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    Die Notwendigkeit des Prophetentum (Teil 5): Die Verkörperung der Taten

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    5. Die Verkörperung der Taten

     

    Wie werden nun die Taten belohnt und welches System steckt dahinter? Bezüglich der Entlohnung der Taten sei folgendes Beispiel gegeben.

     

    Wenn jemand mit seinem Auto auf der Straße fährt und das Verkehrsgesetz missachtet, so wird er dafür bestraft. Entweder bekommt er eine Geldstrafe oder sein Führerschein wird für eine gewisse Frist entzogen. Diese Bestrafung wird jedoch als „symbolische Bestrafung“[1] bezeichnet. Was bedeutet dies? Es bedeutet, dass sich ein Mensch diese Strafe ausgedacht hat und ebenso kann ein anderer Mensch diese Strafe unwirksam machen.

     

    Allerdings gibt es auch Belohnungen, welche unmittelbar mit der jeweiligen Tat eintreffen. Ist man beispielsweise durstig und trinkt Wasser, so löscht man damit unmittelbar den Durst. Legt man seine Hand ins Feuer, so verbrennt man sich unmittelbar. Die Wirkung dieser Taten erkennt man somit direkt mit dem Ausüben der Tat an sich. Allerdings existieren auch Taten, deren Wirkung wir erst viel später vernehmen. Wenn wir beispielsweise jeden Tag viel Zucker essen, so werden wir erst in einigen Jahren feststellen, dass wir Zuckerkrank geworden sind.

     

    Die Folgen gehen somit nicht unmittelbar mit der Tat einher, sondern treten erst nach einer gewissen Zeit auf. Wir fragen uns nun, in welche Kategorie unsere Taten fallen, welche wir vor Allah (t.) verantworten müssen? Werden die Taten symbolisch belohnt, wie beispielsweise, dass man für das Gebet zwei Flüsse im Paradies erhält. Das Gebet und die Flüsse haben an sich nichts gemeinsam, es ist somit eine symbolische Belohnung. Oder aber werden die Taten sofort belohnt, sodass man unmittelbar die Wirkung des Gebetes spürt, wenn man es verrichtet? Oder ist es eher so, dass wir für unsere Taten erst viel später (am Tage des Gerichts) belohnt oder bestraft werden und wir die Folgen erst später mitbekommen?

     

    فَمَنْ يَعْمَلْ مِثْقَالَ ذَرَّةٍ خَيْرا ً يَرَهُ

    وَمَنْ يَعْمَلْ مِثْقَالَ ذَرَّة ٍ شَرّا ً يَرَهُ

     

    Wer auch nur eines Stäubchens Gewicht Gutes tut, der wird es dann schauen

    Und wer auch nur eines Stäubchens Gewicht Böses tut, der wird es dann schauen [2]

     

    Der heilige Qur’ān bezeugt direkt, dass der Mensch am Tage des Gerichts seine Taten sehen vermag und sei es auch nur ein Stäubchen Gutes oder Böses. Dies wird von unseren Gelehrten als „die Verkörperung der Taten“[3] bezeichnet.

     

    Am Tage des Gerichts werden unsere Taten für uns verkörpert. Der heilige Qur’ān ist in diesem Thema deutlich und sagt:

     

    إِنَّ الَّذِينَ يَأْكُلُونَ أَمْوَالَ الْيَتَامَى ظُلْما ً إِنَّمَا يَأْكُلُونَ فِي بُطُونِهِمْ نَارا ً

    وَسَيَصْلَوْنَ سَعِيرا

     

    Jene, die den Besitz der Waisen widerrechtlich verzehren, schlucken nur Feuer in ihren Bauch, und sie sollen in flammendes Feuer eingehen[4]

     

    Der unrechtmäßige Besitz der Güter eines Waisen mag in dieser Welt schön sein, doch am Tage des Gerichts wird dieser unrechtmäßige Besitz seine wahre Gestalt zeigen und dies ist das Feuer für denjenigen, welcher sich diesen Besitz unrechtmäßig aneignete. Das bedeutet, dass Taten einen sichtbaren und einen verborgenen Anteil besitzen. Der unrechtmäßige Besitz mag in dieser Welt ansehnlich und schön sein (sichtbare Teil) und man erfreut sich daran, doch die wahre Gestalt bzw. das Verborgene dieser Tat wird am Tage des Gerichts sichtbar (verborgene Teil) werden.

