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    Die Quellen des schiitischen Denkens (2)

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    Die Quellen des schiitischen Denkens (2)
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    WER SIND DIE AHL-E BEYT DES PROPHETEN?

     

    In diesem Abschnitt soll genauer erklärt werden, wer die Ahl-e Beyt sind.

     

    Wie zuvor schon des Öfteren erwähnt wurde, soll man sich gemäß den verschiedenen Überlieferungen an die Ahl-e Beyt oder ’Etrat des Propheten wenden.

     

    Unter den Muslimen gibt es keinen Zweifel über den hohen Rang der Ahl-e Beyt des Propheten. Aber wir sollen weiter forschen um zu verstehen, was Ahl-e Beyt oder ‚Etrat eigentlich bedeutet und ob man alle Verwandten des Propheten zu den Ahl-e Beyt oder ‚Etrat zählt, oder, ob es eine andere genauere Definition gibt. Alle Muslime glauben daran, dass die Prophetentocher Fatemeh (s.a.), ihr Ehemann bzw. der Schwiegersohn des Propheten, Imam Ali (a.s.) und ihre Söhne, d.h. Imam Ĥasan und Imam Ĥoseyn (a.s.), zur Ahl-e Beyt gehören. Die einzige Überlegung ist, ob die anderen Verwandten des Propheten auch zur Ahl-e Beyt gehören oder nicht. Und wenn es so ist, dann bis zu welchem Grad. Die sunnitischen Muslime glauben, dass alle Verwandten des Propheten zur Ahl-e Beyt gehören, mit Ausnahme derjenigen, die den Islam nicht angenommen haben, wie z.B. Abu Lahab, dem Onkel von Mohammad (s.a.a.s.), der ein großer Feind des Propheten war und auch im Koran verworfen und verflucht wurde. (Sure 111). Nach sunnitischer Meinung bezeichnet Ahl-e Beyt oder ‚Etrat alle muslimischen Verwandten des Propheten.

     

    Die schiitischen Muslime sind aber der Ansicht, dass die Ahl-e Beyt des Propheten Mitglieder der Prophetenfamilie sind, die einen starken Glauben und ein großes Wissen besitzen und sie aufgrunddessen neben dem Koran in dem Hadith Šaqaleyn erwähnt werden konnten. Und wie im Hadith ‚Safineh‘ und in anderen Ahadith erwähnt wurde, können sich die Gläubigen retten, wenn sie ihnen folgen.

     

    Weiterhin glauben die Schiiten daran, dass der Prophet seine Ahl-e Beyt oder ‚Etrat deutlich vorgestellt hat. Einige Ahadith vom Propheten, die in den wichtigen sunnitischen Quellen erwähnt wurden, sind folgende:

     

    Moslem zitiert von A’yesche, einer der Prophetenfrauen:

     

    Eines Tages verließ der Prophet das Haus, er trug einen wollenen Umhang (Aba). Da kam sein Enkel Ĥasan, der älteste Sohn von Ali (a.s.) zu ihm und der Prophet erlaubte ihm unter seinen Umhang zu kommen. Dann kam Ĥoseyn, der jüngere Bruder von Ĥasan, und ging auch unter den Umhang. Dann kam Hadrat-e Fatemeh (s.a.) und ging auch unter den wollenen Umhang. Nach kurzer Zeit kam Hadrat-e Ali (s.a.), und auch er ging zu den anderen unter den Umhang, sodass dieser sie alle umfaßte. Da rezitierte der Prophet aus Sure 33/ aus Vers 33:“ Gott will die Unreinheit von Euch entfernen, ihr Leute des Hauses (Ahl-e Beyt), und Euch wirklich rein machen.“23

     

    Moslem zitiert von Sa’d Ibn-Abi Waqaş, dass er auf die von Mo’awiyeh gestellte Frage, warum er Ali nicht beschimpfe, so antwortete:

     

    “ Ich erinnere mich an drei Aussagen des Propheten über Ali, die mir nicht erlauben, schlecht über ihn zu sprechen. Wenn auch nur eine dieser Aussagen des Propheten über mich gewesen wäre, wäre dies wertvoller für mich als ein rotes Kamel. Die erste dieser Aussagen machte der Prophet zu der Zeit, als er Medina verließ um in den Tabuk-Krieg zu ziehen und Ali in Medina hinterlassen hat. Ali (a.s.) war darüber sehr traurig und sagte: Hinterlassen sie mich in der Stadt mit den Frauen und Kindern?“ Der Prophet antwortete: „Bist Du nicht damit zufrieden, dass Du bei mir wie Aaron bei Moses bist, mit dem Unterschied, dass nach mir kein Prophet mehr kommen wird.“ Die zweite Aussage habe ich am Tag der Eroberung von Kheybar gehört. Der Prophet sagte: „Bestimmt übergebe ich jemandem die Fahne des Islams, der Gott und seinen Propheten liebt, und den auch Gott und sein Prophet lieben.“ Wir hofften darauf, dass der Prophet uns die Fahne gäbe, aber er sagte: Lassen Sie Ali (a.s.) zu mir kommen. Ali (a.s.), der unter Augenschmerzen litt, kam zu ihm. Der Prophet gab ihm die Fahne und sagte, Gott schenkte uns den Sieg durch Alis Hand. Die dritte Aussage hörte ich, als dem Propheten der Vers Mobaheleh geoffenbart wurde. Da rief der Prophet Ali, Fatemeh, Ĥasan und Ĥoseyn (a.s.) zu sich und sagte: „O Gott, diese sind meine Ahl-e Beyt.“24

