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    Die Notwendigkeit des Prophetentum (Teil 4): Die Stufen des Glaubens

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    4. Die Stufen des Glaubens

     

    Die Ursache für den unterschiedlichen Lohn für ein und dieselbe Tat sind die unterschiedlichen Stufen des Glaubens und der Überzeugungen des jeweiligen Menschen. Je stärker der Glaube und je reiner die Absicht ist, diese Tat für Allah (t.) zu verrichten, umso höher fällt die Belohnung aus. Wird die Tat jedoch nur verrichtet, damit die Menschen diese sehen, ist die Tat ohne eine reine Absicht, mit einem schwachen Glauben, umso geringe fällt die Belohnung aus.

     

    Überlieferungen bestätigen uns sogar, dass jene Taten, welche nicht für Allah (t.) verrichtet wurden, keine Belohnung finden. Kommt der Mensch am Tage des Gerichts und will diesen Lohn einfordern, so wird ihm gesagt, dass er sich seinen Lohn bei dem und dem holen soll, für den er diese Tat verrichtete. Allah (t.) wird sagen, Er sei der bessere Teilhaber, was bedeutet, dass Er (t.) keine Taten annimmt, welche teilweise für Ihn und teilweise für jemand anderes verrichtet wurde. Deshalb gibt Er (t.) diese Tat komplett dem anderen Teilhaber.

     

    Entweder wird die Tat nur für Allah (t.) allein verrichtet und nur dann wird sie belohnt, oder aber sie wird abgelehnt. Wir erkennen nun die Einflussgrößen, welche den Lohn der Tat bestimmen: es ist die Überzeugung, der Glaube und vor allem das Wissen. Je stärker die Überzeugungen, der Glaube und das Wissen sind, umso vorzüglicher und reiner ist die Absicht und die Tat, deren Lohn von Allah (t.) vervielfacht wird. Wir erkennen somit die Notwendigkeit des Glaubens und der Überzeugung.

     

    Die Muslime glauben an den Gesandten Gottes Muĥammad (s.), wobei einige mehr an ihn glauben als andere. Diejenigen, welche einen stärkeren Glauben an ihn haben, befolgen ihn mehr als jene, welche einen schwächeren Glauben haben. Aus diesem Grund ist es unbedingt notwendig, den Gesandten Gottes (s.) kennen zu lernen und uns Wissen bezüglich seiner Person, seiner Stellung und seiner Botschaft anzueignen.

     

    Dies bezeugt der heilige Qur’ān in aller Deutlichkeit:

     

    فَأَمَّا الَّذِينَ آمَنُوا فَزَادَتْهُمْ إِيمَانا

     

    Die aber gläubig sind, die stärkt sie in ihrem Glauben [1]

     

    Der Glaube an den Gesandten Gottes wird uns ebenso im Folgenden Vers verdeutlicht.

    وَالْمُؤْمِنُونَ كُلّ ٌ آمَنَ بِاللَّهِ وَمَلاَئِكَتِه ِِ وَكُتُبِه ِِ وَرُسُلِهِ

     

    und die Gläubigen: sie alle glauben an Allah, und an Seine Engel, und an Seine Bücher, und an Seine Gesandten[2]

     

    Der Glaube an den Gesandten Gottes ist somit fundamental, da dies die Voraussetzung für die göttliche Nähe und das Verrichten guter Taten ist. Dies gehört zu den Pflichten eines Gläubigen, wonach er am Tage des Gerichts befragt wird. Natürlich beschränkt sich die Frage nicht nur nach dem Namen des Gesandten Gottes (s.), sondern inwiefern man ihm folgte, inwiefern man sich Wissen über seine Person und seinen Rang einholte und damit seine Glaubensüberzeugung an ihn stärkte.

     

    Es gibt leider ein großes Missverständnis in unserer heutigen Gesellschaft. Vielen meinen, dass die Liebe zur Ahl al Bayt (a.) ausreichend ist und solange man diese Liebe im Herzen trägt, ist es irrelevant, was am Tage des Gerichts vorfällt. Manche meinen, dass alles was von uns verlangt wird, die Liebe zur Ahl al Bayt (a.) ist. Dies ist jedoch ein zu umfangreiches Thema und würde den Rahmen dieses Vortrags sprengen.

