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    Die Spirituelle Dimension des Islam- Von Allamah Tabatab’i (Teil 2)

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    Das Prinzip des Realismus

     

    Angesichts der Tatsache, dass der Mensch mit dem Instinkt ausgestattet ist, die Realität zu suchen und zwischen dem Wahren und dem Falschen zu unterscheiden,

    basieren die vom Islam niedergelegten Gesetze und Gebote auf einer entsprechenden realistischen Sicht der Dinge.

     

    Diese kann wie folgt erklärt werden:

    Obgleich der Mensch in seiner natürlichen Aktivität durch Gefühle und Emotionen zu seinen vitalen Zielen angespornt wird, bricht er in Wirklichkeit zu wahren Zielen auf, nicht zu Illusionen und Trugbildern. Das neugeborene Baby, das vor Hunger schreit, will richtige Milch und nicht die Illusion von Milch; es schreit aus richtigem Hunger, nicht aus Einbildung oder Phantasie. Jedes Individuum, das auf dem Weg der Erreichung seiner eigenen Interessen strebt, erstrebt seine eigenen wahren Interessen und nicht deren geistige Vorstellungen. Wenn Gefühle und Emotionen dem Menschen bestimmte Bedürfnisse aufzeigen und ihn (ohne in der Lage zu sein, seine wahren besten Interessen in Betracht zu ziehen) zu bestimmten Zielen anspornen ist es gleichermaßen der Verstand, der diese Emotionen nutzt und modifiziert und dem Menschen zeigt, was in Wirklichkeit das Gute und das Schlechte und das Richtige und das Falsche seiner Handlungen ist.

     

    Es ist darüber hinaus der Verstand, der dem Kranken verbietet, schädliche Nahrung zu sich zu nehmen, obwohl er sie zu essen wünscht; es ist der Verstand, der den Menschen davon abhält, gefährliche Handlungen zu begehen, wenngleich ihn dies eines großen Teils seiner Handlungsfreiheit beraubt; es ist der Verstand, der die einzige Überlegenheit des Menschen gegenüber anderen Tieren und seine wichtigste Fähigkeit, zur Unterscheidung des Wahren vom Illusorischen, darstellt.

    Die vom Propheten des Islam überbrachten Gesetze und Gebote basieren auf einer realistischen Sicht der Dinge, nicht auf den Launen und Vorlieben von Menschen; dies bedeutet, dass der Mensch die Handlung ausführen muss, die zu tun er Lust hat, die aber nicht mit seinen wahren Interessen übereinstimmt.

     

    Mit der religiösen Gemeinschaft verhält es sich ebenso: sie muss erreichen, was wahrhaft ihrem besten Interesse entspricht und was mit ihrer Glückseligkeit übereinstimmt, wenngleich diese Handlung im Gegensatz stehen kann zu ihren Wünschen; sie muss nicht die Handlung durchführen, die der Wunsch der Mehrheit ihrer Mitglieder ist, die aber im Gegensatz zu ihren wahren Interessen steht. In der Sprache des Heiligen Qur’an wird das, was mit der Wirklichkeit oder mit dem besten Interesse des Menschen übereinstimmt, „die Wahrheit“ (al- haqq) genannt. Sie ist das einzige Ziel, auf das der Mensch sein Bemühen ausrichten und nach dem er streben muss.

     

    Der Qur’an sagt:

    “ … Was sollte also nach der Wahrheit (übrig) bleiben als der Irrtum? … “

    Sure: 10, Vers 33

    „Und wenn die Wahrheit sich nach ihren Begierden gerichtet hätte, wahrlich, die Himmel und die Erde und wer darin ist, wären in Unordnung gestürzt worden … “

    Sure: 23, Vers 7

     

    Ein Mandelkern, der bei den notwendigen Bedingungen in die Erde gesteckt wird, wird nach einigen wenigen Tagen seine Schale aufbrechen und aus seinem Kern werden ein grüner Sprössling und einige Wurzeln hervorsprießen, die in verschiedene Richtungen vordringen; mittels der Wurzeln wird der Sprössling fortdauernd Nahrung aus der Erde ziehen, ständig wachsen und sich entwickeln und letztlich wird er ein ausgewachsener Mandelbaum mit Stamm, Zweigen, Blättern, Blüten und Früchten.

    Ein Tierjunges wird die seiner Spezies eigene Form und Gestalt annehmen und durch die Aktivitäten, die seiner Art entsprechen, wird es Tag für Tag größer und vollkommener werden, bis es die Grenze seiner Vervollkommnung erreicht. Wenn wir auf die gleiche Art und Weise alle Geschöpfe der Welt eins nach dem anderen untersuchen, wird vollkommen deutlich werden, dass es für jedes von ihnen einen ihm eigenen Weg gibt, auf dem er die Grenze seiner eigenen Vollkommenheit erreicht, und dass es vom ersten Tag seiner Existenz an von seinem Endziel angezogen wird.

     

    In seiner Entwicklung geht es niemals in die Irre, noch ändert es seine Richtung, so dass sich z. B. eine Mandel zu einem Pferd entwickeln könnte oder ein Pferd abends schlafen gehen und am nächsten Morgen als Mandelbaum erwachen könnte. Vielmehr wird jedes Geschöpf mittels der Schöpfung selbst zu seinem Endziel geführt, und beim Durchlaufen dieser Entwicklung verfällt es niemals einem Irrtum.