     

    1. Emam Aĥmad Ibn-Ĥanbal zitiert von Anas Ibn-Malek, dass als der Vers „Die Reinigung“ (33:33) auf den Propheten herabgesandt wurde, der Prophet in den kommenden sechs Monaten, jeden Morgen, wenn er zur Moschee zum Morgengebet ging, vor dem Haus von Ali (a.s.) und Fatemeh (s.a.) stehen blieb und rief: „Kommt zum Gebet meine Ahl-e Beyt!“

     

    Es gibt auch andere Ahadith über die Bedeutung von Qorba‘ (nahe Verwandte), die im Koran verwendet worden ist. Zum Beispiel verlangte der Prophet, entsprechend dem Koran, von den Leuten kein Entgelt für seine Mission, er forderte die Leute nur auf, dass sie seine Verwandten (Qorba‘) lieben. Dies sei für ihren eigenen Nutzen. Aber wer sind die Qorba‘? Zamachschari, der berühmte sunnitische Gelehrte und Kommentator sagte:

    “ Als dieser Vers herabgesandt wurde, fragte man den Propheten, wer die Qorba‘ sind, die die Muslime lieben sollen. Der Prophet antwortete: ‚Ali, Fatemeh und ihre beiden Söhne’.“25

     

    1. DIE VERNUNFT (AL-‚AQL)

     

    Die Schiiten glauben daran, dass die Vernunft eine vertrauenswürdige Quelle für die Kenntnis des Islams ist, und ganz mit der Offenbarung übereinstimmt. Gemäß einiger Ahadith hat Gott den Menschen zwei Bestätigungen gegeben, damit sie Gottes Willen verstehen können. Die innere Bestätigung ist die Vernunft und die äußere sind die Propheten. Manchmal nennt man die Vernunft den ‚inneren Propheten‘ und die Propheten die ‚äußere Vernunft‘. Unter den schiitischen Rechtsgelehrten hat sich eine Regel gebildet, die besagt: So wie die Vernunft urteilt, so urteilt auch die Religion und umgekehrt.

     

    Weiterhin glauben alle schiitischen Rechtsgelehrten ohne Ausnahme, dass alle moralischen Pflichten und religiösen Gesetze auf der Vernunft beruhen sollen. Wenn jemand geisteskrank ist, ist er für seine Handlungen nicht verantwortlich. Die Erwartungen und Ansprüche, die an jeden Menschen gestellt werden, entsprechen seinen geistigen Fähigkeiten. Von Personen, die intelligent sind und viel wissen, erwartet man mehr, dass sie den Befehlen Gottes folgen, als von solchen, die weniger wissen oder Analphabeten sind. Dem Koran zufolge verlangt Gott von allen Menschen, dass sie ihre Vernunft benutzen und über seine Zeichen auf der Erde und im Kosmos nachdenken. In verschiedenen Koranversen werden diejenigen, die nicht mit Vernunft denken oder handeln, verflucht und getadelt. Zum Beispiel werden die Heiden aufgrund der blinden Nachahmung ihrer Vorväter getadelt und in verschiedenen Versen wird die Frage gestellt:“ Haben sie denn keinen Verstand?“ (36:68) und „Machen sie sich denn keine Gedanken über den Koran?“ (4:82; 47:24)

     

    Eine Bedingung für die Umsetzung der göttlichen Verse und Zeichen, ist das Denken und die Vernunft, so wird es in zahlreichen Koranversen gefordert. Im Allgemeinen kann die Vernunft in drei wichtigen Gebieten für das Verständnis der Religion eine große Rolle spielen: Zunächst für das Verstehen der Realitäten in der Welt, wie der Existenz Gottes oder der Wahrheit der Religion. Zweitens für die Kenntnis der moralischen Werte und der gesetzlichen Normen, wie dem Unrecht der Unterdrückung und dem Recht der Gerechtigkeit. Und drittens bei der Festlegung von Normen, Beweisen und Schlussfolgerungen. Der Islam erkennt all diese drei Rollen der Vernunft an und betont sie nachdrücklich.

     

    Andererseits kann man die Rolle der Offenbarung oder der religiösen Schriften für religiöse Studien wie folgt zusammenfassen:

     

    -Bestätigung der Tatsachen, welche die Vernunft anerkennt

     

    -Erklärung der Fragen und Tatsachen, die nicht mit der Vernunft zu verstehen sind, wie der genauen Erklärung des Tages der Auferstehung und der Einzelheiten moralischer und gesetzlicher Systeme.

     

    -Bereitstellung der Bürgschaft für die moralischen und gesetzlichen Richtlinien nach dem religiösen System von Belohnung und Strafe.