     

    Somit werden unsere Taten, seien sie gut oder schlecht, am Tage des Gerichts verkörpert und wir werden ihr Inneres sehen, das Verborgene dieser Taten werden wir sichten. Überlieferungen bestätigen uns diese Wahrheit.

     

    In „Tafsir al-Sāfi“ lesen wir folgendes über den heiligen Vers Gottes:

     

    يَوْمَ يُنفَخُ فِي الصُّورِ فَتَأْتُونَ أَفْوَاجا

     

    Der Tag, da in die Posaune gestoßen wird und ihr kommt in Scharen [5]

     

    Der Gesandte Gottes Muĥammad (s.) wurde über diesen Vers befragt und was es bedeutet, dass die Menschen in Scharen kommen. Er (s.) sagte: „Meine Gemeinschaft wird an jenem Tage in zehn zerstreuten Gruppen hervorkommen. Allah (t.) wird sie von den Muslimen unterscheiden und ihre Gestalten ändern. Manche von ihnen haben die Gestalt von Affen, andere nehmen die Gestalt von Schweine an.

     

    Wieder andere werden mit dem Kopf nach unten durch den Boden geschleift. Wieder andere werden blind sein und umherirren. Eine Gruppe von ihnen wird blind, taub und stumm sein. Andere werden ihre eigene Zunge zerkauen, sodass der Eiter seitlich von ihnen hinab tropft und jeder, der sie sieht, wird so werden wie sie. Manche werden verstümmelte Beine und Arme haben und andere werden auf Bäume aus Feuer gekreuzigt werden, wobei wieder andere so verfaulen, dass ihr Gestank sich breit macht. Einige werden ein Kleidungsstück aus Feuer tragen.“[6]

     

    Nun begann der heilige Gesandte Gottes zu erläutern, wer diese Menschen sind.

    „Diejenigen, welche die Gestalt von Schweine angenommen haben, sind diejenigen, welche das verbotene Essen zu sich nahmen.“

     

    Niemandem soll in den Sinn kommen, dass diejenigen Menschen lediglich die Gestalt von Schweine annehmen und sie nicht erkannt werden. Nein, denn sonst wäre die Strafe der Verwandlung nicht existent, wenn sie niemand wieder erkennen würde.

     

    Diejenigen, werden von den Menschen erkannt. Sie werden angesehen und man wird sagen, dass es dieser Mann oder diese Frau war, welche im Diesseits gesehen wurde und nun wurde diese Person als Schwein[7] wieder erweckt. Auch wird die Person selber merken, dass sie in solch einer Gestalt wieder erweckt wurde. Der heilige Qur’ān macht dies selber deutlich, indem er denjenigen, welche die Rückkehr ins Diesseits fordern, sagt:

     

    قَالَ اخْسَئُوا فِيهَا وَلاَ تُكَلِّمُونِ

     

    Sprich: Haltet ein (Schweigt!), und redet nicht mit Mir [8]

     

    Das arabische Wort für „Haltet ein“ (اخْسَئُوا) ist ein Wort, welches für Hunde verwendet wird, wenn sie bellen.

     

    „Was diejenigen betrifft, welche mit dem Gesicht durch den Boden zum Feuer geschleift werden, so sind es diejenigen, welche Zinsen[9] schlucken.“

     

    „Ribaa“ ist nicht nur das Nehmen von beispielsweise 110 €, wenn man nur 100 € verliehen hat, sondern hat verschiedene Gestalten.

