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    Die Spirituelle Dimension des Islam- Von Allamah Tabatab’i (Teil 1)

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    Einführung

     

    Der Islam basiert auf zwei Realitäten, nämlich der Persönlichkeit des Propheten Muhammad (Gottes Segen sei mit Ihm und seiner Familie),
    der vor 1400 Jahren auserwählt worden war, um Gottes Botschaft zu überbringen und der Führer der Menschen zu sein, und zweitens einer Schrift göttlichen Ursprungs, dem Qur’an, welcher das beständige Wunder des Propheten ist und die Worte Gottes als geistige und praktische Lehren von einer universellen Natur enthält.

    Diese beiden Realitäten müssen als einer der wichtigsten Faktoren bei der Entwicklung und Vervollkommnung des menschlichen Lebens angesehen werden, oder vielmehr sind sie der wichtigste Faktor, der sich im Laufe von 1400 Jahren im Glauben und in der Praxis von Abermillionen Menschen manifestiert und seinen Einfluss tief in jeden Aspekt ihrer Gesellschaft ausgedehnt hat.

     

    Es ist eine Tatsache, dass der Islam die jüngste der Weltreligionen ist, und dass seine Anhänger quantitativ weniger sind als die Summe der Anhänger anderer Glauben, aber der Islam hat einige besondere Merkmale, die ihn von anderen offenbarten Wegen abheben. Wenn wir beispielsweise Bezug nehmen auf die Heiligen Schriften des Hinduismus, speziell die Veden, stellen wir fest, dass die darin enthaltenen religiösen Lehren nahezu ausschließlich asketischer Natur sind und dass sie gleichzeitig an eine Minderheit der Anhänger der Religion gerichtet sind. Folglich ist die Mehrheit der Hindus davon ausgeschlossen, direkten spirituellen Nutzen aus diesen heiligen Büchern zu ziehen.

     

    Der Buddhismus und auch das Christentum weisen in ihren Lehren die gleiche exklusive asketische Anschauung wie der Hinduismus auf. Im Falle des Christentums geht dies aus den vier Evangelien und den anderen grundlegenden religiösen Texten hervor. Es gibt keine praktischen Handlungsgebote oder sozialen Gesetze, und darüber hinaus wird Philosophie und rationalem Denken mit Missfallen begegnet. Das göttliche Opfer und die Vergebung der Sünden der Menschheit sind Lehren, die die Relevanz von Ermahnungen, die diese Welt betreffen, schmälern.

    Andere Religionen haben entweder aufgehört, die Menschen anzuziehen, wie der Glaube der Sabäer und der Manichäismus, oder sind – wie das Judentum – auf eine bestimmte Gruppe von

    Menschen begrenzt. Somit ist es einzig der Islam, der rational nachweisbaren Überzeugungen und  positiven  individuellen  und gesellschaftlichen Ermahnungen größte Bedeutung beimisst, wie diese Abhandlung hoffentlich verdeutlichen wird.

     

    Die primäre Bedeutung des Individuums aus der Sicht der menschlichen Natur

     

    Die menschliche Natur erstrebt nicht mehr, als ihre eigene Existenz weitgehendst zu bewahren und ihre instinktiven Neigungen zu realisieren. Wenn der erste Entwicklungsschritt des Menschen in der Bildung sozialer Gruppierungen besteht, und wenn er diese Gesellschaften bewahrt, indem er in Übereinstimmung mit ihren Gesetzen agiert und damit in gleichem Maße einen Grad seiner individuellen Freiheit aufgibt, dann geschieht dies für den Gewinn und Nutzen, den er aus einem anderen Teil ziehen kann und durch den er besser für seine natürlichen Erfordernisse und seinen Unterhalt sorgen kann.

    Das erste Ziel der Schöpfung ist das Glück des Individuums; das Glück der Gesellschaft folgt darauf.