     

    Wenn Allah (t.) es erlaubt, werden wir bald über die wahre Liebe zur Ahl al Bayt (a.) schreiben und dann werden wir auch sehen, dass die Ahl al Bayt (a.) selber sagten: „Seid nicht übermütig wegen eurer Liebe zu uns. Unsere Anhänger sind jene, welche uns folgen.“ Niemand darf sich errettet sehen, nur weil er die Liebe zur Ahl al Bayt (a.) im Herzen trägt. Diese Liebe hat viele Voraussetzungen und Bedingungen, damit sie auch im Herzen erblühen kann. Die Liebe ist die Voraussetzung zur Befolgung und wir sollten uns stets vor Augen halten, dass die Liebe zur Ahl al Bayt (a.) das Mittel zur Befolgung ist. Deshalb ist es unser Ziel, die Ahl al Bayt (a.) in jeglicher Hinsicht zu befolgen und dies kann nur realisiert werden, indem wir sie erkennen, um sie Bescheid wissen, von ihnen überzeugt sind und sie lieben.

     

    Zusammenfassend sind wir nun zu folgendem Ergebnis gekommen.

     

    Je größer das Wissen eines Menschen ist, desto stärker ist sein Glaube. Je stärker sein Glaube ist, umso besser und vorzüglicher sind seine Taten. Je reiner seine Taten sind, umso mehr wird er dafür belohnt. Die Reinheit seiner Taten hängt von seinem Glauben und Absicht ab und diese kann nur durch den Erwerb von Wissen gestärkt werden. Das Grundfundament, auf dem alles weitere aufbaut, ist somit das Wissen.

     

    Aus diesem Grund ist ein weiterer Name für den Tag des Gerichts „Der Tag der Reue und des Bedauerns.“ Dies, weil der Mensch sehen wird, welchen Lohn andere Menschen für dieselbe Tat erhalten haben und das, weil die Überzeugung und der Glaube und die Reinheit der Tat höher war. Man sieht Menschen, welche für eine Tat mit dem siebenhundertfachen Lohn belohnt werden, andere werden sogar mit dem tausendvierhundertfachen Lohn honoriert.

     

    Überlieferungen bestätigen, dass sogar Propheten und Gesandte an diesem Tag Bedauern empfinden werden, wieso sie keine noch höhere Stufe erlangt haben und das obwohl sie fehlerlos und sündenlos sind.

     

    Aus diesem Grund wird uns vom Fürst der Gläubigen und Führer der Rechtschaffenen Ali Ibn Abi Tālib (a.) überliefert, dass er sagte: „Das Erste der Religion ist Seine (Allahs) Erkenntnis.“[3] Diese Erkenntnis führt uns zum Glauben, zum Prophetentum, zur Botschaft und zur Wiederauferstehung. Der heilige Qur’ān sagt dazu:

     

    أَفَمَنِ اتَّبَعَ رِضْوَانَ اللَّهِ كَمَنْ بَاءَ بِسَخَط ٍ مِنَ اللَّهِ وَمَأْوَاه ُُ جَهَنَّمُ

     

    Gleicht denn der, der Allahs Wohlgefallen nachgeht, dem, der sich Allahs Zorn zuzieht und dessen Wohnstatt die Hölle ist?[4]

     

    Sind denn diejenigen, welche wissen, gleich denjenigen, welche nicht wissen? Sind diejenigen, die glauben, gleich denjenigen, die nicht glauben? Der Heilige Qur’ān macht viele solcher Beispiele, um den Menschen die Notwendigkeit des Wissens und des Glaubens deutlich zu machen.

     

    Nur mit diesen Voraussetzungen werden die guten Taten gewährleistet und der Lohn vervielfacht. Da es verschiedene Stufen des Glaubens gibt, genauso wie verschiedene Stufen des Wissens, existieren auch dementsprechend verschiedene Stufen der Belohnung, verschiedene Stufen des Paradieses, genauso wie es verschiedene Stufen der Bestrafung und der Hölle gibt. Auch die Propheten befinden sich nicht auf eine Stufe im Paradies und haben nicht alle denselben Rang. Aus diesem Grund sagt der heilige Qur’ān:

     

    وَلَقَدْ فَضَّلْنَا بَعْضَ النَّبِيِّينَ عَلَى بَعْض

     

    Und wahrlich, Wir erhöhten einige der Propheten über die anderen[5]

     

    Auch die Propheten unterscheiden sich bezüglich der Erkenntnis und des Wissens und aus diesem Grund erhielten einige den Vorzug über die anderen und dies wird in den kommenden Analysen näher erläutert werden, so Gott will.