     

    „Diejenigen, die blind sind, waren die Unterdrücker. Die, welche blind, taub und stumm sind, waren diejenige, welche übermütig mit ihren Taten umgingen. Diejenigen, welche ihre Zungen zerkauen, sind die Gelehrten und Richter, deren Worte ihren Taten widersprachen. Diejenigen, welche verstümmelte Arme und Beine haben, sind diejenigen, welche ihre Nachbarn verärgern, wobei die Gruppe, welche auf Bäume aus Feuer gekreuzigt wurden, diejenigen sind, welche ihre Geschwister an die Unterdrücker verraten haben. Diejenigen, die verfaulen und deren Gestank die Umgebung verpestet, sind diejenigen, welche sich an der Lust auf eine verbotene Art und Weise erfreuten und ihre Spenden bzw. finanzielle Hilfe für die Bedürftigen unterlassen.“

     

    Allah (t.) ist nicht grausam oder ungerecht, wenn Er (t.) die Menschen mit solchen Strafen versieht. Vielmehr sind jene Ereignisse die verborgenen Wahrheiten der verbotenen Taten, welche verrichtet wurden. Würde sich denn jemand über das Feuer beschweren, wenn er seine Hand darin hält und sich verbrennt? Nein, denn es ist deutlich, dass das Feuer verbrennt und es ist unsere Schuld, wenn wir unsere Hand in das Feuer halten.

     

    Der sichtbare Teil der verbotenen Handlungen ist meistens schön und erfreut den Menschen in dieser Welt, doch Allah (t.) warnt uns, dass wir am Tage des Gerichts mit der Verborgenheit dieser Taten konfrontiert werden. Es ist mit einer Person zu vergleichen, welche jetzt ihre Hand in das Feuer hält, jedoch erst später merkt, dass diese Hand verbrannt wird. Indem wir die verbotenen Handlungen verrichten, werfen wir uns selber in das Feuer, merken es jedoch erst im Jenseits, wenn es zu spät ist. Allah (t.) hat somit jede Handlung mit einem sichtbaren und einem verborgenen Teil versehen.

     

    Den sichtbaren Teil mögen wir hier sehen und den verborgenen Teil werden wir im Jenseits schauen. Dies gilt sowohl für die guten als auch die schlechten Taten. Auch werden wir das Verborgene der guten Taten am Tage der Abrechnung sehen, wir werden das Gebet sehen, das Fasten, all jene guten Taten werden ihr Verborgenes offenbaren und alle Taten werden uns verkörpert.

     

    Imam al-Bāqir (a.) sagte: „Wenn der gläubige Diener stirbt, nimmt er sechs Gestalten mit sich ins Grab. Eine Gestalt wird das schönste Gesicht, den schönsten Duft und die sauberste Gestalt von allen haben. Eine Gestalt wird zu seiner Rechten stehen, die andere zu seiner Linken, die anderen Gestalten stehen sowohl vor ihm, als auch hinter ihm, wie auch über ihn und unter ihm. Die schönste Gestalt, welche über dem Kopf steht, wird die andere fragen: Wer seid ihr, möge Allah euch belohnen? Die Gestalt zur Rechten des Dieners wird sagen: Ich bin sein Gebet.

     

    Die Gestalt zu seiner Linken wird sagen: Ich bin seine Zakat, wobei die Gestalt vor ihm sagen wird: Ich bin sein Fasten und die Gestalt hinter ihm wird sagen: Ich bin die Pilgerfahrt. Die Gestalt unter seinen Füßen wird sagen: Ich bin die Hilfe, die er seinen Geschwistern anbot. Diese fünf Gestalten werden nun die Gestalt über den Kopf des Dieners fragen: Wer bist du, denn du hast das beste Gesicht von uns und den schönsten Duft. Diese Gestalt wird antworten: Ich bin die Anhängerschaft zu Muĥammad und der Familie Muĥammads.“

     

    Mit einer weiteren Überlieferung möchten wir diese Analyse abschließen.

     

    Der Fürst der Gläubigen (a.) sagte: „Am letzten Tag des Lebens eines Menschen und es ist der erste Tag in der Welt des Jenseits, werden dem Menschen seine Güter verkörpert, seine Familie und seine Taten. Der Mensch wird sich den Gütern zuwenden und sagen: Bei Allah, ich war dir ein gieriger und geiziger Schützer, was bekomme ich nun von dir? Die Güter werden ihm antworten: Nimm von uns dein Totengewand.

