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    Die Philosophie des Fastens im Monat Ramadhan

    • Dr. Mohammad Razavi Rad
    • http://www.islamic-sciences.de
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    Der Monat Ramadhan ist ein Monat der Gottesfürchtigkeit, der Selbsterziehung und des Gebets, und er ist ein Monat des aufrichtigen Dialogs zwischen dem Menschen und Gott.

     

    Jeder gottesfürchtige Mensch wünscht sich, dass Gott ihm die Gnade zuteil werden lässt, die gesegneten Tage dieses Monats schätzen zu lernen.

     

    Im heiligen Koran heißt es:

     

    يَا أَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا كُتِبَ عَلَيْكُمُ الصِّيَامُ كَمَا كُتِبَ عَلَى الَّذِينَ مِنْ قَبْلِكُمْ لَعَلَّكُمْ تَتَّقُونَ

     

    “O die Ihr glaubt! Fasten ist euch vorgeschrieben worden, wie es denen, die vor euch da waren, vorgeschrieben war, damit ihr vielleicht gottesfürchtig seid.”

    [Sure al-Baqara (2), Vers 183]

     

    Aus diesem heiligen Vers geht hervor, dass die Philosophie des Fastens im heiligen Monat Ramadhan die Vorbereitung und die Wiederherstellung einer spirituellen Atmosphäre ist, damit der Mensch der Selbsterziehung Achtung schenkt und zu der Stufe der Aneignung von edlen menschlichen und islamischen Verhaltensweisen gelangt.

     

    Aus der Sicht des Korans hat nicht nur das Fasten ein allgemeines Ziel und eine eigene Philosophie, nämlich die Gottesfürchtigkeit, sondern auch alle anderen gottesdienstlichen Handlungen. Zu dieser wertvollen Würde und Eigenschaft werden nicht nur die Muslime aufgerufen sondern alle Menschen. Im heiligen Koran lesen wir in diesem Zusammenhang:

     

    يَا أَيُّهَا النَّاسُ اعْبُدُوا رَبَّكُمُ الَّذِي خَلَقَكُمْ وَالَّذِينَ مِنْ قَبْلِكُمْ لَعَلَّكُمْ تَتَّقُونَ

     

     

    “O ihr Menschen, dienet eurem Herrn, Der euch und jene, die vor euch waren, erschaffen hat, auf dass ihr gottesfürchtig seid.”

    [Sure al-Baqara (2), Vers 21]

     

    Nun wird die Frage nach der Wahrheit der Gottesfürchtigkeit aufkommen und die Frage, ob die Enthaltsamkeit von Speise und Trank für nur einige Stunden am Tag den Menschen zur Gottesfürchtigkeit leitet.

     

    Die Antwort ist, dass Gottesfürchtigkeit nichts anderes ist als das Erreichen eines überzeugten seelischen Zustandes, der es dem Menschen ermöglicht, sich gegen all die Verhaltensweisen zu stellen, die seiner Würde und Menschlichkeit widersprechen, und sich eine Verhaltensweise anzueignen, die seiner Vernunft, seiner inneren Stimme und Gottes Geboten entspricht.

     

    Das Fasten ist einer der Wege, die zur Gottergebenheit führen. Die größte Lehre des Fastens ist, dass der Mensch einem natürlichen und instinktiven Verhalten entsagt, d.h. dem Essen und Trinken, das er seit seiner Geburt befolgt und sich daran gewöhnt hat, was dazu führt, dass er seine Willenskraft wieder erkennt und sich dadurch sicherer fühlt.

     

    Die Zügellosigkeit beim Essen und Trinken, die Maßlosigkeit, hält den Menschen von großen Gaben wie z. B dem Erkennen, dem Denken, der Kreativität und der Geschicklichkeit ab. Sie verhilft ihm lediglich zur Faulheit.

     

    Der edle Imam Ali sagte:

     

    “Wer mäßig und wenig speist, hat einen klaren Verstand und ist bereit, seine Kreativität zu entwickeln. Wer hingegen maßlos speist, den wird seine Gier vom Aktivsein abhalten, und er wird träge werden. Und wer diesen Zustand erreicht, dem werden Denken, Kreativität und gesunder Verstand versagt bleiben.”

     

    Daraus ist ersichtlich, dass allein schon dieser Aspekt des Fastens viele Vorteile für den Menschen in sich birgt, obwohl das Hauptziel des Fastens nicht nur das Entsagen von Essen und Trinken ist.