     

    Wenn wir nun sagen, dass der Gesandte Gottes Muĥammad (s.) sowohl im Dies- als auch im Jenseits die höchste Stellung, den höchsten Rang genießt und höher als alle Propheten und Gesandte ist, so soll niemandem in den Sinn kommen, dass wir damit sagen möchten, er habe mehr gute Taten vorzuweisen als die anderen Propheten. Es hängt nicht von der Quantität der Taten ab, denn es ist durchaus möglich, dass der Gesandte Gottes (s.) genauso viele Taten wie andere Propheten hatte, ja sogar weniger gute Taten, da der Prophet Noah (a.) beispielsweise mindestens 950 Jahre gelebt hat und in seinem Leben definitiv mehr gute Taten vollbracht hat als der Gesandte Gottes.

     

    Dennoch ist das Siegel der Propheten (s.) vorzüglicher und erhabener als Noah (a.) und uns sollte nun deutlich sein, wieso dies so ist. Das Siegel der Propheten (s.) hatte eine höhere Stufe des Glaubens und der Überzeugung, sowie höheres Wissen um Allah (t.). Jedoch verpflichtet jede Stufe dieses Glaubens ihren Inhaber zu verschiedenen Taten. Beispielsweise ist für uns das Nachtgebet eine empfohlene Tat, jedoch nicht verpflichtend. Für das Siegel der Propheten (s.) war das Nachtgebet jedoch verpflichtend und nicht nur empfohlen.

     

    وَمِنَ اللَّيْلِ فَتَهَجَّدْ بِه ِِ نَافِلَة ً لَكَ عَسَى أَنْ يَبْعَثَكَ رَبُّكَ مَقَاما ً مَحْمُودا

     

    Und wache auf dazu in der Nacht – ein weiteres für dich. Auf das dich dein Herr in einer gepriesenen Stellung wieder erweckt[6]

     

    Wieso ist also das Nachtgebet für den Propheten (s.) verpflichtend und für uns nicht? Die Ursache hierfür besteht darin, dass dem Propheten Wissen gegeben wurde, welches wir nicht besitzen und dieses Wissen verpflichtet ihn zu einer Tat, welche für uns nicht verpflichtend ist, da uns dieses Wissen fehlt.

     

    Wenn wir beispielsweise auf einer Straße laufen, dann treten wir versehentlich auf viele Ameisen und Insekten und töten sie. Der Fürst der Gläubigen (a.) sagte jedoch, dass wenn ihm sogar die Schätze dieser Welt gegeben werden, er einer Ameise nicht einmal ihr Weizenkorn entnehmen würde. Es ist nicht verboten, einer Ameise ihr Weizenkorn zu nehmen, doch für den Fürst der Gläubigen (a.) ist dies verboten, denn er besitzt Wissen und Glauben, welches ihn zu Taten verpflichten, welche uns nicht auferlegt wurden. Aus diesem Grund unterscheidet sich der Gottesdienst des Gesandten (s.) von dem unserer, sein Charakter, sein Verhalten, sein Benehmen, seine Geduld, all jenes unterscheidet sich von uns, denn er ist auf einer höheren Stufe der Erkenntnis angelangt.

     

    [1] Sure: At-Tawbah, Vers 124

    [2] Sure: Al-Baqarah, Vers 285

    [3] Scharif Radhi Muĥammad Ibn Hussain: „Nahdsch-ul-Balagha“ (Pfad der Eloquenz), Predigt Nr. 1, S. 38

    [4] Sure: ‚Āli `Imrān, Vers 162

    [5] Sure: Al-‚Isrā‘, Vers 55

    [6] Sure: Al-‚Isrā‘, Vers 79

     

    Quelle: http://www.alhaydari.de