     

    Zum Abschluss ist es erforderlich zu erwähnen, dass nichts im Islam entgegen der Vernunft ist. Natürlich soll man zwischen den islamischen Geboten und einer vernüftigen Überzeugung, und Vermutungen und privaten Meinungen unterscheiden. Immer wenn in einem Fall das Urteil der Vernunft nicht dem religiösen Gebot entspricht oder umgekehrt, liegt ein Fehler vor. Entweder entspricht das Urteil nicht wirklich der Vernunft, oder das religiöse Gebot ist nicht wirklich gemäß der Religion. Gott lässt die Menschen nie in die Irre gehen. Einerseits leitet er sie durch die von ihm gesendeten Propheten und andererseits durch die Vernunft, die er selbst den Menschen gegeben hat.

     

    Es ist mehrmals vorgekommen, dass die Menschen etwas für ein vernunftmäßiges oder wissentschaftliches Urteil hielten, welches aber den religiösen Geboten widersprach, später jedoch wurde aufgrund von Untersuchungen deutlich, dass das Urteil falsch war.

     

    1. ÜBEREINSTIMMUNG (AL-EJMA‘)

     

    Traditionell wird eine der Quellen für das Verständnis des Islams die Übereinstimmung (Al-Ejma‘) genannt. Nach schiitischem Denken ist das Al-Ejma‘ oder die Übereinstimmung aller Menschen oder einer bestimmten Gruppe, z.B. islamischer Gelehrter, alleine als Beweis nicht ausreichend. So wie eine Person Fehler machen kann, können auch einige Personen oder tausende Personen oder sogar die ganze Menschheit, Fehler machen. Aber wenn alle Muslime oder muslimischen Gelehrten auf eine Weise übereinstimmen, dass diese Übereinstimmung auf der Tradition beruht, kann man diese als Beweis anerkennen, und damit das Gebot Gottes verstehen. Zum Beispiel, wenn wir durch Nachforschungen erkennen, dass alle Muslime zur Zeit des Propheten auf die gleiche Weise ihre Gebete verrichteten, können wir daraus schließen, dass ihre Art und Weise entsprechend der des Propheten war, d.h. sie es so vom Propheten gelernt haben. Sonst gäbe es keinen Grund für ihr gleichartiges Verhalten. Es ist nicht vorstellbar, dass sie alle zufällig und blind so handelten, oder sie alle entgegen dem wahren Gebot des Islams handelten und der Prophet es ihnen nicht verwehrt hat. Denn wenn der Prophet es ihnen verwehrt hätte, gäbe es bestimmt mindestens eine kleine Gruppe, die der Meinung des Propheten folgten und den anderen widersprächen.

     

    So also gilt nach schiitischer Ansicht das Ejma‘ alleine nicht als ein Beweis. Es ist nur dann gültig, wenn es mit der Tradition übereinstimmt. Also immer, wenn es eine Übereinstimmung unter den Muslimen gibt, aber diese in der Tradition des Propheten oder im Koran keine Bestätigung findet, ist diese Übereinstimmung nicht rechtmäßig. Zum Beispiel, wenn in unserer heutigen Zeit die Muslime in einer Frage übereinstimmen, diese aber nicht im Koran oder der Tradition ihre Entsprechung findet, so kann der islamische Rechtsgelehrte nicht, nur weil alle es so sagen, auch auf diese Weise urteilen.

     

    In der Geschichte finden sich viele Fälle, sowohl auf religiösen als auch nichtreligiösen Gebieten, in denen die Menschen an etwas glaubten, was sich später aber als falsch herausstellte (wie z.B. das die Erde flach ist, oder das sich die Sonne um die Erde dreht.)

     

    Es sind nur der Koran und die Tradition, die ohne Zweifel richtig und vor jedem Irrtum und Fehler bewahrt sind.

     

    Diese Methode dynamisierte das schiitische Denken, sodass jede Generation schiitischer Gelehrter oder jeder Einzelne von ihnen fähig ist, und in Wahrheit dazu verpflichtet ist, sich an die wichtigen Quellen, d.h. den Koran und die Tradition zu wenden, und mit Hilfe der Vernunft und der richtigen Methoden der Beweisführung und Schlussfolgerung wissenschaftlich und unabhängig zu forschen und eine selbstständige Entscheidung (Al-Ejtehad) über eine Rechtsfrage zu treffen. Die Ejtehad, d.h. die selbstständige Entscheidung ist aus diesem Grund bei den Schiiten nie verworfen worden. Die Schiiten sind aber der Ansicht, dass die Meinung (Fetwa) eines islamischen Rechtsgelehrten, auch wenn er einen hohen Rang besitzt, nicht vor der wissenschaftlichen Diskussion geschützt ist. D.h., jede Fetwa kann auf wissenschaftlichem Wege kritisiert werden. Natürlich kann sich der Forscher auf dem Gebiet der islamischen Rechtslehre, wie in jedem anderen wissenschaftlichen Fachgebiet, vor einer Entscheidung sowohl an die wichtigen Quellen, als auch an die Werke und Meinungen früherer und jetziger Wissenshaftler auf diesem Gebiet wenden und diese beachten.