    Der Weg, der für jedes Individuum erklärt wurde, und zu einem Endziel führt, stimmt mit den seiner eigenen Natur gegebenen Mitteln und Möglichkeiten überein. Diese Mittel gestatten es ihm, das Nützliche positiv aufzunehmen und das, was schädlich ist und seine Existenz bedroht, zurückzuweisen. Hühner picken Körner, Schafen und Rindern wird Viehfutter zu Fressen gegeben, und Wölfe, Leoparden und Falken jagen Wild, denn sie alle haben besondere Verdauungssysteme, die nur für bestimmte Nahrungssubstanzen geeignet sind. Auf die gleiche Weise verteidigen sich Vögel mit ihren Schnäbeln, Schafe und Rinder mit ihren Hörnern, Skorpione und Bienen mit ihren Stacheln, Löwen und Leoparden mit ihren Zähnen und Klauen, und Hirsche im Kampf, denn genau das ist die defensive Ausrüstung eines jeden von ihnen.

     

    Zusammenfassend gesagt bewegt sich jedes dieser Geschöpfe in seinem Leben auf ein bestimmtes Ziel und einen bestimmten Zweck zu. Es vollbringt Handlungen, bei denen es von der seiner Existenz gegebenen Ausstattung geleitet wird. Diese Führung und Bestimmung ist die gleiche allgemeine Rechtleitung und Bestimmung auf die der Qur’an Bezug genommen und die er dem Schöpfer zugeschrieben hat:

    “ … Unser Herr ist Der, Der jedem Ding seine Schöpfungsart gab, alsdann es zu seiner Bestimmung führte.“

    Sure: 20, Vers 50

    „Der erschaffen und geformt hat, Der bestimmt und leitet.“

    Sure: 87; Verse 2 und 3

     

    Offensichtlich ist auch der Mensch, der eine Schöpfungsart ist, keine Ausnahme von dieser allgemeinen Regel. Seine natürliche Veranlagung und sein Charakter zeigen ihm den Weg, den er im Leben einschlagen sollte, und machen ihn aufmerksam auf die Pflichten und Verantwortungen, die er erfüllen muss:

    „Woraus hat Er ihn erschaffen? Aus einem Tropfen hat Er ihn erschaffen und gebildet. Dann ermöglicht Er ihm den Ausgang.“

    Sure: 80, Verse 18-20

     

    Das Nachdenken über diese Punkte und unsere vorausgegangene Diskussion wird zeigen, dass das Ergebnis von beiden Diskussionen das gleiche ist, nämlich dass richtige Taten und Handlungen (d. h. jene, die mit dem wahren Interesse des Menschen übereinstimmen und die er mittels seines Instinkts, zwischen dem Wahren und dem Unwahren unterscheiden zu können, auswählen muss) genau die gleichen Handlungen sind, zu der sein Wesen ihn mit seiner eigenen besonderen Ausstattung leitet. Aus diesem Grund wird der Weg, zu dem der Heilige Qur’an den Menschen einlädt, und den er als „die Religion der Wahrheit“ bezeichnet hat, vom Qur’an selbst als die natürliche und angeborene Religion bezeichnet, die von der Schöpfung selbst geformt wurde:

    „So richte dein Antlitz in aufrichtiger Weise auf den Glauben; (dies entspricht) der natürlichen Veranlagung, mit der Gott die Menschen geschaffen hat. Es gibt keine Veränderung an Gottes Schöpfung. Das ist der beständige Glaube … “ Sure: 30, Vers 30

    „Und bei einer (jeden menschlichen) Seele und bei Dem, Der sie gebildet und ihr den Sinn für ihre Sündhaftigkeit und für ihre Gottesfurcht eingegeben hat! Erfolgreich ist derjenige, der sie rein hält; und versagt hat derjenige, der sie verkommen lässt!“

    Sure: 91, Verse 7-10

     

    Weil die Schöpfung das Werk Gottes ist und weil jede Art von Schönheit und Angemessenheit, die in ihr beobachtbar ist, das Ergebnis seiner Gnade ist, wird von einer anderen Sichtweise betrachtet das, was der menschlichen Natur angemessen ist,  insofern es die Handlungen bestimmt, die der Mensch verrichten muss, als „der Wille“ Gottes bezeichnet.

    Das ist natürlich der Wille Gottes, da er nicht nur Gesetze bestimmt, sondern den Menschen bei seinen Handlungen leitet und ihn weiterhin für diese Handlungen verantwortlich macht, al-iradah al-tasrt’iyyah. Das ist nicht das gleiche wie der generative Wille Gottes, al-iradah al-takwiniyyah, der niemals verletzt oder missachtet werden kann.)

     

    Gleichermaßen werden die Pflichten und Regeln, die aus dem resultieren, was der Natur des Menschen entspricht, die Gebote und Verbote Gottes genannt. Der Qur’an sagt:

    „Und dein Herr erschafft, was Er will, und erwählt, was Ihm gefällt. Nicht ihnen steht die Wahl zu … “

    Sure: 28, Vers 68

     

    Da die Religion des Islam aus Pflichten und Geboten von Gott, dem Schöpfer, besteht, und weil die Person, die diese doktrinären und praktischen Anweisungen befolgt, sich dem Willen Gottes unterworfen hat, wird diese Religion in der Sprache des Heiligen Qur’an „Islam“, d. h. Unterwerfung“ oder „Ergebung“ genannt:

    “ Wahrlich, die Religion bei Gott ist der Islam. “

    Sure: 3, Vers 19

    „Und wer eine andere Religion als den Islam begehrt: nimmer soll sie von ihm angenommen werden.“

    Sure: 3, Vers 85

     

    Quelle: www.german.irib.ir