     

    Sich der Nahrungsaufnahme zu entziehen, stärkt die menschliche Willenskraft derart, dass man in die Lage versetzt wird, auch mit anderen Organen wie z.B. Augen und Ohren fasten zu können, sprich: sich zu enthalten.

     

    Der heilige Monat Ramadhan ist ein geeigneter Zeitpunkt für diejenigen, die sich einerseits von früheren Sünden und Fehlern befreien wollen und sich andererseits eine vollkommenere Zukunft gestalten möchten.

     

    Wenn man an dem letzten Tag und den letzten Stunden des heiligen Monats Ramadhan angelangt ist, sollte man sich über Folgendes klar geworden sein:

     

    Ramawan ist der Monat des Fastens und der Gottesdienste. Er ist der Monat der Enthaltsamkeit, der Monat, in dem man zu sich und zu Gott finden sollte, der Monat des demütigen Bittens und Betens in Gottes Nähe, der Monat, in dem man sich auf dem Weg zur Annährung an Gott befindet und sich edle Eigenschaften wie Gottesfürchtigkeit, Aufrichtigkeit und Standhaftigkeit aneignet. Er ist der Monat, in dem bei einem hohen Maß an Reichtum die schöne Seite das Durstens und Hungerns erlebt wird, der Monat, in dem der Fastende das Leid der Armen und Schwachen miterlebt, der Monat, in dem das ruhende Gewissen wach gerüttelt wird, der Monat des aufrichtigen Dialogs zwischen dem Menschen und Gott und der Monat des heiligen Korans.

     

    Nun noch ein Blick auf das Geheimnis des Fastens und das Geheimnis des Monats Ramawan.

     

    Die Führer auf der Reiseroute des spirituellen Weges der Ethik und der Gnostik sind durch ihre eigene wertvolle, praktische Lehre auf diesem Gebiet davon überzeugt, dass die Vervollkommnung der spirituellen Dimension des Menschen nur durch Üben und Wiederholen möglich ist. Vielleicht sind das Geheimnis der Vielfalt und das Wiederholen der Gebete und der göttlichen Gebote auch darin zu sehen.

     

    Das sorgfältige Nachdenken über die Feinheiten, die im folgenden, bereits erwähnten Vers des heiligen Korans verborgen liegen, enthüllt uns auch das Geheimnis des Wiederholens und der Vielfalt in Gottes Geboten. Dort lesen wir:

     

     

    يَا أَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا كُتِبَ عَلَيْكُمُ الصِّيَامُ كَمَا كُتِبَ عَلَى الَّذِينَ مِنْ قَبْلِكُمْ لَعَلَّكُمْ تَتَّقُونَ

     

    “O die Ihr glaubt! Fasten ist euch vorgeschrieben worden, wie es denen, die vor euch da waren, vorgeschrieben war, damit ihr vielleicht gottesfürchtig seid.”

    [Sure al-Baqara (2), Vers 183]

     

    Nachdem man als geliebter Gast einen Monat lang Gottes Großzügigkeit, Gnade und Barmherzigkeit erfahren hat und Gottes Knechtschaft, das Anbeten des Herrn der Welten, geübt hat, werden die schöne Wahrnehmung, Gott, Dem Schöpfer des Universums, nahe zu sein, und die Gottesfürchtigkeit, als größte Gabe des Monats Ramawan, im Wesen und Herzen des Menschen verinnerlicht. Gottesfürchtigkeit ist demnach nichts anderes als das Resultat und die Kurzfassung allen menschlichen Strebens nach Vollkommenheit.

     

    Die Einzigartigkeit des Monats Ramawan ist darin zu sehen, dass Gott durch seine besondere Gnade eine außergewöhnlich schöne Atmosphäre zum Üben der Gottesfürchtigkeit geschaffen hat, indem Er die Hoffnung auf Vervollkommnung in die menschlichen Wesen einhauchte. Im Einklang damit zeigt sich zum einen der menschliche Wille in seiner größten Stärke durch den Verzicht auf ein natürliches Verhalten, d.h. auf das Essen und Trinken, welches er seit seiner Geburt ausübt und woran er sich gewöhnt hat, und zum anderen die Mobilisierung der Willenskraft des Menschen, durch die die Einflüsterungen des Teufels geschwächt und ihm alle Hoffnungen auf Erfolg mit seinen Versuchungen genommen werden.

     

    Das Ergebnis dieses Zusammenkommens von allen, dem Menschen innewohnenden göttlichen Willenskräften ist das wertvollste Geschenk Gottes – Gottesfürchtigkeit.