     

    Danach wird sich der Mensch seiner Familie zuwenden und sagen: Bei Allah, ich habe euch geliebt und ich habe euch beschützt. Was könnt ihr mir an diesem Tag geben? Seine Familie wird antworten: Wir werden dich lediglich bis zum Grab begleiten und um dich trauern. Hierauf wird der Mensch sich seinen Taten zuwenden und sagen: Bei Allah, ich war nachlässig zu dir und habe keine Acht auf dich gegeben und du warst mir eine Last. Was kann ich von dir erwarten? Die Taten werden antworten: Ich begleite dich durch das Grab und an dem Tag, an dem du wieder erweckt wirst, bis wir beide unserem Herrn gegenüber stehen.“

     

    Unsere Taten werden an uns kleben, wie eine Kette, welche nicht abgelegt werden kann. Der Fürst der Gläubigen (a.) erzählt weiter:

     

    „War der Verstorbene ein wahrhaftiger Diener Gottes, so erscheinen ihm seine Taten mit dem besten Duft und dem schönsten Aussehen und sie werden sagen: „Ich verkünde dir Zufriedenheit und Wohlstand und ein gesegnetes Paradies.“ Der Verstorbene wird fragen: Wer bist du? Die Antwort wird lauten: Ich bin deine guten Taten. Es wird ihm ein Tor zum Paradies geöffnet und die Engel des Todes werden sagen: Schlafe angemessen, den Schlaf eines Jünglings, eine Weile und dies ist das Wort des Herrn:

    Die Bewohner des Himmels werden an jenem Tage bessere Wohnstatt und würdigeren Ruheplatz haben[10]

     

    War der Verstorbene jedoch ein Feind Gottes, so erscheinen ihm seine Taten in der schlimmsten Gestalt, welche existiert und mit dem übelsten Duft, der je vernommen wurde und sie werden sagen: Ich verkünde dir den Trank aus siedendem Wasser und eine Wohnstätte aus glühendem Feuer. Schlafe mit dem schlechtesten Zustand der Enge! Allah (t.) wird die Schlangen und Skorpione der Erde auf ihn lenken, welche ihn bis zum Tage des Gerichts strafen werden.“

     

    Zusammenfassung:

     

    Um auf unsere Frage zurück zu kommen, welche Art der Entlohnung für unsere Taten von Allah (t.) vorgesehen ist, sei folgendes gesagt: Die Belohnung / Bestrafung erfolgt unmittelbar mit dem Verrichten der Tat. Jedoch bemerken wir dies erst am Tage der Auferstehung, wenn wir mit dem verborgenen Aspekt der Tat konfrontiert werden. Die Taten bestehen allesamt aus einem sichtbaren und einem verborgenen Teil, wobei der sichtbare Teil im Diesseits gesehen wird und der verborgene Teil im Jenseits. Vergleichbar mit einer Person, welche zunächst ihre Hand ins Feuer hält und nur ein angenehmes Kribbeln verspürt. Nimmt diese Person ihre Hand nun aus dem Feuer, bemerkt sie den Schmerz und sieht, dass die Hand verbrannt wurde.

     

    [1] جزاء إعتباري

    [2] Sure: Az-Zalzalah, Vers 7-8

    [3] تجسد الأعمال

    [4] Sure: An-Nisā‘, Vers 10

    [5] Sure: An-Naba‘, Vers 18

    [6] Al-Faydh al-Kaschāni: „Tafsir al-Sāfi”, Band 5, S. 275

    [7] Es ist darauf hinzuweisen, dass die Tatsache, dass manche Menschen in Tierform wiedererweckt werden, im Grunde genommen lediglich das innere dieses Menschen nach außen gezeigt wird.

    [8] Sure: Al-Mu’uminūna, Vers 108

    [9] الربا – Ribaa

    [10] Sure: Al-Furqān, Vers 24

     

    Quelle: http://www.alhaydari.de