Seinen Zorn herbeiführen. Menschen handeln somit gemäß den eigenen Überzeugungen, gemäß den eigenen Ansichten, welche sie vertreten.

     

    Diese Überzeugungen wollen wir im Folgenden als „Glaube“ bezeichnen. Wir reden somit vom Glauben eines Menschen, welche seine Taten bestimmen. Deshalb ist es durchaus sinnvoll zu sagen, dass der Mensch gemäß seinem Glauben handelt: Hat er einen großen und starken Glauben, so sehen wir gute Taten, welche von ihm hervorgehen. Hat der Mensch jedoch einen schwachen Glauben, so entsprechen die Taten, welche von ihm zu vernehmen sind, der Stärke seines Glaubens. Aus diesem Grund sehen wir, dass die Muslime sich in ihren Taten unterscheiden, ja sogar die Gläubigen unterscheiden sich in ihren Taten. Wir sehen manche beten und fasten, jedoch strengt er seine Seele nicht an. Es mag sein das ein anderer seine Seele anstrengt, jedoch nicht bereit ist, für die Sache Gottes zu sterben.

     

    Die Stufen des Glaubens unterscheiden sich bei den Menschen, den Muslimen und den Gläubigen und genau diese Stufen sind für die unterschiedlichen Taten der Menschen verantwortlich. Deshalb sehen wir, dass der heilige Qur’ān und die Ahl al Bayt (a.) stets auf die Notwendigkeit des Glaubens beharren. Das Buch Gottes spricht jederzeit von „denen die glauben und gute Werke tun“[2], denn die Voraussetzung für die guten Taten ist die gesunde Glaubensüberzeugung. Aus diesem Grund stellt der heilige Qur’ān den Glauben vor der Tat und erwähnt beide stets in dieser Reihenfolge.

     

    Zu unseren Glaubensüberzeugungen gehören der Monotheismus, das Prophetentum und die Wiederauferstehung. Die Rechtsschule der Ahl al Bayt (a.) beharrt zusätzlich auf zwei weitere Wurzeln der Religion und diese ist die „Gerechtigkeit Gottes“[3] und die „Führerschaft“[4], wobei die „Gerechtigkeit Gottes“ ein Unterpunkt des Monotheismus ist, genauso wie die „Führerschaft“ ein Unterpunkt des Prophetentum.

     

    Diese zwei Punkte haben sich deshalb speziell herauskristallisiert, da einige Rechtsschulen die Gerechtigkeit Gottes, sowie die Führerschaft ablehnen, weshalb es notwendig ist, nochmals auf diese Punkte aufmerksam zu machen. Die erste Glaubensüberzeugung und diese ist das Einheitsbekenntnis Gottes, lässt uns wissen, dass jede (mögliche) Existenz[5] einen Schöpfer und damit einen Anfang hat. Der Monotheismus will uns somit sagen, dass wir Geschöpfe Gottes sind und einen Herrn haben, dem wir dienen.

     
    Die dritte Glaubensüberzeugung, und diese ist der Glaube an die Wiederauferstehung, will uns deutlich machen, dass das Leben eines jeden Menschen einen Sinn und ein Ziel hat. Der Mensch ist auf dem Weg in eine andere Welt, welche er ohne Zweifel betreten wird und es ist deshalb notwendig, sich auf diese Welt vorzubereiten. Somit lehren uns diese beiden Glaubensüberzeugungen, dass wir einen Anfang und ein Ziel haben, wohin wir uns zubewegen. Was ist jedoch dazwischen? Hat Allah (t.) uns in dieser Hinsicht alleine gelassen auf das wir schauen, wie wir alleine zurechtkommen oder hat Er (t.) uns einen Warner und Botschafter geschickt, um uns auf den geraden Weg zum Ziel zu führen? An dieser Stelle kommt das Prophetentum zum Tragen. Es zeigt uns den Weg zwischen dem Anfang und dem Ziel, dem Beginn unserer Schöpfung und dem Ende der materiellen Welt.

     

    Fazit:

     
    Es ist nun deutlich geworden, dass die Taten vom Glauben abhängen. Je stärker der Glaube ist, umso besser sind die Taten und je schwächer der Glaube ist, umso weniger wertvoll sind die Taten. Die Taten entsprechen somit dem Grad und der Stärke des eigenen Glaubens.

     

    [1] Dies stellt ein allgemeines Bild dar. Natürlich gibt es vereinzelte Ausnahmen.

    [2] Siehe: Sure 2, Vers 277; Sure 11, Vers 23; Sure 26, Vers 227 usw.

    [3] Al-`Adl – العدل

    [4] Al-Imama – الإمامة

    [5] Als mögliche Existenz wird jede Existenz bezeichnet, welche nicht durch sich selbst heraus besteht.

     

    Quelle: http://www.alhaydari.de