     

    Mit anderen Worten liegt der Zweck der Schöpfung in der Vervollkommnung der menschlichen Natur, und diese Vervollkommnung wird im Wesen des Individuums und nicht in seiner Gestalt erreicht. Folglich ist der Mensch für den Erhalt des Individuums auf die Bildung sozialer Gruppen ausgerichtet. Denn damit er den grundlegenden Zweck des Lebens erkennen kann, nämlich Glück und Wohlergehen, ist es notwendig, dass er einem geordneten Lebenssystem folgt, einem System, das zwangsläufig sozial sein muss. Er muss essen, trinken, sich kleiden, schlafen, ruhen, heiraten, Nachkommen zeugen, seine Bedürfnisse erfüllen und mittels des Gebrauchs seines Denkvermögens seinen eigenen Lebensunterhalt sicherstellen.

     

    Die Wirkung der Weltanschauung auf das Handeln des Individuums

     

    Die Form und die Merkmale dieses Ordnungssystems, dem der Mensch in seinem Leben nachfolgt, hängt von seiner Vorstellung von der Natur des Universums und seiner eigenen Natur, die ein untrennbarer Teil des Universums ist, ab. So sehen wir, dass eine Gruppe von Menschen die Existenz eines Schöpfers für die Welt nicht zulässt und sich vorstellt, dass die Welt zufällig entstanden ist, und dass der Mensch nur diese materielle Gestalt ist, die mit der Geburt Existenz erlangt und deren Existenz mit dem Tod endet.

    Diese Menschen organisieren ihre Lebensweise und ihre Regeln für das Leben einzig und allein mit Blick auf die materiellen Bedürfnisse ihrer vorübergehenden irdischen Existenz. Sie folgen einem Weg, der zu nichts anderem führen kann als einem begrenzten materiellen Glück und Wohlergehen.

     

    Andererseits sehen diejenigen, die einen Schöpfer für das Universum anerkennen und glauben, dass die Regelung der Angelegenheiten der Menschen und der Welt in den Händen von „Göttern“ liegt, das Leben des Menschen nicht nur auf diese materielle Existenz begrenzt an. Sie organisieren ihren Lebensstil auf eine Weise, mit der sie die Gunst der Götter anziehen und deren

    Zorn fernhalten wollen, um auf diese Weise Glück im Leben zu erzielen und vor unerfreulichen, aus dem Zorn der Götter resultierenden Ereignissen, sicher zu sein.

     

    Um es noch einmal zu sagen: jene, die die Einheit Gottes akzeptieren und glauben, dass das Universum und alles, was darin ist, von dem Einen Gott beherrscht wird, der Allweise und allmächtig ist, und dass der Mensch mit dem Tod nicht zu existieren aufhört, sondern ein ewiges Leben hat, werden ihr Leben entsprechend gestalten, d. h. mit einem auf die Sicherung der Glückseligkeit in beiden Welten ausgerichteten Blick.

    Es ist somit klar, dass „Religion“ die Organisation des Lebens ist, und dass das nach einem Programm gelebte Leben Religion ist.

     

    Diejenigen, die versuchen, Religion und Leben zu trennen, und die behaupten, dass Religion nur leerer Formalismus sei, liegen völlig daneben. In Anbetracht dessen nennt der Islam den Weg, dem jemand im Leben folgt, „Religion“, wobei er den wahren Weg als „geraden Weg“ und den falschen Weg als den „abgeirrten“ oder „ungeraden“ Weg bezeichnet.

     

    Gott spricht:

    “ … Der Fluch Gottes sei über den Missetätern, die von Gottes Weg abhalten und ihn zu krümmen suchen und nicht an das Jenseits glauben.“ Sure: 7, Verse 44 und 45

     

    Die islamische Weltanschauung

     

    Der Islam gründet auf der Vorstellung, dass die Welt von dem Einen Gott geschaffen wurde, und dass Gott jeden ihrer Teile in Richtung der für diesen jeweiligen Teil typischen Vollkommenheit und Glückseligkeit ausrichtet. Auch der Mensch, der ewiges Leben besitzt, ist auf das für seine Natur wesensgemäße Glück und Wohlergehen ausgerichtet; und dies gewinnt er, indem er dem ihm von Gott aufgezeigten Weg folgt.

    Der heilige Prophet hat seine Botschaft an den natürlichen Menschen gerichtet, d. h. der mit dem menschlichen Wesen und der gottgegebenen ursprünglichen Natur ausgestattete Mensch hat die angeborene Fähigkeit und Eignung, die oben beschriebene Weltanschauung zu verstehen. Die geringste Mahnung lässt ihn auf natürliche Weise verstehen, dass die Welt in ihrer Unermesslichkeit und Größe und ihrem vollkommenen Arrangement und ihrer Ordnung die Schöpfung eines transzendenten Schöpfers ist, dessen unendliches Sein die Quelle jeder Schönheit und Vollkommenheit ist, und der über aller Hässlichkeit und allem Übel steht.

     

    Der Mensch versteht, dass die Schöpfung der Welt und ihrer Bewohner nicht ohne Bedeutung und Absicht ist, dass dem Leben in dieser Welt ein anderes Leben folgt, und dass die guten und schlechten Taten dieser Welt nicht unbeantwortet bleiben werden.

    Und infolgedessen versteht er, dass es eine Lebensweise geben muss, die den Bedürfnissen des Menschen besonders entspricht, und die ihn in die Lage versetzt, seiner eigenen wahren Natur gemäß zu leben.

    Die Wahl des natürlichen und ursprünglichen Menschen zum Objekt der religiösen Botschaft hat mehrere grundlegende Ergebnisse, nämlich Gleichheit, Realismus, Gleichgewicht zwischen dem Materiellen und dem Spirituellen und Wissen und Weisheit.

     

    Das Prinzip der Gleichheit

     

    Die islamischen Lehren treffen auf alle Individuen zu. Es gibt keine Unterscheidung zwischen Schwarz und Weiß, Mann und Frau, Adligen und Bürgerlichen, Reich und Arm, König und Bettler, Starken und Schwachen, Menschen im Osten und im Westen, Gelehrten und Ungelehrten, Alt und Jung oder zwischen denen, die gegenwärtig sind und jenen, die in Zukunft kommen werden, weil sie alle die menschliche Natur und das, was sie im allgemeinen impliziert, miteinander teilen.

    Gleichheit dieser Art ist auf den Islam beschränkt; andere Religionen haben alle in ihrem jeweils eigenen Maß bestimmte diskriminierende Prinzipien. Der Hinduismus unterscheidet z. B. in einer totalen Art und Weise zwischen Brahmanen und Nichtbrahmanen und zwischen Frauen und Männern; im Judentum wird eine Unterscheidung getroffen zwischen den Kindern Israels und den Nichtjuden und im Christentum zwischen Mann und Frau.

     

    Was säkulare Sozialordnungen betrifft, so werden in diesen Staatsbürger eines Landes und Ausländer voneinander unterschieden. Nur der Islam sieht die Menschheit als einheitliches Ganzes an und hat die Prinzipien der Unterscheidung und Diskriminierung entwurzelt.

    O ihr Menschen, Wir haben euch aus Mann und Frau erschaffen und euch zu Völkern und Stämmen gemacht, auf dass ihr einander erkennen möget. Wahrlich, vor Gott ist von euch der Angesehenste,welcher der Gottesfürchtigste ist … “

    Sure: 49, Vers 13

    “ … Seht ich lasse kein Werk der Wirkenden unter euch verloren gehen, sei es von Mann oder Frau; die einen von euch sind von den anderen… “

    Sure: 3, Vers 195

    Das bedeutet gleich ob männlich oder weiblich – alle haben den gleichen Status.

     

    Quelle: www.german.irib.ir